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Jörg M. Fegert, Ute Ziegenhain (Hrsg.): Hilfen für Alleinerziehende

Cover Jörg M. Fegert, Ute Ziegenhain (Hrsg.): Hilfen für Alleinerziehende. Die Lebenssituation von Einelternfamilien in Deutschland. Beltz Votum (Weinheim, Berlin, Basel) 2003. 312 Seiten. ISBN 978-3-407-55996-8. 27,90 EUR.

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Thema des Buches

Alleinerziehende sind in Deutschland leider auch heute noch allzu oft auf Hilfen angewiesen. Trotzdem sich diese Lebensform sehr unterschiedlich darstellt, ist fast allen in ihr lebenden Frauen und Männern (und Kindern) eines gemeinsam: Es fehlt - grob vereinfacht - an Geld und an Zeit.

Dieses Buch beinhaltet die Kongress-Dokumentation einer Tagung von Sachverständigen zur "Vernetzung institutioneller Hilfen für Alleinerziehende" - veranstaltet am 7. und 8. März 2002 in Kooperation des BMFSFJ mit der Universität Ulm. Vernetzung teils bestehender, teils neu zu entwickelnder Angebote soll - angesichts leerer Haushaltskassen aller Orten - die Situation Alleinerziehender im Ganzen berücksichtigen, um so Hilfen gebündelt und konzentriert anbieten zu können - so wenig wie möglich, so viel (und so erfolgreich) wie nötig!

Die AutorInnen

Ziel der Tagung 2002 war ein interdisziplinärer Austausch zu soziologischen, entwicklungspsychologischen, kinderpsychiatrischen und sozialrechtlichen Aspekten dieser Familienform mit Fachleuten aus der Praxis der Jugend- und Familienhilfe, aus Selbsthilfeverbänden, aus Wissenschaft und Forschung. Das klingt nicht nur vielfältig - das Buch belegt dies auch: 23 Autorinnen und Autoren kommen zu Wort - jede und jeder von Ihnen auf die ein oder andere Art und Weise verbunden mit dem Thema - als Kinder- und JugendpsychiaterIn, als SoziologIn, als Verantwortliche eines Hamburger Modellprojektes, als VAMV-Mitarbeiterin, als Betroffene - und das sind nur einige der vertretenen Bereiche.

Interdisziplinarität "at its best".

Aufbau und Inhalt

Fünf Abschnitte gliedern dieses Buch und verhindern so, dass die Leserin / der Leser den Überblick verliert angesichts der Unterschiedlichkeit der Aspekte, die angesprochen werden.

So unterschiedlich wie die oben erwähnten Autoren /Autorinnen, so unterschiedlich sind die unter diesen Oberbegriffen zusammengefassten Beiträge.

Die fünf Abschnitte lauten im einzelnen:

1 - Probleme und Koordinierung interdisziplinär angelegter Hilfen

Alleinerziehen als Lebensform zwischen Privatheit und Institution - wie jede andere Familienform auch und doch von anderen unterschiedlich - besonders hinsichtlich ihres z. T. spezifischen Bedarfes an Hilfen und Beratungsangeboten. Die ersten vier Beiträge befassen sich mit eben dieser Einbindung aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

2 - Soziologische und rechtliche Grundlagen

Alleinerziehen - eine höchst heterogene Lebensform. In den folgenden drei Beiträgen wird versucht, sich dieser Heterogenität anzunähern aus soziologischem und sozialrechtlichem Blickwinkel wie auch mit Blick auf den Zusammenhang von Häuslicher Gewalt und Umgang nach Trennung und Scheidung.

3 - Normale und belastete psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Kontexten von Einelternfamilien

Diese beiden Beiträge befassen sich aus der Perspektive der betroffenen Kindern und Jugendlichen mit dem Thema - unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten und deren Kontexten.

4 - Allein erziehen - (nicht) allein gelassen

Sieben Beiträge, die sich mit unterschiedlichen Hochrisikogruppen innerhalb der Gruppe der Alleinerziehenden befassen sowie mit den für diese Gruppen relevanten Unterstützungsangeboten. Dabei werden sowohl die Gruppe der jugendlichen Mütter wie auch psychisch erkrankte Mütter näher betrachtet. Schwerpunkt aller Beiträge ist der Bezug zur Praxis sowie die Einbindung in bestehende Hilfestrukturen.

5 - Verbandsarbeit

In diesen letzten drei Beiträgen werden exemplarisch wesentliche Aufgaben und Tätigkeiten der Verbandsarbeit von und für Einelternfamilien vorgestellt sowie bürokratische Hindernisse eindrücklich dargestellt.

Alle Beiträge belegen mit ihrem je eigenen Aspekt die Vielfältigkeit dieser Lebensform wie auch ihrer Auswirkungen - z.T. wissenschaftlich aktuell belegt durch entsprechend durchgeführte Studien.

Zielgruppe

Die Zielgruppe einer Tagungsdokumentation besteht sicherlich immer erstrangig aus den TeilnehmerInnen der Tagung mit dem Ziel der Fixierung des Gehörten - es lebe das geschriebene Wort!

Weiterhin werden unterschiedlichste Verbände, die mit Alleinerziehenden mehr oder weniger umgehen (welcher Verband tut das nicht heutzutage angesichts der Verbreitung dieser Lebensform), gut daran tun, dieses Buch zu kennen, um bei Bedarf auf entsprechende Informationen zurückgreifen bzw. darauf aufbauen zu können.

Interessant sind die Erwähnungen einiger aktueller Studien zum Thema, mit denen sich der ein oder andere Autor/ die Autorin eingehender befasst hat und deren (Teil-)Ergebnisse in aller Kürze in diesem Band vorgestellt werden.

Fazit

Eine gelungene Bestandsaufnahme vielfältiger Aspekte der Lebenssituationen Alleinerziehender in Deutschland - sicherlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit aller denkbaren Bereiche, aber mit einer beeindruckenden Variationsbreite von Themen. Trotzdem im Buch immer wieder die Heterogenität dieser Lebensform betont wird, vermittelt der Untertitel des Buches, dass es "eine bzw. sogar die Lebenssituation" (leider nicht im Plural) Alleinerziehender gäbe. Spätestens nach Lektüre des Bandes ist jedem Leser/ jeder Leserin jedoch klar, gerade "die Situation" gibt es nicht - aber ein Einblick bleibt zurück, was alles die unterschiedlichen Situationen bedingen und beeinflussen kann und wo sich Ansatzpunkte bieten, trotz leerer Haushaltskassen, Hilfen wirksam zu bündeln!


Rezensentin
Dipl. Soz.-Päd. Claudia Haider
Kreissozialamt Mettmann, Regionalstelle Frau & Beruf
Schwerpunkte: Frauen in Erwerbsarbeit und Familienarbeit, Berufswahlorientierung für Mädchen
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Zitiervorschlag
Claudia Haider. Rezension vom 02.12.2003 zu: Jörg M. Fegert, Ute Ziegenhain (Hrsg.): Hilfen für Alleinerziehende. Beltz Votum (Weinheim, Berlin, Basel) 2003. 312 Seiten. ISBN 978-3-407-55996-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1007.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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