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Norbert Copray: Fairness. Der Schlüssel zu Kooperation und Vertrauen

Cover Norbert Copray: Fairness. Der Schlüssel zu Kooperation und Vertrauen. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2010. 240 Seiten. ISBN 978-3-579-06758-2. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 34,90 sFr.

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Zu dem Titel liegt eine Leseprobe vor.

Autor

Copray ist Berater und Coach von Führungskräften und Organisationen, und hat im Jahr 2000 die gemeinnützige Fairness-Stiftung gegründet, deren Direktor er ist.

Aufbau

  1. Teil 1 widmet sich unter dem Titel „Die Fairness-Intuition“ der Frage, wie Fairness und Unfairness wahrgenommen werden können.
  2. Im Teil 2 „Das Fairness-Fiasko“ geht es um die Möglichkeiten, Unfairness durchschauen zu können,
  3. im Teil 3 „Die Fairness-Falle“, um Prozesse der Entstehung von Unfairness.
  4. „Die Fairness-Kompetenz“ im Teil 4 behandelt ähnlich wie
  5. „Die Fairness-Professionalität“ im Teil 5die notwendigen Fähigkeiten zur Praktizierung von Fairness sowie die Strategien ihrer Entwicklung.
  6. Teil 6, „Das Fairness-Ethos“ behandelt den weiteren Ideologisch-gesellschaftlichen Hintergrund.

Inhalt

Ausgangspunkt sind zwei widersprüchliche Thesen: Fairness ist selbstverständlich, und: Fairness ist unmöglich. Fairness ist gleichzeitig ein Grundprinzip unseres Rechtsstaates sowie ein zentraler Wert der Europäischen Gemeinschaft. Der Autor argumentiert, dass Fairness ein praktikables Prinzip, eine umsetzbare Orientierung ist, das wenig mit Freundlichkeit oder bloßem Nett-Sein zu tun hat, sondern als deutliches, konsequentes und z.T. hartes Verhalten zu sehen ist.

Fairness als aktiv gelebtes Prinzip ist deswegen wichtig, weil Eigennutz im Gegensatz zu neoliberalen Dogmen nicht automatisch „wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert“ Gemeinnutzen erzielt, z.B. hungern gegen Ende der globalen Wirtschaftskrise 90 Millionen Menschen mehr als zuvor. S. 19 Die Versprechen neoliberaler Wirtschaft wurden also bislang nicht eingelöst und neben Einzelpersonen gingen auch Staaten geschwächt aus der Finanzkrise der letzten Jahre hervor.

Der Ökonom und Nobelpreisträger Reinhard Selten nimmt an, dass mindestens 40 Prozent der Menschen fair sind, selbst wenn sie für unfaires Verhalten nicht bestraft werden. Ernst Fehr schätzt, dass ca. 15 Prozent der Menschen nicht kooperationswillig- oder fähig sind. Die mit dem Fairness-Wissenschaftspreis ausgezeichnete Studie von Stefan Machura „Fairness und Legitimität“ konnte nachweisen, dass faires Verhalten von Entscheidern auch dann zu Akzeptanz führt , wenn sie für Einzelpersonen Nachteile bringt.

Die meisten Experimente und Forschungsergebnisse der Spieltheorie und der experimentellen Wirtschaftswissenschaften begründen eine Art Fairness-Intuition, diese ist als Garant für gelebte Fairness-Praxis allerdings nicht ausreichend, sondern diese braucht eine bewusste, kompetent auf Fairness gerichtete Praxis.

Besonders weitreichend ist Unfairness in Form von unfairen Strukturen oder Werten in Organisationen oder anderen Sozialsystemen. Unfairness entsteht oft schleichend – jene die sie früh mitbekommen werden nicht gehört. Oft spielen dabei systemische Eigendynamiken eine Rolle, aufgrund derer sich aus vielen kleineren Verstößen gegen die Fairness eine unfaire Organisationskultur entwickelt – die Fairness-Falle.

Als eine Möglichkeit, Unfairness zu erkennen, wird das Unfairness-Dreieck vorgestellt. Dieses lenkt die Aufmerksamkeit neben den ursprünglichen Akteuren auch auf unfaire „Beistände“ – also Dritte, die zu der Entwicklung beitragen – sowie auf die Rolle der von Unfairness Getroffenen und weiters auch auf die rasche Veränderung dieser Rollen.

Fairness-Professionalität bedeutet ein sehr bewusstes faires Handeln sowie eine gelebte Fairness-Praxis und ist, insbesondere in Führungssituationen eine Herausforderung und notwendige „Disziplin“ – ein Fazit des Autors diesbezüglich lautet, dass professionelle Führung generell fair sein muss und auch langfristig erfolgreiche Führung die Prinzipien der Fairness einhalten muss.

Diskussion

Ich finde das Buch durchdacht, inhaltlich überzeugend und sinnvoll. Allerdings könnte man es auch auf ein Drittel seines Umfanges kürzen – wenn man einfach die Inhalte verstehen möchte, dann ist es etwas mühsam, sich durch den engagierten, fast etwas manipulativ-populistischen, sehr redundanten und damit weitschweifigen Überzeugungsstil zu kämpfen. Zum Teil ist die Aussagekraft einzelner Aussagen nicht klar bzw. theoretisch absolut unsinnig, wie etwa, dass sich organisierte Unfairness am wahrscheinlichsten in sozialen Situationen, Systemen und Organisationen entwickle. (S. 59) Wo sonst? Das Buch ist dennoch anregend zu lesen. Inhaltlich kann man zustimmen, insbesondere in seinen Bezügen auf aktuelle Entwicklungen der politischen Ideologie – dem neoliberalistischen Vertrauen auf individuellen Egoismus – und deren gesellschaftliche Konsequenzen. Das Thema ist jedenfalls höchst wichtig und aktuell und die vielen Beispiele, die der Autor bringt, sind sehr bereichernd.

Fazit

Das Buch ist empfehlenswert für all jene, die sich in der Unternehmenspraxis, in Bezug auf politische Entwicklungen oder persönlich mit dem Thema Fairness auseinandersetzen.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 20.12.2010 zu: Norbert Copray: Fairness. Der Schlüssel zu Kooperation und Vertrauen. Gütersloher Verlagshaus Verlagsgruppe Random House GmbH (Gütersloh) 2010. 240 Seiten. ISBN 978-3-579-06758-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10089.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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