Mathias Stübinger, Bernd Lieber u.a.: Personalmanagement
Mathias Stübinger, Bernd Lieber, Werner Reiners-Kröncke: Personalmanagement. Fortis Verlag (Troisdorf) 2003. 184 Seiten. ISBN 978-3-933430-64-9. 21,60 EUR.
Sozialmanagement Band 4.
Einführung in das Thema
Es besteht kein Zweifel daran - Soziale Arbeit nimmt in unserer Gesellschaft einen immer breiteren Raum ein: von der Kinder- und Jugendhilfe bis zur Altenarbeit. Die Veränderung der Gesellschaft führt dazu, dass gerade hier neue Arbeit entsteht, die der der klassischen Industriegesellschaft kaum noch ähnelt. Vielfältig sind die Begriffe, die diesen Arbeitsbereich zwischen Familie und klassischem Beruf umschreiben: von der Non-Profit-Organisation (NPO), dem dritten Sektor oder vom Sozialmanagement ist je nach Blickwinkel die Rede. Die Autoren machen sich zu recht erst gar nicht die Mühe, diese Begriffe zu differenzieren, sondern benutzen sie weitgehend synonym.
Ihr Ansatz geht richtigerweise davon aus, dass das Bewusstsein für Management in diesen NPOs gerade erst entsteht, vielfach noch ein Widerspruch zwischen "kühlem" Managen und "empathischen" Annehmen der Klientel gesehen wird. Dabei müsste auch dem letzten Bürger angesichts der Debatte um Renten- und Gesundheitsreform klar geworden sein, dass soziale Arbeit sich betriebswirtschaftlichen Strukturen gar nicht mehr verschließen kann, wenn sie bezahlbar bleiben soll. Als 4. Band in der Reihe Sozialmanagement - Vorläufer sind Bände zu Zielfindung und Problemlösung, Zeitmanagement und Organisationsstrukturen - ist jetzt Personalmanagement erschienen. Gleichbleibende Elemente aller Bände sind die praxisnahe Darstellung der Inhalte sowie Checklisten und ähnliches, die von einer CD-ROM herunter geladen werden können. Damit ist dem Anspruch Genüge getan, ein Art Handbuch mit unmittelbar umsetzbaren Hilfsmitteln zu erhalten.
Das Thema selbst kann nur als aktuell und spannend bezeichnet werden. Betrachtet man die personalwirtschaftliche Literatur, so speist sie sich zu einem großen Teil aus US-amerikanischen Quellen, die sich kaum auf die Anforderungen der NPO anwenden lassen. Und auch die deutschen Lehrbücher orientieren sich, wenn sie sich von den amerikanischen Vorbildern lösen, vor allem an der klassischen Industrie. Insofern ist allein schon der Versuch, sich den Besonderheiten des Personalwesens in NPOs zu widmen, aller Achtung wert.
Aufbau und Inhalte
Betrachtet man die drei inhaltlichen Kapitel von "Personalmanagement" (Kapitel 2 - 4), so fällt zunächst die ungewöhnliche Vorgehensweise auf. Wissenschaftlicher Rahmen ist nicht - wie zu erwarten - die Betriebswirtschaftslehre, sondern ein Verständnis von Personalmanagement als System und Verhaltenssteuerung. Am ehesten noch lässt sich dieser Ansatz mit Waldemar Kropps "Systemischer Personalwirtschaft" vergleichen, der sich deutlich vom derzeitigen personalwirtschaftlichen Mainstream unterscheidet. Im Prinzip ist ein solcher Ansatz zu begrüßen, da er die interdisziplinäre Zusammenarbeit weit eher ermöglicht als ein dominant betriebswirtschaftlicher Ansatz.
Im Kapitel 3, dem quantitativem Schwerpunkt, findet man dann jedoch weitgehend bekannte Instrumente der Personalarbeit wieder. Zudem sind diese, wie auch die anderen Kapitel, weitgehend nur deskriptiver Natur, eine Auseinandersetzung in wissenschaftlicher Hinsicht oder die Reflexion mit den Arbeitsbedingungen im dritten Sektor erfolgt nur selten. Während das Fehlen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung noch zu verschmerzen ist - schließlich steht die Praxisorientierung im Vordergrund -, hätte man den Autoren etwas mehr Mut gewünscht, ihren Ansatz an den Besonderheiten des Sozialmanagements auszurichten. Dieses gilt auch für die Führungsmodelle des Kapitels 4, die weitgehend die bekannten - und umstrittenen - Management by-Konzepte referieren.
Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Mit dem Band 4 Personalmanagement ist ein erster Versuch unternommen worden, Personalarbeit unter den Besonderheiten der Sozialwirtschaft darzustellen. Dieses verdient einen besonderen Respekt, da zumindest dem Ansatz nach auf die bekannte Übertragung der Modelle aus der Großindustrie verzichtet wurde. Auch die interdisziplinäre Vorgehensweise erscheint angesichts der Komplexität der NPO die einzig mögliche. Wie schwierig es ist, sich von den traditionellen Ansätzen zu lösen, zeigen die Inhalte. Denn oft haben die Autoren Altbekanntes anstelle der Entwicklungen, die es in der Praxis durchaus gibt, dargestellt. Für eine Neuauflage, die dem Buch zu gönnen ist, sollten die klassischen Instrumente der Personalarbeit um neue, praxisrelevante Modelle ergänzt werden. Personalplanung ist dann nicht nur Individual- und Kollektivplanung, sondern erfolgt auch unter den Besonderheiten von AVR und BAT, von Budgets, Kostengenehmigungsverfahren und unterschiedlichen Finanzierungsquellen.
Fazit
Insgesamt gilt, dass für Studierende - und diese sind ja die primäre Zielgruppe - das Buch bereits in der vorliegenden Form einen kompakten Überblick über die wichtigsten Instrumente der Personalwirtschaft und der Personalführung bietet. Das Ziel, ein handlungsrelevantes Wissen auch für Praktiker bereit zu stellen, kann durch die gute Übersichtlichkeit, die Materialien und Beispiele als erreicht angesehen werden.
Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 14.10.2003 zu: Mathias Stübinger, Bernd Lieber, Werner Reiners-Kröncke: Personalmanagement. Fortis Verlag (Troisdorf) 2003. 184 Seiten. ISBN 978-3-933430-64-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1021.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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