Walter Schär, Heiner Laux (Hrsg.): Pflegeinformatik in der klinischen Praxis
Walter Schär, Heiner Laux (Hrsg.): Pflegeinformatik in der klinischen Praxis. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. 200 Seiten. ISBN 978-3-437-26780-2. 49,95 EUR.
Hintergrund und Thema des Buches
Zunehmend gewinnt die Informationstechnologie Einzug in den Pflegealltag. Ob als integraler Bestandteil einer elektronischen Patientenakte im Krankenhaus oder aber bei der Erstellung von Dienstplänen. Materialbestellung, Apothekenwesen und Intranets mit hinterlegten Standards, Dokumenten und Informationen sind noch lange nicht vollständig etabliert, aber auch in diesen Bereichen gibt es bereits zahlreiche Lösungen auf dem Markt. Bedingt durch die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens und durch erhöhte Ansprüche an Leistungsdaten und Leistungsberechnung, wird dieser Trend weiter anhalten. Hinzu kommt die zunehmende Bedeutung der Abbildung der Prozesse und Ergebnisse vor dem Hintergrund juristischer Absicherung. Das prozesshafte Vorgehen der Pflege praktikabel und umfassend abzubilden, ist indes immer noch eine Herausforderung für Anwender, Entwickler und Programmierer. In den frühen Jahren der Entwicklung wurde der Fokus eher auf das Abrechnungswesen und die Medizin gelegt und die Pflegeinformatik ist lange ein Stiefkind der Beobachtung gewesen. Pflegeinformatik kann mittlerweile als eigener Studiengang belegt werden und es existieren Fachweiterbildungen, um EDV-Beauftragte für die Umsetzung und Beratung zu qualifizieren. Das Buch greift also ein aktuelles Thema auf, in dem Handlungsbedarf besteht und das zunehmend Beachtung findet. Jenseits von fachwissenschaftlichen Diskussionen und Kenntnissen über Datenbanken und Programmierung, versucht dieses Buch Hintergründe, aktuelle Trends, Möglichkeiten und Grenzen im derzeitigen Einsatz aufzuzeigen. Damit orientiert sich dieses Buch an den Kenntnissen, die Entscheider über die Einführung verschiedenerer Systeme und praktisch Arbeitende benötigen.
Zu den Autoren
Insgesamt fünf namenhafte Autoren haben die Beiträge des Buches verfasst. Birgit Etzel und Peter König von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg sind vor allem bekannt durch Publikationen und Kongressbeiträge im Bereich der Pflegediagnostik und Pflegeklassifikationen. Prof. Manfred Haubrock ist lehrend tätig an der Fachhochschule in Osnabrück und dort verantwortlich für den Bereich der Krankenhausbetriebswirtschaftslehre. Heiner Laux ist Mitglied der Geschäftsführung von Hinz-Organisation in Berlin und seit Jahren als Produktentwickler für elektronische Pflegedokumentation tätig. Prof. Walter Schär war am Institut für Medizin- und Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin tätig.
Aufbau und Inhalt des Buches
Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert. Zunächst wird in einem einführenden Teil die grundsätzliche Bedeutung der Informationstechnologie im Gesundheitswesen herausgearbeitet und insbesondere die Pflegedokumentation thematisiert. Das anschließende Kapitel widmet sich den Grundlagen der Informatik in Medizin und Pflege und stellt den derzeitigen Stand der Entwicklung von Krankenhausinformationssystemen vor. Dabei wird auch auf die Gründe für die nur langsam voranschreitenden Entwicklungen und Verbreitungen eingegangen. Im dritten Kapitel wird die Bedeutung und Notwendigkeit des Controlling im Rahmen der Dokumentation und Informatik besprochen. Fokus ist vor allem die Frage danach, wie erfasste Daten aufbereitet werden müssen, um für das Unternehmen und die Berufsgruppen nutzbar zu sein. Daneben wird beschrieben, welche unterschiedlichen Arten des Controllings es gibt und an welcher Stelle ein Controller im Unternehmen tätig sein sollte, um operativ und strategisch arbeiten zu können. Dieses Kapitel bietet eine gute Übersicht über managerielle Kernfragen der Leistungsverrechnung und Datenaufbereitung sowie managerielle Fragen der Organisation. Das vierte Kapitel beschreibt vor allem derzeit diskutierte und vorhandene Lösungen der Leistungsbeschreibung der Pflege. Dabei werden Programme und Entwicklungen aus dem In- und Ausland vorgestellt und tabellarisch in einen Überblick gebracht. Ein besonderer Fokus wird bei der anschließenden Analyse auf die Schweizer Methode Leistungserfassung in der Pflege (LEP) gelegt. Das fünfte Kapitel wiederum geht einen Schritt zurück von der konkreten Instrumentenbesprechung hin zu grundsätzlichen Fragen des "was" eigentlich erfasst werden soll im Gegensatz zum "wie" etwas erfasst werden soll. Theoretische Grundlagen des Denkens über Pflege haben einen erheblichen Einfluss darauf, was in eine elektronische Dokumentation oder in einen Verlaufsbericht an Begriffen und Dimensionen einfließt und welche Aspekte erfasst werden müssen. In sehr kurzer und komprimierter Form werden die wesentlichen Vertreter pflegetheoretischer Schulen behandelt und ihre Sichtweise pflegerisch bedeutender Aspekte skizziert. Das anschließende sechste Kapitel zeigt auf, welche Bedeutung Standards, Leitlinien und Klassifikationen für die Erstellung eines normierten Datenkatalogs haben. An dieser Stelle werden zentrale Begriffe wie "Pathways", "Crossmapping" oder aber internationale Standards der Datensammlung genauer erläutert. Das abschließende siebte und anteilmäßig umfangreichste Kapitel zeigt dann anhand zahlreicher Abbildungen verschiedene Lösungen von unterschiedlichen Anbietern auf und bespricht die Anwendungsmöglichkeiten. Dabei geht es neben der Darstellung von unterschiedlichen Planungsmodulen der Pflege und Pflegeverlaufsberichten auch um managerielle Daten, wie Leistungsdaten der Pflege. Hier wird an das vierte Kapitel angeschlossen und es werden vor allem Auswertungen der Managementmethode LEP vorgestellt. Dienstplanprogramme und die Grundlagen deren Anwendung runden das Kapitel ab. Im Anhang befindet sich eine Liste vieler Softwareanbieter, die Lösungen für den Markt anbieten.
Zielgruppen
Das Werk richtet sich vor allem an diejenigen, die sich einführend mit dem Themenbereich der Pflegeinformatik beschäftigen wollen. Es stellt anwendungsbezogene Fragestellungen heraus und eignet sich so auch für Praktiker. Der Zielgruppe angemessen ist auch die verständliche Sprache des Buches.
Fazit
Den Autoren gelingt es, anwendungsorientierte Fragestellungen in den Vordergrund zu stellen, ohne Grundlagenfragen zu vernachlässigen. Kompetent und doch verständlich werden in den Texten einführende und vertiefende Gedanken dargelegt und so das Feld der elektronischen Dokumentation in der Pflege beleuchtet. Praxisnahe Beispiele und zahlreiche Abbildungen zeigen vor allem den Stand der derzeitigen Umsetzung verschiedener Anbieter auf. Leider erfolgt keine Differenzierung der Bedingungen und Inhalte pflegerischer Dokumentationen in den verschiedenen Handlungsfeldern der Pflege. Ambulante Dienste haben andere Anforderungen als stationäre Altenpflegeeinrichtungen oder aber Krankenhäuser. Wünschenswert gewesen wäre auch ein Kapitel über die notwendigen Vorarbeiten der Implementierung oder aber ein Praxiskapitel über eine beispielhafte Implementierung einzufügen. Gerade diese Fragestellungen und die nach den zu schaffenden Ressourcen ist von hoher Praxisbedeutung. Hervorzuheben und ein Highlight des Buches ist jedoch der Serviceteil, in dem die Adressen vieler relevanter Anbieter zu finden sind. Diese müssen sonst mühsam zusammengetragen werden.
Rezensent
Prof. Dr. Michael Isfort
Dipl. Pflegewiss.
Katholische Hochschule (KatHO) NRW, Köln
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Zitiervorschlag
Michael Isfort. Rezension vom 20.01.2004 zu: Walter Schär, Heiner Laux (Hrsg.): Pflegeinformatik in der klinischen Praxis. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. 200 Seiten. ISBN 978-3-437-26780-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1026.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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