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Helga Germeshausen: Aus dem Leben eines Krankenpflegers

Cover Helga Germeshausen: Aus dem Leben eines Krankenpflegers. 1898 bis 1963. Triga Verlag (Gründau-Rothenbergen) 2009. 86 Seiten. ISBN 978-3-89774-654-1. 9,80 EUR.
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Thema

Die Publikation von Biographien von und über Personen des öffentlichen Lebens – seien es nun etwa Sportler, Künstler, Musiker oder Politiker – stehen derzeit hoch im Kurs. Daneben werden seit geraumer Zeit aber auch immer mehr Lebensgeschichten aus dem eher privaten Bereich veröffentlicht, in deren Mittelpunkt demzufolge weitgehend unbekannte Menschen stehen. Hierzu gehört auch das schmale Büchlein „Aus dem Leben eines Krankenpflegers 1898 bis 1963“, in dem es um den nicht alltäglichen beruflichen Werdegang eines Mannes geht, der zuerst als Schlosser, dann als LKW-Fahrer und schließlich als examinierter Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik arbeitete.

Autorin

Der Einband des Buches weist Helga Germeshausen als Autorin aus. 1942 in Düsseldorf geboren, verlebte sie in Düsseldorf-Gerresheim ihre Kindheit. Nach der Lehre als Einzelhandelskauffrau arbeitete sie in mehreren Konzernen als Bürokauffrau. Seit 2007 Rentnerin, lebt Helga Germeshausen noch heute in Düsseldorf-Gerresheim. Gewidmet hat sie ihre Veröffentlichung ihrem Sohn Elmar und ihrem Enkelsohn Timon.

Hinzuweisen ist, dass der Text durchgehend in der Ich-Form geschrieben ist. Da die Hauptperson, um die es geht, aber schon Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde, stellt sich die Frage, ob Helga Germeshausen die Rolle einer „Autorin“ oder vielmehr einer „Herausgeberin“ hat.

Entstehungshintergrund

Über seine Entstehung enthält das Buch keinerlei Hinweise. Bei der Autorin handelt es sich aber offensichtlich um die Tochter des vorgestellten „Krankenpflegers“, wenn es unter Hinweis auf das Jahr 1942, dem Geburtsjahr von Helga Germeshausen, heißt: „Nun erfuhr ich auch, dass ich Vater eines Mädchens geworden war, auf das ich natürlich ganz neugierig war“ (Seite 53).

Auch wenn die Autorin offensichtlich keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit hat, wären für die Leserschaft entsprechende Hinweise interessant gewesen, vor welchem Hintergrund das Buch entstanden ist und insbesondere, welche Quellen – zeitgenössische Notizen, Briefe, Tagebucheinträge oder mündliche Erzählungen beispielsweise – dem Manuskript zu Grunde lagen. Zu klärende Fragen wären etwa auch, wie das Verhältnis zwischen Vater und Tochter war und warum das Buch – wenngleich die Hauptperson bereits 1963 in Rente ging und bereits vor geraumer Zeit verstorben sein muss – erst jetzt, im Jahre 2010, veröffentlicht wurde.

Aufbau und Inhalt

„An einem schönen Sommertag, dem 29. Juni 1898, wurde ich in Düsseldorf-Gerresheim, in der Nachtigallstraße geboren. Ich war der vierte Sohn der Familie. Meine Kindheit verbrachte ich bis zum vierten Lebensjahr in unmittelbarer Nachbarschaft der Gerresheimer Glashütte.“ Mit diesen Sätzen beginnt das Büchlein „Aus dem Leben eines Krankenpflegers 1898 bis 1963“, indem Helga Germeshausen das Leben ihres Vaters, von seiner Kindheit über die Teilnahme an beiden Weltkriegen bis hin zur Pensionierung in sehr groben Zügen schildert. Der chronologisch aufgebaute Text enthält dabei weder Gliederungspunkte noch irgendwelche Überschriften. Zwischendrin eingestreut finden sich an verschiedenen Stellen insgesamt 5 Schwarzweißabbildungen. Da diese aber keine Bildunterschriften enthalten, bleibt der Leserschaft hinsichtlich der gezeigten Landschaften und Städte nichts anderes übrig, als Vermutungen anstellen. Aufgrund der im Text gemachten Angaben kann immerhin davon ausgegangen werden, dass es sich bei der auf Seite 23 gezeigten Person um den portraitierten „Krankenpfleger“ handelt. Bei dessen beruflichem Werdegang erscheint bemerkenswert, dass er im Jahre 1954 – damals bereits im 56. Lebensjahr stehend – nach langer Tätigkeit als ungelernter Helfer im Krankenhaus das Examen zum Krankenpfleger ablegte.

Diskussion

Der gewählte Titel „Aus dem Leben eines Krankenpflegers 1898 bis 1963“ legt (für Kaufinteressenten) nahe, dass der Schwerpunkt der Darstellung auf dem Berufsalltag und den Erfahrungen eines Mannes in der – bis dahin besonders stark von Frauen dominierten – Krankenpflege liegt. Dies ist aber nicht der Fall, indem dieser Bereich insgesamt sehr knapp ausfällt und, rein rechnerisch betrachtet, kaum zehn Prozent des Gesamtumfangs ausmacht. Immerhin finden sich einige Schilderungen zum Alltag in den Heilanstalten der frühen fünfziger Jahre, die durch einzelne Erlebnisse mit Patienten ergänzt werden.

Völlig unverständlich bleibt, warum die Hauptperson nicht mit vollständigem Namen genannt wird. Genauso hätte man sich an vielen Stellen des Textes genauere Angaben hinsichtlich der handelnden Personen, Orte und Ereignisse gewünscht, ebenso wie vertiefende Einblicke in die zeitgenössische Krankenpflege.

Fazit

Je nach dem, mit welcher Intention man das durchaus kurzweilig verfasste Büchlein zur Hand nimmt, wird die Bewertung sehr unterschiedlich ausfallen. Wer lediglich die nicht alltägliche Lebensgeschichte eines Mannes lesen möchte, der in höchst unterschiedlichen Arbeitsbereichen wirkte, wird wohl ganz zufrieden sein. Wer aber gehofft hat, „Aus dem Leben eines Krankenpflegers 1898 bis 1963“ wäre ein Beitrag zur Erhellung der zeitgenössischen Krankenpflege, wird enttäuscht sein.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 25.11.2010 zu: Helga Germeshausen: Aus dem Leben eines Krankenpflegers. 1898 bis 1963. Triga Verlag (Gründau-Rothenbergen) 2009. ISBN 978-3-89774-654-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10340.php, Datum des Zugriffs 01.10.2016.


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