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Jörg Strübing: Grounded Theory

Jörg Strübing: Grounded Theory - ein pragmatistischer Forschungsstil für die Sozialwissenschaften. Juventa Verlag (Weinheim) 2010. 38 Seiten.

http://dx.doi.org/10.3262/EEO07100115.
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Thema

Die Grounded-Theory-Methodologie (GTM) gehört zu den bekanntesten qualitativen Forschungsstilen, die weit über die Soziologie – ihrem Entstehungskontext – hinaus Anwendung findet. Seit der Begründung durch Glaser und Strauss Mitte der 1960er Jahre hat die GTM vielfache Änderungen erfahren, die sich auch mit dem Auftauchen von weiteren Protagonisten verbindet. Mittlerweile wird von der „Second Generation“ (Morse et al. 2009) gesprochen, der allesamt Schülerinnen von Glaser und/oder Strauss angehören. Die bekannteste ist im hiesigen Sprachraum Juliet Corbin, aber ebenso erwähnenswert sind Adele Clarke, Kathy Charmaz, Janice Morse.

Autor

Mit Blick auf die deutschsprachige Rezeption gibt es einige wenige prominente Vertreterinnen und Vertreter, die für die Verbreitung gesorgt haben, wie Heiner Legewie, vor allem mit der Übersetzung von Strauss/Corbins „Basics of Qualitative Research“ und der zeitgleichen Entwicklung der Analysesoftware ATLAS.ti in einem Projekt an der TU Berlin, an dem auch Thomas Muhr beteiligt war. Andere Vertreter, wie etwa Fritz Schütze oder Gerd Riemann in den 1980er Jahren in der Biografieforschung, haben die GTM im Kontext ihrer Arbeiten abgewandelt. Seit einiger Zeit sind es vornehmlich die Vorschläge von Franz Breuer in Richtung „Reflexive Grounded Theory“ (Breuer 2009) oder finden sich Bemühungen, die Vielfalt der GTM in Form der „Grounded Theory Reader“ zu systematisieren (Mey/Mruck 2007, 2011), um der Breite an GTM-Ansätzen gerecht zu werden, statt lediglich der im deutschsprachigen Raum vornehmlich Strauss/Corbinschen Variante zu „folgen“.

Ein Name, der mit der GTM-Darstellung – und der Auseinandersetzung mit Anselm Strauss – in Deutschland wiederkehrend fest verbunden wird, ist Jörg Strübing. Sein zurückliegender Band zur „sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung“ (Strübing 2004, 2. Aufl. 2008) der GTM sowie seine Abhandlung zu Strauss (Strübing 2007) und seine Auseinandersetzungen mit dem Pragmatismus (Strübing 2005) gehören zu wichtigen Schriften im Feld der GTM.

Entstehungshintergrund

In dem hier besprochenen und von Jörg Strübing für die http://www.erzwissonline.de/fachgebiete/methoden_erziehungswissenschaftlicher_forschung/beitraege/07100115.htm verfassten Beitrag „Grounded Theory – ein pragmatistsicher Forschungsstil für die Sozialwissenschaften“ finden sich dann auch eben jene Positionen bündig zusammengefasst, die seine zuvor genannten Schriften (Strübing 2004, 2005, 2007) auszeichnen.

Aufbau

Es handelt es sich dabei um einen 38seitigen Text, den Strübing in fünf Abschnitte gut strukturiert aufbaut und dabei zentrale Fragen mit Blick auf die Grounded-Theory-Methodologie aufwirft. Im Einzelnen sind dies:

  1. Geschichtliche Aspekte (Abschnitt 1. „Zur Entstehung der Grounded Theory“)
  2. Theoretische Bezüge (2. „Verkannte Grundlagen“)
  3. Ausführungen zur Auswertungspraxis (3. „Wie wird's gemacht“)
  4. Essentials (4. „Zum Markenkern der Grounded Theory“)
  5. Geltungsbegründung (5. „Gute Güte“)

Das Literaturverzeichnis verweist auf etwas mehr als 50 Titel.

Inhalt

Einleitend – in Abschnitt 1 (S.2-5) – betont Strübing mit Blick auf die „Entstehung der Grounded Theory“, dass seit dem Erscheinen der wegweisenden Schrift „The Discovery of Grounded Theory“ von Glaser/Strauss im Jahre 1967, das er mehr als ein „Skizzenbuch“ (S.3) bzw. eher ein „Pseudo-Lehrbuch“ (S.4) ansehe, sich bis heute einige Missverständnisse bezüglich der GTM hartnäckig zu halten scheinen – und dies obschon in dessen Folge deutlich elaboriertere Methodenlehrbücher vorlägen: neben „Theoretical Sensitivity“ von Glaser (1978) vor allem „Basis of Qualitative Research“ von Strauss/Corbin (1990, das 1996 auf Deutsch erschien) und das Arbeitsbuch von Strauss (1991, Orig. 1987). Strübing beschränkt sich in seiner GTM-Darstellung auf den Ansatz von Strauss, da ihm – wie es in seinem Band von 2004 eingehend präsentiert wird – die Glasersche Position erkenntnistheoretisch nicht haltbar erscheint.

Im nachfolgenden 2. Abschnitt „Verkannte Grundlagen – und warum es wichtig ist, sich ihrer zu vergewissern“ (S.5-11) führt Strübing zu den theoretischen Fundierungen der GTM aus, da Methodenlehre sich all zu oft auf die „Vermittlung instrumentellen Handlungswissens“ beschränke und damit Methoden als einfach(anzuwendend)e Werkzeuge erscheinen würden; ihm sei dagegen wichtig, dass Methoden in ihren jeweiligen theoretischen Bezügen verstanden werden. Im Zuge dieser Auseinandersetzung hebt Strübing insbesondere auf den Pragmatismus ab, der ein Verständnis von „Integration von Struktur und Handeln“ aufweise und als Basis der GTM gelten könne und auszuarbeiten lohne, da Strauss selbst eben diese Verbindungslinien erst spät in den 1990er Jahren – und dies auch „merkwürdig blass, randständig und mitunter inkonsistent“ (S.7) hergestellt habe. Strübing sieht interessante Parallelen zwischen dem iterativ-zyklischen Vorgehen in der GTM und dem Problemlösungszyklus nach Dewey. Zudem weist er auch auf Bezüge (ohne diese zu entfalten) zur Abduktion à la Peirce, die, wie er anmerkt, bei Strauss ebenfalls wenig explizit elaboriert seien (eine Perspektive, um die sich insbesondere Jo Reichertz bemüht, s. Reichterz 2009).

Der Hauptteil des Textes wendet sich der „Praxis“ der GTM zu, wobei angesichts der Kürze Strübing dieses Kapitel zurecht mit „Wie wird's gemacht: Grounded Theory in a nutshell“ (S.12-32) überschreibt, denn auf 20 Seiten lässt sich die Forschungspraxis lediglich skizzieren. Eingangs stellt Strübing im ersten Unterabschnitt die leitenden Prinzipien der GTM vor, dazu gehöre das Verständnis von „Forschen als Arbeit“ und damit den Forschungsstil kennzeichnende Tätigkeiten und das eben diese Tätigkeiten (Datengewinnung, -analyse und Theoriebildung) nicht „Schritte einer Abfolge, sondern parallel betriebene Modi des Forschens sind“ (S.12). Als drittes Prinzip führt Strübing Kreativität an und betont damit die Eigenleistung der Forschenden und leitet vor diesem Hintergrund auch über, dass Forschung als „kollektiver Prozess“ die kreativen Potenziale befördere.

Im nächsten Unterabschnitt zu „Heuristiken des Vergleichens und Theoretisches Sampling“ werden dann weitere Überlegungen zu den Praktiken der GTM angeboten. Problematisiert wird, in wie weit das Erfahrungswissen eben den für die GTM zentralen Analyseprozess (constant comparison; „Methode des ständigen Vergleichens“) mit strukturiere. Für Strübing ist vor diesem Hintergrund wichtig, dass eine (klare) Forschungsfrage formuliert ist, denn darüber würde erst „bestimmbar“, was relevante Strukturen seien und in welche Richtung die Analyse zu lenken sei. Im Zuge dieser Darlegung wendet Strübing gegen das „Konzept-Indikator-Modell“ dessen induktivistische Verkürzung ein, denn die „Relevanz ist nicht im Material, sondern sie wird entwickelt in der Beziehung zwischen Forscherin, Material und Forschungsfrage“ (S.16).

Im anschließenden Teilabschnitt widmet sich Strübing dann dem „Kodieren“, wobei er das offene Kodieren gemäß Strauss als „mikroskopische Analyse“ bezeichnet und betont, dass es in der GTM darum gehe, die Daten „aufzubrechen“, was die Relevanz der theoretischen Sensibilität unterstreiche und zu weitreichenden Vergleichen führen könne. Er erwähnt in diesem Zusammenhang immer wieder gerne das Zitat „How is a priest like a prostitute“ von Hughes, um die mögliche Reichweite zu stellender Fragen zu verdeutlichen. Weithergeholte Vergleiche würden ihm zufolge dabei helfen, Eigenschaften und Dimensionen von Konzepten zu entwickeln.

In einem eigenen Abschnitt widmet sich Strübing der Frage „Was ist ein Konzept?“, die er an einem Beispiel ausführlich abhandelt, um kenntlich zu machen, dass es in der GTM nicht um Beschreibungen oder Paraphrasen, sondern um theoretische Arbeit gehe und Konzepte sorgfältig hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Dimensionen auszuarbeiten seien. Im Zuge der Kodierarbeit entscheide sich dann, ob und aus welchen Konzepten Kategorien würden, die nach Strübing „hochrangigere, abstraktere Konzepte [sind] als die, die sie repräsentieren“ (S.23).

Das „axiale Kodieren“ wird im nächsten Abschnitt vorgestellt. Diese Kodierprozedur sei als Fortsetzung der systematischen Analyse zu verstehen, bei der – Strübing bleibt hier wie in vielen seiner Ausführungen ganz nah an den Kodiervorschlägen von Strauss bzw. – es darum ginge, die Ursachen, Bedingungen, Strategien und Konsequenzen für das untersuchte Phänomen zu bestimmen. Strübing hebt heraus, dass dem Kodierparadigma „keine präskriptive Funktion“ zukomme, sondern es variabel und anpassungsbedürftig handhabbar sei. Ihm zufolge biete das Kodierparadigma gerade für soziologische Fragestellungen enormes Potenzial, weil die explizite Herausarbeitung von Kontext und intervenierende Bedingungen „ein Angebot zur Verknüpfung situativ-interaktionistischer Momente mit Prozessen auf entfernteren und abstrakteren Ebenen von Gesellschaftlichkeit gemacht wird“ (S.27). Wichtig ist noch der Hinweis von Strübing, mit dem er das axiale vom selektiven Kodieren abgrenzt, wenn er heraushebt, „dass das axiale Kodieren sich explizit einzelnen empirischen Vorkommnissen sowie deren Abstraktionen zuwendet. Es geht nicht um die Beantwortung der Forschungsfrage, sondern um die Klärung des Zustandekommens und der Konsequenzen eines bestimmten Ereignisses“ (S.26) – es handele sich insofern um (erste) „Theorie-Miniaturen“ mit Blick auf ein einzelnes Phänomen, ohne allerdings bereits eine Integration und damit eine befriedigende Antwort auf die Forschungsfrage(n) liefern zu können.

Die Darstellung zum Kodieren wird mit Ausführungen zum „selektiven Kodieren“ abgeschlossen. Diese bleibt wie in vergleichbaren Übersichten zur GTM vage; gesprochen wird von einem „roten Faden“, den es zu entdecken gelte und der sich als Antwort der Forschungsfrage zu bewähren habe. Selektives Kodieren könne verstanden werden als Re-Kodieren, bei der alle relationalen Bezüge zu der herausgearbeiteten Kern-/Schlüsselkategorie geprüft würden. Ziel der Arbeit sei das Erreichen eines „höheren Maß an Konsistenz“ (S.29). Dies schließe nicht aus, dass auch mehr als eine Schlüsselkategorie im Zentrum stehen könne, allerdings sollten diese dann „jeweils einen klaren Bezug auf eine Teilfrage [der Forschungsarbeit] haben“ (S.29).

Im letzten Unterabschnitt „Von den Daten zur Theorie – und zurück!“, mit dem Strübing seine Ausführungenzu „Wie's gemacht wird“ abschließt, wendet er sich der Frage von Theorieentwicklung und damit dem Theorie-Empirie-Verständnis zu, im Zuge dessen er nochmals die von ihm bei Glaser ausgemachte „tabula rasa„-Haltung zurückweist. Angemerkt wird, dass es bei der GTM primär um Theorien mittlerer Reichweite gehe, die vor allem „Wissen zur Bewältigung praktischer Probleme“ bereitstellen sollen. Ferner zeichne sich die GTM dadurch aus, dass von einer „Unabgeschlossenheit“ der erarbeiteten Theorie auszugehen sei, entsprechend in der ursprünglichen GTM-Fassung Fragen der Verifizierung nicht relevant schienen bzw. nicht in Betracht gezogen wurden; dies sei später zumindest in der Straussschen Version aufgeweicht, bei der es um „jene den Prozess des Theoretisierens beständig antreibende praktische Überprüfung [gehe], welche der im Handlungsfeld identifizierten Probleme der aktuelle Stand einer Theorie zu erklären vermag – und welche noch nicht“ (S.31).

Im vierten Hauptabschnitt „Was muss, was kann, was sollte: Zum Markenkern der Grounded Theory“ (S.32-34) geht Strübing nochmals darauf ein, was Essentials der GTM sind, da oft eine gewisse Legitimationsrethorik festzustellen sei und die GTM häufig nur als Label genutzt werde. Strübing macht deutlich, dass Strauss/Corbin zufolge das Kodieren, das Schreiben analytischer Memos und vor allem das iterativ-zyklische Vorgehen (Theoretical Sampling) zum Grundbestand gehören, wobei er darauf hinweist, dass die Arbeitsschritte immer „der Erreichung des angestrebten Zieles – einer gegenstandsbezogenen Theorie des Forschungsfeldes – notwendige Funktionsbedingungen darstellen“ (S.33).

Den Abschluss des Beitrags bildet „Gute Güte: Zum Verhältnis von qualitätssichernden Verfahren und Schritten der Überprüfung von Qualität“ (S.34-36) und damit die Frage der Geltungsbegründung, wobei er allgemein darauf verweist, dass die der GTM zugehörigen Verfahrenselemente (immer ihre lege artis-Anwendung vorausgesetzt) ein „Arsenal an qualitätssichernden Prozeduren darstelle (S.34), ohne dass darüber aber so Strübing weiter garantiert wäre, dass dadurch relevantes oder neues Wissen generiert würde. Qualitative Forschung, und speziell die GTM, entziehe sich auch den gängigen Vorschlägen zur Operationalisierung von Gütekriterien, denn die GTM (und nicht nur diese) sei „als ein Problemlöseprozess“ aufzufassen, „zu dem es an bestimmten Stellen im Prozess der Generierung neuer Lösungen bedarf, die nicht mechanistisch regelhaft hervorgebracht oder logisch systematisch abgeleitet werden können“ (S.35).

Diskussion

Zentral für die Ausführungen Strübings ist die axiomatische Annahme, dass sich Bedeutung allein handlungspraktisch bestimmen lasse, es daher keine Bedeutung an sich gebe, d.h. Bedeutung „erst im Handeln mit oder in Bezug auf die Dinge entwickelt“ (S.9) werden könne. Seine Ausführungen lassen anschaulich werden, dass die Vorstellung von Daten „an sich“, mehr noch: selbst die Idee einer Datensammlung/-erhebung sich verbiete und Realität nicht universell gedacht werden könne. Strübing bringt hierbei die pragmatistische Variante (unter Bezug auf Mead) gegen die der „sozialen Konstruktion“ in Stellung, denn es gehe darum „die Aktivität der Herstellung von Daten an einer materiellen oder sozialen Widerständigkeit ab[zu]arbeiten“ (S.9). Etwas verwunderlich ist dabei, dass er im Grunde mit keinem Wort auf die aktuelleren Versuche eingeht, bei denen die GTM in Richtung einer „Constructivist Grounded Theory“ (Charmaz 2006) umgemodelt bzw. in Verbindung mit diskursanalytischen Ansätzen gebracht wird (Clarke 2005) oder als „Reflexive Grounded Theory“ (Breuer 2009, 2. Aufl. 2010) aus- bzw. auf die Verbindung von GTM mit Subjektivität/Selbstreflexivität (Mruck/Mey 2007) hingearbeitet wird. Seine lediglich kursorische Anmerkung „Was ein sozialwissenschaftliches Datum ist, wird nicht in freier Vereinbarung im Kollektiv der Forschenden ausgehandelt, sondern fortwährend durch den substantiellen Gehalt der empirischen Welt gerahmt“ (S.9), kann auf jeden Fall nicht als ernstzunehmende Auseinandersetzung mit solchen Positionen verstanden werden. Diese Nichtberücksichtigung ist auf jeden Fall eine Schwachstelle des Textes, selbst wenn in Rechnung gestellt wird, dass Strübing explizit seinen Text im Untertitel als „einen pragmatistischen Forschungsstil für die Sozialwissenschaften“ ausweist. Eine Auseinandersetzung mit (bzw. zumindest Berücksichtigung von) neueren Positionen erscheint aber dringend geboten, wenn (selbst kurze) Texte über GTM einführenden Charakter haben sollen.

Fazit

Die Stärke von Strübings Text ist eindeutig, dass er darin immer wieder auf Fragen eingeht, die (nicht nur) von Neulingen gestellt werden und zum Teil große Verunsicherung bei dem Rückgriff auf die GTM darstellen („Was ist ein Konzept?“, „Was ist der Unterschied von axialem und selektiven Kodieren?“, „Mit welchem Fall sollte ich beginnen?“, „Kann ich auch mehrere Interviews hintereinander führen?“ „Muss ich auf eine Kernkategorie hinarbeiten?“ u.a.m.). Damit liefert er eine Folie, mit der dann die mittlerweile vielfältigen Schriften zur GTM gelesen werden können. Und er liefert Begründungen für Forschungsentscheidungen und immer in der Forschung zu treffenden Wahlen. Dass demgegenüber die ein oder andere Darlegung von konkreten Arbeitsschritten ausbleibt versteht sich von selbst, denn er kann in der Kürze ja nur die GTM in einer „nutshell“ präsentieren. Insofern liefert er eine gute Einführung und Übersicht. Allerdings ist es umso bedauerlicher (und nicht mit der Kürze des Textes allein zu entschuldigen), dass er dem entgegen keine Lesefolie bietet, damit Neulinge (und andere an der GTM-Interessierte) auch auf andere Ansätze und Vorgehensweisen (insbesondere die in der „Second Generation“ entwickelten und mit Bezug auf andere theoretische Grundlangen basierenden „Stile“) hinweist. Ebenso schade ist, dass er bei der Darstellung von Kodierprozeduren sich allein auf Strauss bzw. Strauss/Corbin stützt und nicht einmal Quer-Verweise zu auch möglichen anderen „praktischen“ Vorgehensweisen einflechtet (z.B. bei Charmaz 2006 oder Corbin/Strauss 2008 bzw. jene ursprünglichen von Glaser 1978), damit gerade Novizen weiterführende Literatur suchen und finden können.

Literatur:

  • Breuer, Franz (unter Mitarbeit von Barbara Dieris & Antje Lettau) (2009). Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Charmaz, Kathy (2006). Constructing grounded theory. A practical guide through qualitative analysis. London: Sage.
  • Clarke, Adele E. (2005). Situational analysis: Grounded theory after the postmodern turn. London: Sage.
  • Corbin, Juliet M. & Strauss, Anselm L. (2008). Basics of qualitative research: Techniques and procedures for developing grounded theory. London: Sage.
  • Glaser, Barney G. (1978). Theoretical sensitivity: Advances in the methodology of grounded theory. Mill Valley, CA: Sociology Press.
  • Glaser, Barney G. & Strauss, Anselm L. (1967). The discovery of grounded theory: Strategies for qualitative research. New York: Aldine de Gruyter. [dt. 1998]
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (Hrsg.) (2007). Grounded Theory Reader (Historical Social Research, Supplement 19). Köln: ZHSF.
  • Mey, Günter & Mruck, Katja (Hrsg.) (2011). Grounded Theory Reader (2. aktualisierte und erweiterte Aufl.). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Morse, Janice M.; Stern, Phyllis Noerager; Corbin, Juliet; Bowers, Barbara; Charmaz, Kathy & Clarke, Adele E. (2009). Developing grounded theory. The second generation. Walnut Creek, CA: Left Coast Press.
  • Mruck, Katja & Mey, Günter (2007). Grounded theory and reflexivity. In Antony Bryant & Kathy Charmaz (Hrsg.), The Sage handbook of grounded theory (S.515-538). London: Sage.
  • Reichertz, Jo (2009). Abduction: The logic of discovery of grounded theory. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 11(1), Art. 13, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs1001135.
  • Strauss, Anselm L. (1991). Grundlagen qualitativer Sozialforschung. München: Fink. [Orig. 1987] Strauss, Anselm L. & Corbin, Juliet M. (1996). Grounded Theory: Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz [Orig. 1990]
  • Strübing, Jörg (2004). Grounded Theory. Zur sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung des Verfahrens der empirisch begründeten Theoriebildung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. [2. Aufl. 2008]
  • Strübing, Jörg (2005). Pragmatistische Wissenschafts- und Technikforschung. Theorie und Methode. Frankfurt/New York: Campus.
  • Strübing, Jörg (2007). Anselm Strauss. Konstanz: UVK.

Rezensent
Prof. Dr. Günter Mey
Professor für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Direktor des Instituts für Qualitative Forschung in der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin
Homepage www.humanwissenschaften.hs-magdeburg.de/l/~mey
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Zitiervorschlag
Günter Mey. Rezension vom 02.01.2012 zu: Jörg Strübing: Grounded Theory - ein pragmatistischer Forschungsstil für die Sozialwissenschaften. Juventa Verlag (Weinheim) 2010. http://dx.doi.org/10.3262/EEO07100115. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10373.php, Datum des Zugriffs 29.06.2016.


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