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Winfred Kaminski (Hrsg.): Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit

Cover Winfred Kaminski (Hrsg.): Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2010. 142 Seiten. ISBN 978-3-89974-376-0. 9,80 EUR.

Reihe: Grundlagen sozialer Arbeit. Wochenschau Studium.
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Thema

Der Herausgeber dieses Bandes überrascht in der Einleitung mit der „Überschrift ‚Medien, Kultur und Kommunikation‘“ (S. 7). Das ist ein sehr viel weiterer Rahmen, als es der Titel des Sammelbandes erwarten lässt. Zweifellos kann man aber das Thema „Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit“ darin verorten. Den erweiterten Rahmen bekräftigend, schreibt der Herausgeber von einer „Einführung in die Medien- und Kulturpädagogik“ (ebd.). Erhofft werde von den Beiträgen „eine Übersicht, welche Rolle medienpädagogische Arbeit im Kontext der Lebenswelt heute spielen könnte“ (ebd.) und müsste.

Herausgeber

Prof. Dr. Kaminski leitet das Institut für Medienforschung und Medienpädagogik (IMM) an der Fachhochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften. Von Kaminski stammen acht der sechzehn Beiträge des vorliegenden Sammelbandes, und bei einem weiteren Beitrag ist er Mit-Autor.

Entstehungshintergrund

Der Band hat zwei Entstehungshintergründe. Er stellt zum einen eine Art Festschrift dar und soll zum anderen „einführende, kompakte Grundlagenliteratur“ bieten (Einbandrückentext). Wie der Herausgeber im Vorwort (S. 6) schreibt, ist der Band eine Widmung an Jürgen Fritz – Professor für Spiel- und Interaktionspädagogik, ebenfalls am IMM – im Namen seiner KollegInnen zum 65. Geburtstag. – Der andere Entstehungshintergrund findet sich im Einbandrückentext formuliert. Danach hat in der Sozialen Arbeit ein Bewusstseinswandel in puncto Medien stattgefunden: Kinder und Jugendliche seien „nicht einfach den Medien auszusetzen“. Sie sollen durch medienpädagogische Arbeit befähigt werden, „sich den Anforderungen der Medien zu stellen, sie sich zu eigen zu machen und je nach ihren Bedürfnissen anzupassen“. Aufgabe der Beiträge des Sammelbandes ist es, dazu Vorschläge zu machen.

Aufbau

Der Band gliedert sich in vier Teile. Diesen gehen drei einzelne Beiträge Kaminskis voraus, und zwar die Einleitung, ein Rückgriff auf „Friedrich Schillers Feier des Spiels“ und „Zum Exempel: Kinderkultur“. Die vier Teile sind sodann überschrieben mit: „Printmedien“, „Hör-Medien“, „Visuelle Medien“ und „Bewegende Medien“ wie der Tanz oder das Theater. Zu den bewegenden Medien zählen hier auch „Digitale Spielmedien“ und „Crossmediale Unterhaltung“. Davon zu trennen sind dann wohl wieder die beiden letzten Beiträge Kaminskis: „Kulturpädagogik als soziale Arbeit“ und „Kultur der Kooperation“. Alle Beiträge haben eine relativ ähnliche Länge, im Durchschnitt acht Seiten.

Inhalt

Der Inhalt orientiert sich am erweiterten Rahmen des Themas. Die im Buchtitel genannten Stichworte „Medienkompetenz“ und „Soziale Arbeit“ kommen im Vorwort und in der Einleitung nicht einmal vor. Auch gibt es keinen Beitrag, der das Stichwort Medienkompetenz im Titel hätte. Soziale Arbeit wird als Teil der Überschrift nur angesprochen in dem bereits genannten Beitrag Kaminskis: „Kulturpädagogik als soziale Arbeit“.

Wie Kaminski selbst den Inhalt des Buches umschreibt, geht es primär um „Prozesse kultureller Aneignung und kultureller Kommunikation“ (S. 7) im Rahmen einer aktivierenden Medienarbeit. Berücksichtigt werden sowohl klassische als auch neueste Medien. Den klassischen Medien gelten Beiträge zu Kinderbüchern, Kinder- und Jugendzeitschriften, zum Theater oder zum Radio, Fernsehen, Fotografieren oder Filmen. Zu den neueren Medien ist das Musikmachen mittels des Computers zu zählen, natürlich die digitalen Spielmedien, und ein aktuelles Phänomen ist, dass mediale Inhalte „zeitgleich oder im Abstand weniger Monate in verschiedenen Medien präsentiert“ werden (André Czauderna: „Crossmedia“, S. 111). Verwundern mag angesichts des Buchtitels und des üblichen Begriffsgebrauchs, dass auch der Tanz mit einem eigenen Beitrag vertreten ist. Ziel war es, im jeweiligen Beitrag „möglichst anschaulich das Medium selbst und dazu gehörende Konzepte zu präsentieren“ (ebd.).

Kaminski unterscheidet zudem zwei Arten von Beiträgen: solche „aus der Praxis und für die Praxis“, die durchaus auch etwas vom „persönlichen Enthusiasmus“ der AutorInnen mitgeben dürfen, und solche Beiträge, die helfen sollen „Praxis zu verstehen“ (Einleitung, S. 11). Die erste Art von Beiträgen nennt Kaminski „deskriptiv und narrativ“, die zweite kennzeichnet er als „reflexiv und auf begriffliche Schärfung angelegt“ (ebd.). Diese Mischung lässt verstehen, dass das gemeinsame Literaturverzeichnis aller sechzehn Beiträge nur sechs Seiten umfasst. Hinzukommen allerdings in einzelnen Beiträgen Hinweise auf weiterführende Literatur – wenn, dann sind es meist zwischen drei und fünf Titel.

Medienkompetenz wird in den Artikeln sehr unterschiedlich angesprochen und selten definiert. Teilweise umschreiben die AutorInnen das Konstrukt, teilweise gehen sie schlagwortartig darauf ein, und bei einigen Beiträgen fällt es durchaus schwer, den direkten Bezug zu finden. Das gilt in ähnlicher Weise auch für ein erklärtes Verständnis von Sozialer Arbeit, wobei diese im Übrigen nicht systematisch von Sozialpädagogik unterschieden wird. Interessanterweise flicht gerade Bettina Bierdümpel ihren Beitrag „Tanzen lernen“ in ein verhältnismäßig ausführliches sozialpädagogisches Konzept ein.

Um ein Beispiel für ein relativ differenziertes Konzept der Medienkompetenz anzuführen, sei der Beitrag „Radio hören“ von Friederike Paas und Linda König genannt. Unter Medienkompetenz verstehen sie vor allem einen zielbewussten Umgang mit dem Medium, den es zu erlernen gelte. Dies geschehe nicht nur durch das Hören, sondern auch durch das Selbermachen von Sendungen, das die Kinder ausprobieren sollten. Die Autorinnen unterscheiden in didaktischer Sicht drei Teilkompetenzen: Wahrnehmungs-, Nutzungs- und Handlungskompetenz – hierbei lehnen sie sich an einen Aufsatz von Cornelia Rosebrock und Olga Zitzelsberger aus dem Jahr 2002 an. Bei der ersten Teilkompetenz geht es darum, die Strukturen und die Möglichkeiten zu erkennen, wie Medien wirken; bei der zweiten handelt es sich um die Fähigkeit, auszuwählen und die Rezeption zu steuern; und die dritte Kompetenz meint die Fähigkeit, selbst zu produzieren, zu gestalten und zu veröffentlichen.

Wie sich Kulturpädagogik auf Soziale Arbeit beziehen lässt, erläutert Kaminski an einem Projekt aus Stadtteilarbeit und Schulsozialarbeit – und zwar an einem Kinderbuchprojekt. Im betreffenden Beitrag klärt er den Anspruch seiner Variante von Kulturpädagogik, nennt deren Themenbereiche und geht auf den zugrunde liegenden Kulturbegriff ein, auch im philosophischen Ausgriff. Kaminski spricht sich dafür aus, Kulturpädagogik in das Ausbildungsprofil für Soziale Arbeit zu übernehmen. Als Anwendungsfelder nennt er: „Freizeitpädagogik, Beratung, Prävention, Elementarbereich, Schulsozialarbeit, Fort- und Weiterbildung, Medieneinrichtungen, Stadtteilarbeit, freiberuflich organisierte Praxis der Kinder- und Jugendarbeit“ („Kulturpädagogik als soziale Arbeit“, S. 119).

Diskussion

Eine prinzipielle Schwierigkeit des vorliegenden Sammelbandes scheint mir in seinem doppelten Entstehungshintergrund grundgelegt. Einerseits soll der Band eine Widmung der KollegInnen an den Jubilar sein. Dadurch konzentriert sich zwangsläufig das Spektrum der AutorInnen, und natürlich liegt es nahe, hier das zu sammeln, was jede/r gerade beitragen kann. Andererseits steht der systematische Anspruch der Buchreihe, der eine stärkere Gleichartigkeit der Beiträge erfordert hätte.

An den Stellen, an denen ein Konzept von Medienkompetenz etwas ausführlicher zur Sprache kommt, fällt auf, dass die Darstellung nicht bis zur aktuellen Diskussion hinreicht. Das gilt zumindest für die Medienpädagogik, in der man sich verstärkt um theoretisch-konzeptionelle und empirische Zugänge zur Medienkompetenz bemüht.

Fazit

Wer wie der Rezensent eine Darstellung erwartet, die sich an präzisen Konzepten der Medienkompetenz orientiert und auf einem erklärten Verständnis von Sozialer Arbeit fußt, der wird von diesem Buch enttäuscht.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Beck
Pädagogische Forschung und Lehre
Homepage www.cbeck-aktuell.de


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Zitiervorschlag
Christian Beck. Rezension vom 08.02.2011 zu: Winfred Kaminski (Hrsg.): Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2010. ISBN 978-3-89974-376-0. Reihe: Grundlagen sozialer Arbeit. Wochenschau Studium. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10458.php, Datum des Zugriffs 08.12.2016.


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