Bernhard Reichert: Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts
Bernhard Reichert: Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts. Luchterhand Verlag (Neuwied) 2003. 9., überarbeitete Auflage. 1569 Seiten. ISBN 978-3-472-05225-8. 99,00 EUR.
mit 1 CD-ROM. Systemvoraussetzungen der CD-ROM-Beil.: ca. 20 MB freier Festplattenspeicher; CD-ROM-Laufwerk zur Installation Microsoft Windows 95 oder höher/Microsoft NT 4.0 oder höher; Microsoft Office 95 oder höher.
Thema des Werkes
Das äußerst voluminöse Werk des Autors, der Richter am Bayerischen Obersten Landgericht war und langjähriger Vorsitzender des Ständigen Schiedsgerichts eins Spitzensportverbandes ist, hat das komplette Vereins- und Verbandsrecht zum Gegenstand. Es gliedert sich in insgesamt sechs Abschnitte. In diesen Abschnitten werden das private und das öffentliche Vereinsrecht, der Verein in internationalen Rechtsbeziehungen, die Besteuerung von Vereinen und Verbänden, das Lohnsteuerrecht im Verein sowie typische steuerliche Hinterziehungshandlungen in Sportvereinen behandelt. Der Autor hat für die Neuauflage die einschlägige Rechtsprechung und Literatur, die bis Oktober 2002 veröffentlicht wurde, berücksichtigt. Neu aufgenommen wurden u.a. Ausführungen zum Datenschutz im Verein, zur Versicherungspflicht für Vorstände sowie zum Lizenzierungsverfahren und zum Lizenzvertrag.
Zielgruppe des Buches
Da es sich bei dem vorzustellenden Werk um eines mit primär rechtswissenschaftlichem Charakter handelt, sind wohl auch eher Rechtsanwälte, mit Vereinsfragen betraute Richter sowie Vereinsjustiziare die vordringlichsten Nutzer des Buches. Wegen der durchaus anspruchsvollen Darstellung dürften Vereinsvorstände kleinerer Vereine in geringerer Zahl auf das Werk zurückgreifen, zumal es vorkommt, dass ein und dieselbe Problematik an verschiedenen Stellen mit sehr differenzierten Stellungnahmen behandelt wird. Dies kann dazu führen, dass der rechtlich unvorbelastete Leser in Verwirrung gerät. Für den Fachmann hat es jedoch den Vorteil, dass alle möglichen Facetten einer Thematik beleuchtet werden und somit eine sachgerechte und auf den jeweiligen Einzelfall passende Lösung gefunden wird.
Ausgesuchte Aspekte
Positiv hervorzuheben sind die Ausführungen zu den typischen steuerlichen Hinterziehungshandlungen bei Sportvereinen (Rn. 3461 ff.). Wegen der in letzter Zeit drastisch reduzierten Zuschüsse seitens der Städte und Gemeinden an Vereine erlangt dieser Bereich eine immer größere Bedeutung. Die Vereinsvorstände greifen daher immer verstärkter zu illegalen steuerlichen Gestaltungen. Völlig zu Recht weist Reichert aber darauf hin, dass die Vorstände die mittlerweile ziemlich effektiven Kontrollmechanismen der Finanzverwaltung unterschätzen. Besonderes Augenmerk müssen die Vorstände bei einer Manipulation der Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten bei Sportveranstaltungen legen. Die Finanzverwaltungen praktizieren nämlich immer öfter einen sog. "Zeitungslesedienst". Dabei werden im Finanzamt ganz gezielt Zeitungen dahingehend durchgesehen, ob Vereine mittels eigener Pressemitteilungen oder auch über originäre Presseberichterstattungen Zuschauerzahlen bekannt machen bzw. bekannt gemacht werden. Wenn diese Zuschauerzahlen und aufgrund dieser Daten hochrechenbare Einnahmen nicht mit den bei der Steuererklärung abgegebenen Daten übereinstimmen, kann es für den Verein ein böses Erwachen geben.
Ebenfalls von (leider) großer Aktualität sind die Ausführungen zur Insolvenz des Vereins (Rn. 2011 ff.). Vermisst werden jedoch Ausführungen zu der Frage, ob die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei gemeinnützigen Vereinen zum automatischen Verlust derselben führen. Im Ergebnis - ohne hier auf die Einzelheiten eingehen zu können - wird dies zu verneinen sein. Eine sich mit den unterschiedlichen Auffassungen zu dieser Streitfrage auseinandersetzende Stellungnahme hätte den positiven Gesamteindruck, welches das Werk hinterlässt, noch unterstrichen.
Fazit
Das Werk besticht durch eine kaum zu übertreffende Vollständigkeit und beeindruckt durch seine dichte Darstellung. Die klare Systematik hilft bei der Suche nach bestimmten Problemfeldern. Unterstützt wird der Nutzer dabei noch durch ein gut handhabbares Stichwortverzeichnis. Es zeigt Streitfragen auf und hilft durch Argumente für und wider eine Ansicht, Fehler zu vermeiden. Das Handbuch leistet demnach alles in allem gute Dienste. Der Nichtjurist wird überdies mit der juristischen Fachsprache durch die Beilage einer CD-ROM zumindest ein bißchen versöhnt. Auf ihr findet sich eine komplette Demo-Version für eine sichere Verwaltung von Vereinen und Verbänden inklusive Mitgliederverwaltung und Finanzbuchhaltung.
Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
E-Mail Mailformular
Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.
Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 30.09.2003 zu: Bernhard Reichert: Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts. Luchterhand Verlag (Neuwied) 2003. 9., überarbeitete Auflage. 1569 Seiten. ISBN 978-3-472-05225-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1052.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.
Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang
Hilfe & Kontakt
Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
Bernhard Reichert, Wolfgang Boochs: Mustertexte[...] zum Vereins- und Verbandsrecht
Stellenangebote
Geschäftsführer (m/w) im Bereich Sozialdienstleistung, Rheinfelden
leitende/r Mitarbeiter/in im Rechnungswesen, Berlin
Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.
Newsletter bestellen
Immer über neue Rezensionen informiert.
