Uta Oelke (Hrsg.): In guten Händen - Pflegebasiswissen
Uta Oelke (Hrsg.): In guten Händen - Pflegebasiswissen. Cornelsen Verlag (Berlin) 2010. 624 Seiten. ISBN 978-3-06-450245-1. 36,50 EUR.
Thema
Wie für andere Berufe, gibt es auch für die Pflege eine Reihe von Lehrbüchern, die als Lernhilfe, Arbeitsmittel im Unterricht und nicht zuletzt als Nachschlagewerk konzipiert sind. Zu ihnen zählt auch das vorliegende Lehrbuch „In guten Händen“, das sich im Sinne von „Pflegebasiswissen“ speziell an PflegehelferInnen, PflegeassistentInnen und pflegende Laien wendet.
Herausgeberin sowie Autorinnen und Autor
Für die Herausgabe des Buches zeichnet sich Uta Oelke (Jg. 1957, Prof. Dr. phil., Diplom-Pädagogin) verantwortlich, die als Hochschullehrerin für Didaktik und Methodik an der Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Abteilung Pflege und Gesundheit), wirkt.
Neben der Herausgeberin waren an dem unter Mitarbeit der Verlagsredaktion (Franz Schaller) entstandenen Buch die folgenden fünf AutorInnen beteiligt:
Heike Jacobi-Wanke, Jg. 1965, Diplom-Pflegepädagogin und Krankenschwester, ist seit 1997 als Lehrerin einer Krankenpflegeschule in Berlin tätig.
Irmgard Hofmann, Jg. 1959, Philosophin M.A., Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Supervisorin arbeitet freiberuflich als Dozentin für Ethik in der Pflege in der Aus-, Fort- und Weiterbildung und als Supervisorin.
Anja Lull, Jg. 1976, Diplom-Pflegepädagogin und Krakenschwester arbeitet als Redakteurin im Cornelsen-Verlag.
Volker Schmieden, Jg. 1955, Privatdozent Dr. rer. nat, Krankenpfleger und freiberuflicher Dozent für Physiologie und medizinische Grundlagen in der Aus- und Weiterbildung mit Schwerpunkt Pflegehilfe und Pflegeassistenz.
Julia Vogelsang, Jg. 1978, Case Managerin und Krankenschwester, ist als Vertriebsmitarbeiterin und Case Managerin für die Firma Lohmann & Birkner (2001 als Health Care Consulting GmbH gegründet) in Berlin tätig.
Entstehungshintergrund
Zur Entstehung des Buches schreibt Uta Oelke im Vorwort: „Das Buch, das Sie jetzt in Händen halten, hat eine lange Entstehungsgeschichte. Vor gut drei Jahren mehrten sich die Stimmen, die nach einem Buch riefen, das ganz speziell auf die Ausbildung von Pflegeassistentinnen und Pflegehelferinnen oder auf andere Bildungsgänge mit pflegerischen Inhalten zugeschnitten ist. Damit war die Idee für ‚Pflegebasiswissen’ geboren. Ein Jahr später kam dann ein ‚runder Tisch’ zusammen bei dem Vertreter und Vertreterinnen aus den Bereichen Bildung, Politik und Wissenschaft darüber diskutierten, welche Ziele, Inhalte und welchen Aufbau ein solches Buch haben sollte“ (S. 7).
Aufbau
Der mit festem Einband im Großformat erscheinende Band gliedert sich in drei Bereiche, die ihrerseits fünf, neun und zwei Kapitel umfassen:
I. Lernen und arbeiten
- Lernen lernen (S. 33)
- Beobachten, informieren, planen und dokumentieren (S. 55)
- Sich gesund erhalten (S. 83)
- Berufliches Selbstverständnis entwickeln und im Team arbeiten (S. 113)
- Arbeitnehmer sein (S. 147).
II. Menschen pflegen
- Körpernahe Unterstützung leisten (S. 177)
- Beziehungen gestalten und Gespräche führen (S. 319)
- Gefühls- und Emotionsarbeit leisten (S. 343)
- Lebensweltbezogen pflegen (S. 373)
- Menschen im Krankenhaus pflegen (S. 401)
- Hygienisch arbeiten (S. 411)
- Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie assistieren (S. 431)
- Menschen in besonderen Problemlagen beobachten und begleiten (S. 465)
- In Notfallsituationen Hilfe leisten (S. 531).
III. Menschen in ihrem Lebensalltag unterstützen und begleiten
- Privater Bereich (S. 545)
- (Teil-) Stationärer Bereich (S. 569).
Erschlossen werden die Inhalte des 624 Seiten umfassenden Buches durch ein Stichwortverzeichnis (S. 602-617).
Inhalt
Wie Uta Oelke in ihrem Vorwort betont, zielt das von ihr herausgegebene Buch „sowohl auf persönliche Bildung als auch auf berufliche Qualifizierung“ ab. „Im Sinne der Persönlichkeitsbildung“, so die Herausgeberin weiter, „soll es die Leserinnen und Leser darüber informieren bzw. dabei unterstützen, das Lernen zu lernen, sich gesund zu erhalten, ein eigenes berufliches Selbstverständnis zu entwickeln, im Team klarzukommen und sich in wichtigen rechtlichen Fragen auszukennen. Hinsichtlich der beruflichen Qualifizierung soll die Aufgabenvielfalt von Pflege im Mittelpunkt stehen – also pflegerische Leistungen, die von körpernaher Unterstützung, Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung, Emotions- und Gefühlsarbeit über die Assistenz im medizinischen Bereich bis hin zur Begleitung von Menschen in besonderen gesundheitlichen Problemlagen und Krisensituationen reichen. Darüber hinaus sollen aber auch Fragen der Unterstützung insbesondere älterer Menschen, sei es im häuslichen oder stationären Bereich, bearbeitet werden“ (S. 7).
Die in drei große Themenbereiche untergliederten Inhalte des Buches wurden didaktisch ansprechend aufbereitet beziehungsweise farbig voneinander unterschieden. So zeigt die violette Farbe an, dass das Kapitel zum Themenbereich I „Lernen und arbeiten“ (S. 33-176) gehört. Während die Kapitel zum Themenbereich II „Menschen pflegen“ (S. 177-544) grün markiert sind, wurden die Kapitel im Themenbereich III „Menschen in ihrem Lebensalltag unterstützen und begleiten“ (S. 545-600) blau markiert. Die einzelnen Themenbereiche gliedern sich ihrerseits in eine Vielzahl von Haupt- und Nebenkapiteln, über die man sich mit Hilfe eines sehr ausführlichen Inhaltsverzeichnisses (S. 9-32) rasch einen guten Überblick verschaffen.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten im Themenbereich I („Lernen und arbeiten“) gehören:
- Lernen lernen: Lernen und Lerntechniken; Soziales Lernen; Lebenslanges Lernen,
- Beobachten, informieren, planen und dokumentieren: Wahrnehmen und beobachten; Informationen beschaffen und verarbeiten; Handlungen planen, durchführen und auswerten; Schriftlich formulieren und dokumentieren,
- Sich gesund erhalten: Gesundheitsförderung und Prävention; Persönliche Gesunderhaltung; Institutionelle Gesundheitsförderung,
- Berufliches Selbstverständnis entwickeln und im Team arbeiten: Geschichtliche Entwicklung und Selbstverständnis der Pflege; Arbeitsfelder von Pflegeassistentinnen / -helferinnen; Arbeitsfelder anderer Pflegeberufe; Ethische Herausforderungen; Pflegequalität sichern; Arbeitsorganisation im Team; Macht und Hierarchie im Team,
- Arbeitnehmer sein: Rechtliche Grundlagen; Haftungsrechtliche Aspekte; Arbeitsrechtliche Aspekte; Sozialrechtliche Aspekte.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten im Themenbereich II („Menschen pflegen“) gehören:
- Körpernahe Unterstützung leisten: Berühren; An- und Auskleiden; Haut und Körper pflegen; Mund und Zähne pflegen; Bewegen; Sehen und Hören; Essen und Trinken; Ausscheiden; Atmen; Wachsein und Schlafen,
- Beziehungen gestalten und Gespräche führen: Interaktion und Kommunikation; Gesprächsführung und Gesprächstechniken; Gespräche mit Patienten und Angehörigen,
- Gefühls- und Emotionsarbeit leisten: Ekel; Nähe und Distanz; Abschied und Trauer; Helfen und hilflos sein; Angst und Aggression; Gewalt,
- Lebensweltbezogen pflegen: Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen; Menschen mit Behinderung; Menschen aus unterschiedlichen Kulturen; Menschen in unterschiedlichen sozialen Lagen,
- Menschen im Krankenhaus pflegen: Die Krankenhausversorgung; Patienten- und Angehörigensituation,
- Hygienisch arbeiten: Allgemeine Grundlagen der Hygiene; Infektionserreger, -übertragung, -erkrankungen; Hygienemaßnahmen im Gesundheitswesen,
- Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie assistieren: Vitalzeichenkontrolle; Blutzuckerkontrolle; Medikamentenverabreichung; Physikalische Maßnahmen; Wundversorgung,
- Menschen in besonderen Problemlagen beobachten und begleiten: Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen; Psychisch veränderte Menschen; Akute und chronische Erkrankungen; Sterbende Menschen.
- In Notfallsituationen Hilfe leisten: Lebensrettende Sofortmaßnahmen; Mechanische Verletzungen; Physikalische und chemisch-toxische Verletzungen.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten im Themenbereich III („Menschen in ihrem Lebensalltag unterstützen und begleiten“) gehören:
- Privater Bereich: Ambulante Versorgung; Pflege im Privathaushalt; Unterstützung bei der Alltagsbewältigung,
- (Teil-) Stationärer Bereich: (Teil-) Stationäre Versorgung; Leben im Heim; Alltagsgestaltung.
Jede Lerneinheit beginnt mit einer „Auftaktseite“, mit deren Hilfe man sich im Sinne einer Lernkarte (Mindmap) einen raschen Überblick über die jeweiligen Themen verschaffen kann. Im Text gelb hinterlegte Begriffe sind durch eine gelbe Linie mit einer Abbildung verbunden, die die betreffende Textaussage veranschaulicht oder vertieft. Rot hinterlegte Hinweiskästen enthalten besonders wichtige Informationen. Blau hervorgehobene Fremdwörter oder Fachbegriffe sind in blauen Kästen erklärt. Ein Pfeil mit einer Seitenzahl hinter einem Begriff verweist auf eine Buchseite mit vertiefenden Informationen. Diesem Zweck dienen schließlich auch die in einer Extraspalte genannten Internetseiten, mit deren Hilfe rasch auf vertiefende Informationen zurückgegriffen werden kann.
Diskussion
Bereits vorweg kann festgestellt werden: Seinem selbst gewählten Anspruch, „Pflegebasiswissen“ zur Verfügung zu stellen, wird das reichlich illustrierte Fachbuch „In guten Händen“ voll gerecht. Es vermittelt bestens strukturiert auf rund 600 Seiten verständlich, umfassend und kompetent alle wesentlichen Belange pflegerischen Handelns. Zu den dargestellten Inhalten zählen nicht nur pflegerisches Wissen, sondern auch grundlegende Einführungen in naturwissenschaftlich-medizinische, sozialwissenschaftliche und rechtliche Themen. Bei ihrer Darstellung, insbesondere in dem umfangreichsten zweiten Themenbereich, orientieren sich die AutorInnen mehr oder weniger an dem von Liliane Juchli (Jg. 1933) gegründeten Modell der ATLs (Aktivitäten des täglichen Lebens) beziehungsweise dem von Monika Krohwinkel weiterentwickelten Modell der AEDLs (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens).
„In guten Händen“ ist ein Buch, das „Pflegebasiswissen“ bündelt, in herausragender Weise informativ und verständlich zugleich vermittelt, das viele konkrete, hilfreiche Tipps enthält, das zum Nachdenken anregt und für schwierige Themen sensibilisiert. Unterstützt durch eine Vielzahl von Abbildungen – bei denen es sich durchgehend um aktuelle Aufnahmen handelt – und zahlreichen Querverweisen finden Lernende so Schritt für Schritt einen motivierenden Zugang zu den vorgestellten Themen. Beim Nachschlagen findet man Dank des umfangreichen Stichwortverzeichnis schnell die gesuchten Informationen.
„Pflegebasiswissen“ ist für die ins Auge gefasste Zielgruppe der PflegehelferInnen, PflegeassistentInnen und pflegende Laien ein wichtiger, hilfreicher Wegbegleiter während der Ausbildung, auf den man aber auch später im Berufsalltag oder in anderen pflegerischen Zusammenhängen immer wieder getrost zurückgreifen kann. Wer unterdessen eine dreijährige Ausbildung im Bereich der Altenpflege oder Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege anstrebt, sollte sich besser an einem anderen Werk orientieren.
Fazit
Wer auf der Suche nach „Pflegebasiswissen“ ist, dem wird das von Uta Oelke herausgegebene Buch „In guten Händen“ nützliche Dienste leisten.
Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 14.01.2011 zu: Uta Oelke (Hrsg.): In guten Händen - Pflegebasiswissen. Cornelsen Verlag (Berlin) 2010. 624 Seiten. ISBN 978-3-06-450245-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10635.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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