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Joachim Schwohl, Tanja Sturm (Hrsg.): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung

Cover Joachim Schwohl, Tanja Sturm (Hrsg.): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung. Widersprüche und Perspektiven eines erziehungswissenschaftlichen Diskurses. transcript (Bielefeld) 2010. 359 Seiten. ISBN 978-3-8376-1490-9. 32,80 EUR.

Reihe: Theorie bilden - Band 20.
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Ermöglichende und behindernde Formen des Lernens als pädagogisches Ziel

Spätestens seit dem Inkrafttreten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist auch die Diskussion in der Bildungstheorie und –praxis in Deutschland darüber in Gang gekommen, wie eine Schule für alle geschaffen und verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Das im traditionellen deutschen Schulsystem nach wie vor vorherrschende Prinzip der Ausgrenzung und nicht der Integration oder gar der Inklusion, wird ja seit Jahrzehnten als Analyse und Fingerzeig durch die nationalen und insbesondere die internationalen Schulvergleichsuntersuchungen (u. a. PISA) als eine wesentliche Ursache für das bescheidene Abschneiden der deutschen Schul- und Schülerleistungen angesehen und gefordert, eine „dichotome Zuschreibung von Differenzkategorien … zu überwinden“. Dabei soll die Heterogenität der Schülerschaft, wie das bisher in der Bildungsmentalität und –wirklichkeit in Deutschland geschieht, nicht als Problem und die Selektion durch inkludierende Maßnahmen abgeschwächt werden, sondern es soll „die Gestaltung einer inklusiven Schule, in er es im Kern um eine Konzeption geht, die niemanden ausschließt, ja, einen Ausschluss gar nicht in Betracht ziehen kann, da sie sich an der Maxime orientiert, eine Schule zu gestalten, die inklusiv ist und nicht nach Möglichkeiten sucht, Kinder und Jugendliche in diese Schule zu inkludieren“. Ohne Zweifel ist diese Denkweise als ein Quantensprung zu verstehen!

Herausgeberteam und Entstehungshintergrund

Joachim Schwohl vom Arbeitsbereich Behindertenpädagogik an der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg, und die Vertretungsprofessorin für Erziehungswissenschaft mit besonderer Berücksichtigung des Förderschwerpunkts Lernen, Tanja Sturm, greifen in den sich durchaus zögerlich entwickelnden erziehungswissenschaftlichen und praktischen bildungspolitischen Diskurs um eine inklusive Schule mit einem Sammelband ein, in dem insbesondere die theoretische Reflexion und der Anspruch einer „Pädagogik für alle“ diskutiert werden.

Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Karl Dieter Schuck tritt seit vielen Jahren für eine inklusive Schule ein. Zum Ende seiner Amtszeit als Dekan der neu gegründeten Fakultät an der HH-Uni legen seine MitarbeiterInnen, WeggefährtInnen und DiskutantInnen bei dieser pädagogischen Herausforderung einen Diskussionsband vor, in der die „Gestaltung einer inklusiven Schule … aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Perspektiven … betrachtet“ wird.

Aufbau und Inhalt

Das Buch wird in fünf Kapitel gegliedert.

Im ersten Teil wird „Inklusion als erziehungs- und bildungswissenschaftliches Thema“ behandelt; im zweiten werden „Inklusion und sozialräumliche Differenz“ reflektiert; im dritten Kapitel geht es um „Inklusion und Heterogenität“; im vierten wird „Inklusion und Schulentwicklung“ diskutiert; und im fünften Teil wird ein „Blick auf Entwicklungen“ geworfen.

Die Hannöversche Erziehungswissenschaftlerin Birgit Herz setzt sich in ihrem Beitrag „Inclusive Education“ mit der deutschen Fachdiskussion um die integrative Pädagogik auseinander und zeigt die deutsche „Inklusionsmentalität“ auf. Es sind die „logischen“ Ergebnisse eines unhinterfragten, gesellschaftlichen und durch die Globalisierung sich potenzierenden Leistungsprinzips, die insbesondere SchülerInnen mit (vermeintlichen und tatsächlichen) Lernbeeinträchtigungen und Verhaltensstörungen selektiert. Nach Meinung der Autorin ist es der falsche Weg, Reparaturarbeiten am traditionellen Schulsystem vorzunehmen; es müssten vielmehr „die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine förderliche Sozialisation geschaffen werden“.

Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Helmut Richter lenkt den Fokus einer „Schule für alle“ darauf, indem er eine „Gesellschaft für alle“ fordert. Er richtet seinen kritischen Blick auf die im traditionellen Diskurs zur Aufrechterhaltung des gegliederten Schulsystems rechtfertigenden Argumente für „Homogenität, Begabung und Selektion“ und verdeutlicht, verweisend auf die bildungs- und gesellschaftspolitische Situation in Finnland, dass es an der Zeit ist, „die räumlichen Rahmenbedingungen für die Inklusion von Personen in die Gesellschaft politisch zu konturieren und pädagogisch zu vermitteln“, z. B. auf dem Weg hin zu einer Schule und Gesellschaft für alle, durch die allgemeine Einführung der Ganztagsschule und der Ganztagsbildung.

Iris Beck, Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Behindertenpädagogik und Sven Degenhardt, Professor für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik, formulieren „Hinweise zur Verortung des Begriffs im Rahmen der internationalen, politischen und sozialwissenschaftlichen Debatte um Menschenrechte, Bildungschancen und soziale Ungleichheit“. Weil die Forderung nach Inklusion alle Lebensbereiche des Menschen anspricht, zu allen Zeiten, in allen Kulturen, im Alltag wie im gesellschaftlichen und politischen Leben, im Denken und Handeln, ist es angemessen, die UN-Behindertenrechtskonvention in einem Atemzug mit der Erklärung aller Erklärungen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 zu nennen. Mit dem Bild der geologischen Bewegungen, der Plattentektonik, die für das menschliche Leben zu Zerstörungen führen können, zu Erdbeben und vulkanischen Ausbrüchen, verdeutlicht das Autorenteam die notwendige Neuausrichtung hin zu einer inklusiven Schule; es ist nicht die Zerstörung der alten Strukturen, sondern ein echter, humaner Perspektivenwechsel „hin zu einer Schule für alle, die weder nach Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Herkunft, Behinderung, der `Begabung` den Zugang zu Bildungs-(chancen) steuern oder reglementieren darf“.

Das zweite Kapitel „Inklusion und soziale Differenzierung“ beginnen der Direktor des Instituts für Bildungsmonitoring, Norbert Maritzen und Tanja Sturm mit einer „Besichtigung der Normalität“, indem sie über „Heterogenität und Homogenität an Hamburger Schulen“ nachdenken. Dabei verfolgen sie die historische Entwicklung und zeigen an Beispielen der räumlichen und vorfindbaren Schul- und Schülerleistungen Formen der sozialen Heterogenität und der (gewachsenen) „Homogenisierungsgrammatik“ auf. Mit dem „Bildungsmonitoring“ lassen sich die Zusammenhänge verdeutlichen, „Gewissheiten“ in Frage stellen und notwendige Entwicklungen steuern.

Der Erziehungswissenschaftler Wulf Rauer konfrontiert mit seinem Beitrag „Eine Schule für alle in der deutschen Großstadt mit der schärfsten Polarisierung von Reichtum und Armut“ die im Hamburger Schulgesetz postulierten Ansprüche nach „Ausgleich von Benachteiligungen und auf die Verwirklichung der Chancengerechtigkeit“ mit der schulischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit in der Hansestadt, in der die einkommensreichen Einwohner bundesweit an der Spitze liegen, gleichzeitig aber die Armutsquote den Spitzenwert erreichen. Diese gesellschaftliche Exklusion, die sich in der lokal und global erkennbaren Tendenz ausdrückt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, zeigt sich darin, dass „sich die Lebenswelten von Kindern in der Stadt immer weiter voneinander entfernen“.

Der im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität lehrende Joachim Schroeder stellt, gewissermaßen mit dem Blick über den regionalen Gartenzaun, Rückfragen zum Hamburger Schulversuch „Integrative Grundschule im sozialen Brennpunkt“ an; nicht zuletzt deshalb, weil das 1991 begonnene Projekt überregionale Aufmerksamkeit findet und sich in den kontroversen Sichtweisen widerspiegelt. Es sind milieuorientierte Sozialraum- und Lebenslagenanalysen, sowie individuelle und gesellschaftliche Situationen, die pädagogisches Wirken bestimmen müssen.

Im dritten Kapitel „Inklusion und Heterogenität“ reflektiert Tanja Sturm „Differenzkonstruktionen im Kontext unterrichtlicher Praxis“. Die alte Schulweisheit, dass es die Lehrkräfte sind, die institutionelles und innovatives Lernen und Erziehen konstituieren, wird mit der Frage aufgenommen, wie Lehrkräfte mit Differenz umgehen und diese in den Lern- und Erziehungsprozess gestalten. An einem Unterrichtsbeispiel verdeutlicht die Autorin, wie inklusiver Unterricht ermöglicht und in der Lehreraus- und -fortbildung vermittelt werden kann.

Die Erziehungswissenschaftlerin Hannelore Faulstich-Wieland und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Scholand setzen sich mit der Kontroverse der schulischen Mono- und Koedukation auseinander, indem sie fragen: „Eine Schule für alle – aber getrennte Bereiche für Mädchen und Jungen?“. Die Autorinnen plädieren für einen „transklusiven“ Bildungsbegriff, was bedeutet, den impliziten Bezugsrahmen von Unterricht transparent zu machen und „all seine unausgesprochenen kulturellen, materiellen Voraussetzungen und Selbstverständlichkeiten, Abläufe, Routinen und Erwartungen an die Unterrichtsteilnehmenden zu explizieren und zu reflektieren“.

Der Erziehungswissenschaftler vom Institut für Behindertenpädagogik, Wolfgang Praschak bringt die Erfahrungen mit kooperativer Bildung im Alltag ein, indem er die „Notwendigkeit von heterogenen Unterrichtsformen mit Schülerinnen und Schülern mit einer schwersten Behinderung“ erklärt und dabei deutlich macht, dass den Bedürfnissen und Möglichkeiten der in Sonderklassen Beschulten mit der überholten syndromspezifischen Kategoriebildung nicht entsprochen werden kann. Er plädiert für eine lebensweltlich und fachdidaktisch ausgerichtete Förderplanung und –diagnostik, die im Regelsystem zu verorten ist.

Der Religionspädagoge Wolfram Weiße setzt sich ein für „Religionsunterricht für alle in einer Schule für alle“; nicht Separation, sondern Inklusion auch in der religiösen Werteerziehung. Am Beispiel der Konzeption und der Ergebnisse des europäischen Forschungsprojektes „Religios in Education. Contribution to Dialogue or Factor of Conflict in transforming societies of Europeen Countries (REDCo) kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass der interreligiöse Dialog in einer multikulturellen Gesellschaft, „der die Traditionen von Religionen in ihrer Vielfalt und Differenziertheit repräsentiert und … die Lebenswelten von Menschen in unserer Gesellschaft so einbezieht, dass Wissen, Werthaltungen und Ethik miteinander verbunden werden“, eine notwendige und friedensstiftende Hertausforderung darstellt, die es lokal, regional und global zu bewältigen gilt.

Die Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Gogolin, die ihren Arbeits- und Forschungsschwerpunkt insbesondere den Fragen nach einer „durchgängigen Sprachbildung“ widmet, hat mit ihrem Team das von 2004 bis 2009 bundesweit durchgeführte BLK / KMK - Modellprogramm FörMig (Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund) geleitet und evaluiert. Nicht überraschend, aber durchaus mit den Ergebnissen des Forschungsprogramms nachgewiesen, wird deutlich, dass die sich ja bereits in den zahlreichen nationalen und internationalen Schulvergleichsuntersuchungen gezeigten Defizite von Kindern mit Migrationshintergrund den pädagogischen Einflüssen und Möglichkeiten im bestehenden Schulsystem entziehen. Zu den wesentlichen, im Repertoire des erziehungswissenschaftlichen Denkens und Handelns mittlerweile angekommenen Erkenntnissen gehört, dass für pädagogisches Handeln sprachliche und kulturell heterogene Bedingungen zu berücksichtigen sind. Der Grundgedanke für das didaktische, pädagogische und lebensweltliche Konzept des Lernens liegt deshalb darin, dass die „Aufmerksamkeit auf Sprache ( ) eine Anforderung (ist), die grundsätzlich in allen Lebensbereichen, im Unterricht aller Fächer zu realisieren ist“( vgl. dazu auch: Marianne Krüger-Potratz / Ursula Neumann / Hans H. Reich, Hrsg., Bei Vielfalt Chancengleichheit, Waxmann Verlag 2010, in: socialnet Rezensionen, http://www,socialnet.de/rezensionen/10508.php). Weshalb die Ingrid Gogolin nicht im AutorInnen-Verzeichnis avisiert ist, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten.

Alfons Welling diskutiert in seinem Beitrag „Frühförderung im Kontext der sprachlichen Entwicklung des Kindes“. Er bezieht sich dabei auf die Sprachentwicklung im Alter von 2 bis 6 Jahren, indem er 10 Prinzipien der Sprachförderung formuliert und diesen unterschiedlichen Sprach- und Handlungskonzepten zuordnet.

Im vierten Kapitel setzt sich die an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr in Hamburg tätige Erziehungswissenschaftlerin Mechthild Gomolla mit ihrem Beitrag „Schuleffektivität, Pluralität und soziale Gerechtigkeit“ mit den Spannungen und Widersprüchen gegenwärtiger Qualitätsstrategien im Bildungssystem auseinander. Mit Blick auf die Geschichte, die Einflussfaktoren und die soziologischen und gesellschaftlichen Anforderungen der Schuleffektivitätsforschung spiegelt die Autorin am britischen Diskurs um „Schuleffektivität als offizielle Politik und Gleichheitsziele“ auch die erziehungswissenschaftliche und bildungssoziologische Diskussion in Deutschland.

Eva Arnold, Referentin für Qualitätsentwicklung bei Studium und Lehre an der Hamburger Universität, fragt, wie Daten aus Lernstandserhebungen helfen können, um inklusive Schule zu entwickeln. Sie können, nach Meinung der Autorin, dazu beitragen, Schulleitungen und Lehrkräfte… zu sensibilisieren, Barrieren und Ressourcen für das Lernen und die Teilhabe aller Kinder zu erkennen, inklusive Lernarrangements und Unterstützung für Kinder mit vielfältigen Lernvoraussetzungenzu organisieren und inklusive Werte zu verankern“. Das Bremer Schulentwicklungsprojekt „Schule macht sich stark“ zeigt auf, dass Lernstandserhebungen für förderdiagnostische Zwecke benutzt werden können, wenn es gelingt, „individuelle Lernvoraussetzungen zu erkunden und sich über individuell günstige Unterrichtsformen und Rahmenbedingungen auszutauschen“.

Waltraud Rath, em. Erziehungswissenschaftlerin und Christine Pluhar, Referatsleiterin Förderzentrum beim Schleswig-Holsteinischen Bildungs- und Kulturministerium, stellen fest: „Inklusive Schule braucht Unterstützung(ssysteme)“. Exemplarisch sehen sie in der Konzeption und Arbeitsweise des „Landesförderzentrums Sehen, Schleswig-Holstein“ die Chance, inklusive Unterstützungssysteme auch für allgemeinbildende Schulen zu etablieren.

Das fünfte Kapitel leitet die Psychologin Gabriele Ricken mit „Ansätze(n) einer (behinderten-)pädagogischen Diagnostik in einer inklusiven Schule“ ein. Die bisherige Sichtweise für diagnostische Konzepte und Methoden wird durch den Perspektivenwechsel verdeutlicht, dass „Variablen, die das unmittelbare Lernklima bestimmen und direkt investierte Lernzeit beeinflussen, wie unmittelbare, ermutigende Rückmeldungen, Wertschätzung von Anstrengungen und Entwicklungsfortschritten, adaptive Veränderungen von Bedingungen … eine größere Rolle spielen als strukturelle Bedingungen“. Die einmaligen, kurzzeitigen Diagnosen, etwa für sonderpädagogischen Förderbedarf, müssen durch eine lernprozessbegleitende Diagnostik ersetzt werden.

André F. Zimpel, Erziehungswissenschaftler mit besonderer Berücksichtigung der Sonderpädagogik, fordert ein neues Entwicklungsverständnis für die Bildung eines inklusiven Schulsystems. Weil die Vorhersagen für geistige Entwicklung äußerst ungewiss und schon gar nicht linear zu treffen sind, bedarf es einer neuen, komplexen Betrachtung der so genannten „Allgemeinintelligenz“ und damit der Etablierung einer „inklusiven Didaktik“. Dazu dienen dem Autor „Kompetenzraster und „Projektlernen“ als Beweismittel dafür, dass Normalität Verschiedenheit voraussetzt. Weil aber der Mensch nicht nicht mathematisch denkt, entwirft der Autor „mit mathematischen Mitteln ein zukunftsoffenes Entwicklungsverständnis“ und liefert gleichzeitig Argumente gegen die traditionelle Notengebung.

Fazit

„Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung“ stellt eine lerntheoretische und –praktische Anforderung an Schule und Gesellschaft dar. Die Forderung nach „einen wertschätzenden und unterstützenden Umgang innerhalb von Schulen“ ist nicht alleine zu haben durch ein institutionelles Reparieren, Arrangieren (oder verschlimmbessern) des traditionellen, gegliederten Schulsystems, sondern nur durch einen gesellschaftlichen Perspektivenwechsel, der das Menschenrecht auf Bildung ernst nimmt.

Die vom Hamburger Erziehungswissenschaftler Karl Dieter Schuck (voraus-)gedachten Konzeptionen für eine inklusive Schule werden in dem Sammelband von den Autorinnen und Autoren aus Hamburg und anderen Orten in dezidierten, fachspezifischen und interdisziplinären Beiträgen aufgenommen und mit der politischen und gesellschaftlichen Forderung versehen, die notwendigen Rahmenbedingungen für die Gestaltung einer inklusiven Schule herzustellen; „Der schulkulturelle Umgang mit sozialer Heterogenität und Differenzen insgesamt ist zu hinterfragen und auf ermöglichende und behindernde Bedingungen zu prüfen“. Freilich wirddie Förderung nach dem „Anspruch einer Pädagogik für alle“ nicht einfach dadurch zu erreichen sein, dass die erziehungswissenschaftlichen Argumente dafür auf den Tisch gelegt werden; die Infragestellung der Schule in der bisherigen Konzeption – und damit ihre Überwindung – bedarf einer ethischen und humanen Bewusstseinsbildung; auch der Erkenntnis, dass, wenn das System falsch programmiert ist, der gute Wille des Einzelnen an Grenzen stößt ( siehe dazu: Worldwatch Institute, Hrsg., Zur Lage der Welt, München 2010, in: socialnet Rezensionen, http://www.socialnet.de/rezensionen/10494.php). Auch wenn der aktuelle gesellschaftliche Mainstream scheinbar dafür noch nicht bereit ist, darf die Pädagogik und Erziehungswissenschaft nicht nachlassen, immer wieder den Finger in die (schwärende) gesellschaftliche Wunde zu legen. Mit dem Sammelband geschieht dies!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 15.02.2011 zu: Joachim Schwohl, Tanja Sturm (Hrsg.): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung. Widersprüche und Perspektiven eines erziehungswissenschaftlichen Diskurses. transcript (Bielefeld) 2010. ISBN 978-3-8376-1490-9. Reihe: Theorie bilden - Band 20. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10651.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


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