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Erhard Fischer, Manuela Heger u.a. (Hrsg.): Perspektiven beruflicher Teilhabe

Cover Erhard Fischer, Manuela Heger, Desiree Laubenstein (Hrsg.): Perspektiven beruflicher Teilhabe. Konzepte zur Integration und Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Athena Verlag (Oberhausen) 2010. 184 Seiten. ISBN 978-3-89896-427-2. D: 19,50 EUR, A: 20,10 EUR, CH: 34,00 sFr.

Reihe: Schriften zur Pädagogik bei Geistiger Behinderung - 2.
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Thema

Wie für Geistigbehinderte Übergänge in eine Berufstätigkeit, die außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen anzusiedeln ist, gelingen kann, „welche inhaltlichen und konzeptionellen Anforderungen an eine Vorbereitung, Unterstützung und Begleitung dieser Übergangsprozesse nötig erscheinen und wie auch Frauen mit Behinderungen einbezogen werden können – dies sind Themen der […] zusammengestellten Beiträge, diskutiert von erfahrenen Fachleuten“ (Bucheinband).

Herausgeber und Herausgeberinnen

Erhard Fischer (Jg. 1952) ist Professor für Geistigbehindertenpädagogik und Geistigbehindertendidaktik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Der Erstherausgeber hat die Lehrbefähigung in den sonderpädagogischen Fachrichtungen Geistigbehinderten-, Verhaltensbehinderten- und Sprachbehindertenpädagogik.

Die 1981 geborene Manuela Heger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geistigbehindertenpädagogik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Hier arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zum Übergang von der Förderschule in den Beruf bei Vorliegen des Förderschwerpunktes geistige Entwicklung.

Désirée Laubenstein ist Juniorprofessorin am Institut für Sonderpädagogik der Universität Koblenz-Landau. Hier widmet sie sich besonders der Pädagogik bei herkunftsbedingten Benachteiligungen, Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen. In ihrer Dissertation hat die Drittherausgeberin sich 2007 mit Sonderpädagogik und Konstruktivismus – Behinderung im Spiegel der Anderen, der Fremdheit und der Macht befasst.

Entstehungshintergrund

„Ausgehend von den Erfahrungen an verschiedenen Orten der Bundesrepublik und in dem Bewusstsein, dass unterschiedlichste regionale Bemühungen und Projekte existieren, hat die wissenschaftliche Begleitung von ‚Übergang Förderschule-Beruf‘ im März 2010 eine Tagung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg initiiert, die als Informations- und Austauschforum für eben diese vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Übergangs von der Schule in den Beruf für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung fungieren sollte“ (S. 16).

Aufbau

  • Erhard Fischer, Manuela Heger und Désirée Laubenstein: Konzepte zur beruflichen Integration – Überblick und Einführung
  • Elisabeth Tschann: Berufliche Integration von jungen Menschen mit schweren Behinderungen und vielfachen Möglichkeiten
  • Winfried Manz: Kooperative Berufsvorbereitung und berufliche Integration
  • Klaus Gößl, Ruth Kolb und Karin Wirsching: Übergang Förderschule – Beruf, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung – ein Angebot in der Berufsschulstufe in Bayern
  • Jürgen Baier, Harald Ebert und Hans-Walter Kranert: Sicherung der Teilhabe von jungen Menschen mit ausgeprägten Lernschwierigkeiten am Arbeitsleben in einer inklusiven Schullandschaft
  • Ralf Behncke: Integrationsangebote der Hamburger Arbeitsassistenz im Übergang von der Schule in den Beruf für Menschen mit Lernschwierigkeiten: „Betriebliche Berufsbildung“ und „Unterstützte Beschäftigung“
  • Michael Wenzel: Arbeiten außerhalb der Werkstatt: Außenarbeitsplätze der WfbM und Arbeitsplätze in der Integrationsfirma am Beispiel der Mainfränkischen Werkstätten GmbH, Würzburg
  • Kuna Eichner: Sozialraumorientierung – Herausforderung und Entwicklungschance für die WfbM
  • Melanie Rieß: Virtuelle Werkstatt – Vision? – Chance? – Perspektive?
  • Barbara Vieweg: Berufliche Teilhabe behinderter Frauen

Ausgewählte Inhalte

In ihrer überblicksartigen Einführung stellen die HerausgeberInnen den Wert der Arbeit als einen lebensnotwendigen „Bestandteil unseres kulturell und gesellschaftlich gewachsenen Daseins, über den Menschen ganz unterschiedliche Ziele verfolgen“ (S. 7) dar. Mit Bezug auf Artikel 27 BRK (Behindertenrechtskonvention) wird die Teilhabe Behinderter auf diesem Feld konkretisiert. Die HerausgeberInnen benennen im zweiten Teil die Problemlagen, welche sich für die Behinderten auftun. Im dritten Teil gehen Fischer/Heger/Laubenstein auf die in der Publikation vorgestellten neuen Konzepte ein, die neue Chancen bieten sollen. Teil vier enthält die Kurzdarstellung der in dem zu besprechenden Sammelband enthaltenen Beiträge. Dieser Kurzdarstellung schließt sich am Ende des Beitrags ein Fazit an.

Elisabeth Tschann stellt in ihrem Beitrag SPAGAT vor. Hierbei handelt es sich um ein Modell des Instituts für Sozialdienste, welches in Vorarlberg die „integrative Angebotslücke nach der Pflichtschule“ (S. 37) schließt. „SPAGAT ist die individuelle Unterstützungsplanung, die sich von der institutionellen dahingehend unterscheidet, dass sie den Jugendlichen (mit Behinderung – CR) in den Mittelpunkt rückt und sich an seinen Fähigkeiten, Stärken und Grenzen orientiert, seine Wünsche und Träume als Leitlinien anerkennt“ (ebd.).

Winfried Monz stellt beispielhaft an Heidelbergs Graf von Galen-Schule die Genese einer schulischen Konzeption vor, welche den Transfer von der Schule in das Erwachsenen- und Berufsleben - mit Blick auf den ersten Arbeitsmarkt – fokussiert.

Melanie Rieß veranschaulicht in ihrem Beitrag die konzeptionelle Gestaltung einer virtuellen Werkstatt. „Dabei werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur klassischen WfbM herausgearbeitet und die sich daraus resultierenden Chancen und Möglichkeiten der Integration von Menschen mit Behinderung erörtert“ (S. 157)

Barbara Vieweg widmet sich in ihrem Beitrag der gesellschaftlich doppelt benachteiligten Frau mit Behinderung, als da einmal wäre die ihr anhaftende Behinderung und zum Anderen ihr Geschlecht, „denn Frauen haben nach wie vor ungleiche Zugangsbedingungen zu Erwerbsarbeit, bedingt durch tradierte Vorurteile und strukturelle[…] Bedingungen“ (S. 169).

Fazit

Die Lektüre der besprochenen Publikation empfiehlt sich für die sich mit der beruflichen Bildung Behinderter befassenden LeserInnenschaft. Der Blick über den eigenen institutionellen Tellerrand lohnt sich sehr!


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 04.01.2011 zu: Erhard Fischer, Manuela Heger, Desiree Laubenstein (Hrsg.): Perspektiven beruflicher Teilhabe. Konzepte zur Integration und Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung. Athena Verlag (Oberhausen) 2010. ISBN 978-3-89896-427-2. Reihe: Schriften zur Pädagogik bei Geistiger Behinderung - 2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10693.php, Datum des Zugriffs 27.09.2016.


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