Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Studienführer Sozialmanagement - Sozialwirtschaft [...]
Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Studienführer Sozialmanagement - Sozialwirtschaft an Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 127 Seiten. ISBN 978-3-8329-0179-0. 34,00 EUR, CH: 59,00 sFr.
Reihe: Edition SocialManagement - Band 19.
Einführung in das Thema und seine Verortung im aktuellen Fachdiskurs
Die in dieser Veröffentlichung behandelten Sachverhalte entstanden aus dem sog. Bologna-Prozeß, der den Neuen Europäischen Hochschulraum öffnen bzw. schaffen sollte und zwar über EU hinaus: die Bologna-Erklärung vom 19.06.1990 wurde von ebenso vielen Nicht-EU-Staaten unterzeichnet wie von EU-Mitgliedern. Ziel war die vereinheitlichende Internationalisierung (oder besser: "Amerikanisierung"?) und wurde überstürzt beschlossen, mit wenig Detailkenntnis bei den Beschließenden wie bei den Implementierenden. Die zahlreichen Veröffentlichungen dazu zeigen das dadurch entstandene Chaos, viele Missverständnisse und Fehlschlüsse; besonders betroffen ist die Sozialarbeit/Sozialpädagogik und die betreffenden Studiengänge an Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien.
Die beiden Autoren versuchen anhand gründlicher Recherchen zusammenfassend über den heutigen Stand in den deutschsprachigen Ländern - Deutschland, Österreich und Schweiz - zu orientieren und zu informieren, besonders bezogen auf den Sach- und Ausbildungsbereich Sozialmanagement/Sozialwirtschaft.
Hintergrund und Entstehung des Buches
Der Studienführer ist ein Produkt aus dem Forschungsschwerpunkt Wohlfahrtsverbände/Sozialwirtschaft (FSP WV/SW), der seit Oktober 1996 an der Fachhochschule Düsseldorf hauptsächlich Organisations- und Personalentwicklungen im Bereich Sozialer Dienstleistungen untersucht und dessen Leiter einer der Autoren - Prof. Dr. Karl-Heinz Boeßenecker - ist (s. Seite 127).
Aufbau, Inhalte und Gliederung
Der "Studienführer" besteht eigentlich aus zwei Teilen, und zwar: acht Textkapitel und einer Übersicht "Beschreibung der Studiengänge Sozialmanagement", die mit 71 Seiten Umfang den Hauptteil des Buches (insgesamt 127 Seiten) bildet.
Die sieben 2 bis 4½ Seiten umfassenden Textkapitel behandeln:
- den Entwicklungsstand (S. 15-19) und die Debatte (S. 11-14) um die Bachelor-/ Master-Studiengänge in der BRD;
- die Zuordnung Bachelor und Master zu Fachhochschulen und Universitäten und die diesbezügliche Diskussion (S. 20-23),
- im Kapitel "Studiengänge Sozialmanagement/Sozialwesen" geht es um die Debatte zur "Reform und Verwissenschaftlichung der Sozialarbeiterausbildung" und deren Neugestaltung durch das neue Studiengangsystem BA/MA, die hier ohne nähere Begründung auf die Entstehung neuer Studiengänge zum Sozialmanagement/Sozialwirtschaft übergeht unter Verweis auf den Entwicklungsvorsprung der Schweiz und Österreich und v.a. der USA (S. 24-26);
- wie es zur Verlagerung des Interessen- und Analyseschwerpunktes von der Sozialarbeit auf den "Gegenstand Sozialmanagement als Teil der Hochschulausbildung" kam, wird in einem folgenden Abschnitt (S. 27ff.) erläutert wie auch die Initiierung regelmäßiger und systematischer Recherchen zum Stand sozialmangement-bezogener Studiengänge;
- im darauf folgenden Kapitel werden die Recherchen, ihre Methode und Ergebnisse in verschiedener Form präsentiert und
- dann folgt eine Zusammenfassung und Perspektiven dieser Recherchen und ihrer Ergebnisse (S. 35-37)
- das achte und letzte Textkapitel - als Exkurs bezeichnet - behandelt "die Hochschulsysteme in der BRD, Schweiz und in Österreich" (S. 114-124) auf gut zehn Seiten
Im Hauptteil (S. 38 - 113 = 76 Seiten) werden die Studiengänge Sozialmanagement in zwei Übersichten nach Ort und Hochschultyp (S. 38-40) und nach Hochschultyp und Ort (S. 40 - 42) dargestellt und dann alle 71 einzeln nach den S. 30 genannten und begründeten Kategorien beschrieben:
- Bezeichnung des Studienangebotes
- Hochschultyp
- Ort
- Fachbereich/Fakultät
- Art und Form des Studienangebotes
- Abschluss
- Studiendauer
- Anzahl der Plätze
- Gebühren
- Studienbeginn
- Angebot besteht seit
- Erläuterungen zum Studienangebot
- AnsprechpartnerIn und Anschrift, Telefon.
Dieser umfänglichste Teil des ganzen ist auch der bis ins Detail hinein informativste, der den Titel Studienführer voll abdeckt und rechtfertigt und die nach Ausbildungsmöglichkeiten suchenden Nutzer nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz gut über gesuchte Studienmöglichkeiten und ihre jeweils spezifischen Einzelheiten informiert.
Erfasst sind 71Studiengänge, davon 46 an Fachhochschulen, 22 an Universitäten und 3 an Berufsakademien. Es sei noch einmal verdeutlicht: 71 ist die Anzahl der erfassten Studiengänge, nicht etwa die Anzahl der Hochschulen oder Fachbereiche/Fakultäten, da vereinzelt zwei Studiengänge von der gleichen Hochschule, ja im gleichen Fachbereich angeboten werden, in zwei Fällen auch ein grundständiger und ein postgradualer Studiengang an der gleichen Fachhochschule eingeführt wurde. Und insofern ist der Studienführer über die Informationen suchenden Studienanwärter und Studierenden hinaus auch als Informations- und Analysegrundlage für die die Entwicklung verfolgenden und beurteilenden Fachleute aus Wissenschaft und Praxis lesenswert, weil informativ.
Fraglich erscheinen bei einem erheblichen Teil der 71 präsentierten Studiengänge (a) die Auswahl- und Aufnahmekriterien mit Bezug auf den Ausbildungsbereich Sozialmanagement, und (b) der Bezug der Sozialmanagementausbildungsgänge zur Sozialarbeit, da
- nur knapp die Hälfte der 71 Studiengänge in Fachbereichen für Sozialwesen, im übrigen von betriebs- und volkswirtschaftlichen, aber auch in theologischen, juristischen und verwaltungswissenschaftlichen Fakultäten und Fachbereichen angeboten werden,
- Abschluss- und damit Berufsbezeichnungen mit wenig (z.B. Diplom-SozialwirtIn, Diplom-CaritaswissenschaftlerIn) oder ohne (Diplom-Kauffrau, -Kaufmann, Diplom-BetriebswirtIn, Diplom-VerwaltungsbetriebswirtIn) Bezug zur Sozialarbeit verliehen werden. Insofern ist der Studienführer für Informationssuchende, die sich bereits für die Profession Sozialarbeit/Sozialpädagogik entschlossen haben, u.U. irreführend. Das aber ist weniger ein vermeidbares Manko der Autoren und ihrer Veröffentlichung als eine der Entwicklung immanente Gefährdung von Profession und Disziplin der Sozialarbeit/Sozialpädagogik.
Zielgruppen und Nutzer
Der Titelbegriff Studienführer ist zu eng und einseitig und spricht nur einen Teil potenzieller Leser und Nutzer direkt an; und ebenso bezeichnet der Titelbegriff Sozialmanagement/Sozialwirtschaft nur einen Teil der behandelten Ausbildung und Praxisbereiche: Sozialarbeit und Sozialwesen und die Entwicklung ihrer Ausbildungen unter dem neuen Ausbildungs- und Graduierungssytem sind der Ausgangspunkt, die Ausgangsfragestellung, wobei allerdings der Bezug zum keineswegs deckungsgleichen Sozialmanagement und ihre gegenseitige Beeinflussung unklar bleiben.
Tatsächlich ist das Buch über den Anspruch Studienführer hinaus für weiter Zielgruppen und potenzielle Nutzer interessant und für ihre Analysen relevant:
- für die Lehrenden und Organisierenden im Bereich Sozialarbeit und Sozialmanagement liefert es relevante Informationen "was anderswo geschieht" zum Vergleich mit dem eigenen Studiengang und Studiengangmodellen;
- für die bildungspolitisch Forschenden und Schreibenden allgemein wie im Bereich Sozialarbeit/Sozialpädagogik bietet es empirische Grundlagen und statistische Fakten für ihre Analysen und Empfehlungen (wobei die Fakteninformationen aber bei den rasanten Veränderungsprozessen rasch veralten und durch laufend wiederholte Erhebungen auf dem laufenden gehalten werden müssen).
Fazit
Die vorliegende Veröffentlichung bietet sichere - mehrfach gesicherte! - Informationen über Veränderungsprozesse des Hochschulsystems und seine Ergebnisse, wobei sich die dargestellten Untersuchungsergebnisse ausschließlich auf Studiengänge Sozialmanagement bzw. solche, die trotz eigener, anderer Bezeichnungen von den Autoren dem Sozialmanagement zugerechnet werden (wie z.B. Caritas-Wissenschaft und Angewandte Theologie, mit dem Abschluss Diplom-Caritas-TheologIn u.a.) beziehen. Durch das Verhältnis des Umfanges beschreibender und evaluierender Texte (rund 1/3) und der informierenden Übersicht über alle erfassten Studiengänge (rund 2/3) stellt es ein Unikum dar, das es für viele potenzielle Nutzer empfiehlt.
Rezensent
Prof. em. Dr. Hans Pfaffenberger
Universität Trier, Fachbereich 1 Sozialarbeit/Sozialpädagogik
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Zitiervorschlag
Hans Pfaffenberger. Rezension vom 23.03.2004 zu: Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Studienführer Sozialmanagement - Sozialwirtschaft [...]. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 127 Seiten. ISBN 978-3-8329-0179-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1070.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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