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Nina Kölsch-Bunzen: Aspekte von Early Excellence

Cover Nina Kölsch-Bunzen: Aspekte von Early Excellence. Theorie und Praxis in St. Josef Stuttgart. Dohrmann Verlag (Berlin) 2011. 180 Seiten. ISBN 978-3-938620-19-9. 19,80 EUR.
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Thema

Die pädagogischen Konzepte zur Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen sind vielfältig. Es besteht in der Frühpädagogik kein einheitlich zurechtgeschnittenes Konzept, sondern Vielfalt und Buntheit markieren die Scene. Neben den in Deutschland allseits bekannten Ansätzen gewinnt ein Konzept aus England immer mehr Befürworter und Nachahmer: die Early Excellence Centres. Ausganspunkt dieses Ansatzes ist die Stadt Corby in Nordengland. Dort wurde 1983 das Pen Green Centre für Familien und Kinder gegründet. Ein Team von Mitarbeitern aus verschiedenen Berufen ist dort tätig. Sie entwickelten den Early Exzellence-Ansatz. Diese Pädagogik stellt die Kompetenzen und Bildungsinteressen der Kinder in den Mittelpunkt und bindet in vorbildlicher Weise die Eltern ins pädagogische Geschehen ein. Die mustergültige Bildung und Erziehung in den Einrichtungen von Corby wurden 1997 von der Regierung Englands auf mehrere Zentren übertragen. Im Jahre 2001 begann im Kindergarten an der Schillerstraße in Berlin der Versuch, die pädagogischen Erfahrungen mit dem Early Excellence-Ansatz für deutsche Einrichtungen fruchtbar zu machen.

Im Jahre 2006 vollzog sich in Deutschland ein weiterer Schritt der Ausweitung: Das Kinderzentrum St. Josef in Stuttgart versuchte nach dem Ansatz der Early Excellence Centres seine Pädagogik neu auszurichten. Wissenschaftlich begleitet wurde diese Umstrukturierung durch die Hochschule Esslingen, namentlich durch Frau Professorin Nina Kölsch-Bunzen.

Aufbau und Inhalte

Der vorliegende Sammelband „Aspekte von Early Excellence“ enthält Zusammenfassungen aus Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten, die in Kooperation mit der genannten wissenschaftlichen Begleitung entstanden sind. Sie arbeiten im Besondern Einzelaspekte des Early Excellence Konzept heraus. Folgende Theorie- und Praxiselemente der Early Excellence Pädagogik werden eingehend dargestellt:

  • Der Einführungsbeitrag von Nina Kölsch-Bunzen bringt die Leserinnen und Leser auf den neuesten Stand des pädagogischen Konzepts der Early Excellence Einrichtungen. Er gibt einen Einblick in die Methoden der Bildungsarbeit und stellt die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern heraus, sowie die Gemeinwesenorientierung des Konzepts.
  • Der Beitrag von Verena Jahns beschäftigt sich mit dem englischen Modell des „Family Outreach Service“. Es handelt sich dabei um ein Unterstützungsangebot für Familien in Krisensituationen. Praxisbeispiele illustrieren die Prinzipien des Service-Angebots. Kritische Erwägungen der Autorin prüfen Übertragungsmöglichkeiten auf deutsche Verhältnisse.
  • Die Beobachtung von Entwicklungsschematas ist ein Kernstück der Early Excellence Pädagogik. Die Autorin des Beitrags „Schemas - Der mögliche Stellenwert eines Analyseinstruments frühkindlicher Lernprozesse im Beobachtungssystem EEC“ - Katrin Edelmann - zeigt anschaulich, wie Kinder Schemas erwerben und wie sie dabei unterstützt werden können.
  • Der Erfolg von Bildung und Erziehung steht in einem engen Zusammenhang mit der Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen. Und da die Zusammenarbeit mit den Eltern ein Hauptelement der Early-Excellence Arbeit ist, auch mit der Zufriedenheit der Eltern. Der Beitrag von Katja Schönberger geht der Frage nach: Wie zufrieden sind Mitarbeiter/innen und Eltern mit der Bildung und Erziehung in den Early Excellence Centres. Mit Hilfe von leitfadengestützten Experten-Interviews wurde die Untersuchung durchgeführt. Zugleich wird aus dem Beitrag ersichtlich, wie die Datenerhebung und Datenauswertung in dieser Untersuchung vorgenommen wurde.
  • Der Beitrag von Kerstin Filzwieser überprüft die Prinzipien des Early Excellence Ansatzes im Arbeitsfeld der Hilfen zur Erziehung nach § 31 SGB VIII. Demnach profitiert die Familienhilfe, wenn sie sich am Muster des Pen Green Loop ausrichtet. Damit wird ein Konzept angewendet, das einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen sozialpädagogischen Fachkräften und Eltern vorzeichnet.
  • Ebenso beschäftigt sich der Beitrag von Alrund Schnabel mit Übertragungsmöglichkeiten der Early Excellence Prinzipien auf die Familienhilfe. Die Autorin überprüft kritisch die Methoden des Early Excellence Ansatzes für die Arbeit in der Familienhilfe und sieht für dieses Arbeitsfeld noch dringenden Entwicklungsbedarf. Weiterhin sollten in Deutschland die Bildungsvorstellungen aus dem englischen Konzept weitergeführt werden.
  • Die Ausführungen von Jochen Stilz zeigen, wie sich Prinzipien des Early Excellence Ansatz auf die Erziehungspartnerschaft mit Eltern in der Heimerziehung auswirken können. Der Autor geht überblickshaft auf zentrale Elemente der herkömmlichen Elternarbeit ein. Dann macht er deutlich, welche Veränderungen sich ergaben durch den Einbezug der Early Excellence Prinzipien. Nach Auskunft des Autors ist es besser gelungen, den Eltern mit Hilfe des Early Excellence Ansatzes auf Augenhöhe zu begegnen.

Die Skizzierung der Einzelbeitrage zeigt folgende Entwicklungslinie der Veröffentlichung: Die Grundprinzipien des Early Excellence Ansatzes werden zunächst entfaltet und die Übertragung auf die herkömmlichen Arbeitsfelder beschrieben. Dann werden Blicke über den Tellerrand gewagt, indem Versuche der Übertragung auf neue Wirkungsbereiche vorgestellt werden.

Diskussion

Der von den Autor/innen vorgelegte Sammelband skizziert zentrale Aspekte des Early Excellence Konzepts. Wenn auch dem interessierten Leser viele der dargestellten Gesichtspunkte des Konzepts bereits bekannt sind, so wird er dennoch mit den neuesten Entwicklungen vertraut gemacht und darüber hinaus über bisher nicht dargebotene Aspekte informiert. Auf der einen Seite erhält man vortreffliche Zusammenfassungen und Überblicke zum Early Excellence Ansatz und zum anderen werden Elemente und Praktiken beschrieben, wie sie bisher in deutscher Sprache noch nicht publiziert wurden; beispielsweise das Konzept der Schemas, der „Family Outreach Service“, Aspekte zur Familienhilfe und Heimerziehung.

Es wird aus den Beiträgen vortrefflich deutlich: Der Early Excellence Ansatz wendet sich vorbehaltslos den Interessen und Entwicklungsaufgaben der Kinder zu und er integriert kompromisslos die Erfahrungen und Kompetenzen der Eltern in die pädagogische Arbeit der Einrichtungen. Weiterhin wird aus den angesprochenen Beiträgen deutlich, dass dieser Ansatz in der Lage ist, auch zusätzlichen Arbeitsfeldern der Sozialpädagogik Impulse geben und sie strukturieren kann.

Leider ist die Präsentation der Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Arbeit mit dem Early Excellence Konzept stiefmütterlich: Die gesamte Publikation kennt keine anschaulichen und ergänzenden Zusätze. So könnten beispielsweise Schemata und Grafiken Grundsätze und Zusammenhänge des Konzepts herausheben. Bilder aus der Arbeit sollten die Texte auflockern und veranschaulichen. Bei der Durchsicht vieler Seiten treten dem Leser „Buchstabenwüsten“ entgegen, wie häufig in Redaktionskonferenzen beklagt wird. Verschlimmert wird dieser Eindruck noch durch die Überfülle an Abkürzungen, die auch den informierten Leser ständig zwingt, sich der Bedeutung zu vergewissern. Dem sehr lebendigen, praxisnahen und innovativen Ansatz steht eine langatmige und schwerfällige Berichterstattung gegenüber. Eine Ungereimtheit für Leserinnen und Leser.

Fazit

Eine sehr wichtige Publikation zu den neueren Entwicklungen des Early Excellence Konzepts, das zusätzliche interessante Versuche der Erweiterung und Übertragung dieses Ansatzes vorlegt.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 19.07.2011 zu: Nina Kölsch-Bunzen: Aspekte von Early Excellence. Theorie und Praxis in St. Josef Stuttgart. Dohrmann Verlag (Berlin) 2011. ISBN 978-3-938620-19-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10747.php, Datum des Zugriffs 23.07.2016.


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