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Hochschule Liechtenstein, Francesco A. Schurr (Hrsg.): Gemeinnützige Stiftung und Stiftungsmanagement

Cover Hochschule Liechtenstein, Francesco A. Schurr (Hrsg.): Gemeinnützige Stiftung und Stiftungsmanagement. Schulthess Juristische Medien AG (Zürich) 2010. 172 Seiten. ISBN 978-3-7255-6171-1. CH: 49,00 sFr.
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Stiftungen und kein Ende

Der Sparkurs der öffentlichen Hand aber auch die Renaissance klassischer und lange tradierter Formen altruistischen Verhaltens führen dazu, dass die Rechtsform der Stiftung sich in den letzten Jahren ausgesprochener Beliebtheit erfreut. In ganz Europa, aber vor allem auch in Deutschland ist die Stiftung im Kommen – nicht zuletzt auch wegen zahlreicher steuerrechtlicher Vorteile, die mit der Finanzausstattung von Stiftungen einhergehen und von der deutschen Legislative gerade in Kenntnis der verminderten ökonomischen Leistungskraft der öffentlichen Haushalte geschaffen wurden, um so durch die Aktivierung privaten Engagements für das Gemeinwohl eine entlastende Wirkung zu schaffen. Mit diesem Boom der Stiftung einher geht auch ein Anschwellen der einschlägigen Literatur. Prinzipiell ist dies ohne weiteres zu begrüßen, da die Rechtsform der Stiftung insgesamt betrachtet doch ein eher exotisches Gebilde im Vergleich zu einem Verein oder einer GmbH darstellt. Eine möglichst breite Palette an Büchern, die es dem Leser ermöglicht, sich über Wesen sowie Funktions- und Arbeitsweise einer Stiftung zu informieren, ist daher nur wünschenswert.

Entstehungshintergrund und Überblick

Der hier vorzustellende Sammelband ist die literarische Frucht des 2. Liechtensteinischen Stiftungsrechtstags 2009, den das Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Liechtenstein am 8.10.2009 abgehalten hat. Es stellt mithin einen Tagungsband dar.

Das Buch enthält insgesamt 10 Beiträge verschiedenster Autoren. Es handelt sich dabei um Folgende:

  1. Einführung und Geleitwort (Dr. Klaus Tschütscher)
  2. Philantropic Finance – Umfeld für Einsatzmöglichkeiten der gemeinnützigen liechtensteinischen Stiftung (Dr. Aurelia Frick)
  3. Die gemeinnützige Stiftung als neuer Wirtschaftsfaktor (Professor Dr. Georg von Schnurbein)
  4. „European Foundation“ – Genese und Perspektive (Dr. Stefan Nolte)
  5. Die gemeinnützige Stiftung in Dänemark (Professor lic. jur. Søren Friis Hansen)
  6. Die gemeinnützige Stiftung in Liechtenstein - Potential für die Zukunft (Professor Dr. Francesco A. Schnurr)
  7. Kommunikation für gemeinnützige Stiftungen – tue Gutes und rede darüber, aber richtig! (Ulrich Brömmling, M.A.)
  8. Foundation Governance am Beispiel des Swiss Foundation Code (Dr. phil. I. Benno Schubiger)
  9. Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und gemeinnützigem Tun (Dr. Wilfried Vyslozil, Ulla Sensburg)
  10. Vermögensverwaltung und Vermögenserhaltung bei gemeinnützigen Stiftungen (Markus Stadlmann)

Bewertung einzelner Beiträge

Wegen der großen Bandbreite der Beiträge können hier nur einige wenige Aufsätze einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Georg von Schnurbein behandelt in seinem Beitrag die spannende Frage, inwiefern gemeinnützige Stiftungen als eigenständiger und beachtenswerter Wirtschaftsfaktor anzusehen. Dieser Frage geht er vor allem vor der Folie der Finanzmarktkrise des Jahres 2008 ff. nach. Mit beeindruckenden und zugleich auch erschreckenden Zahlen macht der deutlich, dass Stiftungen in der Schweiz durch die Finanzmarktkrise massiv gezwungen sind, ihre satzungsrechtlich zwingenden Fördermaßnahmen zu reduzieren, da sie nicht mehr so hohe Finanzmittel durch ihre Geldanlage erwirtschaften oder gar nachhaltige Verluste erfahren haben (S. 21). In Anbetracht dieser Tatsache schlägt von Schnurbein die durchaus überlegenswerte Alternative der Kooperation von gemeinnützigen Stiftungen vor (S. 23). Dieser Ansatz zur Generierung von Synergien und einer noch effektiveren Zweckverfolgung wird in der Praxis viel zu selten erwogen, so dass die Ausführungen von Schnurbeins sehr wertvoll sind und neue Denkansätze ermöglichen.

Stiftungen benötigen Geld, um ihre Stiftungszwecke realisieren zu können. Ziel einer jeden Stiftung muss es daher sein, auch nach ihrer Gründung z.B. Zustifter zu finden, die bereit sind, weitere Finanzmittel in den Grundstock des Vermögens fließen zu lassen. Um jedoch Personen oder Institutionen auf die Stiftung insofern aufmerksam zu machen, bedarf es einer professionellen Kommunikationsstrategie. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Ulrich Brömmling in seinem Beitrag. Er stellt folgende 12 Thesen auf:

  • Öffentlichkeitsarbeit ist für Stiftungen zu einem wichtigen Feld geworden
  • Stiftungskommunikation reagiert auf Skandale und Krisen
  • Aufweichung der Grenze von Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising
  • Mit Transparenz aus Abhängigkeit und Rechtfertigungsdruck
  • Kommunikation als Eintreten für den Stiftungsgedanken
  • Besonderheiten der Kommunikation: Stifter, Projekte, Institution
  • Glaubwürdigkeit als Grundlage
  • Stiftungskommunikation ist unprofessionell
  • Interne Kommunikation findet nicht statt
  • Grundwidersprüche bleiben bestehen
  • Öffentlichkeitsarbeit als Selbstschutz
  • Qualität der Kommunikation entscheidet über Zukunft der Stiftungen

Besonders aufschlussreich sind die Ausführungen Brömmlings zur These „Stiftungskommunikation ist unprofessionell.“ Zu Recht weist er darauf hin, dass der Umstand, dass eine Körperschaft „non-profit“-organisiert ist, zwingend bedeutet, dass auch die Kommunikation nicht professionell sein muss. Im Gegenteil: Auch hier gilt, dass sich Journalisten und Presse- bzw. Kommunikationsverantwortliche der Stiftung auf Augenhöhe begegnen sollte. Dies setzt aber voraus, dass die für die Kommunikation der Stiftung Verantwortlichen ebenfalls geschult agieren müssen, soll die Stiftung Erfolg haben. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, liefert der Beitrag Brömmlings wichtige Informationen, die Stiftungsvorstände und andere Verantwortliche in der Stiftung unbedingt beherzigen sollten.

Fazit

Der Sammelband vereint zahlreiche interessante Beiträge zur effektiven Arbeit von Stiftungen. Von besonderem Wert ist auch der Umstand, dass das Buch zahlreiche Beiträge enthält, die sich rechtsvergleichend mit juristischen Fragestellungen auseinandersetzen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass man unter ökonomischen Vorzeichen von einem „Markt der Stiftungen“ sprechen kann, so dass die Stiftungen vor der Folie ihrer jeweiligen Stiftungszwecke um Zustifter konkurrieren, müssen Stiftungen ein immer größeres Augenmerk auf ein professionelles Stiftungsmanagement legen. Diesem Ziel kommt man in großen Schritten näher, wenn man das Buch des Herausgebers Francesco A. Schurr zur Hand nimmt und die einzelnen Beiträge aufmerksam rezipiert.


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 12.09.2011 zu: Hochschule Liechtenstein, Francesco A. Schurr (Hrsg.): Gemeinnützige Stiftung und Stiftungsmanagement. Schulthess Juristische Medien AG (Zürich) 2010. ISBN 978-3-7255-6171-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10833.php, Datum des Zugriffs 26.05.2016.


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