Konrad Deufel, Clemens Geißler (Hrsg.): Gerechtigkeit für Familien
Konrad Deufel, Clemens Geißler (Hrsg.): Gerechtigkeit für Familien. Lambertus Verlag (Freiburg) 2003. 147 Seiten. ISBN 978-3-7841-1456-9. 14,50 EUR.
Thema des Buches
Gerechtigkeit für Familien - ein hochgreifender Titel für dieses eher unscheinbar wirkende Buch. Leuchtend rot zwar das Cover - doch die Farbe ist ohne jegliche politische Bedeutung. Politisch geht es aber in diesem Buch absolut zu, wenn auch nicht aus dem Blickwinkel einer einzelnen Partei, sondern generelles Thema ist die Familienpolitik innerhalb der Bundesrepublik Deutschland in Vergangenheit und Zukunft, die sich ja bekanntlich interdisziplinär in viele Politikbereiche hinein auswirkt /ausgewirkt hat bzw. von dort beeinflusst wird / wurde.
Das Buch ist die gelungene Zusammenfassung der vielfältigen Ergebnisse und Vorträge einer Fachtagung im Jahr 2001 zum Thema
"Gerechtigkeit für Familien - Zur Begründung und Weiterentwicklung des Familienlasten- und Familienleistungsausgleichs" .
Auslöser dieser Fachtagung war seinerzeit ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen der Bundesregierung zu eben diesem Thema. In diesem war ein Konzept entwickelt bzw. vorgeschlagen worden mit notwendigen Schritten zur Erreichung größerer Gerechtigkeit für Familien durch veränderte Besteuerungsmodelle, Transferzahlungen und Realleistungen.
Die Autoren/ Autorinnen
Der Band wurde gemeinsam herausgegeben vom Oberstadtdirektor der Stadt Hildesheim, die Gastgeberin der genannten Fachtagung im Jahr 2001 war, Dr. Konrad Deufel und Prof. Clemens Geißler, dem ehem. Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates für Familienfragen beim BMFSFJ.
21 AutorInnen aus verschiedensten Fachgebieten wie z.B. aus Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre, aus Staatsministerium und Diakonischem Werk sowie auch aus dem deutschen Familienverband und dem Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter und noch weiteren, kommen in diesem Band zu Wort. Angesichts von real etwas weniger als 137 inhaltlichen Seiten bleiben jedem dieser Sachverständigen durchschnittlich weniger als 7 Seiten, um Ideen zur Umsetzung von mehr Gerechtigkeit für Familien zu entwickeln bzw. dem Leser/ der Leserin zu erläutern.
Dass dies auch noch in möglichst verständlichen Worten geschehen muss, um eine erhöhte Leserschaft erreichen zu können, verschärft noch die Herausforderung, vor der die AutorInnen standen - und sie haben sie meines Erachtens bemerkenswert bestanden.
Aufbau und Inhalt
Nach einer Einleitung mit Grußwort des Oberbürgermeisters und der Darstellung des aktuellen familienpolitischen Kontextes, innerhalb dessen das Gutachten derzeit zu betrachten ist, in Kapitel I, wird in Kapitel II ein wirklich kurzer, aber gerade deswegen umso lesenswerter Überblick über die Bilanz der 50jährigen Geschichte der Familienpolitik gegeben. Dass nachfolgend in diesem Kapitel auch der Begriff der Gerechtigkeit als familienpolitische Leitidee erläutert wird, präzisiert soweit wie in der Kürze der Ausführungen möglich den Begriff, mit dem immer wieder innerhalb des Buches gearbeitet wird - angenehm wissenschaftlich.
Die nachfolgenden Kapitel enthalten jeweils sowohl Impulsreferate wie auch Zusammenfassungen der Ergebnisse der auf der Fachtagung stattfindenden Foren zu den Themen "Was Familien leisten", "Lasten durch Kinder", "Zur Neuordnung des Familienlasten- und Familienleistungsausgleichs" sowie "Zur Verringerung familienspezifischer Lebensrisiken und der Benachteiligung von Eltern in der Altersrentenversicherung" - große Titel , aber alle unter einer großen Fragestellung:
Wie wirkt sich "KinderHaben" finanziell aus auf die "betroffenen" Männer, Frauen und Kinder (denn das ist durchaus geschlechts- und altersspezifisch sehr unterschiedlich) mit allen weiteren denkbaren Konsequenzen im Hinblick auf Beruf, Rente, Besteuerung etc. - das alles im Gegensatz zu Lebensformen ohne Kindererziehung.
Das Buch endet mit den im Verlauf des Buches begründeten Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats an die Politik sowie einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens.
Für ein wissenschaftliches Buch dieser Kategorie besonders beachtenswert ist, dass innerhalb des Abschlusskapitels nach den verschiedenen (pekuniären) Perspektiven des Buches auf Familienpolitik und deren Auswirkungen nun auch die Perspektive von Kindern und Jugendlichen angerissen wird, die verständlicherweise zu den direkt Betroffenen gehören. Ein nach meinem Dafürhalten wirklich beachtenswertes Schlussplädoyer für die dringende Notwendigkeit von Verbesserungen.
Zielgruppe
Auch auf die Gefahr hin, mich in meinen Rezensionen zu wiederholen - auch diesem Buch wünsche ich eine zahlreichere Leserschaft innerhalb der breiten Gesellschaft, als es sie vermutlich erreichen wird. Selten habe ich innerhalb eines so knappen Buches soviel begriffen über unser Steuersystem in Bezug auf Familien mit und ohne Kinder und dessen Auswirkungen. Der "Inner Circle" der Aktiven, die länger bereits Familienpolitik im Hinblick auf größere Gerechtigkeit für Familien verändern wollen, wird dieses Buch zur Vervollständigung vorhandener Bibliotheken brauchen bzw. kennen wollen - neue Informationen werden sie dort aber vermutlich nicht mehr finden können. In jedem Fall macht das Buch neugierig auf das vollständige Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates und dessen umfassenden Empfehlungen.
Fazit
Nach eigenen Angaben war eine Zielsetzung des Buches, einen Beitrag dazu zu leisten, den Abstand der Realität des Familienlebens vom Leitbild der Gerechtigkeit deutlich zu verringern. Aufgrund der wirklich eingängigen, nachvollziehbaren Argumentationen in auch für Nichtsachverständige verständlicher Sprache halte ich diesen Anspruch für eingelöst. Auch konträren Diskussionen wäre man anhand der in diesem Buch entwickelten Argumente durchaus gewachsen. Nicht zu vermeidende inhaltliche Wiederholungen sorgen in meinen Augen nur für eine Stabilisierung des Gelesenen und wirkten auf mich nicht störend. Obwohl mir viele Gedankengänge durchaus bekannt und vertraut waren, hat die Lektüre des Buches meine Kenntnisse um Basiswissen bereichert.
Rezensentin
Dipl. Soz.-Päd. Claudia Haider
Kreissozialamt Mettmann, Regionalstelle Frau & Beruf
Schwerpunkte: Frauen in Erwerbsarbeit und Familienarbeit, Berufswahlorientierung für Mädchen
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Zitiervorschlag
Claudia Haider. Rezension vom 14.10.2003 zu: Konrad Deufel, Clemens Geißler (Hrsg.): Gerechtigkeit für Familien. Lambertus Verlag (Freiburg) 2003. 147 Seiten. ISBN 978-3-7841-1456-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1084.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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