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Wolfgang Klug: Mit Konzept planen - effektiv helfen

Cover Wolfgang Klug: Mit Konzept planen - effektiv helfen. Ökosoziales Case Management in der Gefährdetenhilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. 194 Seiten. ISBN 978-3-7841-1472-9. 14,50 EUR.
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Das Thema

Ein konzeptioneller Ansatz für die Soziale Arbeit in der Gefährdetenhilfe steht im Mittelpunkt dieses Buches. Gezielte professionelle Interventionen sollen dazu beitragen, Menschen die externe Hilfe benötigen zu unterstützen. Anforderungen von außen lösen in der Sozialen Arbeit die Frage aus, wie effektive Hilfe gestaltet und nachgewiesen werden kann. Case Management als Konzept in der Sozialen Arbeit gewährleistet, professionelle Hilfen mit nichtprofessionellen zu verknüpfen und eine alltagsbezogene Unterstützung aufzubauen.

Die Gefährdetenhilfe wird hier exemplarisch als Arbeitsfeld zum Ausgangspunkt genommen. Das vorgestellte Konzept kann aber auf andere Arbeitsfelder übertragen werden. Das Buch erweitert daher die Diskussion des Case Managements in Deutschland und trägt zur Bildung von Standards bei.

Der Autor

Wolfgang Klug, geb. 1960, Diplom-Sozialpädagoge (FH), 1988 - 1992 Studium der Philosophie an der Hochschule für Philosophie SJ München, Dr. phil. Von 1986 - 1996 Leiter eines Caritas-Sozialzentrums. Ab 1997 Professor für Methoden der Sozialen Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Der Inhalt

Zu Beginn und anknüpfend an das ökosoziale Case Management Konzept von Wendt (Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen, 1997) wird die Methode skizziert als professionelle Vorgehensweise innerhalb einer Institution, als Möglichkeit einen Versorgungszusammenhang herzustellen, als Verbindung von professionellen und nichtprofessionellen Anstrengungen. Case Management wird dann ausgelöst, wenn das Alltagsmanagement misslingt und eine koordinierte Hilfeleistung bei komplexen Problemsituationen notwendig wird. Dies bezieht vor allem auch Aufgabenstellungen in der Gefährdetenhilfe nach § 72 BSHG ein.

Case Management soll als Konzept reflektierter Sozialer Arbeit verstanden werden in dem die Zielgruppe bestimmt wird, theoretische Grundlagen ausgewiesen sind und die Lebenswelt der Zielgruppe analysiert wird. Werte und Normen, Ziele, Handlungsformen und Qualitätskriterien bilden den äußeren Rahmen für das persönliche Handeln einzelner Sozialarbeiter.

Die theoretische Einführung auf dem Hintergrund eines ökosozialen Ansatzes greift diese Konzeptanteile auf, in dem innere und äußere Ressourcen genutzt werden, damit die Anpassungsleistung Einzelner zu befriedigenden Ergebnissen und einem gelingenden Selbstmanagement führt. Wobei die Einbettung in die Umwelt Grundbestandteil der Unterstützung darstellt. Somit wird Case Management auf der Mikro-, der Meso- und der Makroebene tätig.

Anhand eines Fallbeispieles werden die Spielräume herausgearbeitet, in denen Hilfe angesiedelt werden kann: Versorgung und Einkommen, bei Kontakten und Kooperationen, im Lern- und Erfahrungsspielraum, bei der Regeneration und der Teilhabe in den einzelnen Lebensbereichen.

Ausgehend von der Definition von Case Management (professionelle Verküpfungsleistung im Versorgungszusammenhang von Personen) wird ein kurzer geschichtlicher Abriss gegeben und die Stationen der Arbeitweise (wobei der Autor sowohl den Begriff Methode als auch Arbeitsweise verwendet) kurz vorgestellt: Engagement, Assessment, Planung, kontrollierte Durchführung, Evaluation und Disengagement.

Nach der theoretischen Einführung werden in vier Abschnitten die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung vorgestellt.

  1. Strukturelle Voraussetzungen müssen gegeben sein, die sowohl die innere Organisation als auch das regionale soziale System betreffen.
  2. Konzeptionelle Vorentscheidungen betreffen die Standards für Effektivität und Effizienz als Leitprinzipien, eine eindeutige Kundenorientierung und die Haltung des Empowerments mit dem entsprechenden damit verbundenen Menschenbild, die Basis empirischer Befunde, die Festlegung der Aufgaben und Rollen eines Case Managers und letztlich die Frage einer notwendigen Kommstruktur.
  3. Die bereits genannten Arbeitsabläufe werden am Beispiel der Bewährungshilfe idealtypisch aufgezeigt und in Verbindung mit drei Standards gesetzt: Informations-, Prozess- und Dokumentationsstandards. Somit wird die Fallsteuerung vertieft thematisiert.
  4. Die Systemsteuerung im Case Management zeigt sich in der ökosozialen Arbeit auf der Meso- und Makroebene. Wobei zwischen fall- und feldbezogener Netzwerkarbeit unterschieden wird.

Im letzten Kapitel wird der Stellenwert des Case Managements in einer Wissenschaft der Sozialen Arbeit herausgearbeitet u.a. mit dem Ziel, den Grad der Beziehungsintensität, den Grad der Involviertheit der Gemeinwesenebene und dem Grad der Systemkontrolle als Differenzierungskriterien zu nutzen. So zeichnen sich dadurch unterschiedliche Modelle bzw. Kategorisierungen des Case Management ab, wie ein eher therapeutisches Modell, ein eher gemeinwesenorientiertes Modell oder eher ein Management Modell.

Aus der ökosozialen Sicht wird der Frage nach der Vorortung von Case Management in der sozialarbeitswissenschaftlichen Diskussion nachgegangen über die Themen: Verortung in der Theorie, die Reichweite der Methode, die Frage nach dem Ethos, nach der reflektierten Praxis und nach der Qualität.

Langezeiterfahrungen aus dem "Mutterland" des Case Managements, den USA, und die Anforderung an Forschungsaufgaben runden dieses Kapitel ab.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich in erster Linie an Studierende. Sie erhalten einen Überblick über das Konzept Case Management, sowohl was den theoretischen Rahmen als auch die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten betrifft. Weiterhin dient das Buch der konzeptionellen Diskussion in der Fachöffentlichkeit und den Praktikern in der Gefährdetenhilfe als Überprüfung ihrer Arbeit und der Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes.

Fazit

Das Buch von Wolfgang Klug bringt die Arbeitsweise oder die Methode des Case Managements ein Stück weiter. Es geht auf wesentliche Fragestellungen ein, wie Case Management ausgestaltet sein sollte, um die Fall- und Systemsteuerung unter Einbeziehung von Standards zu gewährleisten. Die Frage der notwendigen Beziehungsarbeit, der Freiwilligkeit, der möglichen Ablösung zur Fürsorge und den berufsethischen Fragen wird plausibel und strukturiert nachgegangen. Der ökosoziale Ansatz wird deutlich und anschaulich weiterentwickelt. Die Praktiker könnten sich daran stoßen, dass der Autor die Praxis der deutschen Sozialarbeit an einigen Stellen in kein gutes Licht setzt, ohne detaillierter darauf einzugehen. Es gibt eine Reihe von Case Management Praxisprojekten, die eine qualifizierte, effektive und effiziente Arbeit aufgebaut haben. Das Beispiel aus den USA lässt die Frage zu, ob die dortige Praxis genauso qualitative Unterschiede aufweist wie bei uns.


Rezensent
Prof. Dr. Manfred Neuffer
Dipl. Sozialarbeiter, Dipl. Pädagoge, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit. Schwerpunkte: Sozialarbeitswissenschaft, Systemische Beratung, Case Management, Mediation
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Zitiervorschlag
Manfred Neuffer. Rezension vom 13.01.2004 zu: Wolfgang Klug: Mit Konzept planen - effektiv helfen. Ökosoziales Case Management in der Gefährdetenhilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. ISBN 978-3-7841-1472-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1091.php, Datum des Zugriffs 26.06.2016.


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