Nivedita Prasad: Mit Recht gegen Gewalt

Cover Nivedita Prasad: Mit Recht gegen Gewalt. Die UN-Menschenrechte und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit. Ein Handbuch für die Praxis. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. ISBN 978-3-86649-378-0. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR, CH: 15,90 sFr.

Herausgegeben im Auftrag des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff).

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Thema

Die Autorin thematisiert Gewalt gegen Frauen als eine Menschenrechtsverletzung. Ihre Publikation fasst dazu den Kern des UN-Menschenrechtsschutzsystems zusammen und bietet einen umfassenden Überblick über das UN-Menschenrechtssystem, die UN-Konventionen, die Aufgaben der UN-Fachausschüsse und die UN-SonderberichterstatterInnen im Themenbereich Gewalt gegen Frauen. Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, wie diese Menschenrechtsinstrumente in der Beratung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, eingesetzt werden können.

Autorin

Nivedita Prasadist Leiterin des Studiengangs „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“ am Zentrum für Postgraduale Studien Sozialer Arbeit in Berlin, Projektkoordinatorin im Ban Ying e.V., einer Beratungs- und Koordinationsstelle gegen Menschenhandel in Berlin.

Entstehungshintergrund

Die Idee zur dieser Publikation entstand auf der 4. Fachtagung des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe im Jahr 2009. Ein Workshop „Praktische Menschenrechtsarbeit im Antigewaltbereich“ sowie Diskussionen zwischen der Autorin und BeraterInnen waren ausschlaggebend.

Aufbau und Inhalt

Von Gewalt betroffene Frauen aus Deutschland haben sich bislang nicht an UN-Ausschüsse gewandt. Gründe dafür könnten sein: Frauen verfügen über weniger finanzielle und andere Ressourcen als andere Gruppen; Lobby-Verbände, Beratungsstellen, Anwälte, SozialarbeiterInnen, die mit gewaltbetroffenen Frauen arbeiten, haben wenig Wissen über die Verfahren der UN-Ausschüsse und die Menschenrechtsinstrumente. Die vorliegende Publikation regt an, das Thema „Gewalt gegen Frauen“ künftig auf der internationalen Ebene zu verhandeln, wenn nationale Lösungen nicht möglich sind. Das Buch bietet in 5 Kapiteln einen Überblick, wie die UN-Menschenrechtskonventionen und Instrumente in diesen Fällen angewandt werden können:

  1. UN Konventionen und Deklarationen
  2. UN Konventionen für von Gewalt betroffene Frauen
  3. Beschwerdemöglichkeiten
  4. Strategische Überlegungen
  5. Ausblick

Im ersten Kapitel wird ein einführender Überblick über die UN-Konventionen und Deklarationen sowie deren Wirkungsweisen und die Arbeit der jeweiligen UN-Fachausschüsse gegeben. Die Autorin stellt die neun Menschenrechtskonventionen, die von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden vor:

  1. Antirassismuskonvention (1969),
  2. Zivilpakt (1976),
  3. Sozialpakt (1976),
  4. Frauenrechtskonvention (1981),
  5. Antifolterkonvention (1987),
  6. Kinderrechtskonvention (2002),
  7. Wanderarbeitnehmerkonvention (2003, von der Bundesrepublik nicht ratifiziert),
  8. Behindertenrechtskonvention (2008) und die
  9. Konvention gegen Verschwindenlassen (noch nicht in Kraft getreten).

In der Publikation sind lediglich die Konventionen berücksichtigt, die bereits in Kraft getreten und von der BRD ratifiziert worden sind.

Im zweiten Kapitel werden alle relevanten UN-Konventionen vorgestellt und hinsichtlich ihres Geltungsbereiches für die von Gewalt betroffenen Frauen in Deutschland erläutert. Im Weiteren werden Einzelfallentscheidungen exemplarisch skizziert und wichtige Hinweise für die Übertragung gegeben.

In Kapitel 3 geht es um konkrete Beschwerdemöglichkeiten in UN-Fachausschüssen und die SonderberichterstatterInnen.
Jede Konvention hat einen Sachverständigenausschuss als Rechenschaftsmechanismus, der den Schutz der Menschenrechte in den Mitgliedsstaaten überprüfen und damit sichern soll. Zu den Aufgaben der Fachausschüsse gehört es, die Umsetzung der Konvention in allen Vertragsstaaten zu beobachten und zu überwachen.
Die Inhalte der Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) werden hier nach themenspezifischen Aspekten dargestellt und ihre Anwendung diskutiert. Zudem sind bedeutsame Individualbeschwerden verschiedener Länder, die der CEDAW-Ausschuss bereits entschieden hat, skizziert.
Zu den Beschwerdemöglichkeiten im Rahmen des UN-Menschenrechtsschutzes gehört die Individualbeschwerde an UN-Fachausschüsse und die Initiierung von Untersuchungsverfahren. Deren Voraussetzungen und das genaue Prozedere werden mit konkreten Beispielen vorgestellt. Auch die Beteiligung an der Erstellung von Schattenberichten ist in einzelnen Schritten praxisnah erläutert. Zudem wird die Tätigkeit der SonderberichterstatterInnen vorgestellt. An Beispielen wird dargestellt, wie und wann diese angesprochen werden können.

In Kapitel 4 werden die vorgestellten Instrumente hinsichtlich ihrer praktischen Anwendung besprochen und Umsetzungsstrategien diskutiert.

Der Ausblick zeigt konkrete Vorschläge auf, wie die Ergebnisse von internationalen Verfahren für die Zielgruppe der gewaltbetroffenen Frauen auf nationaler Ebene umgesetzt werden können.

Diskussion

Die Autorin zeigt auf anschauliche Weise, wie die Menschenrechte in der Sozialen Arbeit und der Beratung von gewaltbetroffenen Frauen umgesetzt werden können. Präzise analysiert sie an verschiedenen Fallbeispielen Gewalt gegen Frauen aus der Menschenrechtsperspektive und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf.

Alle diejenigen, die mit gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen arbeiten, können dieses Buch nutzen, um die Chancen des UN-Menschenrechtssystems für ihre Klientinnen zu erschließen. SozialarbeiterInnen und anderen Akteuren bietet diese Publikation einen Leitfaden, mit dem die Instrumente der Menschenrechte praktisch umgesetzt werden können.

Die Autorin liefert einen außerordentlichen Beitrag zum aktuellen Diskurs zur Gewalt gegen Frauen aus der Menschenrechtsperspektive. Sie schließt damit eine Lücke in der Sozialen Arbeit, so dass nun die Menschenrechtsinstrumentarien anwendbar werden und das Menschenrechtssystems als Orientierungsrahmen verstanden und genutzt werden kann. Der Autorin gelingt es, die Relevanz der Menschenrechte für die Soziale Arbeit aufzuzeigen und die Instrumente für die Beratung von gewaltbetroffenen Frauen handhabbar zu machen.

Die Publikation kann als allgemeine Einführung in die Menschenrechte und deren Umsetzung von Praktikern, in der Lehre und für die Diskussion um Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung genutzt werden. Die Inhalte sind sehr gehaltvoll und zeugen von hoher Kenntnis. Die Publikation ist in einer Sprache verfasst, die auch für interessierte Laien problemlos nachvollziehbar ist.

Fazit

Die Autorin möchte ermuntern, mit dem (Menschen-)Recht gegen Gewalt anzugehen. In der Publikation wird der Kern des UN-Menschenrechtsschutzsystems am Beispiel des Themenbereichs Gewalt gegen Frauen erläutert. Sie bietet eine gute Grundlage zur Auseinandersetzung mit den UN-Konventionen und Menschenrechtsinstrumentarien und leistet einen wichtigen Beitrag für die Anwendung der Menschenrechte. Die Autorin ermuntert SozialarbeiterInnen und BeraterInnen, ihre Klientinnen so zu beraten, dass deren Recht auf Rechte nicht nur national, sondern auch im internationalen Rahmen einklagbar wird. Dazu macht die Autorin wertvolle Vorschläge, wie die Ergebnisse von internationalen Verfahren auf nationaler Ebene für die Zielgruppe der gewaltbetroffenen Frauen genutzt werden können.


Rezensentin
Dr. rer. pol. Gülcan Akkaya
M.A. Social Work and Human Rights, Diplom-Sozialarbeiterin, Dozentin & Projektleiterin an der Hochschule Luzern-Soziale Arbeit
Homepage www.hslu.ch
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Zitiervorschlag
Gülcan Akkaya. Rezension vom 16.02.2012 zu: Nivedita Prasad: Mit Recht gegen Gewalt. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. ISBN 978-3-86649-378-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/10911.php, Datum des Zugriffs 31.07.2014.


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