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Erfolgsfaktor Controlling, Risikomanagement und Personal

Cover Erfolgsfaktor Controlling, Risikomanagement und Personal. Zukunft der Gesundheitswirtschaft. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2011. 250 Seiten. ISBN 978-3-86226-038-6. D: 24,80 EUR, A: 24,80 EUR, CH: 42,60 sFr.

Reihe: Mannheimer Schriften zur Gesundheitswirtschaft - 2.

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Thematik und Ziel

Vor dem Hintergrund des Marktwachstums im Gesundheitssektor und des damit einhergehenden Entstehens neuer Geschäftsfelder stellen eine richtige Steuerung sowie ein zielgerichteter Umgang mit Chancen und Risiken einen unverzichtbaren Erfolgsfaktor für Organisationen im Gesundheitswesen dar.

Betriebswirtschaftliche Anforderungen an jene nähern sich somit zunehmend an die an erwerbswirtschaftliche Unternehmen zu stellende Anforderungen an. Akteure im Gesundheitswesen haben aber dabei sowohl mehrdimensionale Zielsysteme zu berücksichtigen als auch verstärkt Forderungen nach Qualitätstransparenz zu erfüllen.

Eine fortlaufende und systematische Auseinandersetzung mit Fehlern und Risiken kann zu einem neuen Organisationsverständnis führen und das Entstehen einer „lernenden Organisation“ begünstigen. Diesen Wandlungsprozess zu begünstigen und entsprechende praxisdienliche Anregungen zu liefern, wird als Ziel des vorliegenden Werks formuliert.

Vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels der Arbeitswelt wird es zusätzlich auf die zielgerichtete Implementierung von Ansätzen des Change und Diversity Management in Organisationen ankommen.

Herausgeber und Autoren

Dr. Frank Deickert ist Leiter von „Gesundheitsmarkt“, Vertrieb Marketing, Labordiagnostik bei Roche Diagnostics Deutschland GmbH.

Prof. Dr. Björn Maier ist Professor und Studiengangleiter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Mannheim.

Prof. Dr. Siegfried Schwab ist Professor und Studiengangleiter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Mannheim.

Die Herkunft der Autoren der einzelnen – insgesamt 16 – Kurzbeiträge wird nicht dargelegt. Großteils scheint es sich Fußnoten zu Folge um Auszüge aus Bachelorarbeiten für die Prüfung zum Bachelor of Arts (B.A.) im Ausbildungsbereich Wirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Mannheim, zu handeln.

Aufbau

Der Reigen der insgesamt 16 Beiträge beginnt mit einer Untersuchung zum Einsatz der Balanced Scorecard in der Gesundheitswirtschaft. Hieran schließen sich Abhandlungen zu Konstrukten des strategischen Controllings – Risikomanagement, strategische Investitionsplanung – an. Weitere Beiträge zum Projektcontrolling und internen Berichtswesen sind dem operativen Controlling zuzuordnen. Die Abfolge der Beiträge folgt bis dahin dem klassischen top down-Ablauf des Controlling-Instrumentariums. Dem Leser erschließt sich insoweit ein Theorie-Praxis-Transfer, als dass vielfach Anwendungsbeispiele von Unternehmen dargeboten und diskutiert werden.

Ab dem sechsten Beitrag wird der bis dahin nachvollziehbare und angemessene Aufbau durchbrochen. Die nachfolgenden 10 Beiträge enthalten allesamt Kommentare zu aktuellen arbeitsrechtlichen Urteilen wie z.B. Abmahnungs- und Kündigungsgründe, Ausgestaltung von AGBs, Verfahren der Sozialauswahl, Arbeitszeitflexibilisierung, und andere mehr. Dem Rezensenten erschließt sich weder der Zusammenhang zu den im Vorwort angekündigten betriebswirtschaftlichen Management- und Steuerungsinstrumenten, noch die Verbindung zu komplexen Führungskonstrukten i.S. einer „Leadership“-Philosophie (vgl. Seite XI).

Inhalt

Der Eingangsbeitrag zur Balanced Scorecard geht der Frage nach, wie deren Einsatz und konkrete Umsetzung in Organisationen der Gesundheitswirtschaft vollzogen werden soll. Die besondere Eignung dieses Instruments wird belegt. Es wird erörtert, dass die Balanced Scorecard sowohl als Kompass (i.S. einer vor- und mitlaufenden Steuerung) als auch als Cockpit (i.S. einer nachträglichen Erfolgskontrolle und -zuordnung) geeignet ist. Mangels Darbietung von Anwendungsbeispielen und aufgrund recht allgemein-abstrakter Formulierungen wird allerdings kein wesentlicher Praxisnutzen geschaffen.

Der Beitrag zur Einrichtung eines Risikomanagements im Krankenhaus fokussiert auf die Vermeidung medizinischer Behandlungsfehler und verfolgt daher nicht den weiteren, betriebswirtschaftlichen Ansatz. Im Wesentlichen werden Nutzungs- und Optimierungspotenziale eines sog. Critical Incident Reporting Systems (CIRS) erörtert. Es wird abschließend eingeräumt, dass CIRS nur ein Baustein eines ganzheitlichen Risikomanagements darstellt, welches aber nicht näher umrissen wird.

Angesichts des weiter anschwellenden Investitionsstaus angesichts der Verknappung der öffentlichen Fördermittel kommt einer zielkonformen strategischen Investitionsplanung eine zentrale Bedeutung im Krankenhauscontrolling zu. Zielbeträge insbesondere von Großinvestitionen müssen aufgrund ihrer Irreversibilität und hohen Kapitalbindung verlässlich quantifiziert werden. Durch § 10 KHRG wird den Krankenhäusern zudem mehr Eigenverantwortung eingeräumt werden. In diesem Zusammenhang getroffene praxisdienliche Handreichungen erschöpfen sich allerdings leider in der Empfehlung, die Investitionsplanung in einer Stabsstelle zu koordinieren.

Veränderungsprozesse werden oftmals im Rahmen von Projekten kanalisiert. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem „optimalen“ Projektablauf bzw. einem sachgerechten Projektcontrolling. Auch wird erörtert, ob diese Probleme für typische Projektarten – genannt werden Pionier- und Standortprojekte – differenziert zu beantworten sind. Gegliedert nach den Projektzielen – Kosten, Zeit und Leistung – werden einschlägige Methoden des Projektcontrollings konzipiert. Zugleich wird der Aufbau eines Projektberichtswesens abstrakt umrissen.

Hieran schließt sich die Problematik der Ausgestaltung eines laufenden operativen Berichtswesens an. Als dessen wesentliche Elemente werden die Belegungsstatistik, DRG-Kennzahlenbericht, Personalbericht und Laborstatistik herausgearbeitet. Die Berichtsteile werden mit typischen Kennzahlen operationalisiert. Es erfolgen auch einige Hinweise zur IT-Unterlegung sowie zur organisatorischen Handhabung.

Wie vorab beschrieben, weisen nur die genannten sechs von insgesamt 16 Beiträgen betriebswirtschaftlichen und Managementbezug auf. Die anschließenden Beiträge umfassen Erläuterungen und Anmerkungen zu aktuellen arbeitsrechtlichen Urteilen in Bezug auf Rechtsstreitigkeiten wie Abmahnungs- und Kündigungsgründe, Ausgestaltung von AGBs, Verfahren der Sozialauswahl, Ahndung von Wettbewerbsverstößen, Verfahren der Arbeitszeitflexibilisierung, zulässigen Abgeltungsmöglichkeiten von Urlaubsansprüchen sowie Fragen der Stellenbesetzung und disziplinarischen Einordnung von Stellen. Aufgrund der komplexen Rechtsgrundlagen sowie der zahlreichen Fundstellen und Kommentare sollten sich diese Beiträge an einschlägig erfahrene Juristen richten.

Inwieweit die Darstellung arbeitsrechtlicher Streitfragen in Bezug auf Produktionshelfer im Spritzguss, CNC-Fräser oder Ingenieure für Arbeitssicherheit Anwendungsimplikationen für Beschäftigte von Betrieben der Gesundheits- und Sozialwirtschaft haben kann, erschließt sich dem Rezensenten nicht.

Zielgruppe

Die Herausgeber adressieren keine konkrete Zielgruppe. Sowohl der nicht stringente inhaltliche Aufbau des Werks (Betriebswirtschaft versus Arbeitsrecht) als auch die stark unterschiedlichen Ausbildungsstände der Autoren (Professoren, Praktiker sowie Bachelor-Absolventen) ermöglichen dem Rezensenten keine eigenständige Zielgruppenidentifikation.

Kommentar und Fazit

Mit im Durchschnitt 16 Seiten sind die Einzelbeiträge zu knapp abgefasst, um einen theoriefundierten Praxistransfer zu leisten. Es wird kein geschlossenes Set von Controlling-Instrumenten beschrieben.

Der Nachweis, die aktuell drängenden Erfolgsfaktoren identifiziert zu haben, unterbleibt; so werden etwa Fragen des Leistungscontrollings (Deckungsbeitragsrechnung, Prozesskostenrechnung), Auslastungscontrollings (Break-even-Analyse, Plankostenrechnung) sowie Liquiditätscontrollings (Finanzplan, Forderungscontrolling) unbegründet nicht behandelt.

Der Praxisnutzen geht über punktuelle Einzelanregungen nicht hinaus. Theoretische Grundlegung wie auch praktischer Detaillierungsgrad sind niedrig ausgeprägt.

Die arbeitsrechtlichen Beiträge sind für Nicht-Juristen weder nachvollziehbar noch von praktischem Nutzen. Es ist davon auszugehen, dass entsprechende Vorgänge in der Praxis der Einrichtungen des Gesundheitswesens entweder durch eine interne Rechtsabteilung oder einen externen Rechtsanwalt bearbeitet werden. Eine Verbindung zu Elementen einer betriebswirtschaftlichen Führungslehre oder gar Leadership-Konstrukten erschließt sich dem Rezensenten nicht.

Im Ergebnis folgt das Werk keinem stringenten Aufbau und Konzept. Die im ersten Vorwort enthaltenen Absichten werden nicht eingelöst (Seite VII f.). Das zweite Vorwort (Seite IX ff.) enthält eine Fülle wirrer Formulierungen („Die Pleite eines Staates beginnt in den Köpfen …“) ohne Bezug auf die nachfolgenden Inhalte.


Rezensent
Prof. Dr. Mathias Graumann
Professor für Rechnungslegung, insbesondere Controlling, Kosten- und Leistungsrechnung, Steuer- und Wirtschaftsprüfung an der Fachhochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen, Fachbereich Betriebs- und Sozialwirtschaft.
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Zitiervorschlag
Mathias Graumann. Rezension vom 21.09.2011 zu: Erfolgsfaktor Controlling, Risikomanagement und Personal. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2011. 250 Seiten. ISBN 978-3-86226-038-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11009.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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