Johannes Lindenmeyer: Ratgeber Alkoholabhängigkeit
Johannes Lindenmeyer: Ratgeber Alkoholabhängigkeit. Informationen für Betroffene und Angehörige. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 2., überarbeietete Auflage. 50 Seiten. ISBN 978-3-8017-1916-6. 19,95 EUR, CH: 34,90 sFr.
Autor, Zielgruppe, Themen
Das von dem Direktor der verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Salus Klinik in Lindow verfasste kurze Buch für Betroffene und Angehörige behandelt Entstehungsbedingungen, Diagnostik und Therapie der Alkoholabhängigkeit.
Zum Aufbau des Buches
Der Haupttext besteht aus vier Kapiteln:
- "Alkoholabhängig" - was ist das?
- Wie entsteht eine "Alkoholabhängigkeit" und warum geht sie nicht von alleine weg?
- Was kann man gegen eine "Alkoholabhängigkeit" tun?
- Ein Fallbeispiel
und wird durch einen Anhang mit Literaturempfehlungen, Adressen und Arbeitsblättern ergänzt. Die Arbeitsblätter dienen dem Erkennen einer eigenen Alkoholabhängigkeit und der Auseinandersetzung mit deren Folgen. Sie unterstützen den Betroffenen, Gründe zu finden, eine Veränderung anzustreben, und helfen, eine Behandlung zu planen. Weiterhin finden sich Arbeitsblätter zum Erkennen und Handhaben von Rückfallrisiken.
Der Fokus des Buches
Hervorgehoben wird in dem Buch, dass im Prinzip jeder Mensch durch häufigen Alkoholkonsum ganz allmählich süchtig werden kann und dass es weniger hilfreich ist, sich ausführlich mit den Gründen der Entwicklung einer Abhängigkeit auseinander zu setzen. Vielmehr sollte konkret der Ausstieg in Angriff genommen werden.
Einige Kritikpunkte
Das Buch ist ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige, wirkt jedoch in manchen Kapiteln insbesondere in den Formulierungen etwas zu arztzentriert, z. B. finden sich eine Reihe vermeidbarer Fremdworte (wie die häufige Verwendung des Wortes "relevant") und Formulierungen, wie: "Der weitere Verlauf der Alkoholabhängigkeit ist v.a. durch eine ineffiziente Nutzung des Gesundheitswesens gekennzeichnet." (S. 15). Auch die ersten Arbeitsblätter sind sehr stark an medizinische Klassifikationen angelehnt.
Weiterhin hätte ich mir - trotz der angestrebten Kürze des Buches - Hinweise auf unterschiedliche therapeutische Sicht- und Vorgehensweisen insbesondere in der Entwöhnungsbehandlung gewünscht; auch die Möglichkeit, Kinder mit in eine Entwöhnungstherapie zu nehmen, hätte erwähnt werden können.
Fazit
Das Buch ist wechselt stilistisch zwischen einfachen und eher arztzentrierten Formulierungen und ist in seiner Gesamtheit für Alkoholabhängige und Angehörige mittleren Alters mit guten Bildungsvoraussetzungen sicherlich verständlich, aber geht vielleicht für diese Zielgruppe zu wenig in die Tiefe. Andererseits finden sich viele schöne Erklärungen für weniger vorgebildete Klienten, die sich jedoch an mancher Stelle mit der Lektüre überfordert fühlen könnten. Für Jugendliche ist das Buch vermutlich weniger geeignet. Das Buch ist kurz gehalten und besteht aus einer ansprechenden Kombination von Text und Arbeitsblättern; auch wird der Betroffene angehalten, sich einen Angehörigen zu suchen, der aus seiner Sicht eines der Arbeitsblätter ausfüllt.
Die verhaltenstherapeutische Sichtweise zur Abhängigkeitsbehandlung durchdringt wie selbstverständlich das Buch.
Gut gelungen erscheint mir die Integration aktueller Ergebnisse der Rückfallforschung.
Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 1. Auflage (2003), ISBN 3-8017-1760-7.
Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialmedizin am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Lausitz
Homepage www.hs-lausitz.de/users/ajost.html
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 16.12.2003 zu: Johannes Lindenmeyer: Ratgeber Alkoholabhängigkeit. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2005. 2., überarbeietete Auflage. 50 Seiten. ISBN 978-3-8017-1916-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1103.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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