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Florian Baier, Ulrich Deinet (Hrsg.): Praxisbuch der Schulsozialarbeit

Cover Florian Baier, Ulrich Deinet (Hrsg.): Praxis der Schulsozialarbeit. Methoden, Haltungen und Handlungsorientierungen für eine professionelle Praxis. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. 2., erweiterte Auflage. 389 Seiten. ISBN 978-3-86649-396-4. D: 39,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 47,90 sFr.
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Thematischer Rahmen

„Vor gut 100 Jahren“, schreibt Peter Reinicke (Schulsozialarbeit – ein traditionelles Aufgabengebiet; in: Soziale Arbeit 3/2010: 91 – 97), „nahm im späteren Berliner Stadtbezirk Charlottenburg die erste Schulsozialarbeiterin in Deutschland ihre Tätigkeit auf. Ausgangspunkt war die Versorgung bedürftiger Schulkinder mit Mittagsessen. Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Charlottenburg waren für die Verantwortlichen der Stadtverwaltung der Anlass, Mittagessen für diese Kinder bereitzustellen“ (ebenda, S. 91). Die Aufgabe, dem 1894 gegründeten Verein Jugendheim übertragen, führte binnen fünf Jahren zu einer Quasi-Institutionalisierung frühester Formen von Schulsozialarbeit, die dem, was Schulsozialarbeit heute praktisch (vgl. z. B. Karl-Heinz Braun, Konstanze Wetzel: Soziale Arbeit in der Schule; vgl. die Rezension) oder empirisch beschrieben (vgl. Karsten Speck, Thomas Olk (Hrsg.): Forschung zur Schulsozialarbeit. Stand und Perspektiven; vgl. die Rezension) darstellt, in allerersten Ansätzen ähnelte. Schon 1911 waren in Charlottenburg an verschiedenen Schulen 14 „Schulkindpflegerinnen“ bzw. „Schulpflegerinnen“ tätig. 1914 kam es zum Erlass einer Dienstanweisung „Bestimmungen über die Tätigkeit von Schulhelferinnen der Stadt Charlottenburg“, in der nun bereits geregelt wurde, das die Schulhelferin „der Schuldeputation (untersteht) und … deren Aufträge auszuführen“ habe; kurzum: Was Schule anfasst, das wird auch Schule, wird es später heißen; hier sind frühe Prozesse der Aneignung und Inpflichtnahme von Formen der Sozialen Arbeit durch Schule identifizierbar.

Aus diesem historisch und funktional angelegten Spannungsverhältnis heraus ist Schulsozialarbeit 100 Jahre später bemüht, ihr eigenständiges Profil immer wieder neu zu verorten und zu dokumentieren. In diesen Kontext reiht sich auch die vorliegende Veröffentlichung ein, die die Funktion von Schulsozialarbeit im Lichte ihrer aktuellen Handlungsanforderungen bestimmt und Erfahrungen der Alltagspraxis für Alltagspraktikerinnen und -praktiker zur Verfügung stellt.

Herausgeber

Die in Reihe „Soziale Arbeit und Sozialer Raum“ als Band 3 erschienene Veröffentlichung hat ein Herausgeberduo: Dr. Florian Baier ist Diplom-Sozialpädagoge und Professor für den Bereich „Jugendhilfe und Schule“ am Institut Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel, Dr. Ulrich Deinet ist Diplom-Pädagoge und Professor für Didaktik/Methoden und Verwaltung/Organisation der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Düsseldorf; Deinet ist auch Leiter Forschungsstelle „Sozialraumorientierte Praxisforschung und -entwicklung“ (FSPE). Beide sind durch Veröffentlichungen im Kontext der Entwicklung Sozialer Arbeit in und mit Schule hervorgetreten: Ulrich Deinet zum Beispiel (mit Maria Icking) zu „Jugendhilfe und Schule. Felder – Themen – Strukturen“ (vgl. die Rezension) oder (mit Maria Icking, Elisabeth Leifheit und Jörn Dummann) zu „Jugendarbeit zeigt Profil in der Kooperation mit Schule“ (vgl. die Rezension), Florian Baier zum Beispiel (mit Stefan Schnurr [Hg.]) zu „Schulische und schulnahe soziale Dienste. Angebote, Praxis und fachliche Perspektiven“ (vgl. die Rezension).

Aufbau

Der vorliegende Band gliedert sich in vier Abschnitte.

Zum 1. Teil

Im ersten Teil (S. 17 – 81) werden Entwicklungen und gegenwärtige Praxis von Schulsozialarbeit im deutschsprachigen Raum dargestellt (hier kommen Hermann Rademacker zur Schulsozialarbeit in Deutschland, Karl-Heinz Braun und Konstanze Wetzel zur Schulsozialarbeit in Osterreich und Florian Baier zur Schulsozialarbeit in der Schweiz zur Wort).

Zum 2. Teil

Im zweiten Teil (unter dem Titel „Warum Schulsozialarbeit? Rollenklärungen, Begründungen und fachliche Orientierungen für eine innovative Praxis“) sind die theoretischen Bezüge und aktuellen Konzeptionen, die fachliche Positionierungen von Schulsozialarbeit ermöglichen, Gegenstand der Betrachtung, für die im Wesentlichen Florian Baier verantwortlich zeichnet: Er erörtert („Warum Schulsozialarbeit?“) zunächst fachliche Begründungen der Rolle von Schulsozialarbeit im Kontext von Bildung und Gerechtigkeit (S. 85ff). Weiter diskutiert er den Theorie-Praxis-Transfer und ordnet bildungstheoretische Elemente in ihrer Bedeutung für die Praxis ein (S. 103ff); hier gelangt er zu der Einschätzung, dass Schulsozialarbeit „professionell gestaltete Bildungsarbeit“ sei und damit eine „Vermittlungsinstanz zwischen den Welten, die sich Kinder und Jugendlichen aneignen können sowie den individuellen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen“ (S. 110).

Gemeinsam mit Ulrich Deinet nimmt Baier anschließend „Konzeptionelle Verortungen“ vor und ordnet den Stellenwert von Schulsozialarbeit im Spektrum lokaler Konzepte für sog. „Bildungs-“ und Hilfe„landschaften“ ein (S. 97ff). Diese Zugänge machen deutlich, dass es den Herausgebern darum geht, auch an dieser Stelle Schulsozialarbeit als eigenständigen Beitrag Sozialer Arbeit für das Gelingen der Bildungsbiografien auch im und am Ort Schule zu konturieren, Schulsozialarbeit also der „Ecke“ einer bloßen „Hilfsprofession“ zur Erfüllung schulischer Zwecke herauszuholen.

Insofern wird dieser Zugang auch durch den Beitrag von Karl-Heinz Braun (Professor an der Hochschule Magdeburg) und Konstanze Wetzel (Professorin an der Fachhochschule Kärnten) ergänzt, die mit ihrem Aufsatz „Die Gegenwart als Herausforderung und Auftrag: Fragiles Alltagserleben und die soziale Integrationsfunktion der Schule“ (S. 115ff) Schule als sozialen (Er-) Lebensort betonen und dabei auf Ergebnisse ihrer Forschung hierzu Bezug nehmen (ihr Beitrag beruht im Kern auf Ergebnissen ihres Projektes „Soziale Desintegrationstendenzen im Alltagsleben von Kindern und Jugendlichen und deren Bewältigungsmöglichkeiten in Österreich: Gesellschaftliche Ursachen und pädagogische Interventionsrnöglichkeiten“ aus den Jahren 2007 bis 2009).

Zum 3. Teil

„Grundlegende Haltungen und Arbeitsprinzipien in der Schulsozialarbeit“ stehen im Fokus des dritten Abschnitts (S. 135 – 197). Zunächst diskutiert Baier Aspekte des „Habitus? oder Ethik und Moral in den Grundhaltungen und Grundmustern der Praxisgestaltung“ von in der Schulsozialarbeit tätigen Fachkräften (S. 135ff).

In ihrem Beitrag spürt Sabine Ader („Fallverstehen und Kollegiale Beratung in schulischen Zusammenhängen: Es könnte so sein, aber auch ganz anders!“ – S. 159ff) zunächst der Frage nach, was den professionellen Blick im Umgang mit (so die Zuschreibung) „schwierigen“ Schülerinnen und Schülern prägt, um die vor-urteilenden Fallen in der Fallwahrnehmung durch Fachkräfte anzudeuten und anschließend im Verfahren der Kollegialen Beratung, das die Autorin angemessen umfangreich präsentiert, eine Alternative aufzuzeigen (S. 164ff).

Zum 4. Teil

Um „Arbeitsbereiche und Methoden“ der Schulsozialarbeit geht es vierten Abschnitt des Praxisbuchs (S. 201 – 385). Dieser vierte Abschnitt des Bandes bildet den eigentlichen Kern der Darstellung und verspricht den besonderen Nutzen für Leserinnen und Leser, der mit zwölf Beiträgen nicht nur den größten Raum einnimmt, sondern dem Anspruch als „Praxisbuch“ in besonderem Maße Rechnung trägt.

Zunächst skizzieren hier Sabine Ader und Ursula Tölle (beide Professorinnen an der Katholischen Hochschule NRW in Münster) die besonderen Bedingungen von Beratung Einzelner und Gruppen im schulischen Kontext (S. 201ff) und ordnen die Beratungsmöglichkeiten im hierarchischen System der Schule mit den disparaten Interessenlagen im Dreieck von Schulleitung, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern bzw. Eltern ein. Als „Kernproblem schulischer Beratung“ identifizieren sie, dass Beratung in ihrer Freiwilligkeit und ihrem dialogorientierten Charakter der hierarchischen Struktur von Schule „prinzipiell nicht entspricht“ (S. 203). Auch in der beratenden Funktion offenbart sich damit das Grunddilemma von Schulsozialarbeit, für primär schulische Zwecke (z. B. Sicherung des Regelablauf, Bewältigung von Störungen, Disziplinierung) eingeordnet und funktionalisiert zu werden. Damit kommt fachlichen Grundhaltungen, die man als Formen einer grundlegenden Widerständigkeit gegenüber schulischen Inpflichtnahmeversuchen etikettieren könnte, eine gesteigerte Bedeutung zu. An dieser Stelle kommen Ader und Tölle zum Beispiel auf die Sicherung der „Subjektstellung der Ratsuchenden“ (S. 214) zu sprechen; sie verweisen auf Grundhaltungen und Arbeitsprinzipien im Anschluss an Carl Rogers (S. 213) und plädieren für mehrperspektivische, sozialökologische und reflexive Orientierungen (S. 214). Dabei geht es zugleich um die Verzahnung mit den unterschiedlichen Perspektiven der Akteure an und im Umfeld von Schule: In der „multiprofessionellen Zusammenarbeit“ sehen die Verfasserinnen die „generelle Herausforderung“ (S. 219); es sie die „Kunst …, sie in ihrer Ergänzung zu nutzen und zu einem abgestimmten Konzept der Beratung einer Schule zusammenzuführen“ (S. 220).

In seinem Aufsatz „Partizipation von Schülerinnen und Schülern“ (S. 223) wendet sich Martin Biebricher (wissenschaftlicher Mitarbeiter bei INTERFACE Politikstudien/Forschung/Beratung in Luzern) den „Herausforderungen und Handlungsansätze(n) für die Schulsozialarbeit“ zu. Zunächst arbeitet er die Relevanz des Themas in Lichte vorliegender Befragungsergebnisse zu den Mitwirkungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern heraus, diskutiert unter anderen im Bezug auf den 12. Kinder- und Jugendbericht (2005), dass Bildung Beteiligung braucht, und ordnet diesen Zugang in den unter anderem von Roland Roth und Thomas Olk geführten Diskurs ein, Demokratie wolle „gelernt“ sein. Vor diesem Hintergrund reflektiert Biebricher Handlungsansätze zur Stärkung von Partizipation in Schule. Er sieht die Herausforderung zum Beispiel darin, „positive Partizipationserfahrungen“ zu ermöglichen (S. 229), die „Partizipationskompetenzen der Schülerinnen und Schüler (zu) stärken“ (S. 231) oder ihren „Veränderungswillen“ zu berücksichtigen (S. 232). Der Schulsozialarbeit komme hierbei auch die Aufgabe zu, Schule für die Rechte junger Menschen (er verweist vor allem auf die UN-Kinderrechtskonvention) zu öffnen und anschlussfähig für Prozesse der Teilhabe im Sozialraum zu machen.

Auch der Beitrag von Remi Stork (Referent für Grundsatzfragen der Jugendhilfe und Familienpolitik in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe) zur Zusammenarbeit der Schulsozialarbeit mit Eltern (S. 327ff) stellt Schulsozialarbeit in einen weiteren Rahmen, der sie sich nicht auf die Wahrnehmung originär auf den schulischen Regelbetrieb und Ort fokussierter Aufgaben beschränkt. Stork geht es zunächst darum, deutlich zu machen, dass es gar nicht mehr um „Elternarbeit“ geht, sondern um die Gestaltung von Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit Eltern“ und es sich „um einen konzeptuellen und programmatischen Neuanfang in der Zusammenarbeit mit Eltern“ handelt, für den „die Schule eine Idee von der gemeinsamen Aufgabe und Verantwortung herausarbeiten muss“ (S. 327). Stork beleuchtet im weiteren Gang ihrer Argumentation die widersprüchlichen Perspektiven auf Schule, die Eltern und Schule kennzeichnen und (auch im Lichte biografischer Erfahrungen von Eltern mit Schule) trennen. Er appelliert in diesem Zusammenhang für die Einnahme einer Haltung durch in der Schulsozialarbeit mit Eltern tätigen Fachkräften, die den Zugängen folgen, Eltern zum Beispiel als „erste Bildungsexperten ihrer Kinder“ zu begreifen (S. 332) oder Schule für den „Respekt vor der Leistung“ und den Werten von Eltern aufzuschließen (S. 333). Er spricht sich für eine milieusensible Schule aus, die auch vom Grundsatz motiviert werden, „voneinander und miteinander (zu) lernen“ (S. 334). Hieran anschließend entwickelt Remi Stork Arbeitsprinzipien, die die Kooperation mit den Eltern unterstützen können (zum Beispiel eine Kultur der Offenheit aktiv zu entwickeln, mehrseitige Bildungsprozesse zu ermöglichen und Brücken in den Stadtteil/das Gemeinwesen zu bauen). In Elterncafés, der Projektarbeit, Projekten der Elternbildung und Elternberatung/-coaching sieht er modellhafte Zugangsoptionen in der Zusammenarbeit mit Eltern.

Unter dem Titel „Schulsozialarbeit in Kooperation und Vernetzung. Von der fallbezogenen Triage zum quartiersbezogenen/sozialraumbezogenen Vernetzungsgefüge“ (S. 369) gehen Christian Reutlinger und Antje Sommer (er Professor, sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule St. Gallen) der Frage nach, wie sich Schulsozialarbeit – jenseits einer Fokussierung auf die Bearbeitung von Einzelfällen – als Ressource der Lebenswelt einordnen und als zentrales Element in der Profilierung von Bildungslandschaften begründen lässt. Hier argumentieren auch diese Autoren für die Entwicklung einer sozialräumlich ausgerichteten Scharnierfunktion der Schulsozialarbeit. Im Bezug auf den 12. Kinder- und Jugendbericht sprechen sie sich dafür aus, das „Verhältnis und Zusammenspiel schulischer und außerschulischer Lernorte neu zu fassen“ (S. 378). Ihre Schlussfolgerung lautet deshalb auch: „Eine sozialraumbezogenen Perspektive von Schulsozialarbeit nimmt damit - im Unterschied zur derzeit weit verbreiteten Praxis einer einzelfallbezogenen und auf Triage zielenden Ebene der Kooperation - eine zentrale Rolle beim Aufbau und der Etablierung von lokalen Bildungs- und/oder Hilfelandschaften an, indem sie ihre ‚Scharnierfunktion? zwischen Schule und Quartier, zwischen Lebens- und Aneignungswelten von Kindern und Jugendlichen und dem professionellen Kooperationsgefüge unterschiedlicher Fachkräfte wahrnimmt“. Es gehe folglich darum, ein „Gleichgewicht“ zwischen „Quartiersarbeit in der Schule und Bildungsarbeit im Quartier herzustellen“ (S. 379), um „gelingende Bildungsprozesse“ zu ermöglichen, die „die Chancen (erhöhen), an der Gesellschaft teilzuhaben und Lebensstile und förderliche Lebenslagen zu realisieren“ (S. 377).

Weitere Aufsätze – unter anderem zu sozialräumlichen Analyse- und Aktivierungsmethoden für die Schulsozialarbeit (Ulrich Deinet, S. 239ff), zur „Fremdheit und Lernen im Migrationskontext“ (Thomas Geisen, S. 259), Mädchen- bzw. Jungenarbeit im Kontext von Schulsozialarbeit (Ulrike Gräff, S. 315ff, und Sandro Dell?Anna, S. 299ff) oder zur Kooperation der Schulsozialarbeit mit Schule (Florian Baier, S. 357) – vervollständigen den Band.

Zielgruppen

Der Band von Baier und Deinet bedient ein breites Publikum: In erster Linie wird er der interessierten Fachpraxis dienlich sein können, denn in Bezug zum Beispiel auf Beratung, sozialräumliche Orientierung oder spezielle Handlungskonzept bieten die Aufsätze zahlreiche Anregungen, ohne dabei ins Rezepthafte zu verfallen. Auch für eine an niveauvoller Qualifizierung des akademischen Nachwuchses interessierten Lehre an den Hochschulen bietet das Praxisbuch wertvolle Hilfen. Nicht zuletzt könnte die Veröffentlichung auch jenen Akteuren in Kommunalpolitik und -verwaltung einen kritischen Hintergrund vermitteln, die Schulsozialarbeit angemessen in die Entwicklung lokaler Bildung„landschaften“ integriert sehen wollen und ein reflektiertes Bewusstsein für die Rolle der Schulsozialarbeit entwickeln sollten.

Diskussion und Fazit

In ihrer Einführung formulieren die Herausgeber unter anderem: „Dieser Sammelband als praxisorientiertes Buch möchte auch einem Missverständnis vorbeugen …: In aktuellen Publikationen zur Schulsozialarbeit wird immer wieder eine ‚uneinheitliche? Praxis von Schulsozialarbeit problematisiert und entsprechend gefordert, das Handlungsfeld durch Vereinheitlichungen bzw. Profilbildungen zu professionalisieren. (…) Dies kann kein Ziel der Entwicklung sein, da Schulsozialarbeit als personenbezogene Praxis zu verstehen ist und sich die Lebenswelten von Personen, ihre Bedürfnisse und Probleme sowie die Angemessenheit der Bearbeitungsformen regional unterscheiden dürften und somit regional auch unterschiedliche Praxisformen zur Folge haben sollten. (…) Professionalisierung und Profilbildung innerhalb der Schulsozialarbeit verl(a)ufen vielmehr primär entlang gemeinsam geteilter Zielorientierungen, abstrakter Wissensinhalte, Konzeptionen und vor allem auch Haltungen, die für die Professionellen an allen Standorten gleich sein sollten, von denen aus sich jedoch je nach Situation vor Ort durchaus unterschiedliche Praxisgestaltungen ergeben können“ (S. 12).

Diesem Grundanspruch folgend werden sowohl theoretische Grundlagen, Konzeptionen, Arbeitsweisen als auch (und vor allem) auch Haltung(en) von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern immer wieder aufeinander bezogen und diese Aspekte in Bezug auf die Gesichtspunkte gelingender Praxisgestaltung verdeutlicht. Entstanden ist so ein Praxisbuch, das der Gefahr, zum „Rezeptbuch“ zu werden, nicht erliegt. Die Beiträge sind in weiten theoretisch anspruchsvoll, ohne zu überfordern. Die Ausführungen zur Praxisgestaltung, die darin jeweils eingebundenen Ideen und Anregungen, verdienen es überwiegend, als gelungen bezeichnet zu werden. Einzelne Beiträge, zum Beispiel zur Schulsozialarbeit im Übergang von der Schule zum Beruf, enthalten doch mehr Fragen als Antworten – oder: bedürfen noch der Aktualisierung im Blick auf das, was in diesem Kontext (z. B. im Anschluss an die Forschungsergebnisse der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit) bereits entwickelt wurde. Solche eher kritischen Hinweise zu einzelnen Beiträgen schmälern jedoch nicht die Bedeutung des Praxisbuches – auch nicht die Anmerkung, dass der Band durch die Auswahl der Autorinnen und Autoren etwas „NRW-lastig“ daherkommt.

Die vorliegende Veröffentlichung präsentiert sich systematisch gestaltet, die Autorinnen und Autoren argumentieren kenntnisreich zu den verschiedenen Methoden, fachlichen Orientierungen und Handlungsprinzipien. Für die Praxis stellt dieser Band zweifellos einen beträchtlichen Gewinn dar.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 05.10.2011 zu: Florian Baier, Ulrich Deinet (Hrsg.): Praxis der Schulsozialarbeit. Methoden, Haltungen und Handlungsorientierungen für eine professionelle Praxis. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. 2., erweiterte Auflage. ISBN 978-3-86649-396-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11056.php, Datum des Zugriffs 28.07.2016.


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