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Ingeborg Degwart: Dem Tag das Fenster öffnen

Ingeborg Degwart: Dem Tag das Fenster öffnen. Texte und Fotos (nicht nur) für die Seminararbeit. Votum Verlag (Münster) 2000. 80 Seiten. ISBN 978-3-933158-62-8. 35,00 EUR.

Medienmappe inclusive CD-Rom.
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Einführung in das Thema

Ganzheitliches Arbeiten in Seminaren intendiert, nicht nur den Verstand anzusprechen, sondern den ganzen Menschen zu erreichen. Das vorgestellte Werkbuch für die Seminararbeit in der Fort- und Weiterbildung will hierzu mit Texten und Fotos für Eingangsinterventionen Ideen anbieten. Zu jedem Bild werden die geeignete Musik, Weiterführungen und Aufgaben vorgeschlagen. Leitbild ist dabei eine Bildungsarbeit mit ganzheitlichem, spirituellem Ansatz.

Die Bilder in diesem Werkbuch sind gedacht für Meditationen, die in einem Seminar am Anfang stehen, aber auch zu späteren Zeitpunkten eingesetzt werden können, um ein tieferes Sich-Einlassen auf ein Thema zu fördern. Der Grundgedanke dabei: Bilder und Symbole erreichen den Menschen auch auf den nicht-kognitiven Ebenen, die Worten nicht oder nur schwer zugänglich sind und öffnen dadurch den Zugang zu inneren Vorgängen. Unterstützt wird dieser Prozess durch Vorschläge für eine begleitende Musik, Texte, die die Aussagen der Bilder verdeutlichen oder auch Anregungen zum Einsatz von haptischen Medien oder Körperbewegungen. Ferner werden ausführliche Vorschläge für die Weiterarbeit an dem jeweiligen Thema gegeben, so dass die LeserInnen konkrete, in sich abgeschlossene und abgerundete Arbeitseinheiten vorfinden.

Hintergrund für die Entstehung

Das Buch ist aus der Praxis entstanden; die Autorin ist Ausbilderin und Trainerin im Rahmen der Fortbildung für Supervision in der Diakonischen Akademie. Ihr Anliegen ist es, ihre im Laufe der Jahre gewonnenen Erfahrungen weiterzugeben, dabei aber nicht verfestigte Vorgaben, sondern Bausteine zu liefern, Anstöße, „Neues zu entdecken und Altes weiterzuentwickeln“.

Aufbau und Inhalte

Das Werkbuch bietet 26 Bilder an, die auf 39 Themen bezogen werden können. Die Bilder werden unter folgenden Kategorien vorgestellt: "Entstehung und Werden", „Wege, Steine, Spuren“, „Bäume, Licht und Schatten“, „Wasser“, „Weite“, „Bewegung“ und „Leben“. Die Autorin hat in diesem Aufbau den „Prozess des eigenen Wachsens und Sich-in-Beziehung-Setzens und -Erlebens aufgenommen“.

Ein kurzer Leitfaden am Anfang gibt den LeserInnen Hilfen für den praktischen Einsatz der vorgeschlagenen Arbeitseinheiten.

Im Hauptteil finden sich die nach Themen geordneten Bilder sowie jeweils darauf abgestimmte Anleitungen zu geleiteten Meditationen. Leitfragen zum Thema / Bild, Musikvorschläge und gelegentlich Anregungen zu Körperbewegungen und / oder zur Raumgestaltung runden die Meditation ab. Für die weiterführende Arbeit am Thema werden jeweils konkrete Aufgaben und geeignete Arbeitsformen vorgeschlagen.

Im Anhang findet sich der Beitrag „Kommunikation ist Bewegung - Körper und Bewegung als Wahrnehmungs- und Erfahrungsrichtung in der Prozessualen Supervision“ von Heinrich Fallner.

Eine wirklich praktische Arbeitshilfe ist die CD-ROM, auf der die Fotos in drei verschiedenen Dateiformaten gespeichert sind, sodass man mit jeder Softwareausstattung in der Lage ist, die Dateien zu öffnen. Die Bilder lassen sich so je nach Bedarf auf Folie oder Papier in beliebiger Größe und Anzahl ausdrucken.

Zielgruppen

Das Werkbuch ist nach eigenen Aussagen gedacht für „eine Bildungsarbeit, die sich zum Ziel setzt, dass Menschen ihr Selbst finden, ihre Welterfahrung differenzieren und ihren Glauben formulieren lernen“. Damit ist auch die Zielgruppe klar definiert - im Rahmen einer eher inhaltlich orientieren Bildungsarbeit ohne expliziten spirituellen Bezug werden die Meditationen bei den TeilnehmerInnen eher Befremden auslösen. Ferner erfordert der Umgang mit Methoden, die den TeilnehmerInnen tiefergehende Erfahrungen ermöglichen, erfahrene GruppenleiterInnen, die das, was sie möglicherweise auslösen, auch auffangen und bearbeiten können.

Tauglichkeit für potenzielle LeserInnen

Ein Buch aus der Praxis - für die Praxis, das ist das Anliegen der Autorin. Es ist ihr sicherlich gelungen, allerdings beschränkt auf die spirituell bzw. auf Selbsterfahrung hin orientierte Bildungsarbeit. Wer hierfür Anregungen sucht, wird sicherlich nicht nur von den sorgfältig ausgearbeiteten Vorschlägen begeistert sein, sondern sich auch animiert fühlen, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

Voraussetzung ist allerdings, dass bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von Meditationen vorliegen. Konkrete Hilfen und Anleitungen für das Arbeiten mit dieser Methode, Berichte über Erfahrungen und Beachtenswertes beim Einsatz sucht man in dem Werkbuch leider vergeblich.

Über die Qualität der Fotos kann man wahrscheinlich streiten. Es sind sicherlich keine professionellen Bilder, was die Schärfe, die Belichtung und die Bildaufteilung betrifft. Aber gerade das Amateurhafte gibt ihnen auch einen gewissen Charme und macht Mut, selber Eigenes auszuprobieren.

Der Artikel im Anhang hingegen ist sicherlich geeignet, den LeserInnen die Möglichkeiten und Bedeutung des Einsatzes von Körpererfahrungen in der Bildungsarbeit zu verdeutlichen - ansonsten gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang zum ersten Teil des Werkbuches.

Fazit

Jede(r), der in der Bildungsarbeit steht, weiß um die entscheidende Bedeutung des Anfangs in einem Seminar. Und jede(r), der in der Bildungsarbeit steht, freut sich, Materialien an die Hand zu bekommen, die nicht nur so gut abgerundet sind, dass sie direkt in der Praxis einsetzbar sind, sondern auch noch dazu animieren, eigene Ideen zu entwickeln. Hier bietet das Werkbuch wirklich eine Fülle von Möglichkeiten und Anregungen - allerdings beschränkt auf den Einsatz durch erfahrene GruppenleiterInnen in selbsterfahrungsorienten Veranstaltungen.


Rezensentin
Dr. Eva Schmitz
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Zitiervorschlag
Eva Schmitz. Rezension vom 01.09.2001 zu: Ingeborg Degwart: Dem Tag das Fenster öffnen. Votum Verlag (Münster) 2000. 80 Seiten. ISBN 978-3-933158-62-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/111.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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