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Antje Reinhard, Barbara Weiler: Mädchenarbeit in der stationären Jugendhilfe

Antje Reinhard, Barbara Weiler: Mädchenarbeit in der stationären Jugendhilfe. Weibliche Lebenswelten, Sozialidationsbedingungen und Konzepte der sozialpädagogischen Kompetenzförderung. Verlag Wissenschaft und Bildung VWB (Berlin) 2003. 119 Seiten. ISBN 978-3-86135-161-0. 14,00 EUR.

Reihe Forschung & Lernen, Band 9.

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Einführung in das Thema

Mädchen und Frauen werden heute in allen Lebensbereichen mit vielfältig veränderten Rollenzuschreibungen konfrontiert. Was auf den ersten Blick als breites Angebot neuer Chancen für weibliche Lebensgestaltung daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen gerade für Mädchen und junge Frauen in der stationären Jugendhilfe als ambivalenter Balanceakt zwischen gesellschaftlichen Versprechungen uneingeschränkter Wahlmöglichkeiten und der Faktizität der individuellen, situativen Begrenztheit weiblicher Lebensumstände.

Entstehungshintergrund

Dies ist der Ausgangspunkt von dem aus die Herausgeberinnen, beide Mitarbeiterinnen der Ev. Fachhochschule für Sozialwesen Ludwigshafen, der Frage nachgehen, wo Möglichkeiten sozialpädagogischer Praxis liegen, diese Zielgruppe in den schwierigen Prozessen einer kompetenten Lebensplanung und - gestaltung zu unterstützen. Die Veröffentlichung basiert auf drei Diplomarbeiten (Paula Monhardt, Martina Meinzer, Anke Schmitt), in deren Rahmen eine empirisch, qualitative Untersuchung mit jungen Frauen zwischen 14 und 19 Jahren, durchgeführt wurde.

Aufbau und Inhalte

Die Arbeit gliedert sich in zehn Kapitel, wobei die ersten fünf Kapitel in Grundlagen weiblicher Lebenswelten, Sozialisation, Kompetenzforschung sowie konkretisierend Sozialisationsbedingungen von Mädchen in der Heimerziehung einführen.. In Kapitel VI wird die Anlage der Untersuchung erläutert, die sich auf sieben leitfadengestützten Interviews mit jungen Frauen stützt, die unterschiedliche Angebote einer großen Einrichtung wahrnahmen (Außenwohngruppe, Familienwohngruppe, betreutes Jugendwohnen). Die Interviewdauer lag zwischen 30 und 60 Minuten.

In Kap. VII wird das Material dargestellt, untergliedert in praktische Fähigkeiten und Lebenstechniken, den sozial-emotionalen Bereich, Schule und Beruf sowie Lebensplanung und Zukunftswünsche.

In den drei abschließenden Kapiteln werden Schlussfolgerungen für den Umgang mit Mädchen in stationären Einrichtungen gezogen sowie Perspektiven für Inhalte/ Zielsetzungen und für das Selbstverständnis von Fachkräften formuliert.

Zielgruppen

Zielgruppen der Veröffentlichung sind damit Fachkräfte in der Arbeit mit Mädchen in Erziehungshilfen und deren Leitungen.

Diskussion

Mit dem - ausbaufähigen - empirischen Material bietet die Veröffentlichung wichtige Aufschlüsse über moderne weibliche Lebensentwürfe und darin liegende Bewältigungsmuster sowie Ansatzpunkte für eine Ausgestaltung von Hilfen. In der Darstellung des Materials liegen meiner Meinung nach auch die Stärken der vorliegenden Arbeit. Ebenso positiv herauszuheben ist die Kennzeichnung von Diskrepanzen zwischen alltäglichen, professionellen Interaktionen und vollmundigen Konzeptionen aus denen Schlussfolgerungen für Strukturen und professionelle Selbstreflexion abgeleitet werden.

Schwächen liegen meiner Meinung nach in der fehlenden Verknüpfung der einzelnen Kapitel. Bedauerlich ist, dass Schlussfolgerungen vor allem aus Literatur und nicht aus der Empirie hergeleitet werden. Dabei wird zudem die Literatur und darin verhandelte Diskurse/ Debatten der letzten 8 Jahre z.B. zu Sozialisationsforschung, Gender, Gleichheit und Differenz nicht aufgegriffen.

Fazit

Das Anliegen dieser Veröffentlichung ist wichtig, vielversprechend und füllt eine Lücke in Praxis und Forschung. Insbesondere empirische Arbeiten, die mehr Aufschluss über die Perspektive der Adressatinnen, ihren Deutungsmustern und Bewältigungsversuchen etc. geben können, sind für die Entwicklung einer zeitgemäßen , nicht vereinfachenden, sondern in Widersprüchen arbeiten könnenden Praxis ausgesprochen hilfreich. Leider hat die Veröffentlichung versäumt, die Adressatinnenperspektive konsequent herauszuarbeiten bzw. mit aktueller Literatur zu konstrastrieren. Die formulierten Perspektiven beinhalten dennoch wichtige Impulse, deren Berücksichtigung eine Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen qualifizieren kann.


Rezensentin
Prof. Dr. Claudia Daigler
FH Nordwestschweiz, HSA/Institut für Integration und Partizipation
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Zitiervorschlag
Claudia Daigler. Rezension vom 04.11.2003 zu: Antje Reinhard, Barbara Weiler: Mädchenarbeit in der stationären Jugendhilfe. Verlag Wissenschaft und Bildung VWB (Berlin) 2003. 119 Seiten. ISBN 978-3-86135-161-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1117.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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