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Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen

Cover Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter. oekom Verlag (München) 2011. 128 Seiten. ISBN 978-3-86581-251-3. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 22,95 sFr.
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Die Welt als Gemeingut

Die Frage danach, wem die Welt gehört ( vgl. dazu: Heinrich-Böll-Stiftung / Silke Helfrich, Hrsg., Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter, München 2009, in: socialnet Rezensionen unter www.socialnet.de/rezensionen/7908.php) wurde und wird zu allen Zeiten unterschiedlich gestellt, hegemonial und machtvoll vertreten oder resignierend, gelegentlich auch revolutionierend beantwortet. Angesichts der sich scheinbar urständig entwickelnden ökonomischen Prozesse, wonach – lokal, regional und global – die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, wird immer deutlicher die Frage gestellt, welche politisch-strategischen und gesellschaftlichen Strategien angewandt werden können, damit sich jenseits von Markt und Staat Institutionen des Commons-Managements bilden und wirksam werden. Die bisher eher peripher und mit dem karitativen Touch versehenen Überlegungen zu Commons, Allmende und Gemeingütern erhalten spätestens seit November 2009, als die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Elinor Ostrom, zur Überraschung vieler Experten, den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, eine neue Aufmerksamkeit.

Aufbau und Inhalt

Der Titel „Was mehr wird, wenn wir teilen“ provoziert und bürstet erst einmal gegen den Strich unseres selbstverständlichen Wachstumsdenkens und unserem zwanghaften Streben nach dem „Immer-schneller-immer-höher-immer-mehr“. Die Aufforderung „Teilen lernen“ wird nämlich bisher eher dem „Helfer“ – und Karitas- und weniger dem ökonomischen Bereich zugeordnet. „Die Welt gehört dem Tüchtigen“ – diese Parole orientiert sich ja bisher ausschließlich an den wirtschaftlichen Erfolgszielen und den Vorstellungen von individueller Tüchtigkeit, und weniger daran, dass die Güter der Erde – Luft, Wasser, Boden, Nahrungsmittel, Gene, Wissen … – Gemeingüter sind, die allen Menschen, die auf der Erde leben, gehören (sollten). Elinor Ostroms Überlegungen zu den „Common-Pool-Resources“ übersetzt die Commons-Expertin Silke Helfrich in Gemein- oder Allmenderessourcen. In dem Bändchen „Was mehr wird, wenn wir teilen“ fasst sie zwei Texte der Nobelpreisträgerin zusammen: „The Challenge of Common-Pool-Resources“ (2008) und „Rethinking Institutional Analysis“ (2003).

Im einführenden Teil stellt Silke Helfrich fest: „Gemeingüter sind nicht, sie werden gemacht“, und sie weist darauf hin, dass es sehr wohl Alternativen zu den überkommenen und scheinbar fest gemauerten Theorien des Nutzwertes der Allmende gibt, gewissermaßen einen „dritten Weg“, der unsere gefühlten und gewachsenen Abhängigkeiten und unsere Denke befreit: Ressourcen als Herausforderung, „wie wir die gesellschaftlichen Verhältnisse regeln und welche Institutionen wir dafür brauchen“. Denn der „Markt“ alleine, und auch nicht der „Staat“ alleine können es richten! Es bedarf der gemeinsamen Anstrengungen: „Es gibt keine Gemeingüter ohne gemeinsames Tun“. Helferich gliedert die Überlegungen und Forschungsarbeiten von Elinor Ostrom in drei Kapitel: „Gemeingüter fordern uns heraus“, im ersten Teil; „Gemeingüter pflegen – lokal und global“, im zweiten Kapitel; und „Wenn`s funktionieren soll: Gestaltungsprinzipien für Gemeingüter“ im dritten Teil.

Ein für die Forschung und Information hilfreiches, ausführliches Glossar skizziert die wichtigsten Begrifflichkeiten; und in einer knappen, ausgewählten Literaturliste wird auf weiterführende Texte verwiesen.

Fazit

Der Schlüssel für Elinor Ostroms Arbeiten, die sich mittlerweile in der „Ostrom-Schule“ subsumieren, lässt sich als „Selbstverwaltung“ und „Selbstorganisation“ einpassen. Die Grundlagen dafür sind: Beziehungsnetze, Normen, Wissen, Vertrauen und regionale Initiativen, die sie an drei Beispielen – Meer, Wald, Atmosphäre – entfaltet und als Regelwerk für eine anpassungsfähige Regierungsführung darstellt: Verfügbarkeit präziser und relevanter Informationen; Konfliktmanagement; Verbesserung der Regeleinhaltung; Bereitstellung von Infrastruktur; Anpassungs- und Veränderungsfähigkeit. Die von der Autorin aufgestellten Gestaltungsprinzipien für Gemeingüter-Denken und –Handeln sollten für individuelles, kollektives und institutionalisiertes Ressourcenbewusstsein Pate stehen und Eingang finden in den notwendigen Perspektivenwechsel, wie er 1995 im Bericht der Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ als „kreative Vielfalt“ charakterisiert und mit der Aufforderung verbunden wird: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ (Deutsche UNESCO-Kommission, Unsere kreative Vielfalt. Bericht der Weltkommission „Kultur und Entwicklung“, Kurzfassung, Bonn, zweite, erweiterte Auflage 1997, S. 18).


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 20.05.2011 zu: Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter. oekom Verlag (München) 2011. ISBN 978-3-86581-251-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11224.php, Datum des Zugriffs 25.09.2016.


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