Svenja Ehlers: Psychosoziale Beratungsgespräche (Altenpflege)
Svenja Ehlers: Psychosoziale Beratungsgespräche. Ältere Menschen in Krisensituationen begleiten. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. 152 Seiten. ISBN 978-3-437-47450-7. 19,95 EUR.
Einführung
Das Buch macht sich verschiedene Erkenntnisse aus den Bereichen 'kommunikatives Handeln', 'Gesprächsführung' und 'psychosoziale Beratung' zu Nutze und wendet sie auf den Bereich der Altenpflege an. Dabei liegt die Stärke des Buches in der anschaulichen bzw. gefälligen Aufbereitung des Materials in Form von kleinen Portionen und Facetten aus den themenrelevanten Anwendungsbereichen. LeserInnen, die keinen Wert auf eine klare Systematik bei der Aufbereitung des Stoffes legen, sondern locker durch den Wald einschlägiger Theorie- und Praxisbereiche geführt werden wollen, finden sich sicherlich gut aufgehoben. Hingegen wird der im Vorwort genannte Anspruch, ein "Beratungsmodell spezifisch für die Altenpflege zu beschreiben", nicht überzeugend eingelöst.
Hintergrund für die Entstehung des Buches
Es besteht grundsätzlich ein hoher Bedarf an sehr praxisorientiertem Material im Bereich der Altenpflege, gerade für den Bereich sensibler Themen und Problemfelder (Stichwort: Krisensituationen). Auf diese Lücke richtet sich das Buch mit seinen zahlreichen Fallbeispielen und Veranschaulichungen möglicher Antwort- und Reaktionstendenzen.
Aufbau des Buchs
Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert, wovon die beiden ersten Kapitel ("Der Pflegauftrag Beratung" und "Techniken für das Beratungsgespräch") mit 110 Seiten den Löwenanteil ausmachen. Die beiden sich anschließenden, sehr knappen Kapitel "Problembereiche alter pflegbedürftiger Menschen" (bezogen auf die drei Problembereiche 'unerwartete Abhängigkeit', 'Hoffnung auf Tod' und 'Alleinsein') und "psychosoziale Beratung - (k)ein Allheilmittel?" hätten auch als Unterkapitel in den beiden ersten Kapiteln berücksichtigt werden können. Es folgen noch ein Kapitel mit "weiterführenden" Literaturangaben und ein Stichwortverzeichnis. Die Inhalte der vier Kapitel berühren dabei durchaus eine Vielzahl beratungsrelevanter Aspekte. Die entsprechenden inhaltlichen Aussagen werden stetig mit einer Vielzahl von Fallbeispielen, Übungen, "Tipps für die Praxis", mit hervorgehobenen Statements, Markierungen, Einzügen usw. angereichert bzw. diese optischen Aufbereitungen stellen manchmal schon die Aussage dar. Es ist somit ein buntes Durcheinander, bei dem es jenseits einer sonderlich erkennbaren Systematik um Aspekte wie Professionalität, Alltagsberatung, Zeitdruck, Funktionen von Beratung, Erklärungsmodelle von Problemen, systemische Ansätze, Vergleiche Beratung - Therapie, KlientInnen in Beratung, eine Aktivitätenliste, um existentielle Erfahrungen des Lebens, den alten Menschen als Partner, Grundhaltungen personaler Beziehungen, Phasenmodelle psychosozialer Beratung, um spezielle Gesprächstechniken, Kommunikation, richtige Fragen und Deutungstechniken geht. Grundsätzlich haben alle genannten Aspekte etwas mit der Themenstellung der psychosozialen Beratung zu tun. Grundsätzlich ist auch gegen den Einsatz optischer "eye-catcher", von Karikaturen und anderen Gestaltungselementen gerade bei einem für Praktiker gedachten Buch nichts einzuwenden. Grundsätzlich sollte dabei aber, schon allein aus Gründen der Übersichtlichkeit, eine gewisse Systematik und damit gegebene Prägnanz gewahrt bleiben. Eine solche Publikation muss nicht als wissenschaftliches Werk daher kommen. Es hätte dem Buch aber gut angestanden, wenn es einige gängige Kriterien der Aufbereitung wissenschaftsbasierter Inhalte stärker berücksichtigt hätte.
Zielgruppen
Das Buch richtet sich v.a. an Professionelle in der Altenpflege. Solange man sich nicht an der fehlenden Systematik stört , können dabei durchaus einige der anschaulich aufbereiteten "Rosinen" herausgepickt werden. Das sind u.a. die durchaus große Kundigkeit dokumentierenden Fallbeispiele.
Tauglichkeit
Insofern ist die Frage des Nutzens und der Tauglichkeit eine Frage des Anspruchs. Das Buch mag für viele gewinnbringend sein, für andere hingegen ein eher ärgerliches Sammelsurium.
Fazit
Wenn man ein brainstorming zum Bereich psychosozialer Beratungsgespräche in der Altenpflege durchführen wollte, hätte man mit diesem Buch bereits viele Aspekte gesammelt und in einem ersten Schritt gesichtet. Alles in allem, mag dies für einige LeserInnen damit ein gutes, für andere hingegen eher ein schlechtes Buch sein.
Rezensentin
Prof. Dr. Insa Fooken
Professur für Psychologie mit dem Schwerpunkt Entwicklungspsychologie an der Universität Siegen; Forschungsschwerpunkte u.a.: Männer und Frauen im Alter, Scheidung nach langjährigen Ehen
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Zitiervorschlag
Insa Fooken. Rezension vom 16.12.2003 zu: Svenja Ehlers: Psychosoziale Beratungsgespräche (Altenpflege). Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. 152 Seiten. ISBN 978-3-437-47450-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1137.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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