Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin
Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation. Schäffer-Poeschel Verlag (Stuttgart) 2011. 11., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage. 568 Seiten. ISBN 978-3-7910-2996-2. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 54,00 sFr.
Reihe: Systemisches Management.
Thema
Peter M. Senges Entwurf eines neuen Management-Denkens, mit dem er den Begriff und das Prinzip der „Lernenden Organisation“ prägte, ist 1990 zum ersten Mal erschienen und längst zum Klassiker avanciert. Senge postuliert, dass durch die zunehmende Globalisierung und den sich rasch wandelnden Umweltbedingungen die Anforderungen an die Mitarbeiter einer Organisation steigen. Deshalb ist eine permanente Weiterentwicklung dieser Zielgruppe notwendig. Aber vor allem auch die Organisation selbst muss ein hohes Maß an Flexibilität und Wandlungsfähigkeit aufweisen, sie muss lernen.
Die 11. Auflage wurde komplett überarbeitet und durch aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen sowie neue Beispiele auf den aktuellen Stand gebracht. Hinzu kam ein neuer Abschnitt „Erfahrungen und Überlegungen aus der Praxis“ mit einer Vielzahl von Interviews mit Praktikern. Das Werk wurde bereits über eine Million mal verkauft und in über 20 Sprachen übersetzt.
Autor
Dr. Peter M. Senge ist Senior Lecturer of Behavioral and Policy Sciences an der Sloan School of Management am MIT (Massachusetts Institute of Technology) und Gründer der Society of Organizational Learning (SoL). Er ist als einer der großen Management-Vordenker unserer Zeit weltweit anerkannt. Er zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er die abstrakten Ansätze der Systemtheorie in konkrete Werkzeuge für wirtschaftliche und organisatorische Veränderungen übertragen hat. Neben diesem Hauptwerk hat er eine Vielzahl weiterer Managementbücher veröffentlicht.
Entstehungshintergrund
Das Werk von Peter M. Senge wurde erstmals 1990 vor dem Hintergrund der „Revolution des Qualitätsmanagements“ als auch des Ansatzes des organisationalen Lernens veröffentlicht. Mit diesem Werk schaffte es Senge auf Anhieb in die Bestseller-Listen. Die „Fünfte Disziplin“ ist heute auf dem Gebiet der Managementforschung eines der meistzitierten Werke. Seit der Erstauflage sind die Globalisierung und damit der Wettbewerbsdruck der Unternehmen, aber auch die sozialen und ökologischen Herausforderungen, weiter dramatisch gewachsen. Lernkompetenzen werden deshalb in den Unternehmen immer bedeutender, die Vernetzung in und zwischen den Unternehmen wächst, insbesondere auch durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologie. Diese gewachsenen Herausforderungen hat Senge aufgegriffen und über eine Vielzahl von Praxiserfahrungen, die er über Interviews gesammelt hat,systematisch weiter entwickelt.
Aufbau und Inhalt
Im ersten Abschnitt leitet Senge aus einer anschaulichen Erläuterung des systemischen Ansatzes die fünf Disziplinen der lernenden Organisation ab. Er beschreibt ausführlich diese Disziplinen, die er als ein Set bestimmter Abläufe und Methoden versteht, die erlernt und eingeübt werden müssen, damit eine lernende Organisation entsteht.
- „Personal Mastery“ (Persönliche Reife): Dies ist die geistige Grundlage einer Organisation. Jeder Mitarbeiter hat die Aufgabe, sich über die Dinge klar zu werden, die wirklich wichtig sind und welche Beiträge er leisten kann.
- „Mentale Modelle“: Unausgesprochene Grundannahmen werden transparent gemacht, so dass sie Gegenstand der Entwicklung werden können.
- „Gemeinsame Vision“: Die Lücke zwischen Vision und gegenwärtiger Realität ist die Quelle kreativer Energie. Deshalb müssen alle Mitglieder der Organisation die gemeinsame Vision verstehen und verinnerlichen.
- „Teamlernen“: Funktionierende Teams sind die Keimzellen erfolgreicher Unternehmen.
- „Die fünfte Disziplin ‚Systemdenken’“: Die ersten vier Disziplinen müssen systematisch miteinander und mit dem großen Ganzen verknüpft werden. Dies erfordert einen konzeptuellen Rahmen und entsprechende Strukturen. Darin kann sich ein grundlegender Wahrnehmungswandel entwickeln, der sowohl die Einzelnen wie auch die Teams und die gesamte Organisation voranbringt.
Diese Disziplinen sind damit Gestaltungsempfehlungen im Sinn von leitenden Ideen. Sie sind kein „Handbuch“, das einfache Rezepte oder konkrete Strategien zum Umsetzen liefert. Es gibt keine Patentrezepte für den Aufbau der lernenden Organisation. Es gibt aber viele Erkenntnisse darüber, wie ein Arbeitsumfeld aussehen muss, das bessere Leistungen ermöglicht und die Arbeitszufriedenheit steigert.
Senge erläutert weiter Lernhemmnisse in der Praxis. Am Beispiel eines Bierspiels macht er sehr anschaulich deutlich, wie gefangen wir in unserem eigenen Denken sind. Er leitet nachvollziehbar ab, dass die Struktur des Unternehmens maßgeblich das Verhalten beeinflusst.
Im zweiten Abschnitt entwickelt Senge die Eckpfeiler der lernenden Organisation. Dem Leser wird dabei deutlich, dass die Lösungen von gestern die Probleme von heute sind. Deshalb ist ein Umdenken erforderlich, das voraussetzt, dass die Kausalitätskreise und die Grundmuster identifiziert werden.
Daraus leitet Senge die Frage ab, wie das Lernumfeld, die „strategische Architektur“ , aussieht. Dieser Lernzyklus umfaßt Ansichten und Annahmen, etablierte Praktiken, Fertigkeiten und Fähigkeiten, ein Beziehungsnetzwerk sowie Bewusstsein und Empfindlichkeiten.
Im dritten Abschnitt zeigt Senge dann auf, wie die lernende Organisation entwickelt werden kann. Die größte Herausforderung ist dabei die Gestaltung effektiver Infrastrukturen, die den Menschen helfen können, Lernen und Arbeiten zu integrieren. Lernende Infrastrukturen (Reflexionen, Übungsfelder, Kommunikationstechnologien) sind damit ein Schlüsselelement für die Entwicklung effizienter Lernstrategien. Stabile Lerninfrastrukturen benötigen deshalb „Praxis- und Übungsfelder“, die reale Herausforderungen für die Lerner darstellen. Echte Lernprozesse sind dabei dadurch gekennzeichnet, dass man etwas Neues ausprobiert und dabei auch Fehler machen kann.
Aus der systematischen Diskussion und Weiterentwicklung des dabei gewonnen Erfahrungswissens entwickelt sich die lernende Organisation. Es werden dabei Strukturen benötigt, die es ermöglichen, entwickelte Fertigkeiten an andere weiter zu geben, um deren Kompetenzentwicklungsprozesse zu ermöglichen.
Im vierten Abschnitt werden Erfahrungen und Überlegungen aus der Praxis, aber auch Grenzen, realistisch und anschaulich vermittelt. Senge skizziert und analysiert reale Situationen aus Unternehmen und erläutert Handlungsmöglichkeiten, um vordergründigern Sachzwängen und Begrenzungen zu entkommen.
Im Anhang werden Lerndisziplinen, d.h. jeweils Techniken (was man tut), Prinzipien (Leitgedanken und Einsichten) sowie Essenzen (Seinsweise derjenigen, die einen hohen Grad an Meisterschaft in der Disziplin erreichen) beschrieben und Systemarchetypen sowie das System kollektiver Lernprozesse erklärt.
Fazit
Senge
gelingt es durch treffende Beispiele und einen sehr illustrativen
Stil, einen theoretischen und komplexen Ansatz in sehr verständlicher
Weise zu entwickeln, Dabei ist der Leser jedoch gefordert, immer
mitzudenken. Er bekommt keine „Patentrezepte“ geliefert,
sondern wird angeregt, eigene Lösungswege unter dem Hintergrund des
systemischen Ansatzes zu finden. Es ist zu wünschen, dass Senge
in der nächsten Auflage den Umfang aktueller Beispiele erhöht.
Gleichzeitig sollten einige Redundanzen beseitigt werden.
Das
Buch ist hervorragend geeignet, den Leser in die systemische Welt der
lernenden Organisation einzuführen. Das Werk von Peter Senge
ist eine Pflichtlektüre für jeden, der sich mit demThema der
lernenden Organisation beschäftigen will. Sowohl Führungskräfte
als auch die Verantwortlichen für Lernsysteme in Unternehmen kommen
an der „Fünften Disziplin“ nicht vorbei.
Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH, Hamburg
Homepage www.blended-solutions.de
E-Mail Mailformular
Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.
Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 29.09.2011 zu: Peter M. Senge: Die fünfte Disziplin. Schäffer-Poeschel Verlag (Stuttgart) 2011. 11., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage. 568 Seiten. ISBN 978-3-7910-2996-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11410.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.
Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.
Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang
Hilfe & Kontakt
Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
Sonja Radatz: Wie Organisationen das Lernen lernen
Christoph Zimmermann, Reinhard Muhler (Hrsg.): Ressourcen der systemischen Organisationsentwicklung
Stellenangebote
Vorstand Finanzen/Personal (w/m), Berlin
Geschäftsführer (m/w) im Bereich Sozialdienstleistung, Rheinfelden
Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.
Newsletter bestellen
Immer über neue Rezensionen informiert.
