Tobias Voss: Die Metalog-Methode
Tobias Voss: Die Metalog-Methode. Hypnosystemisches Arbeiten mit Interaktionsaufgaben. Gert Schilling Verlag (Berlin) 2011. 143 Seiten. ISBN 978-3-930816-22-4. 29,50 EUR.
Thema
Neben praktischen Methoden und Interaktionsaufgaben greift Voss Hintergründe aus der Systemischen Arbeit auf, um Trainings in Unternehmen oder auch für Schulklassen zu verbessern. Er zeigt Strukturen auf und gibt Trainern Hilfen und Hintergründe an die Hand.
AutorIn oder HerausgeberIn
Tobias Voss ist seit 1994 als selbständiger Trainer und Coach und international als Train-the-Trainer Experte tätig. Er hat Zusatzausbildungen in Psychotherapie, Hypnotherapie und NLP.
Entstehungshintergrund
Im Prolog berichtet Voss davon wie anstrengend ihm seine Trainings in der Vergangenheit vorkamen. Schwierige Situationen ergaben sich aus einer Kombination von: nicht freiwilligen Teilnehmern, großen eigenen Trainer- Redeanteilen, nicht ernst genommenen Übungen und einer hohen Erwartungshaltung der Teilnehmer. Die Erkenntnisse mündeten in der METALOG Methode, einer Art Metakommunikation mithilfe von Interaktionsaufgaben. Der Begriff „Hypnosystemisch“ geht auf Gunther Schmidt zurück und beinhaltet einerseits eine fokussierende Aufmerksamkeit, andererseits eine systemische Dynamik: alle Beteiligten eines Systems sind gleichzeitig Ursache und Wirkung und Menschen handeln aus ihrer eigenen Perspektive heraus.
Aufbau und Inhalt
Das Buch gliedert sich in 7 Kapitel.
1. Interaktionsaufgaben als
ganzheitliches Lernkonzept. Interaktionsaufgaben verschaffen
Teilnehmern die Möglichkeit wie durch eine gemeinsame Brille zu
schauen. Dazu benötigen sie vorab eine Inszenierung, um die
künstliche Situation anschließend in ihre Alltagswelt integrieren
zu können. Die Interaktionsaufgaben sind nicht nur im Bereich
Teamtraining einsetzbar, sondern vielfältig im Unternehmenskontext
und in Schulklassen. Die Andersartigkeit zur realen Welt verschafft
dabei viele Vorteile: Teilnehmer respektieren leichter die
Sichtweisen anderer, jeder sucht einen eigenen Sinn oder Transfer, es
werden authentische Verhalten und Emotionen erzeugt. Die Lerneffekte
lassen sich auch über die Hirnforschung erklären, z.B. werden
Ereignisse immer wieder als überraschend besser als erwartet erlebt,
wird Dopamin ausgeschüttet und verstärkt das gute Gefühl.
Als
Grundlage für den nachhaltigen Erfolg von Trainings beschreibt Voss
unter anderem die ressourcen- und lösungsorientierten Grundhaltung
als Trainer und gleichzeitig das Nutzen von Metaphern als Methode:
Bildmetapher (Bilder malen oder Bilder mit Symbolen belegen),
Sprachmetapher (z.B. Schmetterlinge im Bauch), gegenständliche
Metapher (z.B. Geldschein für Wert).
Weiteres Handwerkszeug sind
Sprachmuster der Trainer, die entweder Motivation oder Widerstand
auslösen können und wohl gewählt sein sollen. Abschließend wird
das Pacing vorgestellt. Hier werden möglicherweise auftretende
Gefühle oder Äußerungen der Teilnehmer vorweggenommen, z.B. einige
von Ihnen kommen sicher mit gemischten Gefühlen hierher…
2. Interaktionsaufgaben in der Praxis. Voss inszeniert die Praxis mit drei aufeinanderfolgende Schritten:
- Eine maßgeschneiderte Inszenierung: Ziel der Aufgabe, Rahmenbedingungen und Regeln, Material, Rollenverteilung, Zeitrahmen, ein sinnvoller Name, eingestreute Lösungen
- Eine Durchführung begleitet von Interventionen, wie Rahmenbedingungen/Regeln verändern, Spiegeln des Erlebten, Lösungsorientierte Fragen, Dissoziationsinterventionen (aus der Situation heraus zu treten, Metaebene einnehmen)
- Eine Bedeutung geben und
Generalisieren
3-phasiger Übergang: 1. Sammeln von Erlebtem aus unterschiedlichen Blickwinkeln, 2. Übertragen auf Alltagsthemen, 3. Entwickeln von Strategien/ Themen zur Umsetzung in den Alltag.
Zusätzlich wird die Einsatzmöglichkeit von Beobachtern dargestellt und das Thema Feedback vorgestellt. Im Unterabschnitt Prozessorientiertes Arbeiten unterscheidet Voss zwischen zwischen einem Inhaltsziel, also dem was die Gruppe lernen soll und einem Prozessziel. Unter Prozessziel versteht Voss den emotionalen Zustand durch den am schnellsten, besten und einfachsten gelernt werden kann. Er bietet für Trainer das Hilfsmittel einen „Zustandskompass“, um sowohl Einzelne und die Gruppe als auch Übungen nach verschiedenen gegensätzlichen Merkmalen einzuschätzen.
3. Ein Anwendungsfeld: Teamentwicklung. Neben der Dynamik von Teams aus systemischer Sicht beschreibt Voss eine Auftragsklärung mit dem Kunden und die Zielausrichtung eines Trainings. Eine Sammlung von Interventionsformen zeigt die Vielfalt der Handlungsmöglichkeiten auf.
4. METALOG training tools. Die METALOG training tools können Outdooraufgaben in den Innenraum verlegen. Dabei werden keine fertige Spielanleitung geliefert. Die vorangegangen Kapitel mit ihrer Prozessorientierung und den Trainings- und Methodeninhalten sollen eine größtmögliche Flexibilität ermöglichen. Auf folgende Methoden wird näher eingegangen und durch Praxisbeispiele die Herangehensweise und Wirkung auf die Teilnehmer beleuchtet: SysTeaming (Wackeltisch), Teamquadrat, KultuRallye, Wortspiel, Heart Selling, Tower of Power und zur Nachbereitung der MetaBlog (Beobachterblock).
5. Anhang - Selbständig maßschneidern. Voss stellt 4 Fragenkataloge zur Selbstbefragung und Vorbereitung bereit: zur Inszenierung, zum Verlauf des Lernprojekts, zur Be- Deutungs- Phase und zur Vorbereitung des Praxistransfers.
Des weiteren hängen Buchempfehlungen, ein Glossar, Bibliographie an.
Diskussion und Fazit
Das Buch von Tobias Voss bietet eine unterhaltsame Lektüre. Theorie mit Praxis und sind mit eigenen Erfahrungen durchmischt. Damit unterscheidet es sich von den meisten Büchern zu Trainings und Trainingsmethoden. Authentisch und ehrlich mit sich selbst und den gemachten Erfahrungen beschreibt Voss welche Fehler passieren können und vielmehr welches Lernen ihm ermöglicht wurde. Neben den tools aus dem Hause METALOG, werden die Interventionsmethoden aus der systemischen Richtung gut dargestellt und gleichzeitig offen gelassen für Veränderungen durch eigene Ideen. Es lohnt sich das ganze Buch zu lesen, da die Aufgaben und Methoden nicht einfach hintereinander gestellt wurden. In dem Text verbergen sich manchmal auch kleine methodische Hinweise und kreative Ideen. Das Buch ist für alle zu empfehlen, die schon vieles kennen und immer auf der Suche nach neuem Input sind. Und diejenigen, die die METALOG tools kennen oder kennenlernen möchten.
Rezensentin
Monika Pietsch
Training und Konstruktives Lernen
selbständige Trainerin und Beraterin, Schwerpunkt: Team- und Führungskompetenzen mit den Methoden des konstruktiven Lernens
Homepage www.training-konstruktiv.de
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Zitiervorschlag
Monika Pietsch. Rezension vom 16.09.2011 zu: Tobias Voss: Die Metalog-Methode. Gert Schilling Verlag (Berlin) 2011. 143 Seiten. ISBN 978-3-930816-22-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11488.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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