Armin Wöhrle: Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft
Armin Wöhrle: Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 191 Seiten. ISBN 978-3-8329-0341-1. 19,80 EUR.
Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft.
Einführung in das Thema
Gibt es überhaupt ein Management der Sozialwirtschaft? Dieser ketzerischen Frage stellt sich Armin Wöhrle jenseits aller ideologischen Grabenkämpfe mit seinem pragmatischen Ansatz. Nicht streng analytisch, sondern als Lehrbuch im eigentlichen Sinne will er seine Publikation verstanden wissen: als Andockmöglichkeit, die weiter gedacht werden muss. Erfrischend diese Ehrlichkeit und Beschränkung mit der Akzeptanz der Unzulänglichkeiten. Es geht ihm eben nicht darum, die nächste Definition der Handlungsfelder Sozialer Arbeit zu liefern, sondern ihm reicht es - zu recht - die Arbeitsfelder anhand der Gliederung der "Sozialwissenschaftlichen Literatur Rundschau" aufzuzeigen (S. 80 ff.).
Wer meint, dies wäre zu wenig, ließe den Leser im Stich, der irrt. In einem noch weitgehend unstrukturierten Bereich zwischen Staat, Wirtschaft und Ehrenamt ist Deskripition und Dokumentation allemal besser als exakte Definition, die sich in der Wirklichkeit doch nicht wieder finden lässt. Hinzu kommt, dass das Buch den aktuellen Stand der wissenschaftlichen und politischen Diskussion wiedergibt, Bezüge auf wichtige politische Weichenstellungen nimmt und letztlich die einzelnen Felder der Sozialen Arbeit anhand ihrer Funktionen voneinander abgrenzt.
Aufbau und Inhalte
Die erfreuliche kurze und sehr übersichtliche Publikation, die zudem gut lesbar und verständlich geschrieben ist ohne in Plattitüden abzurutschen, gliedert sich in vier inhaltliche Kapitel: Kapitel 1 nimmt die unterschiedlichen Managementlehren als Bezugspunkt und referiert die wichtigsten Richtungen und Ansätze. Dieses ist sicherlich richtig, waren doch Organisationslehren und Managementtheorien schon da, als noch kein Mensch vom "Dritten Sektor" sprach. Und es gibt Grundsätze, die in allen Managementbereichen gleich sind. Kapitel 2 setzt sich mit dem Auftrag des Managements der Sozialwirtschaft auseinander - ein wichtiges Unterfangen angesichts des Wegfalls des nationalökonomischen Schutzes und der Globalisierung. Ziel ist es, den Bedarf an Management in der Sozialwirtschaft nicht nur zu definieren, sondern auch die Steuerung der Prozesse zu gestalten.
Kapitel 3 geht auf die Besonderheiten der Sozialwirtschaft ein. Sozialmanagement muss sich im Rahmen kameralistischer öffentlicher Verwaltung ebenso bewähren wie im Umgang mit Initiativen und Selbsthilfegruppen. Dies macht die Aufgabe ungleich komplexer als die ohnehin schon komplexen Anforderungen in der gewerblichen Wirtschaft. Wöhrle zeigt anhand der unterschiedlichen Rechtsformen, Bezugssysteme und uneinheitlichen Abgrenzungen auf, wie schwer es ist, den Bedarf an Forschung, Instrumenten und Qualifikationen festzulegen.
Im abschließenden und längsten Kapitel 4 "Management in der Sozialwirtschaft" wird die Anwendung von Managementtheorien auf die Sozialwirtschaft vollzogen - ein ehrgeiziges Unterfangen. Schließlich geht es um nicht weniger als darum, die Herausforderungen an das Sozialmanagement zu isolieren und hieraus Handlungsorientierungen abzuleiten. Der fehlende Bezug zu einer Managementlehre führte - so der Autor - dazu, dass Management sozusagen "freischwebend" aus den Erfordernissen der Praxis entwickelt wurde. Dies bedeutet, dass es keine gefestigten Bezugssysteme der Sozialwirtschaft gibt und die betriebswirtschaftlichen Management- und Organisationstheorien den Dritten Sektor bisher weitgehend vernachlässigt haben. Hiermit schließt sich der Kreis zu Kapitel 1, wobei Wöhrle seinem eigenen Anspruch treu bleibt und aufzeigt, beschreibt und Anstöße gibt, aber keine neuen Theorien entwickelt.
Methodisch schließt jedes Kapitel mit einer Arbeitsaufgabe ab, die den Bezug als Lehrbuch deutlich macht. Randbemerkungen und Hervorhebungen erleichtern das Lesen und erlauben es dem Studierenden, schnell die wichtigsten Gedanken zu repetieren.
Teil der Reihe "Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft"
Eingebunden ist dieser Band in die vom Autor herausgegebene Reihe "Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft", von der bisher vier weitere Themenbände erschienen sind. Es bleibt zu hoffen, dass hiermit ein Kompendium entsteht, das Beschäftigten wie Studierenden der Sozialwirtschaft einen fundierten Ein- und Überblick zu allen relevanten Themen des Sozialmanagements gibt.
Fazit
Der hier besprochene grundlegende Band gibt nicht nur einen guten Überblick, sondern auch berechtigte Hoffnung auf eine verständliche und pragmatische Reihe, die dennoch die wissenschaftliche Tiefe und Fundierung nicht vermissen lässt. "Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft" kann ohne Einschränkungen den genannten Zielgruppen zur Lektüre und zum Studium empfohlen werden.
Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 18.11.2003 zu: Armin Wöhrle: Grundlagen des Managements in der Sozialwirtschaft. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 191 Seiten. ISBN 978-3-8329-0341-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1160.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.
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