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Horst Küppers, Petra Römling-Irek: Die Auseinandersetzung mit der Welt

Cover Horst Küppers, Petra Römling-Irek: Die Auseinandersetzung mit der Welt. Praxis und Theorie reggioanischer Projektarbeit. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2011. 147 Seiten. ISBN 978-3-427-50527-3. 14,90 EUR.

Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Ein Grundsatzwerk zur Reggio-Pädagogik gibt es nicht. „Dieses wäre bereits veraltet, wenn es herauskäme, und die Innovation stürbe“, sagt der Vordenker Loris Malaguzzi. Das vorliegende Buch von Küppers und Römling- Irek stellt die Theorie und Praxis der Reggio- Pädagogik dar, die in der italienischen Region Reggio Emilia ihren Ursprung hat.

Autor und Autorin

Horst Küppers ist Lehrer an der staatlichen Fachhochschule für Sozialpädagogik/Neumünster. Seine Schwerpunkte sind: Reggio-Pädagogik, Erziehung und Kindheit weltweit, interkulturelle Pädagogik, Gender und Kinder- und Jugendliteratur.

Petra Römling- Irek ist Kindertagesstättenleiterin, Erzieherin, Heilpädagogin und leitet eine kommunale Kindertagesstätte in Neumünster. Ihre Schwerpunkte sind: Reggio- Pädagogik, Atelierarbeit und Kunst mit Kindern.

Entstehungshintergrund

In ihrem Vorwort stellen Horst Küppers und Petra Römling- Irek fest, dass es in der deutschen Frühpädagogik scheinbar an innovativen Ideen fehlt. In diesem Fachbuch wollen sie reggianische Projektarbeit und deren Gelingen in der Praxis aufzeigen. Es wird den Fragen nach der Erklärung der Reggio- Pädagogik und nach dem Projektverständnis nachgegangen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus fünf Kapiteln.

1. Beispiele reggianischer Projektarbeit mit ein- bis sechsjährigen Kindern. Fünf konkrete Projektbeispiele werden vorgestellt, die sich in Dauer und Aufwand unterscheiden. Dabei wird deutlich, dass die Projektideen sich entweder aus Fragen der Kinder (wie kommt der Fisch an die Wand/ Overheadprojektor) ergeben oder aus Fragen, die die Erzieherinnen aufwerfen (was passiert, wenn der Geschirrspüler kaputt ist?).

2. Gewusst wie?! Anregungen für das methodische Vorgehen in der Projektarbeit. Dieses Kapitel gibt praktische Hilfen für das methodische Vorgehen in allen Phasen der Projektarbeit. Projektarbeit bedeutet die intensive und aktive Auseinandersetzung der Kinder mit der Welt. Zunächst werden die Kinder von den Erzieherinnen beobachtet: Was beschäftigt die Kinder? Was und mit welchem Material spielen sie? Bei der ko-konstruktivistische Beobachtung der Erzieherinnen wird nicht nur beobachtet, sondern gleichzeitig vorsichtig mit dem Kind interagiert. Aus dem Teamgespräch und in Auseinandersetzung mit den Kindern wird das Projektthema gefunden. Den Erzieherinnen obliegt anschließend die Entwicklung eines „Roten Fadens“ als grobe Verlaufsplanung. Die Eltern oder Elternvertreter, Praktikanten und weitere Beteiligte werden mit einbezogen. Mit einem Einstieg oder Impuls zum Thema, durch z.B. ein Theater- oder Musikstück beginnt das Projekt und wird das Interesse der Kinder an das Thema gebunden. Im weiteren Projektverlauf spielt der tägliche Morgen- oder Gesprächskreis eine zentrale Rolle: Was wurde bisher gemacht? Was machen wir heute? Wer macht was? Mit wem? Wo? Nach dieser Besprechung gehen alle an die „Arbeit“. Die Aufgabe der Erwachsenen ist es den Projektverlauf zu strukturieren, sich zurück zu halten und für Sicherheit zu sorgen. Dabei hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen, alles wird im Team oder/und gemeinsam mit den Kindern erledigt.
Für den Fall, dass das Projekt nicht wie erwartet anläuft, empfehlen Küppers und Römling- Irek eine eigene Reflexion: Lagen die Erzieherinnen mit ihren Beobachtungen richtig? Haben sie die richtigen Schlüsse daraus gezogen? Ist es die richtige Teilnehmergruppe?
Eine Verlaufs- oder Abschlussdokumentation gehört ebenfalls zum Projekt. Damit wird den Kindern und auch den Eltern und anderen der Verlauf und die Ergebnisse präsentiert. Fotos oder Film sind geeignet, auch Ausstellungen.
Eine weitere wichtige Besonderheiten der Reggio- Pädagogik ist die Ordnung im Raum und beim Material. Es wird viel Wert auf vielfältiges, sauberes, geordnetes und gut erkennbares Material gelegt.
Drei Sonderfälle werden in eigenen Unterabschnitten erläutert: Krippen, integrative Arbeit und Hort.
Im Rahmen des Kapitels werden auch die Methoden „Brainstorming“ und „Mindmapping“ erklärt und ihr Nutzen für die konkrete Arbeit aufgezeigt.

3. Räume und ihre Bedeutung für die Projektarbeit – Architektur für Kinder. In der Reggio- Pädagogik bedarf es einer speziellen Raumgestaltung. Eingebettet ist dies in die Sichtweise, dass Kinder von 3 Erziehern erzogen wird. Als erster Erzieher wird das Kind selbst verstanden, als zweiter die anderen Kinder und Erwachsenen und als dritter der Raum. Ein virtueller Gang durch eine Kita zeigt dies: Eingangsbereich als Visitenkarte mit Informationen und Ausstellungen, Spielecken, lichtdurchflutete Räume, die zur Kreativität anregen und Einblicke und Ausblicke ermöglichen, Materialien wie Leuchttisch und Spiegel, Miniateliers, Restaurant und Küche (Essen als wichtiges Thema), Elternecke, Mitarbeiterraum, Zubehör und Möbel und die „ReMida“, eine sortierte Fundgrube mit Materialien jeglicher Art (Verwertbares aus Industrie und Handel).

4. Kreativität lernen – Beispiele der Umgestaltung einer Kita. Der Prozess der Umstellung auf Reggio-Pädagogik wird an einem Beispiel dargestellt. Der Ablauf beinhaltete zunächst eine Information durch Dialog Reggio e.V. (dem deutschen Dachverband der Reggio- Pädagogik), Mitarbeiterbesprechungen und Fortbildungen. Anschließend wird mit dem ersten Projekten begonnen. Die schon bestehende Pinnwand und die Dokumentation werden erweitert, das Portfolio wird als Methode eingeführt. Erst zum Schluss gibt es Überlegungen die Räume umzugestalten. In diesem Kapitel werden auch Probleme und Fallstricke erläutert.

5. Und am Schluss: die Theorie. In diesem Kapitel werden die Geschichte und die theoretischen Grundlagen der Reggio- Pädagogik vorgestellt. In ihrem Zentrum steht die Projektarbeit mit ihrer Zielsetzung, der Philosophie, den Kriterien und den methodischen Merkmale und Rahmenbedingungen. Hier kann man den konkreten Vergleich bei Krippen und Kitas in Reggio Emilia nachlesen: die Öffnungszeiten, der Tagesablauf, die Finanzierung, die Personalstruktur, der Raumbedarf und die Aufteilung und die im Wesentlichen genutzten Materialien. Zum Abschluss werden Einrichtungen aus Kroatien und der Türkei vorgestellt.

Der Anhang ergänzt Fachbegriffe aus dem italienischen, Literaturhinweise und wichtige Adressen.

Diskussion und Fazit

Dies ist ein Handbuch für die Praxis, mit vielen Fotos, die das Beschriebene gut veranschaulichen und gleichzeitig Ideen geben. Die Merkmale und die Besonderheiten der Reggio-Pädagogik sind auch methodisch im Buch aufgegriffen: So hat das Buch einen praktischen Einstieg, der das Interesse weckt. Immer wieder sind Bemerkungen eingestreut, Zitate und Anregungen (Zwischeneinstiege). Durch Bilder und praktische Beispiele ist der Leser/ die Leserin nah am Geschehen und wird beteiligt. Ein Fazit am Schluss jedes Kapitels fasst zusammen (Gruppengespräche). Zwischen Erfolgen und Schwierigkeiten wird abgewogen und Lösungen werden angedacht. Die Theorie ist nah an der italienischen Wirklichkeit gehalten, so taucht man ein wenig in die Ursprünge ein. Das Buch ist geeignet für Praktiker, die einen ersten Eindruck gewinnen und die anschließend eigene Schritte gehen wollen und für alle, die sich ein Bild über diese pädagogischen Ausrichtung machen wollen.


Rezensentin
Monika Pietsch
Training und Konstruktives Lernen
selbständige Trainerin und Beraterin, Schwerpunkt: Team- und Führungskompetenzen mit den Methoden des konstruktiven Lernens
Homepage www.training-konstruktiv.de
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Zitiervorschlag
Monika Pietsch. Rezension vom 16.11.2011 zu: Horst Küppers, Petra Römling-Irek: Die Auseinandersetzung mit der Welt. Praxis und Theorie reggioanischer Projektarbeit. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2011. ISBN 978-3-427-50527-3. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11637.php, Datum des Zugriffs 25.07.2016.


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