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Astrid Schreyögg: Coaching. Eine Einführung für Praxis und Ausbildung

Cover Astrid Schreyögg: Coaching. Eine Einführung für Praxis und Ausbildung. Campus Verlag (Frankfurt) 2003. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. 390 Seiten. ISBN 978-3-593-37332-4. 39,90 EUR.

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Einführung ins Thema

Allgemein kann Coaching als spezifische Form der Beratung betrachtet werden, in der vor allem Themen zur beruflichen Entwicklung abgehandelt werden. Coaching soll als eine symmetrische Form der Kommunikation gestaltet werden, die es dem Klienten ermöglicht eigene Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten.

Schreyögg faßt Coaching spezifischer - als professionelle Managementberatung und moderne Form der Personalentwicklung.

Die Autorin ist Psychologische Psychotherapeutin und hat langjährige Erfahrungen im Bereich Supervision und Coaching.

Konzeption

Schreyögg legt einen systematischen Entwurf des Coaching vor. Ihr Ansatz ist geprägt durch die humanistische Psychologie. Sie entwirft ein Meta-Modell, das folgende anthropologische und erkenntnistheoretische Grundsätze enthält:

  • Menschen sind soziale und autonome Wesen, die über individuelle Handlungsfreiheit verfügen und sich selbst verwirklichen können.
  • Arbeit kann ihnen als identitätsstiftender Faktor dienen. In Rekurs auf Alfred Schütz und Heinz von Förster formuliert sie, dass es eine phänomenale Welt gäbe, die nicht objektiv erfaßt werden könne, sondern lediglich von Individuen in jeweils subjektiver Manier konstruiert und ausgedeutet werden könne.

Solche Grundannahmen, die solipsistisch anmuten, sind inkompatibel zu einfachen Naturgesetzen.

Aus diesen Leitlinien leitet die Autorin deduktiv Konzepte ab, die zur kognitiven Strukturierung von Praxisproblemen verhelfen sollen. Weiterhin generiert sie daraus methodische Anweisungen und praxeologische Vorgehensweisen für den Coaching-Prozeß.

Schreyögg plädiert dafür, dass jeder Coach für sich bzw. sein Handeln ein entsprechendes Konzept erarbeiten solle. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die vier Ebenen, - Meta-Modell, Theorieebene, Anweisung zur Methodenanwendung, Praxeologie - untereinander kompatibel sind (d.h. Coaching-Vorgehensweisen können auch andere erkenntnistheoretische Positionen zugrunde gelegt werden).

Die Gefahr besteht zwar, dass Berater z.T. eklektizistische Konzepte erarbeiten werden. Doch solch explizite Konzepte und entsprechende Praxisformen seien immer noch besser als konzeptionsloses Coaching, da fundierte Beratungsformen sich eher evaluieren und gegebenenfalls revidieren lassen. Coaches, die auf Konzepte in ihrer Arbeit Bezug nehmen, konstituieren für den Klienten ein hohes Maß an Transparenz.

Inhaltsübersicht

Gegenüber früheren Auflagen hat die Autorin das Werk um einen dritten Teil "Lehre von Coaching" erweitert.

Teil I:Coaching als professionelle Managementberatung

Zunächst geht Schreyögg auf Besonderheiten des Coaching in Management, Sozialmanagement, bei Freiberuflern und im Selbstmanagement ein. Sodann diskutiert sie Funktionen, Anlässe und Themen von Coaching. Im 5. Kapitel "Die Anforderungen an den Coach" erörtert sie nicht nur personenspezifische Anforderungen, sondern betont die Notwendigkeit der Konzepterstellung für den professionell tätigen Coach.

Teil II:Ein Coaching-Konzept

Sie beginnt mit der Darstellung der Ziele von Coaching (Kap. 6). In Kapitel 7 fordert sie, dass Methoden nicht wahlweise eingesetzt, sondern vom Coach nach den eigens erarbeiteteten Leitlinien ausgewählt werden sollten. Im Weiteren diskutiert sie die spezifischen Rollen von externen und internen Coaches, geht auf das Gespräch (Kap. 9) und den Coaching-Prozess (Kap. 12) ein. Kap. 10 und 11 sind methodischen Anleihen gewidmet, sowohl bei erlebnis- und handlungsorientierten Psychotherapieverfahren wie beim sogenannten "Kinderzimmer" (hier geht es um den Einsatz von gestalterischen und kreativen Arbeitsmaterialen).

Teil III: Die Lehre von Coaching

Schreyögg vermittelt in diesem Abschnitt explizite Angaben zum eigenen "Curriculum".

In Kap. 13 erläutert sie Ziele und Inhalte der Lehre, etwa Anlässe von Coaching, Methoden und Prozesse. Dies sind Themen, die schon in Teil I und II des Buches vorkommen. In Kap. 14 schildert sie die Gestaltung einer lernorganisatorischen Struktur, ein didaktisches Konzept und die Kontrolle der Lernziele.

Im Anhang finden sich Materialien für praktische Übungen: zwei Entwürfe für Strukturpapiere, zwei Fallstudien sowie ein Beispiel für ein vorbereitetes Rollenspiel.

Zielgruppen und Verwendbarkeit

Das Buch wendet sich an Personen, die Coaching kennenlernen und praktizieren möchten. Vor allem Professionelle aus psychosozialen Disziplinen werden davon profitieren.

Fazit

Schreyögg hat ein gut lesbares Buch geschrieben, welches produktiv für das Selbststudium eingesetzt werden kann.


Rezensent
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 02.03.2004 zu: Astrid Schreyögg: Coaching. Eine Einführung für Praxis und Ausbildung. Campus Verlag (Frankfurt) 2003. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. 390 Seiten. ISBN 978-3-593-37332-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1164.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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