Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Ursula Büchler, Klaus Jürgen Becker: Freude am Durchblick

Cover Ursula Büchler, Klaus Jürgen Becker: Freude am Durchblick. Besser sehen lernen: Eine systemische Sehtherapie. Kösel-Verlag (München) 2011. 208 Seiten. ISBN 978-3-466-30914-6.

Besprochenes Werk kaufen


Sich auf einen Punkt konzentrieren – sehtherapeutische Erfahrungen

In der ganzheitlichen Medizin gilt die Erkenntnis, dass der Mensch als Einheit von Körper, Seele und Geist zu verstehen, als soziales Lebewesen zu betrachten und Bestandteil der natürlichen und künstlichen Umwelt ist. Die Anwendung dieses Ganzheitsgedankens in der Heilung hat deshalb Vorrang vor schulmedizinischen Behandlungsmethoden zu haben. Diese Auffassung gilt insbesondere für Therapien zur Heilung von seelischen Zuständen und findet vielfach bei therapeutischen Behandlungen Anwendung. Im ABC der Therapien, von Akupunktur, Bach-Blüten-, Farb- Ozon- Thermotherapie bis Yoga, werden die vielfältigen Anwendungen genannt (www.apotheken-umschau.de) und bewertet. Eine Therapieform, um die es hier geht, fehlt in dieser Auflistung: Die Sehtherapie. Obwohl in den Internet-Suchmaschinen rund 330 differenzierte Eintragungen unter dem Stichwort ausgewiesen werden, scheint sich die spezielle Therapieform bisher nicht durchgesetzt zu haben.

Entstehungshintergrund und Autorenteam

Sehschwächen und -fehler zu behandeln, wird von verschiedenen Berufsgruppen angeboten: Augenärzte und Optiker, Sehlehrer und Psychologen, die je nach Fachgebiet und Methodik Abweichungen der Augen zu korrigieren versuchen, Augenübungen durchführen und psychotherapeutisch vorgehen. Die Münchner Optikerin, Spezialistin für prismatische Korrekturen und binokulares Sehen, Ursula Büchler, hat in jahrzehntelanger Arbeit, der Auseinandersetzung mit Farblehre, abendländischer und asiatischer Medizin, Therapie- und Behandlungsmethoden, eine Methode entwickelt, die sie „systemisch integrative Sehtherapie“ nennt. Im Mittelpunkt dabei steht eine Erkenntnis, die erst einmal so gar nicht mit okularen, körperlichen Problemen in Verbindung zu bringen ist: Mitgefühl. Der im oberbayerischen Seefeld praktizierende Paartherapeut, Lebensberater und Coach, Klaus Jürgen Becker, als Mitautor des Buches, schildert, ebenso wie Ursula Büchler, seine „spirituelle Reise“ als Erfahrung und Auseinandersetzung mit seinen eigenen Sehproblemen- Auch er kommt zu der Erkenntnis, dass sich „Sehtherapie… nicht auf das Thema ‚Brille weg‘ oder ‚schwächere Brille‘ beschränkt…, sondern den Blick öffnet für die Schönheit der Welt und die Freude des Lebens“.

Aufbau und Inhalt

Ursula Büchler und Klaus Jürgen Becker setzen sich in dem Buch im ersten Kapitel mit den Filtern auseinander, die unsere Wahrnehmung beeinflussen und eine bestimmte Richtung geben: Dem neurologischen Filter, der durch unser Nervensystem verläuft; dem sozialen Filter, mit dem unser gesellschaftliches Leben funktioniert; und dem individuellen Filter, der das Wertebewusstsein beeinflusst. Je nach Veränderung und Habhaftwerdung der jeweiligen Filtereigenschaften stellen sich Denkprozesse ein und wirken auf die Sehfähigkeit, so die Quintessenz.

Im zweiten Kapitel stellt Ursula Büchler ihre systemische Sehtherapie vor, indem sie auf den Zusammenhang von Geschichtlichkeit, genetischer Werdung und individueller Entwicklung verweist und praktische Beispiele der therapeutischen Arbeit darstellt. Es sind Formen, die sich auf zwei unterschiedliche Typen von Klienten beziehen (der lunare und solare Typ) und mit verschiedenen Therapiemethoden und -zugängen behandelt werden können.

Im dritten Kapitel geht es um die „Arbeit mit dem Einzelauge“, denen die Autorin jeweils einen bestimmten Namen gibt (Vater- und Mutterauge) und in mehreren Fallbeispielen erläutert. Es gilt, das „Führungsauge“ zu erkennen und seine Dominanz darzustellen, wie auch die Zusammenhänge zur Psyche des Klienten aufzudecken.

Der Exkurs über das Sehen öffnet dem Leser eine Fülle von Informationen über die Augen als „Fenster unserer Seele“ und „Fenster zum Körper“. Er lässt Raum für Staunen und Achtsamkeit!

Im vierten Kapitel diskutiert das Autorenteam „psychosomatische und systemische Hintergründe von Sehstörungen“. Die den Menschen von Natur aus gegebene Fähigkeit, mit den Augen zu rund 80% fern-, und 20% nah zu sehen, wird durch unsere moderne Lebensweise umgekehrt und damit aus dem natürlichen Gleichgewicht gebracht; was, mit der systemischen Sehtherapie ausgedrückt, dazu führt, dass die „Kurzsichtigkeit“ dazu führt, dass „ich mich in mich selbst zurück ziehe“ und Stressfaktoren unterliege, die die Gefühlsentwicklung beeinträchtigen kann; während die nicht genutzte Fähigkeit der „Weitsichtigkeit“ den „weiten Blick auf die Welt“ hemmt.

Im fünften Kapitel schildert die Autorin sehr dezidiert das „Grundgerüst meiner systemisch integrativen Sehtherapie“, indem sie den Verlauf einer Therapiesitzung aufzeigt und Fragen diskutiert, wie „richtige Brille oder Kontaktlinse“, und aktive und passive Therapieformen für die Augen. Sie zeigt damit erneut den Zusammenhang von Sehtraining und Bewusstmachung auf.

Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung, indem das Autorenteam „einige gute Gründe für ein Sehtraining“ aufzählt, Tipps für persönliche Sehübungen gibt und schließlich in einer Zusammenstellung auch die „Augennahrung“ nicht vergisst, weil „gute Nahrung für gutes Sehen“ gut ist.

Fazit

Ein guter „Durchblick“ verhilft Menschen zu Lebensmut und -kraft, wie man sich vor dem „bösen Blick“ schützen sollte. „Um klarer zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung“ (Antoine de Saint-Exupery), wie genau so die Erfahrung, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, wie dies der „kleine Prinz“ ausdrückt. Ursula Büchler und Klaus Jürgen Becker gelingt es, dem Leser zu neuen Entdeckungen über die Bedeutung der Augenkraft zu verhelfen, wie auch ein Augenmerk darauf zu richten, wie wichtig und bedeutsam das Augenlicht für die alltäglichen wie besonderen Lebensanlässe ist. Der Rezensent ist versucht, nach der spannenden Lektüre des Buches zu formulieren: „Augen sehen mehr als das, was sich hinter der Linse spiegelt!“. Das Buch „Freude am Durchblick. Besser sehen lernen. Eine systemische Sehtherapie“ ist nicht nur geschrieben für Therapeuten und Augenspezialisten, sondern auch für dich und mich!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
E-Mail Mailformular


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 06.01.2012 zu: Ursula Büchler, Klaus Jürgen Becker: Freude am Durchblick. Kösel-Verlag (München) 2011. 208 Seiten. ISBN 978-3-466-30914-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11728.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Stellenangebote

Bereichsleiter/in, Brandenburg an der Havel

Sozialpädagogen (w/m) o.ä. als Wohneinrichtungsleiter/innen, Hamburg

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.