Regina Ertl, Ursula Kratzer u.a.: Hauskrankenpflege
Regina Ertl, Ursula Kratzer, Regina Aistleithner: Hauskrankenpflege. Wissen - planen - umsetzen. Facultas Verlag (Wien) 2011. 3., aktualisierte u. erweiterte Auflage. 200 Seiten. ISBN 978-3-7089-0731-4. D: 21,90 EUR, A: 22,50 EUR, CH: 33,90 sFr.
Thema
Das vorliegende Buch ist bereits in der dritten Auflage erschienen. Der Fokus liegt deutlich auf das österreichische Gesundheits- und Pflegesystem (Curriculum), einige Begrifflichkeiten sind sicherlich für den deutschen Leser ungewohnt. Das Fachbuch möchte sich an alle Pflegekräfte in der Hauskrankenpflege wenden, beginnend ab der Pflegeausbildung. Als Schwerpunkt wird das kundenorientierte Verhalten und die Besonderheiten des „Arbeitsplatz Wohnung“ genannt.
Autorinnen
Regina Ertl ist akad. Sozialmanagerin, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester
Ursula Kratzer ist Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege
Regina Aistleithner arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gesundheit Österreich GmbH sowie bei einer Unternehmensberatung im Bereich Gesundheit und Soziales.
Entstehungshintergrund
In der Vorbemerkung zur dritten, überarbeiteten Auflage werden von den drei Autorinnen zwei „prägende Trends“ in der Hauskrankenpflege genannt: Die Einführung des Case Managements und der Servicegedanke.
Das Anliegen der Autorinnen sei es, Denkstrukturen zu beschreiben, Problembewusstsein zu erzeugen und Praxisbeispiele anzuführen, damit die Lernenden ihre Arbeit besser bewältigen können und den Beruf freudiger ausüben.
Aufbau
Ertl, Kratzer und Aistleithner ist ein prägnanter und übersichtlicher Aufbau in sieben Kapiteln gelungen. Die Themen sind klar gegliedert, die Überschriften leicht verständlich und aussagefähig. Farblich markierte Kernaussagen fallen sofort ins Auge.
Am breiten Seitenrand sind vereinzelte zusammengefasste Textinhalte zu finden. Zum Beginn eines jeweiligen Kapitels sind Lernziele definiert und markiert. Als dritte Symbolik finden sich Übungen am Kapitelende mit Fragen zum Text. Das gesamte Buch ist in einem gut handhabbaren Format gehalten.
Inhalt
Die insgesamt sieben Kapitel des Buches sind auf 197 Seiten verteilt. Die Kapitel umfassen zwischen zehn und über vierzig Seiten.
Das erste Kapitel „Hauskrankenpflege gestern und heute“ ist ein Einstieg in die Geschichte der Hauskrankenpflege, ergänzt von Zahlen, Statistiken und Begriffsdefinitionen. Des weiteren wird in nach EU-Ländern unterteilten Kurztexten die dortige Situation der Hauskrankenpflege beschrieben. In weiteren Kurztexten sind einzelne ambulante (im Text extramuraler) Dienstleistungen, z. B. Besuchsdienst, aufgezählt und deren Leistungen genannt. Ein Ausblick in die (nahe) Zukunft unterlegt mit Zahlen und Hochrechnungen beschreibt auch ein mögliches „morgen“.
Kapitel zwei „Hauskrankenpflege als Dienstleistung“ benennt als Lernziel die Bedeutung und das Verständnis des Dienstleistungsgedankens. Wieder werden Begrifflichkeiten benannt. In diesem Zusammenhang wird auf das Beschwerdemanagement eingegangen. Weiter werden Nutzen (entspricht Vorteile) der Hauskrankenpflege für die einzelnen Beteiligten, unter anderem auch der Politik und Medizin aufgezählt.
Im dritten Kapitel „Organisation der Hauskrankenpflege“ beschreibt vorhandene Strukturen und Organisationen im Gesundheits- und Pflegewesen. Beschrieben wird auch das schon erwähnte Case Management. Als Begrifflichkeit wird in diesem Kapitel Qualitätsmanagement genannt.
Das vierte Kapitel „Pflege und Betreuung zu Hause - Grundlagen der Handlungskompetenz“ benennt die Gegebenheiten der Hauskrankenpflege und weckt das Verständnis für die Situation der Kunden von Hauskrankenpflegekräften in Bezug auf Krankheit oder Religion. In mehreren Beispielen werden diesbezüglich konkrete Situationen aufgezeigt. In diesem Kapitel werden auch die pflegenden Angehörigen und deren Situation vorgestellt. Weiter widmet sich das Kapitel auch der Rolle der Pflegekraft und dem Pflegeprozess.
Im fünften Kapitel thematisieren die Autorinnen die „Rechtliche Grundlagen der Hauskrankenpflege“. Angesprochen wird der Begriff der Hauskrankenpflege, aber auch die berufsrechtlichen, organisationsrechtlichen und dienstrechtlichen Grundlagen werden benannt. Auf die Bereiche Delegation und Qualifikation der Pflegenden wird eingegangen.
Das sechste Kapitel „Zukunftsperspektiven der Hauskrankenpflege“ beschreibt auf knappen drei Seiten Utopie, Grenzen der Hauskrankenpflege.
Im siebten Kapitel „Praktische Beispiele“ soll dem Leser anhand von 5 Beispielen die Möglichkeit gegeben werden, zwischen Theorie und Praxis Verknüpfungen zu erzielen.
Diskussion
Dem deutschen Leser sollte deutlich bewusst sein, dass sich alle rechtlichen Hinweise auf das österreichische Recht beziehen. Sicherlich ist es interessant, einen Blick über den Tellerrand zu werfen, aber für Leser und Pflegepersonen, die mit den Gegebenheiten der deutschen Pflege- und Krankenversicherung zu tun haben, ist dies für die Alltagspraxis nicht hilfreich.
Die ausführlichen Erklärungen in diesem Buch zum allgemeinen Dienstleistungsgedanken, sollten für jeden, der tagtäglich Umgang mit Menschen hat, selbstverständlich sein. Mir stellt sich die Frage, ob eine Pflegekraft, die diese Gedanken erst aus einem Buch erhalten muss, für den Beruf und den Umgang mit pflege- und hilfsbedürftigen Menschen überhaupt geeignet ist.
Fazit
Das Fachbuch findet sein (Haupt-)Klientel vermutlich bei österreichischen oder grenznahen deutschen Pflegeauszubildenden. In wieweit das Thema Hauskrankenpflege im Unterricht der Pflegeausbildung angesprochen wird, ist mir unbekannt. Wichtig ist es in jedem Falle, denn - wie im Buch angesprochen und wie aufgrund des demographischen Wandels jedem klar sein wird - die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in der eigenen Häuslichkeit wird steigen und damit der Bedarf an Pflegepersonal in der Hauskrankenpflege ebenso.
Konkrete Maßnahmen, umsetzbare Anwendungen und neue Informationen sind im Buch leider nicht enthalten.
Pflegekräfte, die bereits Erfahrung in der ambulanten Pflege - oder wie es in dem Buch genannt wird - extramuralen Pflege haben, sehen vermutlich die eigenen Erfahrungen bestätigt, können aber über das Fehlen von neuen Erkenntnissen enttäuscht sein.
Rezensentin
Sonja Fröse
Homepage www.sonjafroese.de
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Zitiervorschlag
Sonja Fröse. Rezension vom 07.10.2011 zu: Regina Ertl, Ursula Kratzer, Regina Aistleithner: Hauskrankenpflege. Facultas Verlag (Wien) 2011. 3., aktualisierte u. erweiterte Auflage. 200 Seiten. ISBN 978-3-7089-0731-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11817.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.
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