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Stefan Bürkle (Hrsg.): Nachsorge in der Suchthilfe

Cover Stefan Bürkle (Hrsg.): Nachsorge in der Suchthilfe. Lambertus Verlag (Freiburg) 2004. 316 Seiten. ISBN 978-3-7841-1484-2. 19,00 EUR, CH: 33,60 sFr.

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Zum Thema

Unter Nachsorge in der Suchthilfe verstand man lange Zeit alle Maßnahmen nach erfolgter Behandlung, die der Stabilisierung des therapeutischen Erfolgs und der sozialen und beruflichen Integration dienten. Diese Vorstellung basierte auf einem linearen, an Phasenabfolgen orientierten Verständnis von Suchtkrankenhilfe (Motivation, Entgiftung, Entwöhnung, Nachsorge). Heute geht man vielmehr davon aus, dass Suchtkrankenhilfe ein sehr differenzierter, flexibler und am Einzelfall orientierter Rehabilitationsprozess ist. Dieses veränderte Verständnis von Suchtkrankenhilfe hat zur Folge, dass Nachsorge heute wesentlich breiter und früher ansetzt und auch "inhaltlicher" verstanden wird. So wird z.B. vorgeschlagen, den Begriff Nachsorge konsequent durch den Begriff Integration (Bürkle) zu ersetzen. Damit verliert der Begriff Nachsorge aber auch an Schärfe. Hinzu kommt, dass die Behandlungszeiten in den letzten Jahren immer kürzer geworden sind, und sich damit bei vielen Patienten ein hoher "Resttherapiebedarf" zeigt, der gleichzeitig die Anforderungen an die Nachsorge verändert. Das von Stefan Bürkle (Deutscher Caritasverband) herausgegebene Buch stellt genau dieses veränderte Verständnis von Suchtkrankenhilfe, die veränderten Rahmenbedingungen und ihre Bedeutung für die Nachsorge zur Diskussion.

Inhalt und Aufbau

Der Reader besteht aus 18 Beiträgen. Diese sind fünf Themenbereichen zugeordnet. Bei den Autoren handelt es sich überwiegend um Vertreter von Verbänden und um Mitarbeiter verschiedener Therapie- und Nachsorgeeinrichtungen.

1. Grundlagen: Im ersten Themenbereich werden in zwei Beiträgen das Verständnis von Nachsorge und seine Bedeutung im Rehabilitationsprozess beschrieben und diskutiert sowie ein Überblick über Nachsorge in verschiedenen Institutionen und Settings dargestellt (Stefan Bürkle, Fritz Papenbrock).

2. Themen der Nachsorge: Dieser umfangreiche Bereich (10 Beiträge) beschäftigt sich mit so unterschiedlichen Themen wie Nachsorge in Suchtberatungsstellen (Maria Surges-Brilon), Nachsorge von Patienten mit psychiatrischer Komorbidität (Elke Sylvester/Jürgen Boder), Rückfallprävention bei Drogenabhängigen (Joachim Messer), Schuldenregulierung (Werner Just), Netzwerkarbeit (Wolfgang Scheiblich), Freizeitgestaltung (Jürgen Fais), beruflicher Integration (Burkhard Chwallek, Bernhard Fielenbach, Herbert Ziegler) und Umgang mit Sinnfragen (Anton Stadlmeier).

3. Zwei Beiträge befassen sich mit der Nachsorge in der Selbsthilfe. Der erste beschäftigt sich ganz allgemein mit Fragen der Sucht-Selbsthilfe (Karin Gövert), der zweite speziell mit der sozialen Integration junger Suchtkranker im Rahmen der Selbsthilfe (Marianne Kleinschmidt).

4. Unter dem Stichwort Forschung werden zum einen empirische Befunde zur Wirksamkeit und zu Wirkfaktoren von Nachsorge referiert (Heinrich Küfner), zum anderen werden aus aktuellen Befunden zum Suchtgedächtnis Methoden zur Rückfallprävention abgeleitet (Johannes Lindenmeyer).

5. Zum Schluss wird in zwei Beiträgen ein Überblick über die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Suchtkrankenhilfe allgemein und der Nachsorge speziell gegeben (Robert Frietsch, Silke Esterl).

Zielgruppe

In erster Linie Mitarbeiter der professionellen Suchtkrankenhilfe, weiterhin Vertreter von Einrichtungen der Selbsthilfe sowie Studierende verschiedener Fachrichtungen, die Sucht in größerem Umfang zum Gegenstand ihrer Ausbildung haben.

Bewertung

Das Buch gibt einen sehr guten Überblick über die aktuelle Diskussion zum Thema Nachsorge und zwar aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Die Vielfalt an Themen und Auffassungen und die Unterschiedlichkeit der Perspektiven machen den Wert dieses Buches aus. In den meisten Beiträgen wird zuerst ein allgemeiner Überblick über das betreffende Thema gegeben, mal kürzer, mal ausführlicher, dann wird der Bezug zur Nachsorge hergestellt, mal mehr, mal weniger konsequent. Je nach Interesse und Vorwissen werden die einzelnen Beiträge auf unterschiedliche Resonanz stoßen. Wer sich z.B. tagtäglich mit Schuldenregulierung befassen muss, erfährt in dem entsprechenden Beitrag nichts Neues, für einen anderen Leser hingegen wird es eine hervorragende Einführung und Übersicht sein. Es handelt sich nicht um ein Buch aus einem Guss, auch nicht um ein Nachschlagewerk, wie in der Einleitung angekündigt. Dazu sind die Beiträge zu wenig aufeinander abgestimmt, teilweise zu wenig Ziel führend, und es fehlt ein Sach- und Autorenverzeichnis. Vermisst habe ich eine stärkere Berücksichtigung des aktuellen Forschungstandes.

Fazit

Ein in Teilen sehr anregendes Buch, das gut informiert und viele Denkanstöße gibt. Es ist aber mit 316 Seiten viel zu umfangreich.

 


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Schulz
Technische Universität Braunschweig
Institut für Psychologie
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Zitiervorschlag
Wolfgang Schulz. Rezension vom 15.06.2004 zu: Stefan Bürkle (Hrsg.): Nachsorge in der Suchthilfe. Lambertus Verlag (Freiburg) 2004. 316 Seiten. ISBN 978-3-7841-1484-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1184.php, Datum des Zugriffs 17.05.2012.


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