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Herbert Loebe, Eckart Severing (Hrsg.): Zukunftsfähig im demografischen Wandel

Cover Herbert Loebe, Eckart Severing (Hrsg.): Zukunftsfähig im demografischen Wandel. Herausforderungen für die Pflegewirtschaft. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 182 Seiten. ISBN 978-3-7639-4280-0. 19,90 EUR, CH: 34,50 sFr.

Reihe: Wirtschaft und Bildung - Band 59. Forschungsinstitut Betriebliche Bildung .

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Thema

Präsentiert werden in diesem Reader Ergebnisse eines von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekts „Älter werden in der Pflege – Entwicklung und Erprobung betrieblicher Strategien“, das sich mit der Aufrecherhaltung von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft fortschreitenden älter werdenden Belegschaften befasste. Das Projekt wurde im Zeitraum 2008 bis 2010 vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) durchgeführt.

Entstehungshintergrund

Das Projekt basiert auf sechs betrieblichen Fallstudien. Analysiert wurden hier zunächst personalwirtschaftliche Risiken und Potenziale mit Hilfe einer Altersstrukturanalyse und demographiebezogenen Arbeitssituationsanalyse. Befunde aus beiden Quellen bildeten die Grundlage zur Sensibilisierung und Strategieentwicklung in den Unternehmen unter Mitwirkung betrieblicher Multiplikatoren, die die Nachhaltigkeit auch über die Projektlaufzeit hinaus sicherstellen sollen. Die Analyse mündete in ein unternehmensspezifisches Maßnahmeportfolio, dessen Umsetzung durch regelmäßige Reflexions-Workshops begleitet wurde. Die Prozessbegleitung wurde ferner flankiert mittels spezifischer Beratungsangebote und zwei Treffen aller beteiligten Unternehmen zum Erfahrungsaustausch.

Aufbau und Inhalt

Der Reader umfasst 13 Beiträge aus dem Projekt und den beteiligten Unternehmen, die vier Abschnitten zugeordnet sind.

Nach einem knappen Vorwort der Robert-Bosch-Stiftung stellt Abschnitt I mit vier Beiträgen zunächst die Ausgangslage dar. Präsentiert werden eingangs demographische Trends, die Auswirkungen auf personellen Rahmenbedingungen der „Pflegewirtschaft“ zeitigen (Thomas Freiling). Unter dem Terminus Pflegewirtschaft ist dabei nicht der Long-term-Care-Sektor – in Abgrenzung zu Health Care – gemeint. Vielmehr wird er als Klammer für Altenpflege und Krankenhauspflege verwandt. Erörtert werden anschließend: allgemeine empirische Befunde zu Arbeitsanforderungen im Pflegeberuf (Kathrin Kromark & Pamela Ostendorf), Fragen der Employability älterer Beschäftigten am Beispiel der teilstationären psychiatrischen Pflege (Nicole Stab & Winfried Hacker) sowie die personalpolitischen Herausforderungen, die die Branche bislang in den Blick genommen hat (Franz Wagner). Dabei wird konstatiert, dass die erwartbare starke Alterung der Belegschaften noch nicht in aller Schärfe unternehmensseitig wahrgenommen ist im Vergleich zu angrenzenden Themen wie „Mangel an Fach- und Führungskräften“ oder „steigende Personalkosten“, die höhere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Abschnitt II fokussiert in drei Beiträgen Gestaltungsfelder zur Bewältigung des demographischen Wandels. Beleuchtet und ausdifferenziert werden eingangs Methoden und Instrumente einer „demographiefesten Personalpolitik“, deren einzelne Komponenten systematisch und in strategischer Absicht zusammengeführt sind (Brigitte Geldermann). Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass in der Pflegebranche zwar das Erfordernis einer entsprechenden Ausrichtung der Personalpolitik im Grundsatz zwar angekommen ist, gleichwohl hat diese Erkenntnis in den Personalstrategien bislang noch keinen rechten Niederschlag gefunden. Die weiteren Beiträge (von Heiner Dunckel und von Mario Gottwald) unterfüttern diesen konzeptionellen Rahmen gleichsam auf empirischer Grundlage. Sie konzentrieren sich dabei auf „altersgerechtes Arbeiten“ und „altersgerechte Arbeitsbedingungen“ im Setting Krankenhaus, wobei die Erhebung zu Arbeitsbelastungen auch nach Altersgruppen der Mitarbeiter unterscheidet. Während jüngere Beschäftigte vor allem Themen wie „Unvereinbarkeit von Familie und Beruf“ oder „begrenzte Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten“ am höchsten gewichten, die bei älteren eher randständig sind, kehren letztere insbesondere „Nacht- und Schichtarbeit“ sowie „körperliche Belastungen“ als gravierend hervor, die bei den jüngeren wiederum nur marginales Gewicht besitzen. Personalgewinnung Jüngerer und Förderung der Beschäftigung Älterer sind demnach mit deutlich divergierenden Anforderungen im Detail verbunden.

Im folgenden Abschnitt III werden Gestaltungsansätze aus der betrieblichen Praxis von drei der sechs der Projektunternehmen durch Mitarbeiter der Trägerorganisationen vorgestellt. Dabei handelt es sich um das „Stiftungsklinikum Mittelrhein“, Koblenz, die „Paul Wilhelm von Keppler Stiftung“, Sindelfingen, ein Dienstleister in der Alten- und Krankenpflege, und die „DKV Pflegedienste und Residenzen GmbH“, die bundesweit zudem auch Kliniken betreibt. Berichtet werden aus der Projektpraxis Erkenntnisse und Methoden zur Identifikation personalpolitischer Risiken und deren Einbezug in das Personalmanagement, arbeitsorganisatorische Maßnahmen zur Belastungsreduktion in der Altenpflege sowie Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Primärprävention zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter.

Abschnitt IV vereint unter der Überschrift „Ausblick und Transfer“ wiederum drei Beiträge, die sich auf unterschiedlichen Ebenen verorten lassen. Eingangs wird die Frage nach dem weiteren Forschungs- und Entwicklungsbedarf gestellt (Thomas Freiling). Stichwörter sind hier am Beispiel Krankenhaus u.a. die Herstellung ausgewogener Belastungen im Kontext der Neuorganisationen von disziplinübergreifenden Prozessen (im Zuge einer Überwindung konventioneller Arbeitsteilung zwischen den zentralen Berufsgruppen), die Frage nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer im Setting sowie der Einsatz von Promotoren zur Flankierung und Bewältigung demografieorientierter Veränderungsprozesse. Der zweite Beitrag wendet sich Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit alternsgerechter Veränderungsprozesse zu (Julia Oberlies). Voraussetzung von Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit ist zunächst eine im methodischen Vorgehen klar disponierte Gestaltung demographieorientierter Veränderungsprozesse sowie die Ermittlung der in der Planungs-, Durchführungs- und Evaluationsphase anfallenden direkten und indirekten Personal- und Sachkosten. Bei einer kennzahlengestützten Wirksamkeitsbewertung geht es im Kern um die Zusammenführung „weicher“ (wie Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation) und „harter“ (wie Verweildauer im Beruf, Krankmeldungen) Kennzahlen, die in eine nach Instrumenten und Frequenzen differenzierte Reporting-Struktur einfließen. Auf diese Weise können Kosten und Ertrag in Relation gebracht werden. Der abschließende Beitrag (Pamela Ostendorf & Kathrin Kromark) fokussiert resümierend Erfolgsfaktoren solcher Veränderungsprozesse wie Mitarbeiterbeteiligung und partizipative Arbeitsgestaltung, Ausgestaltung der Führungsaufgaben und Führungsverhalten als Promotor im demographischen Wandel sowie die Orientierung an und Nutzung von Good-Practice-Beispielen, die das Netzwerk „Älter werden in der Pflege“ der BGW, in dem sich bundesweit über 200 Einrichtungen und Institutionen zusammengefunden haben, bietet.

Diskussion und Fazit

Die oben knapp skizzierten Beiträge fallen mit Blick auf Informationsgehalt und Ertrag unterschiedlich aus. Um es summarisch darzulegen: instruktiv sind vor allem Abschnitte II und IV des Buches sowie der einführende Beitrag von Thomas Freiling, der im zweiten Teil des Textes auch den Projektkontext (Ziele, Handlungskonzept und Vorgehen, Transfer) darlegt, ohne den die Dramaturgie des Bandes sich nicht erschließt. Es gibt keine Einführung der Herausgeber in den Reader, die die Struktur des Buches dem Leser auf den ersten Blick und transparent darlegen würde. Man muss entsprechende kurze Hinweise auf Seite 21 im Beitrag „Demografische Entwicklungstrends und Auswirkungen auf die Pflegewirtschaft“ suchen und finden, um den Zusammenhang der Beiträge mit dem Projekt erfahren zu können.


Rezensent
Prof. Dr. Roland Schmidt
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Zitiervorschlag
Roland Schmidt. Rezension vom 26.09.2011 zu: Herbert Loebe, Eckart Severing (Hrsg.): Zukunftsfähig im demografischen Wandel. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 182 Seiten. ISBN 978-3-7639-4280-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11840.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.


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