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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention

Cover Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. Verlag für Gesundheitsförderung (Gamburg) 2011. 588 Seiten. ISBN 978-3-929798-44-9. D: 24,90 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 30,90 sFr.

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Thema

Gesundheitsförderung und Prävention gelten heute als Schlüsselthemen für die Fortentwicklung des Gesundheitswesens. Ihnen kommt im deutschen Gesundheitswesen vor allem durch das Ansteigen chronischer Erkrankungen, die durch kurative Maßnahmen wenig beeinflusst und nach heutigem Forschungsstand nicht geheilt werden können, eine immer größere Bedeutung zu. Das vorliegende Glossar stellt entsprechende Konzepte, Strategien und Methoden der Gesundheitsförderung und Prävention in Leitbegriffen von A bis Z dar.

Herausgeberin

Für die Herausgabe des opulenten Werkes zeichnet sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) in Köln verantwortlich. Als Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) hat die BZgA gemäß dem Errichtungserlass vom 20. Juli 1967 insbesondere die

  • Erarbeitung von Grundsätzen und Richtlinien für Inhalte und Methoden der praktischen Gesundheitserziehung,
  • Ausbildung und Fortbildung der auf dem Gebiet der Gesundheitserziehung und -aufklärung tätigen Personen,
  • Koordinierung und Verstärkung der gesundheitlichen Aufklärung und Gesundheitserziehung im Bundesgebiet,
  • Zusammenarbeit mit dem Ausland

zur Aufgabe. Bei der Erfüllung ihres Auftrags orientiert sie sich an den zur jeweiligen Zeit vorhandenen dringlichen Gesundheitsproblemen mit Präventionsrelevanz und den sich weiterentwickelnden Theorien und Methoden der gesundheitlichen Aufklärung (vgl. www.bzga).

An dem vorliegenden Werk beteiligten sich 78 AutorInnen aus Wissenschaft und Praxis, die redaktionell durch Stephan Blümel, Prof. Dr. Peter Franzkowiak, Prof. Lotte Kaba-Schönstein, Dr. Guido Nöcker und Prof. Dr. Dr. Alf Trojan (Leitung) betreut wurden.

Entstehungshintergrund

Die Idee zu einem umfassenden Gesundheitsförderungs-Glossar wurde im Jahr 1993 in der BZgA und im Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG) Lüneburg entwickelt, im Rahmen der von beiden Einrichtungen seinerzeit gemeinsam durchgeführten Fortbildungslehrgänge zur Gesundheitsförderung. In diesen Lehrgängen zeigte sich ein großes Bedürfnis der teilnehmenden Fachkräfte nach Klärung von Begrifflichkeiten und Konzepten. Daraufhin beauftragte die BZgA 1994 eine erste Redaktionsgruppe aus Peter Franzkowiak, Lotte Kaba-Schönstein, Manfred Lehmann und Annette C. Seibt; 1996 erschien dann das Glossar „Leitbegriffe der Gesundheitsförderung“. In 68 Stichworten stellten damals 13 AutorInnen Grundbegriffe, Konzepte, Strategien und Bezugsdisziplinen der Gesundheitsförderung vor. Nach insgesamt vier Auflagen (1996, 1999, 2000, 2003) und anhaltender Nachfrage erteilte die BZgA Ende 2009 den Auftrag zu einer vollständigen Überarbeitung, Aktualisierung und Erweiterung des Glossars. Der vorliegende Band ist dabei das Ergebnis eines fast zweijährigen Arbeits- und Redaktionsprozesses.

Aufbau

Das Glossar enthält in alphabetischer Reihenfolge (von A bis Z) auf rund 580 Seiten 109 der wichtigsten Begriffe, Konzepte und Strategien zur Gesundheitsförderung und Prävention. Die einzelnen Stichwörter beziehungsweise Beiträge sind zudem in einem systematisch gegliederten Inhaltsverzeichnis – mit zum Teil beabsichtigt möglichen Mehrfachzuordnungen – aufgeführt, das die folgenden fünf Begriffsfamilien umfasst:

  1. Allgemeine Grundbegriffe
  2. Wissenschaftliche Perspektiven, Bezugsdisziplinen, Theorie und Modelle
  3. Kernkonzepte und Entwicklungen der Gesundheitsförderung
  4. Strategien, Handlungsansätze und Methoden
  5. Strukturen, Settings und Zielgruppen.

Inhalt

In „Leitbegriffe“ werden die 109 wichtigsten Begriffe, Konzepte und Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention in Einzelbeiträgen definiert und ausführlich erläutert. Jede Begriffsbeschreibung enthält zudem vielfältige Literatur- und Webhinweise zur weiteren Vertiefung.

Die Auswahl von Begriffen, Konzeptionen und Erklärungsmodellen orientiert sich an thematischen Schwerpunkten, die den Stand der programmatischen Entwicklung in der Gesundheitsförderung von ihren Ursprüngen Anfang der 1980er Jahre bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt widerspiegeln. Die Begriffe wurden entweder von den Mitgliedern der Redaktionsgruppe oder externen FachkollegInnen bearbeitet. Die Verantwortung für die Auswahl und Benennung der Leitbegriffe sowie für die Rekrutierung der AutorInnen lag in Händen der Redaktionsgruppe.

Die 91 Leitbegriffe der Auflage von 2003 wurden einer kritischen Überprüfung auf konzeptionelle Relevanz und praktische Bedeutung unterzogen, teilweise zusammengefasst oder aufgegeben und insgesamt vollständig überarbeitet und aktualisiert. Ergänzend wurden 28 Begriffe aufgenommen, wobei der Bereich „Prävention“ besonders verstärkt wurde. Hierzu bemerkt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, in ihrem Vorwort: „Das Glossar wurde konzeptionell weiterentwickelt und stark verändert, sodass von einer Neuausgabe gesprochen werden kann. Inhaltlich wurden zahlreiche neue Stichwörter aufgenommen; das Handlungsfeld Prävention wurde dabei stärker als bisher berücksichtigt und der Begriff Prävention in den Titel aufgenommen“ (S. 10).

Zum Aufbau des Buches hält die Redaktionsgruppe in ihrem Vorwort fest: „Die Stichworte sind alphabetisch angeordnet, um den lexikalischen Charakter eines Glossars zu gewährleisten. Jede Autorin und jeder Autor wird zum Anfang eines Stichworts namentlich ausgewiesen. Sie zeichnen verantwortlich für den Inhalt ihrer Beiträge. Querverweise auf andere Stichworte (zumeist verkürzt auf die ersten ein bis zwei Wörter der längeren Leitbegriffüberschrift) wurden großenteils von der Redaktionsgruppe eingefügt. Im gesamten Text wird dafür das Zeichen „>“ verwandt. Die angegebenen Internet-Links wurden bis Ende 2010 gesehen, die redaktionelle Bearbeitung wurde Ende 2010 abgeschlossen“ (S. 12).

Die ausführliche Aufnahme aller Handlungsbereiche und -formen der Prävention und Gesundheitsförderung, so die Redaktionsgruppe, hätte den Rahmen dieses Buches gesprengt. Von daher verweist sie unter anderem auf die Begriffe „Gesundheitsförderung I-VI“ und „Prävention“ sowie für die vertiefte Beschäftigung auf das „Lehrbuch für Gesundheitsförderung“ von Jennie Naidoo und Jane Wills (überarbeitete, aktualisierte und durch Beiträge zum Entwicklungsstand in Deutschland erweiterte Neuauflage 2010, herausgegeben von der BZgA) (vgl. die Rezension des Verfassers in: www.socialnet.de/rezensionen/8898.php).

Diskussion

Die Neuauflage der „Leitbegriffe“ ist sehr zu begrüßen, weil sie einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Schlüsselbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention bietet. Die Auswahl der Begriffe, die den gegenwärtigen Stand der gesundheitswissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Diskussion widerspiegeln, geht dabei über die Grenzen einzelner Fachdisziplinen hinaus. Gerade im Handlungsfeld Gesundheitsförderung und Prävention mit seinem interdisziplinären Bezug ist eine Einigung auf gemeinsame Begrifflichkeiten besonders wichtig. Hier leistet das Glossar einen besonders wichtigen Beitrag, die Konzepte und Begrifflichkeiten in der Gesundheitsförderung und Prävention im deutschsprachigen Raum zu systematisieren und übersichtlicher zu machen. Die hohe Zahl der beteiligten AutorInnen ist zu begrüßenswert, indem hierdurch eine erhebliche Erweiterung der fachlichen und professionellen Bandbreite aller Beiträge erreicht wurde.

Der Band bietet interessierten Neu- oder QuereinsteigerInnen erste Orientierungsmöglichkeiten und Anregungen zur Vertiefung. Er wendet sich aber auch an langjährig engagierte und erfahrene PraktikerInnen, die auf neue Anregungen durch die Konzepte, Modelle und Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention hoffen beziehungsweise ihren eigenen Planungs-, Projekt- oder Forschungsalltag auf Verbesserungsmöglichkeiten überprüfen möchten. Nicht zuletzt bietet das Werk Lehrenden und Studierenden im Rahmen von Aus-, Fort- und Weiterbildung gebündeltes Hintergrundwissen und Orientierung.

Die Redaktionsgruppe war sich bewusst, dass ein solcher Anspruch an vielen Stellen nur partiell eingelöst werden kann. Die Gesundheitsförderung befindet sich nämlich auch weiterhin, 25 Jahre nach der Ottawa-Charta von 1986, in einer stetigen Fortentwicklung, wobei die Ausgestaltung und das Verständnis der Leitbegriffe von vielfältigen politischen, wissenschaftlichen und praktischen Interessen beeinflusst werden. Auch die 5. Auflage dieses Glossars sei daher nur „ein fundiertes, aktualisiertes Zwischenergebnis und ab dem Zeitpunkt ihres Erscheinens auf ständige Überprüfung und kritische Bearbeitung angewiesen“, wobei alle LeserInnen zu entsprechenden Anregungen und Hinweisen ausdrücklich und herzlich aufgefordert werden.

Bleibt nur noch darauf hinzuweisen ist, dass es auch eine kostenlose elektronische Version der Leitbegriffe unter der Web-Adresse www.leitbegriffe.bzga.de gibt, die kontinuierlich aktualisiert und um neue Begriffe ergänzt wird.

Fazit

Das von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegebene Glossar zur Gesundheitsförderung und Prävention ist ein wichtiges Standardwerk, das in keiner Bibliothek des Gesundheitswesens fehlen sollte.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 17.10.2011 zu: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Verlag für Gesundheitsförderung (Gamburg) 2011. 588 Seiten. ISBN 978-3-929798-44-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11939.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.


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