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Fachbereiche Soziale Arbeit und Gesundheit FH Frankfurt / Main (Hrsg.): Grenzverletzungen. Institutionelle Mittäterschaft [...]

Cover Fachbereiche Soziale Arbeit und Gesundheit FH Frankfurt / Main (Hrsg.): Grenzverletzungen. Institutionelle Mittäterschaft in Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2011. 207 Seiten. ISBN 978-3-940087-84-3. 18,00 EUR.
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Grenzen und Grenzverletzungen in der Sozialen Arbeit

Seit dem Bekanntwerden zahlreicher Fälle von sexueller Gewalt, insbesondere in katholischen und reformpädagogischen Institutionen im Jahr 2010, stellt das Thema Grenzverletzungen ein in der Disziplin der Erziehungswissenschaften und Sozialen Arbeit viel diskutiertes Thema dar. Der Titel der Publikation verweist auf die Spannung von Nähe und Distanz, die allen Beziehungskonstellationen in der Sozialen Arbeit zugrunde liegt. Die Bedingungen zum Grenzen ziehen und Grenzen wahren, als wesentliches Kompetenzmerkmal der Profession, wird hier vor dem Hintergrund der zahlreichen sexuellen Übergriffe untersucht. Der Sammelband beleuchtet das Thema sexuelle Gewalt in Institutionen der Sozialen Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven und trägt damit seiner Mehrdimensionalität Rechnung.

Herausgeber und Entstehungshintergrund

Der Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit an der Fachhochschule Frankfurt am Main begreift die seit Januar 2010 öffentlich geführte Debatte um das Thema sexuelle Gewalt in Institutionen und die Frage der Mittäterschaft von Institutionen als Herausforderung an die Profession. Er veranstaltete in Kooperation mit der Stadt Frankfurt am Main und dem Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ) bereits im September 2010 die einwöchige Tagung mit dem Gleichnamigen Titel des Sammelbandes. Die Tagung sollte einen Fachaustausch über die Bedingungen von Grenzverletzungen in Feldern der Sozialen Arbeit ermöglichen, eine Diskussion über die Entwicklung von Standards für Ausbildung, Eignung und Qualifizierung von Fachkräften anregen sowie Institutionelle Verfahren hinsichtlich Prävention, Aufdeckung und Umgang mit Grenzverletzungen diskutieren. Eingeladen waren Vertreter des Faches aus Frankfurt am Main und dem Bundesgebiet, die in unterschiedlicher Weise in dem Thema sexuelle Gewalt ausgewiesen sind. Der Sammelband ist die Dokumentation dieser Tagung, er erscheint im Fachhochschuleigenen Verlag.

Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren des Bandes sind Heike Beck (Dipl. Pädagogin und Dipl. Sozialpädagogin, Frankfurt), Michael Behnisch (Professor für Methoden und Konzepte der Sozialen Arbeit an der FH Frankfurt), Claudia Burgsmüller (Rechtsanwältin, Wiesbaden), Jörg Fegert (Professor und ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Universität Ulm), Barbara Kavemann (Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin), Lotte Rose (Professorin für Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit an der FH Frankfurt), Thomas Röhl (therapeutischer Leiter in einer Jugendhilfeeinrichtung in Hessen), Michael-Peter Schiltsky (Bildhauer, Honorardozent an der staatlichen Berufsakademie, Breitenbrunn), Ulrike Schmauch (Professorin für Profession und Methoden Sozialer Arbeit an der FH Frankfurt), Julia Zinsmeister (Professorin für Zivil-und Sozialrecht an der FH Köln), Maud Zitelmann (Professorin für frühkindliche Pädagogik und Kinderschutz an der FH Frankfurt), Lilly Walden (Schauspielerin und Autorin, Berlin).

Aufbau

Der Band dokumentiert die Einzelbeiträge ohne explizite Untergliederung.

Nach zwei überblicksartigen Beiträgen zur Klärung der Begriffe Grenzen und Grenzverletzungen sowie Körperlichkeit und Sexualität in der Sozialen Arbeit und ihrer Bedeutung für Kontexte der Sozialen Arbeit, widmen sich die nachfolgenden Artikel spezifischen Fragestellungen wie den Blinden Flecken von Institutionen und deren Mittäterschaft, Täterstrategien, der Betroffenenperspektive in mehreren Beiträgen sowie dem öffentlichen Diskurs zum Thema Missbrauch. Schließlich erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Prävention.

Eine Abschlusserklärung fasst Eindrücke und Schlussfolgerungen der Tagungsdiskussion zusammen und formuliert notwendige Konsequenzen für Studium und Praxis.

Den Schlussbeitrag des Sammelbandes bildet ein Auszug aus dem Theaterstück: Der Schatten der Lawine. Ein Stück über Gewalt und Vergewaltigung und unseren Umgang damit.

Ausgewählte Inhalte

Barbara Kavemann steckt, als Auftakt der inhaltlichen Beiträge, einen Rahmen zur Bedeutung der Begriffe „Grenzen und Grenzverletzungen“ in der Sozialen Arbeit. Sie führt die Folgen von Grenzverletzungen für Betroffene aus und sieht die Verantwortung der Regelung des Nähe-Distanz-Verhältnisses in der Sozialen Arbeit auf Seite der Professionellen. Professionelle Beziehungsarbeit als Grundlage der Sozialen Arbeit ist nach Kavemann gekennzeichnet durch eine „einseitige Öffnung“ (S. 25) intimer Aspekte des Lebens der Klientinnen und Klienten und nicht der der Professionellen. Kavemann diskutiert überzeugend, in welchen Fällen und in welcher Weise Grenzen gewahrt, gesetzt und überwunden werden sollen, um sexuelle Gewalt zu verhindern bzw. ihre negativen Folgen möglichst gering zu halten.

Der Rolle von „Körperlichkeit und Sexualität in der Sozialen Arbeit“ widmet sich Ulrike Schmauch. Sie legt dar, dass neben Machtaspekten auch der Körper und seine Wirkung in beruflichen Beziehungen sowie Sexualität in ganz unterschiedlichen Facetten Tabuthemen in der Profession der Sozialen Arbeit darstellen. Die Ausblendung von körperlichen und sexuellen Themen führe zu vielfältigen Unsicherheiten, durch die die Beziehung zwischen Professionellen und AdressatInnen häufig irritiert werde. Schmauch erläutert anhand von Praxisbeispielen wie durch fehlende Reflexion der eigenen Unsicherheit „übergriffige Situationen“ (S. 40) entstehen können. Gelungenes berufliches Handeln bedarf ihrer Auffassung nach der Reflexion des eigenen Umgangs mit körperlichen und sexuellen Themen. Schmauch plädiert plausibel für die Etablierung des Themas Körperlichkeit und Sexualität in der Ausbildung, weil nur durch die Thematisierung und Reflexion eigener Anteile eine professionelle Gestaltung des Nähe-Distanz-Verhältnisses in der Sozialen Arbeit zu erreichen ist.

Claudia Burgsmüller fragt aus der Perspektive der Institutionen nach dem Umgang von Einrichtungen der Jugendhilfe, Schulen und Internaten danach, welche „Institutionelle Ausblendungen“ bei Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs und bei der Gegenwehr seitens der Betroffenen wirksam werden. Als unabhängige anwaltliche Ansprechpartnerin für Betroffene an der Odenwaldschule tätig, schließt Burgsmüller sich, aufgrund ihrer Auswertung zahlreicher Berichte von Betroffenen, den Erkenntnissen Ursula Enders an, die dem verbreiteten Unwissen von Täterstrategien für deren unbehelligtes Agieren zuschreibt. Im Fall der Odenwaldschule war es insbesondere die Diffusität der Einrichtungsstrukturen, die eine Aufdeckung der Taten erschwert habe.

Michael-Peter Schiltsky berichtet von der Teilauswertung einer von ihm erarbeiteten Datenbank zum Thema Heimerziehung in der Nachkriegszeit. Sein Beitrag „Grenzverletzungen – Seelenzerstörung“ fokussiert die Folgen der sexuellen Übergriffe für die Opfer. Zur Veranschaulichung gibt er eindrucksvolle Lebensberichte von Betroffenen sexueller Gewalt wieder, die die Seelenzerstörung im Kindes- und Jugendalter erahnen lassen. Gemeinsam erscheint allen Fällen die Ohnmacht und Aussichtslosigkeit der Kinder, sich aus den übergriffigen Handlungen der Bezugspersonen befreien zu können. Entsprechend plausibel erscheinen Schiltskys Forderungen nach einer Verankerung von Instrumenten, die es Kindern und Jugendlichen auf verschiedenen Ebenen ermöglichen, sich in für sie unerträglichen Situationen Gehör zu verschaffen und Überforderungen des Heimpersonals zu vermeiden. Insbesondere sein Hinweis auf den Stellenwert des schöpferischen Potentials von Betroffenen sexueller Gewalt, welches zur Aufarbeitung der erlittenen Seelenzerstörung Schiltskys Auffassung nach „auch ein Überlebensmittel“ (S. 77) darstellt, kann die Professionalisierungsdebatte der Sozialen Arbeit bereichern.

In ihrem Beitrag „Mittäterschaft in der Pädagogik“ beschreibt Maud Zitelmann das besondere Gefährdungspotential, welches pädagogischen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Bezug auf sexuelle Übergriffe innewohnt. Im Anschluss daran hebt sie die Bedeutung der Heimaufsicht und der Personalauswahl hervor, um diesem Gefährdungspotential entgegenzuwirken. Schließlich verdeutlicht Zitelmann, dass insbesondere die Praxisstellen und Hochschulen sich der Verantwortung stellen müssen, dass zur Profession der Sozialen Arbeit die selbstverständliche „Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch überhaupt und der Täterschaft durch Professionelle im Besonderen“ (S. 88) gehört.

Den „Täterstrategien“ widmet sich Thomas Röhl, indem er dezidiert darlegt, welche Muster sich in den Beziehungen zwischen Tätern und Opfern sowie zwischen Tätern und anderen Fachkräften bzw. der Leitung finden. Dabei stellt Röhl die Ähnlichkeit zwischen den institutionellen Strukturen und Familienstrukturen heraus. Seiner Auffassung nach gelingt die Prävention sexueller Gewalt weniger durch ein „Früherkennungssystem“ (S. 97), sondern am ehesten durch die Veränderung dieser Strukturen. Denn sexueller Missbrauch ist „kein plötzlich eintretendes Ereignis, sondern ein Prozess, der bestimmte Phasen durchläuft“ (S. 100). Das Wissen um die strategische Vorgehensweise und die „Schaffung eines missbrauchsfeindlichen Klimas“ (S. 106), stellen Röhl zufolge die Möglichkeiten einer wirksamen Prävention dar.

Anders als die übrigen Beiträge nehmen Michael Behnisch und Lotte Rose nicht das Phänomen sexuelle Gewalt an sich, sondern die Art und Weise, wie über sexuellen Missbrauch öffentlich gesprochen wird in den Blick. In ihrem Beitrag „Der öffentliche Diskurs zum Missbrauch: Geschlecht, Klasse, Kirche – und die Pädagogik“ zeigen sie auf, wie die Missbrauchsdebatte funktionalisiert wird, um latente Kritikpunkte der katholischen Kirche wie auch der Reformpädagogik auszutragen. Dabei werde der Kindesmissbrauch „vor allem personalisiert, nicht aber als Frage einer institutionellen Struktur verhandelt“ (S. 121). Behnisch und Rose widmen sich gleichfalls den in den öffentlichen Debatten nicht auftauchenden Themen. Beispielsweise fehle die Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt in Einrichtungen der DDR, mit der Art und Weise der öffentlichen Thematisierung von Sexualität, mit der Sexualisierung von Kindheit sowie mit der Geschlechtsspezifik sexueller Gewalt, hier insbesondere mit der Verantwortung und eventueller Mittäterschaft von Frauen bei den aktuell aufgedeckten Fällen. Schließlich finde der Diskurs abgekoppelt vom Thema des familären Missbrauchs statt. Behnisch und Rose befinden zu Recht, dass die seit Jahrzehnten produzierten Kompetenzen und Forschungsergebnisse in diesem Bereich in der öffentlichen Debatte gänzlich ausgeblendet werden.

Zinsmeister legt unter dem Thema „Gewaltschutz in sozialen Einrichtungen für Frauen mit Behinderungen“ die Diffizilität der Situation von Menschen mit Behinderungen aus rechtlicher Perspektive dar. Die Rechtsbeziehungen innerhalb sozialer Einrichtungen beschreibt sie in Anlehnung an Zacher als „sanfte Gewaltverhältnisse“ (S. 128), die es erschweren, Grenzverletzungen als solche erkennen, ahnden und verhindern zu können. Zinsmeister zeigt auf, wie Personen, die aufgrund ihrer Behinderung einer (gesetzlichen) Betreuung bedürfen, den ihnen anvertrauten Personen gleichzeitig in erhöhtem Maße ausgeliefert sind. Die bisherigen Prüfkriterien der Einrichtungsaufsicht sind ihr zufolge kaum geeignet, um die BewohnerInnen mit Behinderungen vor Gewalthandlungen ausreichend schützen zu können. Auch liege eine besondere Schwierigkeit darin, die Überschreitung von Grenzen im professionellen Umgang mit dieser Gruppe von KlientInnen nachzuweisen. Von manchen Einrichtungen werden daher seit einiger Zeit konkrete Dienstvereinbarungen zur Regelung der Kontaktformen zwischen Professionellen und Klienten geschlossen, um in entsprechenden Fällen Grenzüberschreitungen ahnden zu können.

Der Beitrag von Jörg Fegert: „Betroffene hören, Betroffenheit sehen“ berichtet von der wissenschaftlichen Auswertung der telefonischen Anlaufstelle, die von der unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs Christine Bergmann 2010 als Reaktion auf die Aufdeckung der Missbrauchsfälle eingerichtet wurde. Leitlinie der telefonischen Anlaufstelle ist das Zuhören der Betroffenen. Fegert beschreibt die Konzeption, die darin besteht, die anrufenden Betroffenen nicht mit konkreten Fragen zu konfrontieren, sondern ihnen einen Raum dafür zu eröffnen, „ihr Anliegen frei zu erzählen“ (S. 152). Die Fachkräfte dokumentierten die Gesprächsinhalte sowohl in Form einer „freien Dokumentation“ (ebd.) und ordneten die Inhalte erst danach in vorgegebene Kategorien ein.

Als erste Zwischenergebnisse berichtet Fegert beispielsweise: „von Missbrauch in Institutionen sind überwiegend Männer betroffen, von Missbrauch in der Familie überwiegend Frauen“ (S. 157). Unter Berücksichtigung der Selektivität der Stichprobe ergeben sich gemäß seiner Auswertung vier Themenschwerpunkte, die Fegert zufolge weiter zu vertiefen wären: Therapie und Beratung zeigte sich als ein bedeutsames Anliegen der AnruferInnen. Ebenso halten sie Entschädigungsforderungen im Zusammenhang mit der Abschaffung der Verjährungsfristen für geboten. Desweiteren begrüßen sie ausdrücklich Aufklärung und Enttabuisierung von sexueller Gewalt, wie es die Kampagne „Das Schweigen brechen“, zu der auch die telefonische Anlaufstelle gehört, angestoßen hat. Fegert stellt zum Schluss seines Beitrages heraus, dass Betroffenen zuhören, „eine Herausforderung für ein adäquates Beschwerde- und Qualitätsmanagement in Institutionen und ehrenamtlichen Organisationsstrukturen“ (S. 168) darstellt. Hierzu gehört es auch und insbesondere, ein „Beschwerde- und Ideenmanagement zur Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium zu etablieren“ (S. 169).

Heike Beck erörtert gründlich das Feld „Sexualisierte Gewalt und die Möglichkeiten der Prävention“. Nach einer Definition des Präventionsbegriffes und dem Anliegen, welches mit ihm verbunden ist zeichnet sie Entwicklungslinien in der Präventionsarbeit nach und erläutert, dass es in aktuellen Präventionsprogrammen vor allem um die Stärkung des Selbstbewusstseins und der sozialen Kompetenz geht. Trotz der beschränkten positiven Wirkung, die Kindler den Präventionsprogrammen gegen sexuellen Missbrauch bescheinigt, sind diese grundsätzlich positiv zu bewerten und zu unterstützen. Beck konzentriert sich im Weiteren auf die Präventive Arbeit mit Jugendlichen, eine bisher vernachlässigte Gruppe der präventiven Arbeit gegen sexuellen Missbrauch. Auch hier setzt sich Beck gründlich mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Präventionsansätze auseinander und sieht resümierend die präventive Arbeit mit Jugendlichen als wichtigen „Baustein in dem Bestreben sexuelle Gewalt zu verhindern und zu beenden“ (S. 190) an. Becks Ausführungen legen nahe, dass ein wesentlicher Wirkfaktor der diskutierten Ansätze auch darin zu sehen ist, Jugendlichen das Sprechen über Sexualität und sexuelle Grenzüberschreitungen zu ermöglichen und ihnen gerade in dieser spezifischen, hoch sexualisierten Entwicklungsphase, beim Experimentieren mit ihren eigenen Grenzen beizustehen.

Diskussion

Der Sammelband dokumentiert die kritische Auseinandersetzung mit einem komplexen und hochsensiblen Forschungs- und Praxisfeld. Unter Heranziehung aktueller Forschungsergebnisse skizzieren die Beiträge die vielen Facetten des Themas sexuelle Gewalt. Dabei ist als besonders gelungen hervorzuheben, dass die wissenschaftstheoretischen mit den Betroffenenperspektiven im Zusammenhang in den Blick genommen und diskutiert werden.

Die Beiträge des Sammelbandes legen einerseits Zeugnis ab von der langjährigen Auseinandersetzung der Disziplin mit sexueller Gewalt und der daraus erwachsenen Professionalität. Andererseits wird deutlich, dass die Professionalisierung in dem Sinne weitergetrieben werden muss, dass auch die institutionelle Mittäterschaft in der Sozialen Arbeit in Forschung und Praxis konsequenter in den Blick genommen wird, um präventiv wirken zu können. Hierzu leistet der Sammelband einen wichtigen Beitrag. Die Aufsätze bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte und entwickeln konkrete Vorschläge, wie das Thema Grenzen und Grenzverletzungen in Ausbildung und Praxis konzeptionell verankert werden kann.

Fazit

Es handelt sich bei dem vorliegenden Sammelband um ein sehr engagiertes und innovatives Buch, welches die eigene Profession kritisch beleuchtet und hinterfragt. Es ist getragen von dem Willen um Aufklärung der institutionellen Beteiligung an sexuellen Gewalttaten. Die Lektüre dokumentiert wertvolle Erkenntnisse über die Bedingungen von Grenzverletzungen in Einrichtungen der Sozialen Arbeit und gibt Anregungen für dringend zu etablierende Standards zur Verankerung von Maßnahmen zur Prävention und Aufdeckung sowie dem Umgang mit Grenzverletzungen.


Rezensentin
Prof. Dr. Marga Günther
Professorin für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Darmstadt
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Zitiervorschlag
Marga Günther. Rezension vom 30.08.2012 zu: Fachbereiche Soziale Arbeit und Gesundheit FH Frankfurt / Main (Hrsg.): Grenzverletzungen. Institutionelle Mittäterschaft in Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2011. ISBN 978-3-940087-84-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11953.php, Datum des Zugriffs 01.06.2016.


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