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Susanne Viernickel, Iris Nentwig-Gesemann u.a.: Profis in Krippen

Cover Susanne Viernickel, Iris Nentwig-Gesemann, Henriette Harms, Sandra Richter, Stefanie Schwarz: Profis in Krippen. Curriculare Bausteine für die Aus- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2011. 236 Seiten. ISBN 978-3-932650-44-4. 15,00 EUR.

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Thema

Susanne Viernickel und ihre Mitautorinnen beschäftigen sich in diesem Werk mit der Implementierung sowie der Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte anhand von zehn Curricularen Bausteinen.

Autorinnen

Prof. Dr. Susanne Viernickel sowie Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann sind Diplompädagoginnen an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Henriette Harms ist Diplompädagogin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Sandra Richter, Kindheitspädagogin (B.A.) sowie Stefanie Schwarz, Kindheitspädagogin (B.A.) sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Aufbau

Das Buch besteht aus drei Kapiteln, die jeweils in mehrere Unterkapitel gegliedert sind.

  1. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit dem theoretischen Hintergrund und der Kozeptionierung der Curricularen Bausteine (S.13-57).
  2. Im zweiten Kapitel werden die zehn Curricularen Bausteine näher erläutert (S. 69-203). Daraufhin folgen Angaben zu den Autorinnen (S. 205).
  3. Das dritte und somit letzte Kapitel des Buches beschreibt die Funktion sowie den Aufbau einer Fachtextdatenbank und beinhaltet zwei Beispieltexte (S. 207-236).

Zum ersten Kapitel

Das erste Unterkapitel befasst sich mit den „Profis in Krippen: Professionalisierung von pädagogischen Fachkräften für die Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren“ (S. 15). Erläutert werden der Bedarf sowie die Qualität von Krippen als „Bildungsorte für Kinder“ (S.22). Aufgezeigt werden sowohl der Mangel an Betreuungsplätzen sowie der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Desweiteren wird das Projekt „Profis für Krippen“ (S. 19) vorgestellt, das einen Anreiz zur qualifizierten Ausbildung fachspezifischer Pädagogen in der Arbeit mit Kindern unter drei Jahren geben soll.

Das zweite Unterkapitel stellt die „Systematisierung der Curricularen Bausteine“ (S.25ff) vor. So wird unter Punkt 2.1. eine Übersicht der zehn Curricularen Bausteine mit ihren Unterpunkten dargestellt. Diese Bausteine lauten wie folgt:

  • Curricularer Baustein 0: Professionelle Haltung: selbstreflexive und forschende Zugänge
  • Curricularer Baustein 1: Grundlagen von Entwicklung und Bildung in den ersten drei Lebensjahren
  • Curricularer Baustein 2: Pädagogische Begleitung und Unterstützung frühkindlicher Entwicklungsthemen
  • Curricularer Baustein 3: Pädagogische Begleitung und Unterstützung frühkindlicher Entwicklungsthemen für Kinder mit besonderen Entwicklungsverläufen
  • Curricularer Baustein 4: Gesundheit und Pflege von Kindern in den ersten drei Lebensjahren
  • Curricularer Baustein 5: Ausgewählte Werkzeuge für die Begleitung von Bildungs- und Entwicklungsprozessen von Kindern in den ersten drei Lebensjahren
  • Curricularer Baustein 6: Institutionelle Betreuung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren – Historische Entwicklung und aktuelle Diskurse
  • Curricularer Baustein 7: Pädagogische Ansätze und Praxiskonzepte und ihre Relevanz für die Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren
  • Curricularer Baustein 8: Familien mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren – Begleitung und Unterstützung
  • Curricularer Baustein 9: Spezielle Aspekte der Qualitätsentwicklung in frühpädagogischen Institutionen für die Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren

Unter Punkt 2.2 wird die Entwicklung der Curricularen Bausteine erklärt. Diese entstanden aus zwei verschiedenen Arbeitsschritten. Zum Einen wurde eine Analyse von 42 Modulhandbüchern bestehender früh- und kindheitspädagogischer Bachelorstudiengänge vorgenommen. Ziel war es, den Status quo zu ermitteln, inwieweit bereits Inhalte berücksichtigt werden, um Kompetenzen für die Arbeit mit Kindern unter 3 Jahren erwerben zu können. Darauf aufbauend wurden die zehn Curricularen Bausteine erstellt. Diese wurden einem breiten Fachpublikum zur Diskussion vorgestellt und durch Ergänzungen erweitert (S. 28).

Unter Punkt 2.3 werden die Konzeptionellen Grundsätze der Curricularen Bausteine vorgestellt. Diese sind die Orientierung an Kernkompetenzen(die Voraussetzung für eine angemessene Unterstützung der Entwicklungsprozesse eines Kindes ist das Wissen des pädagogischen Fachpersonals und die Umsetzung dieses Wissens in der pädagogischen Arbeit),die Diversität / Kinder mit besonderen Entwicklungsverläufen(pädagogisches Fachpersonal soll auf verschiedene Formen der Behinderung vorbereitet werden, es sollen Ängste und Vorurteile verringert werden), die Ausrichtung an der Mehrdimensionalität pädagogischer Handlungsfelder (zu diesen Handlungsfeldern gehören die Zusammenarbeit und Kooperation mit den Eltern, im Team, aber auch mit externen Fachkräften oder Institutionen) sowie die Nutzerfreundlichkeit durch flexible Implementierungsmöglichkeiten(die Curricularen Bausteine beziehen sich nicht nur auf Bachelorstudiengänge, sondern sind auch auf den Unterricht an Fachschulen oder auf Weiterbildungsveranstaltungen übertragbar)(S.29-33).

„Der Aufbau der Curricularen Bausteine“ wird unter Punkt 2.4 besprochen. Der Aufbau bezieht sich auf die Modulbeschreibungen der Studiengänge mit folgenden Bestandteilen: „A Einleitung (Inhalte und Bedeutung des Bausteins), B Voraussetzungen und Verbindungen zu anderen Curricularen Bausteinen und Studienbereichen, C Bildungsinhalte (Themen und Beispiele der Bausteine), D Lernziele / Kompetenzen (hier erfolgt die Zuordnung der Lernziele/Kompetenzen zu vier verschiedenen Handlungsfeldern: Handlungsfeld Kind / Gruppe, Handlungsfeld Familie, Handlungsfeld Team / Organisation, Handlungsfeld Netzwerk), E Lehr- und Lernmethoden (Methoden, Didaktik, Lernprozesse) und F Literaturempfehlungen“ (S. 33-35).

Das dritte Unterkapitel befasst sich mit der „Kompetenzentwicklung in der Arbeit mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren“ (S. 36-49). Geklärt wird hier, was unter Kompetenz zu verstehen ist und inwiefern sich diese Kompetenz aus dem „Zusammenspiel von Disposition und Performanz“ ergibt (S. 36f). Zur Veranschaulichung dient das „Allgemeine Kompetenz-Modell“ (S. 37). Desweiteren wird hervorgehoben, welche große Relevanz die Entwicklungsprozesse der Kinder für die Kompetenzentwicklung der Pädagogen/innen einnimmt (S. 39-40). Ebenso wie die Entwicklungsprozesse der Kinder nehmen die persönlichen Erfahrungen, die Haltung, die Empathie sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Offenheit für Neues der Pädagogen/innen eine zentrale Rolle in der Kompetenzentwicklung ein (S. 41-49). Weiterhin sind die „Kompetenzen der Lehrenden“ (S. 50) von großer Bedeutung für die Aus- und Weiterbildung der zukünftigen pädagogischen Fachkräfte. Vorgestellt werden didaktische Prozesse, wie die Biografie-, Fall- und Lernwerkstattarbeit, die in die Lehre einfließen sollten (S. 50-66).

Zum zweiten Kapitel

Das zweite Kapitel (S.69-201) stellt die einzelnen Curricularen Bausteine mit ihren Grundlagen, Bedingungen sowie mit ihren Verbindungen untereinander vor.

Aufgeworfen werden Fragen, die zum Nachdenken vor allem hinsichtlich der eigenen Biografie anregen.

Desweiteren werden die Kompetenzen vorgestellt, die notwendig sind, um entsprechend der Curricularen Bausteine handeln zu können.

Aufgezeigt werden auch Lehr- und Lernmethoden, die den Studierenden die hier vorgestellten Kompetenzen etc. näher bringen sollten.

Dargestellt werden verschiedene Möglichkeiten, die die Kinder in ihrer

Entwicklung unterstützen. Bezug genommen wird dabei auf alle Bereiche der kindlichen Entwicklung (die kognitive, die Selbstständigkeits-, die Bewegungs- sowie die Sprachentwicklung), dabei wird sehr hervorgehoben, dass diese Entwicklung von Kind zu Kind anders verlaufen kann und somit eine Akzeptanz des individuellen Entwicklungsverlaufes, aber auch die Akzeptanz von Kindern mit Behinderung, deren Entwicklung langsamer verlaufen kann, von großer Bedeutung ist.

Einen weiteren unabdingbaren Baustein bildet die Zusammenarbeit mit den Eltern, die als Experten für ihre Kinder fungieren.

In allen Bereichen sollten Studierende und Pädagogen/innen auf andere Organisationen, also auf unterschiedlichste Netzwerke zurückgreifen können und sich Hilfe einholen, sollte diese benötigt werden.

Diskussion

Das Buch gibt einen umfassenden und verständlichen Einblick über die Curricularen Bausteine und ihre Grundlagen. Es werden sehr viele Fachbegriffe verwendet, die wiederum sehr gut erläutert werden. Somit ist das Buch sowohl für Laien als auch für Absolventen/innen des Studienganges „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ bzw. anderer pädagogischer Fachpersonen sehr interessant zu lesen und sehr gut verständlich. Es dient sowohl als Lehrbuch als auch als Auffrischung des bereits Gelernten und als Entscheidungsfindung, ob dieses Studium der richtigen Wahl entspricht.

Die Autorinnen beschreiben sehr gut die Relevanz von qualifiziertem pädagogischem Fachpersonal, die es den Klein(st)kindern ermöglichen, sich ihre Umwelt, auf Basis einer stabilen emotionalen Beziehung, anzueignen. Ebenso die Verwendung von Fachbegriffen sowie deren Erläuterung trägt zum Verständnis der Relevanz dieser Bausteine bei.

Die Fußnoten wurden sehr gut und in angemessenem Rahmen gewählt, um Begriffe näher zu erläutern bzw. auf weiterführende Literatur hinzuweisen.

Das Buch gibt einen sehr aufschlussreichen Überblick über die Anforderungen sowohl an die Lernenden als auch an die Lehrenden.

Fazit

Meines Erachtens gibt dieses Buch einen sehr guten Überblick über die Anforderungen an die Studenten/innen und die von ihnen zu erlernenden Kompetenzen. Beim Lesen wird die große Bedeutung zwischen dem Zusammenhang der eigenen Biografie, der Reflexion der gemachten Erfahrungen und dem späteren Handeln als Pädagoge/in sehr deutlich. Ich empfinde dieses Buch als sehr lesenswert und empfehle es sowohl an Studierende als auch an Studieninteressierte.


Rezensentin
Katharina Dietsch
Kindheitspädagogin (B.A.)
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Zitiervorschlag
Katharina Dietsch. Rezension vom 15.12.2011 zu: Susanne Viernickel, Iris Nentwig-Gesemann, Henriette Harms, Sandra Richter, Stefanie Schwarz: Profis in Krippen. Curriculare Bausteine für die Aus- und Weiterbildung frühpädagogischer Fachkräfte. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2011. ISBN 978-3-932650-44-4. Mit CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/11957.php, Datum des Zugriffs 30.05.2016.


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