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Christian Bleck: Effektivität und Soziale Arbeit

Cover Christian Bleck: Effektivität und Soziale Arbeit. Analysemöglichkeiten und -grenzen in der beruflichen Integrationsförderung. Frank & Timme (Berlin) 2011. 458 Seiten. ISBN 978-3-86596-378-9. D: 49,80 EUR, A: 49,80 EUR, CH: 74,70 sFr.

Reihe: Transfer aus den Sozial- und Kulturwissenschaften - Band 13.
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Thema

Der schon seit langer Zeit kontrovers geführte Diskurs zur „Effektivitätsthematik in der Sozialen Arbeit“ ist Gegenstand der vorliegenden Publikation, die auf der von Christian Bleck verfassten Dissertation beruht. Im Vorwort bzw. Klappentext wird angemerkt, dass die Frage wie effektiv Soziale Arbeit sei, eine höchst komplizierte Angelegenheit darstellt und als solche erklärungsbedürftig ist, nicht zuletzt weil die „Effektivitätsfrage“ Aspekte ökonomischer Rationalisierungsperspektiven tangiert, originäre Wertvorstellungen/Handlungslogiken Sozialer Arbeit berührt und Rechtfertigungsdruck auf professioneller und institutioneller Seite bedingt. Die forschungsleitenden Fragen sind: Mit welchen Perspektiven/Kriterien ist der Effektivitätsaspekt in der Sozialen Arbeit verbunden? Welche Möglichkeiten/Grenzen bestehen im Einzelnen bei der Erfassung? Antworten auf die Fragestellung werden sozialarbeitswissenschaftlich begründet und anhand des Handlungsfeldes der beruflichen Integrationsförderung skizziert. Der Erkenntnisgewinn wird von Bleck als „‚pragmatische‘ Verständigungsgrundlage, die zwischen den Legitimationsansprüchen von Politik und Administration, den praxisrelevanten Charakteristika der Profession sowie den methodischen Möglichkeiten der Forschung in der Sozialen Arbeit vermitteln möchte“ (Bleck 2011: 5) deklariert.

Autor

Christian Bleck ist Dipl.-Sozialarbeiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter der FH Düsseldorf am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Er ist als Sozialarbeiter im gerontopsychiatrischen Bereich der stationären Altenhilfe tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation von Modellprojekten und Kompetenzfeststellungsverfahren am Übergang Schule/Beruf und Soziale Arbeit mit älteren Menschen.

Entstehungshintergrund und Intention

Soziale Arbeit zeichnet sich u.a. durch eine Angebotsstruktur aus, die abhängig ist von den finanziellen Mitteln der öffentlichen Haushalte. Längst spielen zunehmend Ökonomisierungstendenzen, Wettbewerb, betriebswirtschaftliche Perspektiven in der Sozialen Arbeit eine Rolle. Kosten-, Effektivitäts- und Erfolgsdruck sind die Folgen dieser Entwicklung. Im Vergleich zur Effektivitätsthematik, die im deutschsprachigen Raum vor allem allgemein im Kontext der Tendenzen der Ökonomisierung Sozialer Arbeit und der Qualitätsdebatte (professions-, systemtheoretisch oder wirtschaftswissenschaftlich bzw. sozialwirtschaftlich) analysiert wird, geht es Christian Bleck um die methodisch relevante Frage, anhand welcher Kriterien und auf welche Art und Weise die Effektivität bzw. die Wirksamkeit Sozialer Arbeit adäquat erfasst werden kann. Intention ist es, Effektivität primär methodisch zu beleuchten. Dabei geht der Autor von der Annahme aus, „dass die Effektivität von Sozialer Arbeit nicht mit den primär aus der Ökonomik entlehnten Instrumenten (wie Qualitätsmanagementsysteme) zu belegen ist, sondern dass hierfür die Strategien und Methoden der empirischen Sozialforschung sowie die spezifischen Perspektiven, Prinzipien und Formen der Evaluations- und Wirkungsforschung heranzuziehen sind“ (ebd.: 15).

Aufbau und Inhalt

Das Buch unterteilt sich in zwei inhaltliche Schwerpunkte, die jeweils in fünf Kapitel gegliedert werden.

  1. Im ersten Teil findet eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Kriterium der Effektivität und dessen Möglichkeiten bzw. Grenzen der Analyse in der Sozialen Arbeit statt. Theoretische Grundlagen, forschungspraktische und -methodische Bedingungen empirischer Effektivitätsanalysen in der Sozialen Arbeit werden detailreich vorgestellt (S. 25-234).
  2. Im zweiten Teil werden die zuvor dargestellten Grundlagen auf das Handlungsfeld der beruflichen Integrationsförderung übertragen und ebenfalls minuziös präsentiert (S. 235-408). . Ein Fazit und eine umfangreiche Literaturliste runden die Publikation ab.

Die forschende Aufmerksamkeit richtet sich auf die untersuchungsleitende Fragestellung: „Inwieweit ist die Überprüfung der Effektivität Sozialer Arbeit grundsätzlich sowie im Besonderen im Feld der beruflichen Integrationsförderung mit den Strategien der empirischen Sozialforschung möglich?“ (ebd.: 17) Zur Beantwortung dieser Frage werden vom Autor insgesamt fünf Ausgangsthesen aufgestellt, die wiederum entweder Teil 1 oder Teil 2 der Publikation zugeordnet werden. Der Aufbau der wissenschaftlichen Forschungsarbeit folgt konsequent der argumentativen Logik der von Christian Bleck aufgestellten Ausgangsthesen.

Im 1. Teil werden in Kapitel I Definitionen des Begriffs Effektivität in Abgrenzung zum Effizienzbegriff vorgestellt. Darüber hinaus erfolgt die Einordnung von Effektivität in Systemmodelle (Input/Output/Qutcome). In einem eigenständigen Kapitel (II) werden die zentralen Aspekte der Effektivitätsdiskurse Sozialer Arbeit im Kontext ökonomischer Umdeutungen und Legitimitätserfordernissen erörtert. Im Anschluss erörtert der Autor in Kapitel III die möglichen Inhalte, Objekte und Untersuchungskontexte von Effektivitätsanalysen in der Sozialen Arbeit, wobei die erklärte Absicht, eine argumentative Basis für die zweite Ausgangsthese, dass die Effektivität Sozialer Arbeit nicht allein mit qualitätsorientierten Managementansätzen zu eruieren sei, sondern prinzipiell mit Strategien und Methoden der empirischen Sozial- und Evaluationsforschung erfolgen müsse, konsequent untermauert wird. Auch in Kapitel IV findet eine thematische und thesengeleitete Engführung statt. Fokussiert wird auf die Ausgangsthese, dass empirisch fundierte Effektivitätsnachweise in der Praxis auf Grenzen (forschungsmethodisch/-praktisch) stoßen und diese wiederum die Validität der Ergebnisse bzw. die Möglichkeiten zur Anwendung valider Untersuchungspläne einschränken. Im fünften Kapitel findet der 1. Teil seinen Abschluss, indem ergebnissichernd Konsequenzen für empirisch fundierte Effektivitätsanalysen im Kontext Sozialer Arbeit vorgestellt werden.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im 1. Teil des Buches in sehr verständlicher Weise ausgeführt wird, was Effektivität für die Soziale Arbeit bedeuten kann. Hierbei werden verschiedene Hintergründe und Entwicklungslinien skizziert und Effektivitätsfragen kontextgebunden, strategisch und methodisch in den Blick genommen und im Hinblick auf zu berücksichtigende Besonderheiten für empirisch fundierte Effektivitätsanalysen im Bereich Sozialer Arbeit erörtert. Die detailierte Darlegung der Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen des Effektivitätsnachweises in der Sozialen Arbeit und die diskursive Auseinandersetzung mit qualitätsorientierten Managementansätzen sowie die thematische Engführung hin zu einer auf empirischer Sozialforschung basierenden Evaluationsforschung ist sehr gut nachvollziehbar und überzeugend hergeleitet. Im Anschluss setzt sich der Autor mit der Forschungspraxis empirisch fundierter Effektivitätsnachweise in der Sozialen Arbeit auseinander und widmet sich den Reichweiten und Grenzen empirischer Sozialforschung, die die Validität der Ergebnisse einschränken. Dem Anliegen, Analysemöglichkeiten und -grenzen für Effektivitätskontrollen im Rahmen empirischer Sozialforschung und unter Berücksichtigung zentraler Validitätskriterien zu koppeln, wird Rechnung getragen und schließlich wird ein den 1. Teil beschließendes, Standard setzendes und zugleich anspruchsvolles Fazit gezogen.

Im 2. Teil der Arbeit liegt der Fokus auf dem Handlungsfeld der beruflichen Integrationsförderung, nicht zuletzt da hier der Ökonomisierungstrend und daraus abgeleitete Effektivitätsansprüche zum Tragen kommen. Zunächst wird im I. Kapitel in das Arbeitsfeld eingeführt: Die Leserin erhält einen fundierten Einblick in vorhandene Angebots-/Maßnahmenstrukturen, Zielgruppen und Zielsetzung sowie gesetzliche Rahmenbedingungen. Anschaulich wird das Aufgabenprofil Sozialer Arbeit skizziert. Es schließen sich Analysen zu den Bedingungen und Hintergründen der Effektivitätsthematik (Kap. II) und zu Zielperspektiven im Feld der beruflichen Integrationsförderung an, die wiederum anhand der Effektivitätskriterien in der Sozialer Arbeit erörtert werden (Kap. III). Im vierten Kapitel findet eine thematische Engführung statt und es werden Reichweiten und Begrenzungen empirisch fundierter Effektivitätsanalysen im Handlungsfeld erörtert. Der zweite Teil schließt mit einem Resümee ab, in dem Erkenntnisse ergebnissichernd zusammengefasst werden (Kap. V). Unbestritten erhält die Leserin hier Einblick in eine Vielzahl von Effektivitätsbereichen, -kriterien, -dimensionen und -bedingungen. Untersuchungsansätze zur Effektivität Sozialer Arbeit in der beruflichen Integrationsförderung werden klar konturiert. Das Buch endet mit einem „nachdenklichen Fazit“, indem die mit der Effektivitätsthematik in der Sozialen Arbeit zwangsläufig verbundenen Ambivalenzen thesenartig benannt werden. Der Verfasser greift insbesondere forschungsrelevante Perspektiven auf und benennt diesbezüglich versuchsplanerische, forschungsmethodische und -praktische Grenzen. In diesem Zusammenhang greift er nicht nur die Grenzen quantitativer Untersuchungsdesigns für Effektivitätsanalysen in der Sozialarbeitsforschung auf, sondern spricht sich für Effektivitätsanalysen aus, die auf Methodentriangulation (quantitativ und qualitativ) basieren.

Fazit

Das Buch von Bleck ist über weite Strecken eine gelungene Abhandlung über Bedingungen, Grenzen und Möglichkeiten empirischer Effektivitätsanalysen. Es richtet sich an all diejenigen, die sich grundlegend, ausführlich und facettenreich mit der Thematik auseinandersetzen wollen. Es ist eine vorzügliche Einführung in den Diskurs des Effektivitätsnachweises in der Sozialen Arbeit. Für an Effektivitätsanalysen interessierte Auftraggeber und Durchführende hält das Werk eine Vielzahl an forschungsrelevanten Perspektiven und Optionen bereit und bietet der interessierten Leserschaft vielfältige Möglichkeiten, sich in die Materie einzuarbeiten.


Rezensentin
Prof. Dr. Hedwig Rosa Griesehop
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Zitiervorschlag
Hedwig Rosa Griesehop. Rezension vom 22.05.2012 zu: Christian Bleck: Effektivität und Soziale Arbeit. Analysemöglichkeiten und -grenzen in der beruflichen Integrationsförderung. Frank & Timme (Berlin) 2011. ISBN 978-3-86596-378-9. Reihe: Transfer aus den Sozial- und Kulturwissenschaften - Band 13. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12205.php, Datum des Zugriffs 25.08.2016.


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