Claus Reis, Tina Hobusch u.a.: Fallmanagement im SGB II und SGB XII
Claus Reis, Tina Hobusch, Christian Kolbe: Fallmanagement im SGB II und SGB XII. Ein kritischer Leitfaden. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2011. 2., überarbeitete Auflage. 167 Seiten. ISBN 978-3-940087-78-2. 18,00 EUR.
Institut für Stadt- und Regionalentwicklung <Frankfurt, Main>: Schriftenreihe des ISR - Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Fachhochschule Frankfurt am Main - 1. Fachhochschulverlag - Band 121.
Fallmanagement im SGB II und SGB XII – ein kritischer Leitfaden
Seit dem Inkrafttreten des SGB II(Grundsicherung für Arbeitssuchende) und des SGB XII (Sozialhilfe) zum 01.01.2005 lassen sich nach Auswertung verschiedener Studien viele unterschiedliche Formen feststellen, unter denen die Mitarbeiter der Jobcenter bzw. der Sozialämter arbeiten.
Die vom Gesetzgeber gewollte Arbeitsintegration im Rahmen des SGB II und das „Fördern und Fordern“ durch aktivierende Leistungen bei nicht Erwerbsfähigen im Rahmen des SGB XII bedarf Orientierungsparameter, um für Hilfeberechtige und Mitarbeiter der Behörden eine einheitliche Qualität in der Praxis zu gewährleisten.
Da weder der Gesetzgeber noch das zuständige Bundesministerium nähere Angaben zu Organisation, Konzeption oder Methodik des „Fallmanagements„gemacht haben, liegen der Praxis lediglich die Empfehlungen des Deutschen Vereins(2004, 2009) sowie ein Handlungskonzept „beschäftigungsorientiertes Fallmanagement“ der Bundesanstalt für Arbeit(BA) seit Mai 2005 vor.
Die erste Auflage des „kritischen Leitfaden“ erschien 2006, als sich die Praxis des Fallmanagements gerade zu etablieren begann. Damals war eine Diskrepanz festzustellen zwischen den Versuchen, fachliche Standards zu definieren und der uneinheitlichen Praxis.
Das Autorenteam hat nach 5 Jahren eine Neuauflage des „kritischen Leitfadens“ vorgelegt und darin die gewonnenen Erkenntnisse aus aktuellen Forschungsobjekten und Praxisrecherchen eingearbeitet.
Autorenteam
Das Autorenteam ist Teil des Instituts für Stadt-und Regionalentwicklung der Fachhochschule Frankfurt/Main(ISR) und ist gegenüber der Erstauflage im Jahre 2006 kleiner geworden.
Das ISR hat im Rahmen von Forschungsprojekten die Praxis etlicher Sozialämter untersucht, die mit Handlungskonzepten wie Hilfeplanung und Case Management experimentieren. Es führte weitere Untersuchungen durch im Hinblick auf „aktivierende Hilfen“ im SGB II und war an der Evaluation der Experimentierklausel nach § 6 c SGB II beteiligt(verschiedene Formen der Aufgabenwahrnehmung im Rahmen des SGB II).
Aufbau und Inhalt
Der kritische Leitfaden soll als Hilfe für eine umfassende Fallbearbeitung gemäß der gesetzlichen Vorgaben dienen, die sich in der Praxis oft als schwer umsetzbar erweisen.
Zunächst skizzieren die Autoren den politischen Hintergrund und beschäftigen sich mit den Grundsätzen des „Förderns und Forderns“, die dem SGB II immanent sind und auch auf das SGB XII ausstrahlen.
Mangels gesetzlicher Angaben zur Organisation, Konzeption oder Methodik des „Fallmanagements“ hat sich das Case Management als Fallmanagement im Laufe der Zeit im Leistungsangebot der Grundsicherung für Arbeitsuchende etabliert und ist ein fester Leistungsbestandteil des Leistungsprozesses des SGB II.
In einem weiteren Abschnitt wird das Case Management- ein arbeitsfeldübergreifendes Handlungskonzept- dargestellt. Dieses Handlungskonzept existiert in den USA im Bereich der Gesundheitsversorgung bereits seit den 1980er Jahren und wurde seit den 1990er Jahren in die deutsche Sozialarbeit eingeführt. Nach der Diskussion des Kontextes und des konzeptionellen Rahmens des Case Managements stellen die Autoren den Regelkreis des Case Managements dar, der die einzelnen Prozeßschritte konkretisiert und beschreibt, um die einzelnen Aufgaben bewältigen zu können.
Anschließend wird die praktische Umsetzung des Handlungskonzepts Case Management im Rahmen des Fallmanagements erörtert. Dabei werden Überlegungen zu Arbeitsbündnissen in organisatorischer, professioneller oder persönlicher Hinsicht getroffen und Probleme in den Beratungssituationen aufgeworfen. Dies geschieht anhand der Darstellung konkreter Beratungssituationen. Insbesondere die unterschiedliche Herangehensweise im SGB II und SGB XII werden anhand der gesetzlichen Vorgaben und der zum Teil unterschiedlichen Interessenlage genau herausgearbeitet.
Im Fazit reflektieren die Autoren das Handlungskonzept Case Management in Form des Fallmanagements in der Praxis und tragen die Orientierungsparameter, die für eine erfolgreiche Arbeit notwendig sind, systematisch zusammen.
Diskussion
Die Autoren präsentieren einen forschungs- und damit empiriegestützten Leitfaden.
Sie geben einen guten Überblick über das Handlungskonzept Case Management und die Probleme der Umsetzung dieses Konzepts als „Fallmanagement“ im SGB II und SGB XII. Ohne Handlungsanweisungen zu geben, stellen sie anhand von Beispielen die zahlreichen Problemfelder in den Beratungssituationen dar und regen an, die Entwicklung der Arbeitsbedingungen im Bereich des SGB II und SGB XII genau zu beobachten.
Unter Auswertung ihrer Studien tragen sie Parameter zusammen, die in der Praxis des Fallmanagements ein Mindestmaß an Orientierung geben.
Fazit
Insgesamt dient das Buch als gute Arbeitsgrundlage für die Beschäftigten im SGB II-und SGB XII-Bereich. Neben der wissenschaftlichen Einordnung des Handlungskonzepts „Fallmanagement“ gibt das Buch eine Orientierung in der alltäglichen Arbeit.
Der Leitfaden will zudem an die Debatten zur Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit anknüpfen.
Rezensentin
Karin Popoff
Richterin am Sozialgericht
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Zitiervorschlag
Karin Popoff. Rezension vom 02.11.2011 zu: Claus Reis, Tina Hobusch, Christian Kolbe: Fallmanagement im SGB II und SGB XII. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2011. 2., überarbeitete Auflage. 167 Seiten. ISBN 978-3-940087-78-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12215.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.
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