Eva Weishaupt: Kontraktmanagement am Beispiel der Opferberatungsstellen [...]
Eva Weishaupt: Kontraktmanagement am Beispiel der Opferberatungsstellen des Kantons Zürich. Unter besonderer Berücksichtigung der Inhalte, Strukturen und Prozesse der Steuerung. Kompetenzzentrum für Public Management Universität Bern (Bern) 2011. 128 Seiten. ISBN 978-3-906798-29-5. CH: 40,00 sFr.
Kompetenzzentrum für Public Management <Bern>: KPM-Schriftenreihe - Nr. 30.
Entstehungshintergrund
Bei der rezensierten Arbeit handelt es sich um ihre Masterarbeit an der Universität Bern im Kompetenzzentrum für Public Management KPM.
Thema und Aufbau
In das Thema der Opferhilfe wird über den gesetzgeberischen Hintergrund zum Opferhilfegesetz in der Schweiz eingeführt. Daran anknüpfend stellt die Verfasserin den Prozess des Outsourcings diesbezüglicher staatlicher Aufgaben an private Träger dar, die aus der veränderten Gesetzgebung resultieren. Ausgehend vom Recht auf eine professionelle Hilfe für jedes Opfer von Straftaten verdeutlicht die Verfasserin daran anschließend, dass aus ihrer Sicht dies in erster Linie im Rahmen von Beziehungsmanagement erfolgen soll.
Die Arbeit gliedert sich in sechs Abschnitte auf 107 Seiten, welche in einem Fazit im sechsten Kapitel zusammengefasst werden.
Nach der Einleitung wird in einem zweiten Kapitel die leistungsorientierte Steuerung der Opferberatungsstellen mit den theoretischen Grundlagen dargestellt. Die Verfasserin zeigt dazu die Strukturen der Nonprofitorganisationen mit ihren spezifischen Charakteristiken auf.
Im dritten Kapitel wird dann der vertragliche Leistungsauftrag als Instrument einer leistungsorientierten Steuerung in den Mittelpunkt gestellt und untersucht.
Im vierten und fünften Kapitel werden daran anschließend die strukturellen Neuerungen beleuchtet, die sich aus den gesetzgeberischen Veränderungen ergeben haben. Das vierte Kapitel widmet sich den Veränderungen, indem es diese im Hinblick auf die Kooperation zwischen Staat und Opferhilfeorganisationen beleuchtet und im fünften Kapitel wendet sich die Autorin dann den sich daraus ergebenden finanziellen Konsequenzen zu.
Das sechste Kapitel fasst die dargestellten Erkenntnisse zusammen und stellt die Maßstäbe für das neue Kontaktmanagement als ein Beziehungsmanagement auf.
Zum Inhalt im Einzelnen
Die Einleitung führt gut nachvollziehbar in die Thematik ein; die zentralen Begriffe und der gesetzgeberische Hintergrund werden anschaulich erläutert und hinreichend vorgestellt.
In einem zweiten Kapitel werden die leistungsorientierte Steuerung der Opferberatungsstellen mit den erforderlichen theoretischen Grundlagen dargestellt. Die Autorin erläutert die Problematik der Auslagerung von originär staatlichen Aufgaben an Nonprofitorganistionen und stellt dazu die Begriffe des „Outsourcings“ und des „Contracting Out“ einander gegenüber und ordnet diese den Bedürfnissen des Kontaktmanagements zu. Die aus dieser Untersuchung resultierenden Ergebnisse werden dann folgerichtig auf die Bedingungen des Kantons Zürich bezogen. Weiterführend wird auf verschiedene Modelle von Kontroll- und Anreizsystemen einer als neu definierten Institutionenökonomie eingegangen und ihre Kompatibilität in Bezug auf ihre Wirksamkeit in Nonprofitorganisationen überprüft.
Im Zentrum des dritten Kapitels
steht der vertragliche Leistungsauftrag als Instrument einer
leistungsorientierten Steuerung. Die Verfasserin geht hierzu auf die
von der veränderten Gesetzgebung beabsichtigten Neujustierung der
bis dahin gültigen inputorientierten Ausrichtung von Staatsbeiträgen
hin zu einer outputorientierten Ausrichtung von Staatsbeiträgen ein.
Die inputorientierte Ausrichtung vergab staatliche Hilfen an die
Organisationen gemessen am Aufwand und beeinflusste damit durch
strenge Budgetvorgaben die Beratungsstellen stark. Denn die Steuerung
der Beratungsstellen erfolgte damit primär über die zur Verfügung
gestellten Ressourcen. Daraus hat sich ergeben, dass aufgrund der
strukturellen Unterschiede der verschiedenen Opferberatungsstellen
eine einheitliche Erfassung kaum möglich war. Diese sollte aber die
Grundlage des Steuerungsprozesse darstellen.
Um den
Schwierigkeiten der Erfassbarkeit zu begegnen, wurden 2003 u.a. mit
dem Postulat der Transparenz mit einem detaillierten Leistungsauftrag
und der Forderung nach der Gleichbehandlung neue Ziele
formuliert.
Die Autorin umreißt den veränderten
Leistungsauftrag von Opferberatungsstellen differenziert, indem sie
die Beziehung von Leistungsauftrag und der Steuerung durch diese
Leistung darstellt. Die einzelnen Leistungsinhalte werden daran
anschließend als psychologische, soziale, materielle und juristische
Hilfe näher definiert und den Unterbereichen wie der Beratung, der
Information und der Begleitung, dem Erschließen von finanziellen
Hilfen und der Öffentlichkeitsarbeit zugeordnet.
Die
Rechtsnatur des Leistungsauftrages wird als öffentlich rechtlicher
Vertrag klassifiziert und entsprechend dem Schweizer Landesrecht kann
dieser zwischen dem jeweiligen Kanton und dem Träger einer
Opferberatungsstelle geschlossen werden. Die Autorin arbeitet hierzu
die finanziellen Rahmenbedingungen heraus und kann überzeugend
darstellen, wie sich diese als Steuerungsinstrument entwickelt haben
und ins Hilfesystem der Schweiz eingebettet sind. Darüber hinaus
bilden in diesem Kapitel das Berichtswesen, das Reporting bzw. das
Controlling weitere Schwerpunkte. So dient das Reporting der Erhebung
von Leistungsinformationen wie dem Aufstellen statistischer Werte
innerhalb einer Beratungsstelle. Auf dieser Grundlage werden dann die
fallbezogen aufgewendeten Stunden ermittelt, um den
Durchschnittswert der aufgebrachten Leistungsstunden der einzelnen
Einrichtung darzustellen. Dieser Prozess wird kontinuierlich vom
Controlling begleitet, welcher im Idealfall den Charakter eines
Lernprozesses haben sollte und von staatlicher Seite durchgeführt
wird. Weishaupt macht hier jedoch deutlich, dass das Erfassen
von großen Datenmengen den Prozess allerdings eher behindert als
dass er Lernpotenziale und Erfolge beinhaltet. Sie verdeutlicht, dass
sich aus einer Beschränkung auf das Wesentliche eher Vorteile bei
Quervergleichen (Benchmarkings) zwischen den verschiedenen
Institutionen ergeben würden.
Im vierten Kapitel werden die
strukturellen Neuerungen beleuchtet und untersucht, welche
Veränderungen sich hierdurch in der Kooperation von Staat und
Beratungsstellen ergeben. In diesem Kapitel geht die Verfasserin auf
mehrere Strukturfaktoren der Prozesssteuerung ein. Dabei wird auf die
Bedeutung von dezentralen Organisationsstrukturen Bezug genommen und
die Beziehung von eigenverantwortlichem und einem kosteneffizienten
Handeln dargestellt.
Diese
Verantwortlichkeit wird auf drei Ebenen veranschaulicht: die
Leistungsfinanzierer (Staat), die Leistungskäufer und die
Leistungserbringer.
Die Leistungskäufer finden sich auf
der strategischen Ebene in der Verwaltung (Kantonale
Opferhilfestelle), hier liegt die Zuständigkeit für die Bemessung
und Ausrichtung der Staatsbeiträge. Die Verwaltung hat darüber
hinaus gegenüber den Beratungsstellen eine Aufsichtsfunktion. Denn
als Leistungskäufer erarbeitet sie die Kontrakte und leitet die
Verhandlungen. Weiterhin ist sie zuständig für das Controlling bzw.
die Kontraktüberprüfung. Die Leistungserbringer sind dagegen die
Institutionen, welche auf der operativen Ebene in Form von
Nonprofitorganisationen agieren. Sie sind durch Kontrakte an die
Leistungsfinanzierer gebunden und für das Befolgen von vereinbarten
Leistungsvorgaben verantwortlich\.
Die
leistungserbringenden Institutionen sind aus Sicht der Verfasserin
bei der Definition des Auftrages einzubeziehen. Die
Kontraktbeziehungen sollten so ausgestaltet werden, dass die daran
beteiligten Partnerinnen und Partner ihre Bedürfnisse nach
Anerkennung und Austauschgerechtigkeit befriedigen können. Die
Verfasserin stellt hier die Wichtigkeit der Verhandlungskompetenzen
dar und benennt hier explizit Anstand, Wertschätzung, Vertrauen und
Zuverlässigkeit als Schlüsselvariablen einer Kontraktbeziehung.
Im fünften Kapitel werden die
finanziellen Konsequenzen dargestellt, die sich durch die
gesetzgeberischen Änderungen ergeben\.
Mit dem
einhergegangenen Wandel, der die Aufwandsorientierung in eine
leistungsorientierte Ausrichtung von Staatsbeiträgen überführt,
wird die Beziehung zwischen Staat und Beratungsstellen neu definiert
und auf eine Leistungs-Gegenleistungs-Basis gestellt. Die Gründe
hierfür liegen sowohl in wirtschaftlichen Überlegungen wie auch in
fachlichen Voraussetzungen. Dies kann aus Sicht der Verfasserin
jedoch nur gelingen, wenn auf die gewachsenen Herausforderungen an
die Opferberatungsstellen mit der Entwicklung eines modernen
Managements reagiert wird, für das ein kohärentes Steuerungs-,
Planungs- und Controlling-System unverzichtbar ist.
Im sechsten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengefasst und die Maßstäbe für das neue Kontaktmanagement aufgestellt.
Diskussion und Fazit
Diese gründliche Masterarbeit untersucht ein sehr enges Aufgabenprofil im Rahmen der Opferberatungsstellen, welches durch die legislativen Vorgaben in der Schweiz gekennzeichnet ist. Die Übertragbarkeit auf andere europäische Bereiche ist mithin in einzelnen Bereichen nicht gewährleistet, aber dies ist auch nicht die Intention der Verfasserin. Auch die sehr spezifischen Begrifflichkeiten, wie z.B. der Begriff des Leistungskäufers, erschweren die Anknüpfung der Erkenntnisse an andere deutschsprachige ähnliche Systeme. Die zentrale Aussage der Verfasserin bezieht sich auf das Management von Kontaktprozessen. Diese sind für sie in erster Linie ein Beziehungsmanagement. Diese Aussage wird im gesamten Buch umfangreich ausgeführt und fundiert belegt. Im sechsten Kapitel wird im Rahmen der zusammenfassenden Schlussfolgerungen ausgeführt, wie sich mit dem Wandel von einer Aufwandsorientierung zu einer leistungsorientierten Ausrichtung von Staatsbeiträgen die Beziehung zwischen Staat und Beratungsstellen erneuert und auf eine Leistungs-Gegenleistungs-Basis im Leistungsdreieck umgestellt hat.
Die Arbeit orientiert sich streng an der Schweizer Situation, greift aber gesellschaftliche Entwicklungen auf, die mit der gegenwärtigen Situation in Deutschland und zum Teil auch in Österreich vergleichbar sind, welche eine Zukunftsorientierung beinhaltet, soweit es Personen aus der Praxis betrifft.
Rezensentin
Dr. Sylvia Oehlmann
Verwaltungsprofessorin
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Rezensent
Prof. Dr. jur. Jan Henrik Oehlmann
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Zitiervorschlag
Sylvia Oehlmann/Jan Henrik Oehlmann. Rezension vom 23.01.2012 zu: Eva Weishaupt: Kontraktmanagement am Beispiel der Opferberatungsstellen [...]. Kompetenzzentrum für Public Management Universität Bern (Bern) 2011. 128 Seiten. ISBN 978-3-906798-29-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12218.php, Datum des Zugriffs 23.02.2012.
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