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Thomas Rauschenbach, Annette Zimmer (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement unter Druck?

Cover Thomas Rauschenbach, Annette Zimmer (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement unter Druck? Analysen und Befunde aus den Bereichen Soziales, Kultur und Sport. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. 389 Seiten. ISBN 978-3-86649-435-0. 33,00 EUR.
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Thema

Auf der Basis eigener empirischer Erhebungen wird in den drei Zentralbereichen der Zivilgesellschaft Soziales, Kultur und Sport untersucht, inwieweit ehrenamtliche Strukturen noch tragfähig sind, um die Leitung von Organisationen, aber auch die Arbeit in den Vereinen und Verbänden zu gewährleisten. Die Analysen zeigen, dass das bürgerschaftliche Engagement in Anbetracht sich wandelnder Rahmenbedingungen weiter unter Druck gerät.

Herausgeber und Herausgeberin

Prof. Dr. Thomas Rauschenbach ist Direktor und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Jugendinstituts e.V., München und Professor für Sozialpädagogik an der Technischen Universität Dortmund.

Prof. Dr. Annette Zimmer ist Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft und Sozialpolitik. Sie leitet das Institut für Politikwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie ist bekannt für eine große Anzahl an Publikationen und Forschungsarbeiten zum Bereich des bürgerschaftlichen Engagements.

Aufbau und Inhalt

In einer Einleitung von Annette Zimmer und Thomas Rauschenbach wird die These, dass Bürgerschaftliches Engagement unter Druck gerät, anhand der sich ändernden Kontextbedingungen für die in diesem Buch im Zentrum stehenden Bereiche Soziales, Kultur und Sport begründet. Sie zeigen, dass gemeinnützige Organisationen in allen drei Bereichen vom Ausbau des Wohlfahrtsstaates profitiert haben, dass dieses Muster einer kontinuierlichen und stabilen Kooperation zwischen öffentlicher Hand und den gemeinnützigen Organisationen allerdings seit Beginn der sogenannten Krise des Wohlfahrtsstaates verstärkt in Frage gestellt wird. Die Veränderung wird in Zusammenhang gebracht mit einem generellen Wandel von Staatlichkeit. Seit Anfang der 1980er ist ein Perspektivenwandel der vorherrschenden Theorien beobachtbar, der den Rückzug des Staates und den Einzug von Marktmechanismen in die wohlfahrtsrelevante Dienstleistungserstellung – also deren Erbringung unter marktähnlichen Konkurrenzbedingungen – als Problemlösung propagiert. Im Verständnis Neoliberaler Ideologien wird der Staat nicht mehr als Problemlöser, sondern als „maßgeblicher Problemverursacher insbesondere wirtschaftlicher, aber auch gesellschaftlicher Krisenphänomene gebrandmarkt.“ 22 In allen Politikfeldern werden in der Folge gemeinnützige Organisationen zunehmend mit privat-gewerblichen Anbietern gleichgestellt.

Die Frage nach Konsequenzen dieser Trendwende werden daraufhin für jeweils einen Bereich sowohl theoretisch als auch auf Basis umfangreicher empirischer Erhebungen beantwortet. Die Kapitel zum Sozialbereich, zu Kultur und zu Sport sind jeweils identisch aufgebaut.

Zunächst wird in Teil A aus historischer und verwaltungswissenschaftlicher Perspektive in den Bereich eingeführt, u.a. in Entwicklungen des Feldes, zentrale gesetzliche Rahmenbedingungen u.a. Insbesondere wird auf die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor sowie dafür relevante gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingegangen.

In Teil B der einzelnen Beiträge werden ausgewählte empirische Ergebnisse des Projekts „Bürgerschaftliches Engagement und Management“ dargestellt.

Reinhard Liebig fokussiert auf den Sozialbereich mit dem Titel “ Was bleibt für das Ehrenamt? Analysen und Forschungsbefunde zum Wandel der Führungsstrukturen im Sozialbereich.“ ?Lilian Schwalb beschreibt unter dem Titel „Gemeinnützige Kulturorganisationen unter Anpassungsdruck“ Rahmenbedingungen und Governance im Politikfeld Kultur. ?Annette Zimmer, Anton Basic und Thorsten Hallmanns Beitrag „Sport ist im Verein am schönsten?“ zeigt Analysen und Befunde zur Attraktivität des Sports für Ehrenamt und Mitgliedschaft

Diskussion

Das Buch ist wissenschaftlich fundiert, und zeugt in seiner differenzierten Argumentation von einer langjährigen Beschäftigung mit der Thematik. Es informiert LeserInnen sowohl über die Entwicklung wohlfahrtsstaatlicher Sicherung als auch über Motive und Herangehensweisen von freiwilligen MitarbeiterInnen. Besonders interessant sind die Bezugnahmen auf die Wechselwirkungen von Strukturen der ehrenamtlich Tätigen, der Organisationen und ihrer Veränderungen und der Führungskräfte und -systeme.

Fazit

Das Buch ist jedenfalls zu empfehlen für WissenschaftlerInnen und Studierende, die mit dem Dritten Sektor oder mit Sozialpolitik zu tun haben, ebenso für Führungskräfte des NPO-Bereichs, die mit Freiwilligenmanagement oder auch der Vertragsgestaltung mit der öffentlichen Hand betraut sind. Schön wäre es, wenn es auch SozialpolitikerInnen läsen.


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 24.10.2011 zu: Thomas Rauschenbach, Annette Zimmer (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement unter Druck? Analysen und Befunde aus den Bereichen Soziales, Kultur und Sport. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. ISBN 978-3-86649-435-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12422.php, Datum des Zugriffs 24.07.2016.


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