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Oliver Hechler: Hilfen zur Erziehung

Cover Oliver Hechler: Hilfen zur Erziehung. Einführung in die außerschulische Erziehungshilfe. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2011. 151 Seiten. ISBN 978-3-17-021805-5. 15,80 EUR.

Reihe: Fördern lernen - Band 21 - Prävention.
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Thema

Der Autor widmet sich den Hilfen zur Erziehung, die als Teil der Kinder- und Jugendhilfe einen „zentrale[n] Tätigkeitsbereich professioneller Pädagogen (Hechler, 2011: Rückseite)“ darstellen. Die fachliche Ausgestaltung der Hilfen im Kontext der gesetzlichen Rahmenbedingungen ist eine wesentliche Aufgabe der in diesem Bereich tätigen PädagogInnen. Der Autor möchte genau hier andocken und eine pädagogisch fundierte Einführung in die Hilfen zur Erziehung bieten sowie „[…] Auskunft über die sinnvolle Ausgestaltung und Umsetzung der jeweiligen Hilfe (Hechler, 2011: Rückseite)“ geben.

Autor

Dr. phil. Oliver Hechler, Dipl.-Päd., Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, ist Akademischer Rat am Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Aktuell vertritt er die Professur Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Pädagogik und Didaktik der Fachrichtungen Lern- und Erziehungshilfe im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Reihe „Fördernd lernen“ und dort im Schwerpunkt „Prävention“ erschienen. Das Vorwort des Reihenherausgebers verdeutlicht, dass diese Reihe auf die Darstellung allgemeiner Präventionsmaßnahmen gepaart mit praktischen Handlungshilfen fokussiert. Des Weiteren richtet sich diese Reihe an LehrerInnen und PädagogInnen in der außerschulischen Arbeit und soll darüber hinaus für die pädagogische Ausbildung sowie für interessierte Eltern geeignet sein.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 5 Kapitel unterteilt und umfasst insgesamt 148 Seiten (inklusive Literaturverzeichnis).

In der Einleitung beginnt der Autor damit, das Feld der „Hilfen zur Erziehung“ als klassisches Handlungsfeld professioneller PädagogInnen zu identifizieren. Er arbeitet heraus, dass die, auf dem SGB VIII basierende Berechtigungsrundlage für das Handeln in diesem Kontext, die Notwendigkeit mit sich bringt, die juristischen Begrifflichkeiten pädagogisch so „[…] zu konkretisieren und in ihrer Bedeutung pädagogisch ‚auszubuchstabieren‘, dass sie einem fachlichen Diskurs zugänglich werden (Hechler, 2011, 11)“. Genau diesem Bedarf möchte er mit dem vorliegenden Buch Rechnung tragen.

Im folgenden Kapitel der „Hilfen zur Erziehung“ zeichnet der Autor die Geschichte der Erziehungshilfe nach. Er zeigt „eigene“ Entwicklungsstränge der einzelnen Hilfeformen auf und verdeutlicht die Verknüpfung mit sozialpolitischen Einflüssen sowie mit der erzieherischen Haltung der jeweiligen Zeit. Es folgt ein Blick auf die AdressatInnen der Hilfen zur Erziehung. Daran schließen sich eine Betrachtung des Begriffs Kindeswohl, wofür der Autor die Bedürfnispyramide nach Maslow, das Modell der Salutogenese von Antonovsky sowie das Modell der Grundbedürfnisse nach Fegert heranzieht, an. Hierauf aufbauend stellt er den komplexen Beurteilungsprozess bei einer möglichen Kindeswohlgefährdung dar, erläutert den Begriff des erzieherischen Bedarfes und stellt die Grundlagen des Hilfeplanes sowie des hiermit verbunden Prozesses heraus. Anschließend wird ein Einblick in die gesetzlich verankerten Formen der Hilfen zur Erziehung gegeben.

Im Kapitel „Erziehung“ als Grund- und Leitbegriff der erzieherischen Hilfen erfolgt eine Betrachtung des Erziehungsbegriffs sowie der anthropologischen Begründung von Erziehung. Hierauf aufbauend wird Erziehung in formaler Hinsicht erläutert und die Elemente der Erziehung – das Zeigen und das Lernen – skizziert. Diese Elemente überträgt der Autor im Folgenden auf die Sphären der Erziehung, die Familienerziehung, die Schulerziehung und die Selbsterziehung. Eine Auseinandersetzung mit moralischen und ethischen Aspekten sowie ein Exkurs zur Erziehung als Entwicklungspädagogik folgen. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung des beruflichen Erziehens.

Das vierte Kapitel „Hilfen zur Erziehung“ in pädagogischer Hinsicht umfasst zunächst, auf Grundlage der bisherigen Ausführungen, eine Betrachtung der Begriffe Kindeswohl, Kindeswohlgefährdung, erzieherischer Bedarf und Hilfeplan. Es schließt sich eine differenzierte Darstellung der einzelnen „Hilfen zur Erziehung“ an, die durch Praxisbeispiele ergänzt wird.

Im letzten Kapitel Abschließende Bemerkungen zeigt der Autor zusammenfassend auf, dass die Hilfen zur Erziehung dem erzieherischen Notstand der Familien begegnen möchten und dass es im Zuständigkeitsbereich der Pädagogik liegt, den gesetzlichen Rahmen dieser Hilfen zur Erziehung zu füllen und zu begründen.

Diskussion

Die Hilfen zur Erziehung stellen ohne Frage ein wichtiges Handlungsfeld für PädagogInnen dar, deren fachlich begründete Ausgestaltung sich am gesetzlichen Rahmen orientieren muss und darüber hinaus fundiertes pädagogisches Wissen erfordert. Das Anliegen des Buches, diese beiden Aspekte zu verknüpfen und eine Basis für die beschriebene Gestaltungsarbeit zu schaffen, ist zu begrüßen.

Die Auseinandersetzung mit dem Erziehungsbegriff, verschiedenen Elementen und Sphären der Erziehung sowie mit ethischen Aspekten (Kapitel 3) sind wesentliche Betrachtungspunkte für eine professionelle Ausgestaltung der Hilfen zur Erziehung. Allerdings kommt eine Verknüpfung dieser Aspekte mit Spannungsfeldern, welche mit den Hilfen zur Erziehung zwangsläufig verbunden sind, sowie mit den sich hieraus ergebenden Anforderungen an die professionellen Fachkräfte für mein Empfinden zu kurz, so dass es doch eher bei einer schematischen Darstellung bleibt, die nur begrenzt Anregungen für das eigene Handeln bzw. den Umgang mit möglichen Herausforderungen und Spannungsfeldern gibt.

Die in den weiteren Ausführungen in Kapitel 4 vorgenommene Darstellung der Hilfen zur Erziehung erfolgt stark vereinfacht. Eine Verknüpfung mit gesetzlichen Grundlagen (oder zumindest mit den vorherigen Ausführungen im Buch) oder mit entsprechend theoretisch fundierten Ausarbeitungen geschieht nur ansatzweise. In der Folge ist nicht eindeutig nachvollziehbar, welche Ausführungen sich aus dem Gesetzestext ableiten lassen, auf einer fachlich fundierten Expertise basieren oder eher individuelle Positionierungen widerspiegeln.

Zudem fehlt eine Sensibilisierung dafür, dass die konkret angebotenen Hilfen zur Erziehung individuell konzeptioniert sind. Beispielsweise ist die auf S. 127 beschriebene, „Sozialpädagogische Familienbetreuung (SFB)“ keine gesetzlich verankerte Hilfeform und vermutlich nicht flächendeckend angeboten. Darüber hinaus können in Benennung und Ausgestaltung spezifischer Hilfsangebote regionale als auch bundeslandspezifische Unterschiede existieren.

Fazit

Insgesamt wäre eine umfangreichere theoretische Verknüpfungen wünschenswert, um einzelne Aussagen besser nachvollziehen und einordnen zu können und um interessierten LeserInnen die Vertiefung zu erleichtern.

Die Ausführungen bewegen sich zudem zwischen einer stark vereinfachte Darstellung (Kapitel 2 und 4) eines komplexen Arbeitsfeldes einerseits und einer theoretisch anspruchsvollen Annäherung an den Erziehungsbegriff (Kapitel 3) andererseits. Letzteeres dürfte vor allem für LeserInnen, die sich einen ersten Einblick verschaffen möchten und explizit als Zielgruppe benannt wurden, eine Herausforderung darstellen.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Verena Klomann
Diplom-Sozialpädagogin/Master of arts in social services administration/Supervisorin (DGSv)
Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der KatHO NRW, Abteilung Aachen
Homepage www.katho-nrw.de/aachen/studium-lehre/lehrende/haup ...
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Zitiervorschlag
Verena Klomann. Rezension vom 24.04.2012 zu: Oliver Hechler: Hilfen zur Erziehung. Einführung in die außerschulische Erziehungshilfe. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2011. ISBN 978-3-17-021805-5. Reihe: Fördern lernen - Band 21 - Prävention. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12531.php, Datum des Zugriffs 26.07.2016.


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