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Rüdiger Hinsch, Simone Wittmann: Soziale Kompetenz kann man lernen

Cover Rüdiger Hinsch, Simone Wittmann: Soziale Kompetenz kann man lernen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 175 Seiten. ISBN 978-3-621-27529-3. 19,90 EUR.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-621-27624-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Die Zielstellung des Buches:

Das Buch eignet sich einerseits als Begleitbuch für Klienten, die an einem Gruppentraining Sozialer Kompetenzen teilnehmen. Für das Gruppentraining Sozialer Kompetenzen (GSK) hat Rüdiger Hinsch zusammen mit Ulrich Pfingsten ein Trainer-Manual herausgegeben, das bereits in der 4. Auflage im gleichen Verlag erschienen ist (vgl. die Rezension des Manuals).

Das vorliegende Begleitbuch für Klienten eignet sich aber andererseits auch zum reinen Selbststudium und dient dann als Anleitung, die eigene soziale Kompetenz zu erweitern. Es ist zwar nicht ausgesprochen kompliziert geschrieben, versucht jedoch auch theoretische Grundlagen einfließen zu lassen und verzichtet nicht gänzlich auf den Gebrauch von Fremdwörtern und Fachausdrücken, so dass es von der Zielgruppe her vermutlich eher gut durchschnittlich bis überdurchschnittlich gebildete Menschen anspricht.

Zum Inhalt des Buches

Im ersten Kapitel geht es um eine Beschreibung selbstsicheren Verhaltens, welches man daran erkennt, dass die Person angemessen laut, klar und deutlich spricht und Wünsche eindeutig und wahrheitsgetreu formuliert. Gefühle werden bei selbstsicherem Verhalten unter Verwendung des Wortes "ich" ausgedrückt, die Person bleibt entspannt und unterstreicht ihre Worte mit lebhafter Mimik und Gestik. Bereits im ersten Kapitel wird der Leser angeregt, einige Fragebögen auszufüllen und Situationen dahingehend einzuschätzen, ob sich die beteiligten Personen sicher, unsicher oder aggressiv verhalten.

Im zweiten Kapitel wird ein Schema der sozialen Interaktion entworfen, bei der das Verhalten einer Person im Wesentlichen von der Situation, ihrer kognitiven Bewertung und den begleitenden Emotionen geprägt ist. Dieses Verhalten beeinflusst die Reaktion des Partners, welche dann wiederum auf die Situation Einfluss nimmt. Weiterhin werden verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel die Überlegenheit belohnender Verhaltensbeeinflussung gegenüber der Bestrafung erläutert.

Im weiteren Verlauf des Buches werden dann drei typische Standardsituationen ausführlich thematisiert:

  1. Die Situation "Recht durchsetzen" - Typ R
  2. Die Situation "Beziehungen" (erfolgreich gestalten) - Typ B
  3. Die Situation "um Sympathie werben" - Typ S

Der Leser wird angehalten, die Situationen in Übereinstimmung mit dem eigenen Wertesystem voneinander abzugrenzen.

In dem Kapitel, das den Leser bei der Durchsetzung berechtigter Anliegen unterstützen will, werden zunächst allgemeine Regeln für diesen Situationstyp besprochen und kognitive Muster hinterfragt. Danach wird der Leser angeleitet, sich in bestimmten Situationen unterschiedlicher Schwierigkeit handelnd zu erproben und hierüber Tagebuch zu führen. Ein Exkurs, der sich mit typischen Gruppenprozessen befasst, ergänzt diese Kapitel. In Anschluss daran wird ausführlich erläutert, warum sich das Verhalten "sein Recht durchsetzen" nur sehr begrenzt für die Gestaltung von langfristig vertrauensvollen Beziehungen eignet. In Beziehungen geht es vielmehr darum, den eigenen Gefühlen Ausdruck verleihen zu können und die Gefühle des anderen zu verstehen, um dann miteinander Kompromisse auszuhandeln, wohl wissend, dass es in Beziehungen in der Regel nicht in jeder Frage zu einem befriedigenden Kompromiss kommt und dass die Beziehungspartner kein Recht darauf haben, dass der andere auf alle geäußerten Bedürfnisse mit der Erfüllung der Forderungen reagiert. Es folgen Anregungen, die gewonnenen Erkenntnisse im familiären Umfeld auszuprobieren.

In Situationen vom Typ "um Sympathie werben" geht es zum Beispiel um Situationen des sich kennen Lernens oder um Verkaufsgespräche oder darum, eine bevorzugte Behandlung zu erreichen. Auch in diesem Kapitel werden ergänzt um einen Exkurs über das Lächeln grundlegende Verhaltensweisen erarbeitet, um dann den Leser aufzufordern, diese gezielt auszuprobieren.

Kleine Verbesserungsvorschläge

Vielleicht könnte der Fragebogen für den Leser, der sich am Anfang und Ende des Buches befindet, noch etwas mehr differenziert werden und insbesondere stärker auf die Situationen vom Typ B (Beziehungen) eingehen. Insgesamt halte ich es für besonders schwierig, mit Hilfe eines Trainingsbuches zur sozialen Kompetenz die nahen Beziehungen gezielt zu verbessern. Hier hätte man vielleicht noch etwas mehr in die Tiefe gehen können, obwohl es sich bei den Ausführungen sicherlich um einen hilfreichen Anfang handelt.

Benutzt man das Buch als Begleitmaterial zum Gruppentraining, so findet man im Buch noch interessante Exkurse. Manche Beispiele, bei denen es um Einschätzungen von Situationen geht, decken sich allerdings wortwörtlich mit den Beispielen des Trainings, so dass die Leser des Buches in den Trainingssitzungen die Beispiele möglicherweise schon einmal durchgearbeitet haben.

Zusammenfassende Bewertung des Buches

Es handelt sich um ein gut lesbares, sehr interessantes Buch - wenn man einmal von einem gewissen Bildungsniveau des Lesers ausgeht. Mit Hilfe gut begründeter Verhaltensregeln und Übungen wird der Leser auf eine angenehme Art und Weise angeleitet, an der eigenen sozialen Kompetenz zu arbeiten. Als Begleitbuch zum Trainingsmanual ist es eine gute Ergänzung und nachhaltige Gedächtnisstütze.


Rezensentin
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialmedizin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus - Senftenberg, Campus Cottbus Sachsendorf
Homepage www.b-tu.de/fg-sozialpsychiatrie/
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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 25.05.2004 zu: Rüdiger Hinsch, Simone Wittmann: Soziale Kompetenz kann man lernen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. ISBN 978-3-621-27529-3.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-621-27624-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1266.php, Datum des Zugriffs 26.09.2016.


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