Ulrich Lakemann: Erlebnispädagogik als Thema des Pädagogikunterrichts

Cover Ulrich Lakemann: Erlebnispädagogik als Thema des Pädagogikunterrichts. Grundlagentexte. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. 69 Seiten. ISBN 978-3-8340-0951-7. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR.

Reihe: Propädix - Band 7.

Besprochenes Werk kaufen


Thema

Erlebnispädagogik im schulischen Kontext ist ein ganz aktuelles Thema. Weit über einen kurzen Trend hinaus hat sich Erlebnispädagogik im Bereich der Schule fest etabliert. Die Einsatzbereiche sind dabei sehr vielfältig von Klassentrainings über Arbeitsgemeinschaften bis hin zu erlebnispädagogischen Klassenfahrten. Das Thema Erlebnispädagogik als Inhalt des Pädagogikunterrichts ist schon in mehreren Projekten umgesetzt worden, als Publikation ist das Thema neu.

AutorIn oder HerausgeberIn

Ulrich Lakemann, der Autor des Buches, ist Professor für Sozialwissenschaften und Sozialplanung am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Jena. Der Bereich Erlebnispädagogik gehört für ihn zum festen Repertoire bei der Ausbildung von Studierenden. Prof. Lakemann kann mehrere wichtige Publikationen im Bereich der Erlebnispädagogik vorweisen, so z.B. als Herausgeber des Buches Wirkungsimpulse von Erlebnispädagogik und Outdoor-Training. Empirische Ergebnisse aus Fallstudien. Augsburg, Ziel-Verlag 2005.

Entstehungshintergrund

Bei Erlebnispädagogik stehen im Gegensatz zu anderen Lernmethoden Handlungen, Erfahrungen und Reflexionen im Vordergrund. Das Ziel der Erlebnispädagogik ist dabei vor allem das Soziale Lernen. Gerade für Gruppen ist dies eine hervorragende Methode, welche bei der besseren Bewältigung der Alltags- und Lebensprobleme helfen kann.

Durch die größere gesellschaftliche Anerkennung und Verbreitung der Erlebnispädagogik, hielt diese auch Einzug in den Bereich der Schule. Durch die große Umstellung auf Ganztagsschulkonzepte wurde diese Entwicklung noch einmal forciert. Da die Methode ganzheitlich ausgerichtet ist, bietet dies die Möglichkeit als alternative Unterrichtsmethode zum klassischen Frontalunterricht.

Aufbau

Das Buch ist in 18 Kapitel eingeteilt, wobei es, außer in Kapitel 3., keine Unterkapitel gibt. Damit können die einzelnen Kapitel als Unterrichtsvorlage genutzt werden. Die Kapitel sind alles sehr kompakt gestaltet und auf das Wesentliche reduziert. Folgende inhaltliche Cluster lassen sich erkennen: Einführung in das Thema, historischer Rückblick, Inhalte zum Grundverständnis von Erlebnispädagogik, Erlebnispädagogik im Kontext Schule, zwei Exkurse, und weiterführende Fragen bzw. Quellen

Inhalt

In Punkt 1. Erlebnispädagogik in der Erlebnisgesellschafterläutert Ulrich Lakemann den Gegenstandsbereich der Methode Erlebnispädagogik und ordnet diese gesellschaftlich ein.

Der Gastbeitrag von Werner Michl in den Kapiteln 2. und 3. gibt einen guten historischen Überblick. Dabei geht Michl in Kapitel 2. vor allem auf die Vordenker Rousseau und Thoreau ein, während sich Kapitel 3. mit Kurt Hahn und seinem erlebnispädagogischem Erbe beschäftigt.

Die Kapitel 4.-10. beschäftigen sich mit den Grundlagen der Erlebnispädagogik. Hier werden Lernmodelle, Grundprinzipien, das Prinzip von Reflexion und Transfer erklärt und es gibt ganz konkrete Umsetzungsvorschläge wie z.B. in Kapitel 9. Die vier Phasen der Reflexion erlebnispädagogischer Aktionen. Mit Werner Michl, Tom Senninger und Annette Reiners finden in diesem Teil Gastbeiträge von wichtigen erlebnispädagogischen Experten Platz. Diese Kapitel sind theoretisch fundiert, leicht verständlich und viele Inhalte direkt anwendbar.

In Kapitel 11. erläutert der Autor Hintergründe über Wirkimpulse erlebnispädagogischer Übungen. Kapitel 12. beschäftig sich mit dem Thema der Gruppendynamik. Diese beiden Kapitel bilden vor allem theoretische Überlegungen ab.

Die Kapitel 13. und 14. gehen auf das besondere Feld Schule und die möglichen Verbindungen zu Erlebnispädagogik ein.

Die Kapitel 15. Spezialfall „coole Jugendliche“ – Sprachliche Hinweise von Mart Rutkowski und 16. Ursachen von Gewalt und Bezüge zur Erlebnispädagogik von Ulrich Lakemann stellen sehr interessante und bereichernde Exkurse dar.

Das Buch endet mit 17. Fragen zur Diskussion und 18. weiterführenden Quellen ganz pragmatisch und unterrichtsnah.

Diskussion

Das Buch bildet in nur wenigen Teilen neue Inhalte ab. Dies war aber mit Sicherheit auch nicht der Anspruch dieser Publikation. Die Texte sind allesamt auf das Wesentliche gekürzt, sie zeugen alle von großer Sachkenntnis und jeder Menge praktischer Erfahrung der Autoren. Die eigentliche Kunst des Buches liegt in der Reduktion der Texte und Inhalte sowie der sehr gut verständlichen Inhalte. Nur so kann es gelingen, das komplexe Thema im Pädagogikunterricht an Jugendliche und junge Erwachsene zu vermitteln. Ganz konkrete Hilfen in Form z. B.einesFragebogen zur Klassengemeinschaft (S.53) helfen aus der Theorie handlungsorientierte Praxis werden zu lassen. Egal ob Schule, Berufsschule oder Hochschule, die Inhalte lassen sich in vielen Kontexten umsetzen.

Dass dieses Buch keine fachliche Diskussion vom Zaune bricht, dürfte sich bei der Auslegung als Unterrichtsmaterial fast von selbst verstehen.

Fazit

Das Buch ist absolut empfehlenswert für alle PädagogInnen, welche gern handlungsorientiert arbeiten und die, die eine Bereicherung für ihren Unterricht suchen.


Rezensent
Dipl. Sozialpädagoge Holger Seidel
M.S.M.
Lehrkraft für besondere Aufgaben
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften
- Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel -
Fakultät Soziale Arbeit
Homepage www.ostfalia.de/pws/seidelh
E-Mail Mailformular


Alle 7 Rezensionen von Holger Seidel anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Holger Seidel. Rezension vom 15.02.2012 zu: Ulrich Lakemann: Erlebnispädagogik als Thema des Pädagogikunterrichts. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. 69 Seiten. ISBN 978-3-8340-0951-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12761.php, Datum des Zugriffs 24.10.2014.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.