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Joachim Armbrust, Jasmin Hasslinger: Ängste erleben - Ängste bestehen

Cover Joachim Armbrust, Jasmin Hasslinger: Ängste erleben - Ängste bestehen. Aktivitäten zur Angstbewältigung. Aktivitätenheft. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2012. 64 Seiten. ISBN 978-3-427-50536-5. D: 9,90 EUR, A: 10,20 EUR.

Reihe „Bildung von Anfang an“. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Dieses Buch enthält zahlreiche Spielanregungen, die pädagogische Fachkräfte dabei unterstützen sollen, Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren beim Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen insbesondere im Umgang mit Ängsten zu fördern.

Autorin und Autor

Jasmin Hasslinger ist staatlich anerkannte Erzieherin, Fachwirtin für Organisation und Führung im Sozialwesen sowie Zirkuspädagogin. Joachim Armbrust leitet eine Praxis für Psychotherapie, Paartherapie, Supervision, Coaching, Mediation und Prozessgestaltung.

Entstehungshintergrund

Das Buch erscheint in der Reihe „Bildung von Anfang an“ in der Rubrik „Soziale und Emotionale Bildung“ im Bildungsverlag EINS. Diese Reihe hat sich zum Ziel gesetzt, Handreichungen für die Praxis zu erstellen.

Aufbau und Inhalte

Das Buch gliedert sich in zwei Teile.

Im ersten Teil, der einige Seiten umfasst, wird das Hauptanliegen des Buches dargelegt: Kinder sollen angeregt werden, ihre unterschiedlichen Gefühle wahrzunehmen und als nützlich zu akzeptieren. Insbesondere beim Auftreten von Ängsten sollen Kinder dabei unterstützt werden, auch zu diesem schwierigen Gefühl zu stehen, um es positiv bewältigen zu können. Hierzu werden insgesamt 25 Spielanregungen angeboten, die alle dem gleichen Aufbau folgen (S. 5):

  • „Das brauchen Sie: benötigte Hilfsmittel und Materialien
  • Das tun Sie: Vorbereitung und Durchführung der Aktivität
  • Bereit für mehr?: weiterführende Aktivitäten und zusätzliche Spielvarianten
  • Individuelle Bedürfnisse: Varianten für Kinder mit Entwicklungsdefiziten oder Behinderungen
  • Beobachte, zuhören, reflektieren: Anregungen und Hilfestellungen zur Reflexion
  • Tipp: Interessantes und Wissenswertes am Rande
  • Zusammenarbeit: Hinweise zur Zusammenarbeit von Erziehern/Erzieherinnen und Eltern“

Die Spiele sind vier Bereichen zugeordnet (S. 6):

  1. Bei den Spielen 1-4 geht es darum, verschiedene Gefühle wahrzunehmen und voneinander zu unterscheiden.
  2. Die Spiele 5-7 dienen einer vertieften Auseinandersetzung der Kinder mit Gefühlen. Das Gros der Spielangebote,
  3. Spiel 8-20, zielt auf Vorschläge zur Angstbewältigung.
  4. Die Spielangebote 21-25 wollen Kindern Mut zusprechen.

Verdeutlicht wird, warum ein „Spürbewusstsein im Umgang mit kindlicher Angst“ (S. 7) bedeutsam sein könnte. Hilft es doch, dass pädagogische Fachkräfte sich besser in Kinder einfühlen können. Indem in frühpädagogischen Bildungseinrichtungen Raum gegeben wird, dass Gefühle offen angesprochen werden können, erfahren Kinder außerdem, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleingelassen sind und dass sie wegen ihrer Gefühle auch keine Ablehnung erfahren müssen. Empfohlen wird, die Erfahrungen im Umgang mit den Spielangeboten zu dokumentieren und in Eltergespräche mit einfließen zu lassen. (S. 8f)

Der Hauptteil des Buches widmet sich auf jeweils 2 Seiten pro Angebot den Spielvorschlägen. Hierzu ein Beispiel: Kinder ab 4 Jahren werden Geschichten erzählt oder vorgelesen, die sich mit dem Thema Dunkelheit befassen. Sie werden dazu angeregt, sich mit bildnerischen Mitteln dem Thema zu nähern. So können sie einen Nachthimmel oder den Meeresgrund zeichnen. Irgendwo in ihrem Bild sollen sie etwas Unfassbares oder Unheimliches verstecken. Zum Schluss werden die Bilder in die Mitte gelegt und die Kinder versuchen, gegenseitig in ihren Bildern Verborgenes zu finden. Die pädagogischen Fachkräfte sollen bei dieser Spielanregung darauf achten, welche Motive gewählt werden, um Schattengestalten darzustellen, in welchem Verhältnis auf den Bildern das Bedrängende zum Nicht-Beängstigendem steht und ob sich in den Bildern auch Tröstliches zeigt. Als Angebot für die Kooperation mit Eltern wird vorgeschlagen, gemeinsam mit den Kindern den Sternenhimmel zu bewundern, einen Abendspaziergang zu unternehmen, gemeinsam Meeresbilder zu betrachten.

Diskussion

Das Buch verfügt über einen schlüssigen Aufbau. Die einzelnen Spielanregungen werden verständlich angeleitet. Spielvarianten ermöglichen einen flexiblen Einsatz der Spiele. Auch erweisen sich die Spiele insofern als praxistauglich, als die erforderlichen Materialien im Alltag einer Kita vorrätig sein werden. Zu jedem Spiel werden Anregungen gegeben, in welche Richtung die Reflexionen der pädagogischen Fachkräfte gehen könnten. Wichtig ist hier der Hinweis für Fachkräfte, hinsichtlich der Reflexion Vorsicht walten zu lassen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Deutlich wird angemerkt: „Schlüsse, die Sie aus Ihren Beobachtungen ziehen, sind Hypothesen.“ (S. 8) Gelungen sind außerdem die Anregungen, wie auch Eltern sich an den einzelnen Projekten beteiligen könnten.

Kritisch anzumerken wäre, dass die Übungen zur Herstellung von Sorgenpüppchen, Traumfängern, Schutzamuletten und Schutzsteinen doch allzu esoterisch wirken, insbesondere wenn empfohlen wird: „Um das Amulett zu ´beseelen`, könnte man eine Zeremonie abhalten, bei der alle Kinder ihre Hände auf das Amulett auflegen, ehe es dann dem jeweiligen Kind umgelegt wird.“ (S. 56) Oder wenn dazu aufgefordert wird, man solle „immer wieder im Kindergartenalltag durch Zeremonien und Rituale Kräfte wecken, die ´frischen Wind und gute Götter zum Leben erwecken` (z.B. könnten Sie Energiesteine mit den Kindern gemeinsam weihen, um sie den zukünftigen Schulkindern als Stärkung für den Neuanfang mitzugeben).“ (S. 57) Dies sind aus fachlicher Sicht keine pädagogischen Angebote, die dazu beitragen, bei Kindern eine interreligiöse Kompetenz zu fördern. Ferner muss auch damit gerechnet werden, dass religiös eingestellte Eltern, die einer der drei monotheistischen Religionen angehören, hier mit Befremden reagieren.

Auch etwas unverständlich ist, dass das Autorenteam individuelle Bedürfnisse von Kindern einseitig unter Begriffen wie „Entwicklungsdefiziten oder Behinderungen“ (S. 5) subsumiert. Hier wird der Begriff der Behinderung entgegen neuerer fachlicher Ansätze defizitorientiert verwendet. Dies spiegelt sich auch in den einzelnen Spielangeboten wider. Unter der Rubrik „Individuelle Bedürfnisse“ ist gedacht an: Kinder, „denen das Malen schwerfällt“ (S. 13), an die „technisch ungeübten Kinder“ (S. 17), an „Kinder, die sich im kleinräumlichen Gestalten schwer tun“ (S. 19), an „feinmotorisch schwache Kinder“ (S. 23).

Fazit

Insgesamt bietet das Autorenteam in ihrem Buch ErzieherInnen und PädagogInnen, die mit Kindern im Alter zwischen 3 und 6 Jahren arbeiten, eine Vielzahl an praxistauglichen Spielanregungen, mit denen sie die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen bei Kindern insbesondere im Umgang mit Ängsten fördern können. Die pädagogischen Fachkräfte sind jedoch gut beraten, angesichts der vielfältigen Spielangebote eine professionelle, jeweils gut begründete Auswahl zu treffen.


Rezensentin
Prof. Dr. Nina Kölsch-Bunzen
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Zitiervorschlag
Nina Kölsch-Bunzen. Rezension vom 12.09.2012 zu: Joachim Armbrust, Jasmin Hasslinger: Ängste erleben - Ängste bestehen. Aktivitäten zur Angstbewältigung. Aktivitätenheft. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2012. ISBN 978-3-427-50536-5. Reihe „Bildung von Anfang an“. Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/12858.php, Datum des Zugriffs 28.09.2016.


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