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Stefan Hüsemann: Web-basierte Informationsaustauschplattform [...]

Cover Stefan Hüsemann: Web-basierte Informationsaustauschplattform für internationale humanitäre Projekte. Deutscher Universitätsverlag (Wiesbaden) 2003. 338 Seiten. ISBN 978-3-8244-2164-0. 54,90 EUR.

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Zum Thema des Buches

Stefan Hüsemann hat ausgehend von der Fragestellung "Gibt es besondere Anforderungen an Informationssysteme im Bereich von Nonprofit-Organisationen (NPOs)?" den Informationsaustausch zwischen den diversen Interessensgruppen (Stakeholdern) und die Koordination von Projekten über Organisationsgrenzen hinweg als zentrale Herausforderung an ein solches Informationssystem herausgestellt. Im Rahmen seiner Dissertation beschreibt Hüsemann Ansätze technischer Lösungsmöglichkeiten und fasst diese in der von ihm konzipierten und auch praktisch umgesetzten web-basierten Informationsaustauschplattform "Development Information Exchange System (DIES)" zusammen. Er zeigt auf, wie die Planung, Steuerung und die Kontrolle einer NPO durch "DIES" unterstützt und der Informationsaustausch umfassend gefördert werden kann. Zentraler Fokus seiner Ausarbeitung liegt hierbei auf international tätigen humanitären Projekten.

Der Autor

Dr. Stefan Hüsemann absolvierte im Winter 1999 an der Universität Freiburg (Schweiz) sein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit einer Spezialisierung in Betriebswirtschaft (Schwerpunkte Unternehmensführung und Finanzmanagement) als "lic.rer.pol." Seine Dissertation in Wirtschaftsinformatik erstellte er am Lehrstuhl von Prof. Dr. Andreas Meier (ebenfalls an der Universität Freiburg) und schloß diese im Herbst 2002 als "Dr. rer. pol." erfolgreich ab.

Zielgruppe

Die Dissertation Hüsemanns könnte interessant sein für Mitarbeiter im Management, im Controlling oder im Bereich Kommunikation von NPOs oder für Informatiker, die gezielte Produkte für NPOs im Allgemeinen oder humanitäre Projekte im Speziellen entwickeln möchten. Der Leser sollte jedoch nicht nur Interesse an den beschriebenen Fragestellungen haben, sondern auch ein ausgeprägtes technisches Interesse mitbringen.

Aufbau und Inhalt

Stefan Hüsemann hat sein Werk in sechs Hauptkapitel gegliedert und visualisiert den Aufbau seiner Arbeit sehr anschaulich mit Hilfe der Abbildung "Dissertationsgebäude". Das Fundament seiner Ausarbeitungen bildet das Kapitel "Einleitung und Methodik". Hier beschreibt Hüsemann vornehmlich die Ziele seiner Dissertation, die zugrunde liegenden Fragestellungen sowie seine Vorgehensweise.

Die daran anschließenden beiden zentralen Säulen seines Werkes sind die Kapitel II "Humanitäre Projekte: Problembeschreibung und Analyse" und Kapitel III "Informationssysteme: Theoretische Bezugspunkte". Hüsemann stellt zentrale Charakteristika von NPOs und humanitären Projekten dar und beschreibt mögliche Defizite im Management. Im Folgekapitel grenzt er Informationen begrifflich ein, stellt die Bedeutung des Informationsmanagements für die Unternehmensführung heraus und stellt diese Überlegungen in den Kontext von Organisationslernen und Wissensmanagement. Informationssyteme als mögliche technische Unterstützung des Managements werden vorgestellt und unterschiedliche Modelle beschrieben.

Die Beschreibung der von Hüsemann erarbeiteten Marktstudie über Informationssysteme im Bereich Entwicklungs- und Kooperationsprojekte spiegelt den aktuellen Stand der Praxis wider und bildet das Kapitel IV. Die Kapitel V und VI widmen sich der Konzeption und der Evaluation des "DIES-Konzeptes". Hüsemann konzipiert eine Informationsaustauschplattform, die das interne und externe Berichtswesen verbessert. Möglichst alle Stakeholder sollen Informationen zu den Projekten einsehen können. "DIES" ist in der Lage Informationen aus den unterschiedlichen Systemen zu integrieren und weiterzuverarbeiten. Schwerpunkt der Evaluation ist eine Stärken-Schwächen-Analyse.

Den Abschluss der Arbeit bildet eine kurze, prägnante Zusammenfassung der Ausführungen.

Eine ausführliche Materialsammlung mit umfassendem Programmiercode befindet sich ebenso im Anhang, wie ein Verzeichnis befragter Personen. Neben dem Literaturverzeichnis bietet das Stichwortverzeichnis eine gute Orientierung und ermöglicht das gezielte Nachschlagen.

Kommentar

Stefan Hüsemann schreibt klar strukturiert, einfach formuliert und gut verständlich. Dennoch bleiben einige Fachbegriffe unerklärt, die jedoch im Rahmen einer Dissertation vorausgesetzt werden können. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen visualisieren die dargebotenen Inhalte und erleichtern das Verständnis von Zusammenhängen.

Generell ist der betriebswirtschaftliche, bzw. wirtschaftsinformatische Zugang Hüsemanns zu den beschriebenen Fragestellungen klar erkennbar. Dieser Blickwinkel führt zu einer der Fragestellung angemessenen und grundsätzlich kompetenten Beschreibung sowie einer sinnvollen und fundierten Konzeptentwicklung. Im Kapitel II, der Analyse und Problembeschreibung von humanitären Projekten, kommt es jedoch zu einer nicht ausreichend umfassenden Beschreibung von NPOs und zu teilweise inhaltlichen Fehlbeschreibungen. So dürfen z.B. in NPOs (in der BRD im Sinne der Abgabenordnung), entgegen den Beschreibungen Hüsemanns (S.31), keine Güter produziert werden, die Mitglieder der Organisation umfassender zu Gute kommen, als einem potentiellen leistungsempfangenden Nichtmitglied. Auch die pauschale Etikettierung von NPOs als unprofessionell (S. 37) kann nicht als realistische Beschreibung gewertet werden. Sicherlich gibt es in betriebswirtschaftlicher Hinsicht in vielen NPOs Optimierungsbedarf, doch haben die meisten mir bekannten Organisationen bezogen auf ihre Kernleistungen im Rahmen ihrer Entwicklung und oft langjährigen Geschichte ein hohes Maß an Professionalität und Effektivität entwickelt.

Auch das genannte charakteristische Kriterium einer NPO der Nicht-Gewinnorientierung (S. 35) ist in Zeiten, in denen sich NPOs mit immer größeren Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert sehen, nicht mehr haltbar. NPOs müssen Gewinne machen und sich somit auch auf Gewinne ausrichten, um Risiken abdecken und die eigene Zukunft sicher gestalten zu können. Ungewöhnlich erscheint mir auch die in dem Kapitel "Einleitung und Methodik" eingeflochtene themenfremde "Anleitung zum Schreiben einer Dissertation".

Fazit

Grundsätzlich leistet Stefan Hüsemann mit seinem Werk einen wichtigen Betrag zur zukunftsfähigen Gestaltung und Weiterentwicklung von humanitären Projekten und zeigt nicht nur bisher wenig genutzte Potentiale der Informationsverarbeitung auf, sondern beschreibt einen konkreten praktischen Weg der Optimierung. Meines Erachtens sind viele seiner Ausführungen nicht nur für internationale humanitäre Projekte, sondern generell für dezentral organisierte oder in Netzwerken, organisationsübergreifend arbeitenden NPOs interessant.


Rezensent
Sven Lüngen


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Zitiervorschlag
Sven Lüngen. Rezension vom 23.12.2003 zu: Stefan Hüsemann: Web-basierte Informationsaustauschplattform [...]. Deutscher Universitätsverlag (Wiesbaden) 2003. 338 Seiten. ISBN 978-3-8244-2164-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1286.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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