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Annette M Stroß, Egon Spiegel (Hrsg.): Qualität in Kindertagesstätten - Professionalisierung [...]

Cover Annette M Stroß, Egon Spiegel (Hrsg.): Qualität in Kindertagesstätten - Professionalisierung von Erzieherinnen. Zwei Regionalstudien. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2011. 192 Seiten. ISBN 978-3-643-11528-7. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 31,90 sFr.

Reihe: Vechtaer Beiträge zur Frühpädagogik - Band 3.
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Thema

„Auf den Anfang kommt es an!“ – mit dieser Aussage betont Martina gr. Austing in ihrem Beitrag des Buches die Bedeutsamkeit frühkindlicher Förderung. Die Qualität frühkindlicher Bildung kann anhand einer Bandbreite von Kriterien erfasst werden. Dazu zählen auch die strukturellen Rahmenbedingungen und die Expertise von pädagogischen Fachkräften. In der vorliegenden Publikation werden zwei Regionalstudien aus Niedersachsen veröffentlicht, die sich aus diesen beiden Perspektiven mit der Qualität von Kindertagesstätten beschäftigen.

Herausgeberin und Herausgeber

Annette M. Stroß, Dr. phil. habil., 2000 - 2008 Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta, 2005 – 2008 Leiterin der Arbeitsstelle „Qualität in der Frühpädagogik“, seit 2008 Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Gesundheitspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Egon Spiegel, Dr. theol. habil., seit 2000 Professor für Praktische Theologie an der Universität Vechta, bis 2008 Stellvertretender Leiter und ab 2008 Leiter der Arbeitsstelle „Qualität in der Frühpädagogik“.(Vgl. Buchrückseite)

Autorinnen

Martina gr. Austing, Lehramtsstudium an der Universität Vechta, seit 2009 Lehrerin an der Don-Bosco-Schule in Steinfeld.

Kathrin Schmidt, Dipl. Päd., 2007 – 2008 Wiss. Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle „Qualität in der Frühpädagogik“ an der Universität Vechta, seit 2009 Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Bremen. (Vgl. Seite 6)

Entstehungshintergrund

Das Buch erschien 2011 als dritter Band in der Reihe „Vechtaer Beiträge zur Frühpädagogik“ im Lit Verlag. Die Reihe möchte den Austausch bei der interdisziplinären Entwicklung frühpädagogischer Forschung unterstützen. (Vgl. S. 3) Beide erstmals in dieser Publikation veröffentlichten Studien sind im Rahmen eines Forschungsprojekts der Herausgeberin und des Herausgebers in der Arbeitsstelle „Qualität in der Frühpädagogik“ entstanden.

Aufbau

Nach einer kurzen Information zur Reihe „Vechtaer Beiträge zur Frühpädagogik“ und zu den Autorinnen, folgen Inhaltsverzeichnis und Vorwort.

Den umfangreichsten Teil des Buches nimmt mit 136 Seiten die Studie „Niedersächsische Kindertagesstätten auf dem Prüfstand. Eine regionale Strukturanalyse.“ von Martina gr. Austing ein. Diese gliedert sich in Einleitung, Zielsetzung, Datengrundlage und Untersuchungsregion, Methodischen Vorgehen, Ergebnisse, Abschlussdiskussion, Fragebogen sowie Literaturverzeichnis.

Auf 43 Seiten findet sich im zweiten Teil des Buches die Untersuchung von Kathrin Schmidt: „Professionalisierung von Erzieherinnen im Rahmen der universitären Lehre: das Modellprojekt ,Bildungswissenschaften der frühen Kindheit‘“. Der Erfahrungsbericht gliedert sich in vier Kapitel ergänzt durch Literaturverzeichnis und Gesamtübersicht über Module und Veranstaltungen des Studiengangs.

Niedersächsische Kindertagesstätten auf dem Prüfstand

Martina gr. Austing beschreibt in der Einleitung die aktuellen Herausforderungen. Eine Kenntnis über den qualitativen Rückstand ist zu erlangen, um diesem entgegenwirken zu können.

Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit ist sowohl „eine differenzierte Beschreibung der strukturellen Gegebenheiten in … 610 Tageseinrichtungen“ (S. 14), die sich im Einzugsgebiet der Universität Vechta befinden, als auch eine Analyse der erhobenen Strukturmerkmale hinsichtlich Abhängigkeitsbeziehungen. Folgende Dimensionen sollen dabei genauer beleuchtet werden: Einrichtungsgröße, Trägerorganisation, Personalbestand und Homogenität der Einrichtungen.

Im dritten Kapitel „Datengrundlage und Untersuchungsregion“, dem ersten Teil der Untersuchung, sammelt die Autorin zunächst allgemeine strukturelle Merkmale der zu untersuchenden Region. Diese umfasst die sechs Kreisgebiete Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Oldenburg, Osnabrück und Vechta sowie den Stadtbezirk Osnabrück. Anschließend geht Martina gr. Austing zusammenfassend auf wichtige regionsspezifische Aspekte ein. Dabei betrachtet sie Bevölkerungsstruktur, Frauenerwerbstätigkeit, Formen pädagogischer Einrichtungen sowie Dichte und Streuung der Kindertagesstätten.

Im Kapitel vier „Methodisches Vorgehen“ beschreibt die Autorin ausführlich die durchgeführten Pretests bei der Fragebogenentwicklung. Bei der Untersuchung handelt es ich um eine Vollerhebung aller 610 Einrichtungen im Einzugsgebiet der Arbeitsstelle. 38,08 % der angeschriebenen Einrichtungen füllten den Fragebogen aus.

Im fünften Kapitel beschreibt Martina gr. Austing auf 75 Seiten ausführlich die Ergebnisse. Grafische und tabellarische Darstellungen dienen dabei als Verdeutlichung. Das Kapitel gliedert sie in: Allgemeine Struktur der Einrichtung, Größe und Aufnahmesituation, Organisationsstruktur, Öffnungszeiten, Gruppenformen, Pädagogische Konzepte, Leitbilder, Räumliche Struktur der Einrichtung, Größen, Raumausstattungen, Altersverteilung der betreuten Kinder, Betreuungsschlüssel, Personalstruktur der Einrichtungen, Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter/innen, Berufsfelder, Kindergartenleitung, Qualifizierungen, Trägerorganisationen der Einrichtungen, Vielfalt der Träger, Funktionen des Trägers, Entlastungen der Familien, Elternbeteiligungen, Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit. Neben der Ergebnisdarstellung erläutert und begründet die Verfasserin in diesem Kapitel auch die Auswahl und Aufnahme der Fragen in den Fragebogen und zeigt die Schwierigkeiten auf, die aufgrund des Antwortverhaltens der Befragten erkannt wurden.

Eine Abschlussdiskussion erfolgt im letzten Kapitel. Durch die Berechnung eines gewichteten Durchschnitts kann ein „typischer Kindergarten“ in der Region veranschaulicht werden. Die Durchschnittswerte der Region liegen, so die Autorin, über den gesetzlich geforderten Mindestanforderungen, jedoch zeigen sich auch Abweichungen, die aufgegriffen werden können, um die Qualität weiterzuentwickeln. Beispielsweise zeigt sich eine Unterversorgung mit Betreuungsplätzen. Auch sollte überprüft werden, ob die täglichen Öffnungszeiten der Einrichtungen noch bedarfsgerecht sind, da „drei Viertel der Kindertagesstätten als Halbtagskindergärten konzipiert sind, …“ (S. 131)

Professionalisierung von Erzieherinnen im Rahmen der universitären Lehre

Kathrin Schmidt beschreibt in ihrem Beitrag des vorliegenden Buches sehr anschaulich den berufsbegleitenden Zertifikatsstudiengang „Bildungswissenschaften der frühen Kindheit“, der als Modellprojekt zum Wintersemester 2007 / 2008 eingeführt wurde.

Im ersten Kapitel ihres Beitrages geht die Autorin auf den Bologna-Prozess und dessen Auswirkungen auf die Reform der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte ein.

Im zweiten Kapitel schildert Kathrin Schmidt Kontext und Zielsetzung des Modellprojekts der Hochschule Vechta. Dabei geht sie auf die Überlegungen der Entwickler Annette Stroß und Egon Spiegel ein, sich an einer neuen Lehr-Lern-Kultur zu orientieren und auf die Modulgestaltung sowie auf die Prüfungsformen „Portfolioarbeit“ und „Projektarbeit“.

Der Lehr-Lern-Prozess des Weiterbildungsstudiengangs ist Inhalt des dritten Kapitels. Die Autorin zeigt die didaktischen Überlegungen auf und beschreibt Lerninhalte, Lernziele und mögliche Lernwiderstände. Sie macht deutlich, dass sowohl Lernarrangements und auch Lehr-Lern-Methoden an die Zielgruppen angepasst werden müssen. Dabei geht sie genauer auf den Ansatz des Problemorientieren Lernens und auf den Einsatz von metakognitiven Methoden ein. Wie sich der Studiengang mit seiner neuen Didaktik auf die Teilnehmer auswirkte und wie diese begleitet wurden, wird am Kapitelende beschrieben.

Eine Auseinandersetzung mit den weiteren Ergebnissen des Weiterbildungsstudienganges in Bezug auf die Professionalisierung der Fachkräfte findet der Leser im Kapitel vier des Berichts. Kathrin Schmidt zeigt anhand der drei Elemente Wissen, Handlungskompetenzen und Habitus, wie der Studiengang zur Professionalisierung der bereits berufstätigen Fachkräfte beigetragen hat.

Diskussion

Die Untersuchung von Martina gr. Austing gibt einen umfangreichen Überblick über die strukturellen Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung im Untersuchungsgebiet. Die Darstellung der Datengrundlage und der Region erfolgt sehr ausführlich. Bei der Beschreibung des methodischen Vorgehens wären anstelle der ausführlichen Beschreibung des Pretestverfahrens, Erläuterungen zur Fragebogenkonstruktion, Operationalisierung des Forschungsgegenstandes und zu den Bewertungskriterien wünschenswert gewesen. Auf die Auswahl der Fragen wird zwar im fünften Kapitel eingegangen, allerdings mischt sich dieser Aspekt hier leider bereits unter die Ergebnisdarstellung. Der originale Fragebogen ist der Untersuchung beigefügt, was die Orientierung in der Ergebnisdarstellung erleichtert. Schade ist, dass der genaue Erhebungszeitraum nicht genannt wird. Mögliche Fragestellungen für Anschlussuntersuchungen werden genannt. Beispielsweise wird abschließend darauf hingewiesen, dass Qualität ein mehrdimensionales Konstrukt sei und in Folgeuntersuchungen auch die Bedürfnisse und Wertvorstellungen von Kindern, Eltern, Erzieherinnen und Träger analysiert werden könnten.

Der Erfahrungsbericht von Kathrin Schmidt beschreibt in gelungener Weise das Modellprojekt. Der Beitrag ist klar gegliedert und regt den Leser zum Weiterlesen an. Die didaktischen Überlegungen zum Aufbau des Studiengangs werden gut nachvollziehbar und mit Quellenangaben dargestellt. Interessant ist neben der Anregung, Lernsettings im Bereich Erwachsenenbildung an eine neue Lehr-Lern-Kultur anzupassen, auch die Prüfungsform „Portfolioarbeit“, bei der die Studierenden ihren eigenen Lernprozess beschreiben, analysieren und reflektieren.

Fazit

Das Buch richtet sich an Fachkräfte und Funktionsträger in Kindertagesstätten und im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Der Erfahrungsbericht über den Modell-Weiterbildungsstudiengang „Bildungswissenschaften in der frühen Kindheit“ zeigt in gelungener Weise einen Weg der Professionalisierung von Fachkräften. Leser, die sich mit Strukturqualität auseinandersetzen, finden im ersten Teil des Buches eine Erhebung struktureller Rahmenbedingungen von Kindertagesstätten in Niedersachsen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management
Fachberater für Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 07.08.2012 zu: Annette M Stroß, Egon Spiegel (Hrsg.): Qualität in Kindertagesstätten - Professionalisierung von Erzieherinnen. Zwei Regionalstudien. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2011. ISBN 978-3-643-11528-7. Reihe: Vechtaer Beiträge zur Frühpädagogik - Band 3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13194.php, Datum des Zugriffs 27.08.2016.


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