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Heinz-Georg Baum, Adolf G. Coenenberg u.a.: Strategisches Controlling

Cover Heinz-Georg Baum, Adolf G. Coenenberg, Thomas Günther: Strategisches Controlling. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. 480 Seiten. ISBN 978-3-7910-2971-9. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 54,00 sFr.
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Thema

Seit knapp 50 Jahren beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaft mit der strategischen Steuerung von Unternehmen und Geschäftseinheiten. Strategisches Handeln ohne eine Einbettung in die Steuerung der Ziel- und Maßnahmenplanung einerseits und einer Überprüfung der Zielerreichung und Analyse der Abweichungen andererseits ist sinnlos. Von daher ist das Programm, dass sich die Autoren Baum, Coenenberg und Günther vornehmen, klug gewählt: Strategisches Management und seine Verankerung im Controlling bedingen einander. Da das Thema im betrieblichen Alltag in allen Branchen von erheblicher Relevanz ist und das strategische Controlling permanent weiter entwickelt wird, ist es nicht verwunderlich, dass das Lehrbuch Strategisches Controlling mittlerweile in der fünften überarbeiteten Auflage vorliegt, die hier besprochen wird. Das Buch wendet sich an Studierende in wirtschaftsorientierten Fächern und Führungskräften in Unternehmen. Da die Betriebswirtschaftslehre nach wie vor immer noch industrielastig ist, wird es Lesern/innen aus dem Feld Sozialer Arbeit nicht leicht fallen, die Gedankengänge und praktischen Beispiel nachzuvollziehen und auf ihr Feld zu übertragen. Das Buch bietet trotzdem eine Fülle von Einsichten in bekannte Themengebiete des strategischen Managements und des Controllings und wird, wenn man sich darauf einlässt, viele wertvolle Impulse mit sich bringen.

Autoren

  • Prof. Dr. Heinz-Georg Baum lehrt Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Controlling und Strategisches Management an der Hochschule Fulda
  • em. Prof. Dr. Dr. hc. Adolf Gerhard Coenenberg, lehrte an der Universität Augsburg Controlling und Rechnungswesen
  • Prof. Dr. Thomas W. Günther, Lehrstuhl für Controlling, Technische Universität Dresden

Aufbau

Das Buch unterteilt in acht inhaltliche Schwerpunkte, die sich mit den Grundlagen des Controllings, der Unternehmens- und Umfeldanalyse, den Geschäfts- und Unternehmensstrategien beschäftigen. Der Controllingaspekt kommt im fünften Kapitel im Rahmen der Steuerung durch wertorientiertes Controlling und durch strategische Kontrolle inhaltlich zum Tragen. Die strategische Frühaufklärung und die Implementierung der Strategien runden das Buch ab.

Inhalt

Das erste Kapitel erklärt die Grundlagen des strategischen Controllings und ihre geschichtliche Entwicklung. Wenn man Controlling als Ansatz zur Unternehmenssteuerung begreift ist es naheliegend es auch mit dem strategischen Management zu verbinden. Fragen nach dem Umweltfit und dem Intrafit (also der Passgenauigkeit von Maßnahmen innerhalb eines Unternehmens) spielen dabei genauso eine Rolle wie Fragen nach dem Wert des Controllings Abweichungen zwischen Soll und Ist im Nachhinein zu erklären (Feedback-Funktion) als auch Prognosen anstellen zu können (Feedforward-Funktion). Das strategische Controlling betont nach Ansicht der Autoren über das strategische Management hinaus vor allem die Verzahnung von Strategieformulierung und Strategieimplementierung in einem kybernetischen Controllingkreislauf, also dem Kreislauf aus Planung, Strategiefindung, Strategieumsetzung und Kontrolle. Da sich die unterschiedlichen Umwelt- und Unternehmensfaktoren gegenseitig bedingen führt das klassische kausale Denken nicht sehr weit. Das Buch bevorzugt deshalb bei der Strategiefindung den Ansatz vernetzten Denkens von Probst und Ulrich. Der Erfolg von Strategien misst sich nicht nur an den erreichten Zielen sondern auch an Liquidität (eine Grundbedingung jedes Einrichtungsüberlebens) und Nachhaltigkeit, was im offensichtlichen Gegensatz zu der immer wieder behaupteten kurzfristigen Gewinnmaximierung steht.

Nach Ansicht der Autoren ergibt sich die Notwendigkeit des strategischen Controllings durch die Erkenntnis, dass viele langfristige Ziele sich nicht erreichen lassen bzw. nicht erreicht wurden. Die tatsächliche Entwicklung weicht häufig von den Zielen und Wünschen ab. Um diese Lücke zu schließen bedarf es einer GAP-Analyse, die zu Beginn des strategischen Controllings steht. Es folgen danach die Strategiefindung, -formulierung und -implementierung.

Kapitel zwei greift den in der Literatur üblichen Ansatz auf, strategisches Management in eine Unternehmens- und Umfeld (oder auch Umwelt-) Analyse weiter zu unterscheiden. Hieran schließt sich in einem nächsten Schritt die Analyse der Geschäftsfelder oder Geschäftseinheiten an (Kapitel drei). Die Umfeldanalyse stellt in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen Porters „Five-Forces-Modell“ (für die Adaption dieses zentralen strategischen Analyseansatzes auf den Sozialen Bereich siehe Kortendieck: Strategisches Management, 2009 Augsburg). Es analysiert den Einfluss von Kunden (Abnehmern) und Lieferanten (z.B. Mitarbeitern), von potentieller, tatsächlicher und substitutiver Konkurrenz auf das Wettbewerbsverhalten in einem Markt. Diesem marktorientierten Ansatz stellen die Autoren den kompetenzorientierten Ansatz gegenüber, der beispielhaft die unternehmerische Wertkette betrachtet.

Großen Raum nehmen die generischen Geschäftsfeldstrategien (Kapitel drei) nach Porter ein, die in Differenzierungsstrategien (insb. Aus Qualitätsgesichtspunkten), Kostenführerschaft oder Spezialisierungsstrategien unterschieden werden. Für Einrichtungen im Sozialen Bereich, der häufig durch eine Dominanz der Qualitätsstrategien gekennzeichnet ist bei zunehmender Betonung des Kostenaspekts durch die Kostenträger, ist dieser strategische Aspekt „überlebenswichtig“. Die gleichzeitige Orientierung an Qualität und Kosten ist im Gegensatz zu der Auffassung von Porter durch eine gezielte „Outpacingstrategie“ erreichbar. Dieses Kapitel sei Praktikern daher besonders zu empfehlen (ab S. 107).

Kapitel vier widmet sich den Unternehmensstrategien in Gestalt der vielen Praktikern und Studierenden bekannten Portfoliomethode, die hier umfassend und variantionsreich vorgestellt wird. Die Analysen gehen weit über das in vielen Lehrbüchern vorzufindende Boston-Consulting-Portfolio („Cash Cows und Poor Dogs“) hinaus und zeigen, dass die Methode weitaus anspruchsvoller und komplexer ist als häufig suggeriert wird. Wiederum ergänzen die Autoren diesen typisch marktorientierten Ansatz um das Kompetenzmodell, das sich an dem Human-Ressource-Management orientiert

Kapitel fünf stellt die Bewertung des Strategieerfolgs vor. Hier ergibt sich für viele Leser/innen aus dem Sozialen Bereich das Problem, dass im Feld Sozialer Arbeit der Shareholder-Value als Gradmesser des Erfolgs kaum nützliche Informationen bereitstellt.

Kapitel sechs schließt auf wenigen Seiten mit der strategischen Kontrolle an.

Kapitel sieben ist dagegen für Soziale Einrichtungen deutlich brauchbarer, weil Frühaufklärungssysteme, d.h. die richtige und schnelle Interpretation von bestimmten Kennzahlen zunehmend auch hier überlebenswichtig ist. Hierbei betrachtet das Kapitel intensiv das Konzept der schwachen Signale, also Informationen, die künftige Entwicklungen andeuten.

Die Implementierung von Strategien darf natürlich nicht fehlen. Kapitel acht greift darum vor allem auch die Performance-Management-Systeme auf, deren im Sozialen Bereich bekannteste Form die Balanced Scorecard sein dürfte, die hier eine umfassende Würdigung erfährt.

Fazit

Das Buch von Baum, Coenenberg und Günther ist ein inhaltlich gelungenes Lehrbuch, das sich an Studierende wie Praktiker im Wirtschaftsbereich richtet. Didaktisch ist es etwas schwer verdaulich, weil eine Fülle von Informationen präsentiert werden, die in anderen Lehrbüchern durch farbige Darstellungen, durch Infoboxen und abgeschlossene Beispiele lockerer aufgebaut sind. Wie eng das Buch mit der Forschungsliteratur verbunden ist, zeigt das sehr umfangreiche Literaturverzeichnis. Die Autoren zeigen, was zurzeit aktuelle Inhalte des Controllings sind und wie sie mit dem strategischen Management verknüpft werden.

Studierenden der Sozialen Arbeit wird das Lehrbuch deutlich zu umfangreich an rein wirtschaftlichen Fragestellungen und insgesamt zu abstrakt vorkommen, zumal der Transfer auf den Sozialen Bereich permanent zu leisten ist. Studierende des Sozialmanagements dagegen sei das Buch empfohlen, weil es in dieser Güte kein vergleichbares Lehrwerk im Sozialen Bereich gibt. Praktiker im Sozialen Bereich werden das Buch als Nachschlagewerk und zur Beantwortung von Verständnisfragen mit Gewinn lesen.


Rezensent
Prof. Dr. Georg Kortendieck
Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbuettel, Fachbereich Sozialwesen
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Zitiervorschlag
Georg Kortendieck. Rezension vom 25.07.2014 zu: Heinz-Georg Baum, Adolf G. Coenenberg, Thomas Günther: Strategisches Controlling. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2012. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. ISBN 978-3-7910-2971-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13231.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


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