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Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit, Beate Köhn u.a. (Hrsg.): Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit

Cover Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit, Beate Köhn, Mechthild Seithe (Hrsg.): Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit. RabenStück Verlag (Berlin) 2012. 140 Seiten. ISBN 978-3-935607-51-3. 11,90 EUR.
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Thematischer Rahmen

Kaum eine andere Profession hat einen umfassenderen Einblick in die gesellschaftliche Entwicklungen, deren Auswirkungen und Verwerfungen, wie die Soziale Arbeit. Doch vieles liegt im Argen in der gegenwärtigen Sozialen Arbeit. Sie ist in toto seit Jahren zu einem Sparobjekt der Politiken in Kommunen und Ländern geworden, sie selbst im Sinne neoliberaler Umstrukturierungen zum Handlanger des Aktivierungsstaates geworden. Mehr noch: „Ein politisch ernst gemeintes Angehen der immer prekäreren Lebens- und Arbeitssituation von immer mehr Menschen ist nicht zu erkennen“, heißt es in der Einleitung zur vorliegenden Veröffentlichung: „im Gegenteil: die Verabschiedung von der Idee sozialer Chancengleichheit und Teilhabe und somit die zunehmende Exklusion von z.B. Arbeitslosen, Asylsuchenden, Alleinerziehenden oder kranken, straffälligen, behinderten, psychisch belasteten oder alten Menschen ist inzwischen ‚gesellschaftsfähig‘ und in der öffentlichen Debatte, in so genannten liberalen Kreisen längst angekommen“ (S. 7).

Doch aus der Profession selbst sind hierzu nur wenige Stimmen zu hören, die Verhältnisse der Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Instrumentalisierung zu thematisieren und zu skandalisieren. Gleichzeitig markieren sich mit dem Unsichtbarer Komitee und dessen „kommenden Aufstand“ (Hamburg 2010), Byung-Chul Hans „Müdigkeitsgesellschaft“ (2. Aufl. Berlin 2010) und vor allem Stephane Hessels „Empört Euch!“ (Berlin 2011) freilich allgemeine Zeichen einer Widerständigkeit, gesellschaftliche Verhältnisse der Ausgrenzung und Instrumentalisierung nicht länger als „alternativlos“ hinzunehmen.

Und die Soziale Arbeit selbst? „Was wird sein, wenn Praktiker/innen nicht anfangen, sich zur Wehr zu setzen“, heißt es in den Vorbemerkungen zum vorliegenden Band, „wenn Träger weiter als Wirtschaftsunternehmen geführt werden, wenn die Wissenschaft nicht anfängt, die erkennbaren Zusammenhänge aufzuzeigen, die die prekären Lebens- und Armutsfaktoren verursachen und die für die zunehmende Deprofessionalisierung der Sozialen Arbeit verantwortlich sind, wenn Soziale Arbeit sich weiterhin den wirtschaftlichen und politischen Kräften andient, wenn das alles also so weitergeht?“ (S. 12). Gerade jetzt wäre also eine autonome und professionelle Fachlichkeit gefragt, mit der in der Sozialen Arbeit Tätige aktiv werden, sich zu Wort melden und in die herrschenden politischen Prozesse einmischen.

„Wie kann man als Sozialarbeitender, der in die alltägliche Arbeit eingebunden ist und von dem ständig erwartet wird, dass er die neoliberalen Strukturen bedient, dennoch Widerstand leisten?“, fragt Mechthild Seithe im Rückblick auf die Arbeitstagung „aufstehen … widersprechen … einmischen!“, während der im Juni 2011 um die 150 in der Sozialen Arbeit sowohl in Profession wie Disziplin Tätige in Berlin zwei Tage lang „über die aktuellen und brennenden Fragen unserer Profession diskutiert und nach Lösungen für die gegenwärtige Lage besucht“ (S. 13) haben; und sie ergänzt: „Widerstand leisten heißt, offensiv zu widersprechen, Stellung zu beziehen, die andere Seite mit den eigenen Vorstellungen, mit Kritik und Forderungen zu konfrontieren, und zwar so, dass der Widerspruch tatsächlich auch zu Tage tritt und erkennbar wird“ (S. 19).

Denn es ist nach ihrer Lesart deutlich: „Wenn die Profession es nicht schafft, laut und deutlich ihre Stimme zu erheben und aufzuklären – über ihre eigene prekäre Arbeitssituation und Lage, über die teilweise miserablen Lebensbedingungen ihrer Klientel, über deren Ausgrenzung und die Verletzung ihrer Menschenwürde sowie über das Auseinanderdriften von Arm und Reich, dem all zu oft selbstzufrieden und gelassen zugeschaut wird … – dann werden wir die Soziale Arbeit nicht mehr als das erkennen, was sie immer war und immer sein sollte: eine gesellschaftliche Kraft, die trotz ihrer Eingebundenheit in die Sozialpolitik im Rahmen ihres doppelten Mandats auch Partei ergreift für diejenigen, die innerhalb dieser Verhältnisse zu kurz kommen, ausgegrenzt werden und unterzugehen drohen“ (S. 12).

Damit ist das Thema der vorliegenden Dokumentation „Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit“ gekennzeichnet, die Antworten zu finden und an die Praxis weiterzugeben versucht.

Herausgeberinnen

Beate Köhn ist Sozialarbeiterin und Supervisorin und ist seit 1986 in Berlin in der Kinder- und Jugendhilfe und im Kinderschutz – derzeit im Berliner Kindernotdienst – tätig. Dr. phil. Mechthild Seithe (Diplom-Psychologin und Diplom-Sozialarbeiterin) war von 1993 bis 2012 Professorin für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Jena; vor allem fand ihr „Schwarzbuch Soziale Arbeit“, Wiesbaden 2010, gesteigerte Beachtung (vgl. die www.socialnet.de/rezensionen/9482.php). Sie betreibt die Website http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de.

Beide haben das Unabhängige Forum kritische Soziale Arbeit) gegründet, das für Information, Kritik, Vernetzung und Diskussion in der Sozialen Arbeit steht. Es möchte einen Beitrag dazu leisten, damit sich die kritischen Kräfte in der Sozialen Arbeit verstärken und vernetzen können: „Wir“, heißt es auf der Website, „wollen der gegenwärtigen kritischen Bewegung in der Sozialen Arbeit ein Forum bieten, dass es ermöglicht, sich auszutauschen, zusammen Strategien zu entwickeln und gemeinsam zu handeln.“ Dazu soll es sich weiter entwickeln, sich vergrößern und regional wie überregional verankern. In keinem Fall will es Gewerkschaften, Berufsverbänden, Fachverbänden, Arbeitskreisen kritischer Sozialarbeit und anderen Gruppierungen Konkurrenz machen. Ziel ist vielmehr, sie alle zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam ein Dach aufzubauen, unter dem sich die Profession als Ganze wieder finden kann: „Wenn wir das schaffen, werden wir auch laut und vernehmbar und mit einer Stimme für unsere Profession sprechen und uns in die fachpolitischen und sozialpolitischen Verhältnisse nachhaltig einmischen können.“

Aufbau und Inhalt

Die vorliegende Dokumentation enthält die Ergebnisse, Referate und Gedanken der Fachtagung „aufstehen, widersprechen, einmischen“:

Mechthild Seithe (Die problematische Geduld unserer Profession angesichts der aktuellen Lage der Sozialen Arbeit; S. 21 - 37) steuert zunächst zehn (durchaus auch selbstkritische) Beobachtungen zur Beschreibung der aktuellen Situation der Sozialen Arbeit bei, die den Rahmen arrondieren, in dem sich Soziale Arbeit aus der Defensive heraus entwickeln muss. So heißt es beispielsweise:

  • „Im Rahmen der Sparpolitik und der Ökonomisierung wird die Soziale Arbeit zurechtgestutzt, ihrer erforderlichen Arbeitsbedingungen wie z. B. hinreichend Zeit oder auch Kontinuität und damit tendenziell ihrer zentralen Merkmale beraubt“ (S. 24)
  • „Heute wird von außen bestimmt, was für Soziale Arbeit als Erfolg ihrer Arbeit zu gelten hat. Von der Sozialen Arbeit wird mehr denn je verlangt, dass sie sich ‚rechnet‘, dass sie ihre Wirkung, ihre Erfolge belegen und ihre Effektivität nachweisen kann. Effektivität Sozialer Arbeit wird in einer typisch betriebswirtschaftlichen Weise definiert und der Sozialen Arbeit abverlangt als kurzfristiger, nach außen deutlich sichtbarer, jederzeit reproduzierbarer Output, der einem gezielten Input mit hoher Wahrscheinlichkeit zu folgen hat“ (S. 27)
  • „Der Sozialen Arbeit wird ein neues, grundlegend verändertes Menschenbild aufgedrängt. (…) Der aktivierende Staat schreibt der Sozialen Arbeit … eine neue, veränderte Haltung gegenüber der Klientel und ein neues Menschenbild vor. Das Fordern steht bekanntlich heute im Vordergrund. Die Menschen müssen in erster Linie für sich selber sorgen. Wenn sie versagen, ist es allein ihre Schuld. Parteilichkeit ist damit etwas für die Mottenkiste und würde der harten und fordernden kühlen, sachlichen Haltung widersprechen, die heute vom Sozialarbeiter gefordert wird“ (S. 28)
  • „Es gibt zunehmend nicht nur zwei Klassen von Klient/inn/en, sondern auch zwei Klassen von Sozialarbeitenden. Die besser qualifizierten Sozialarbeiter/innen werden insbesondere in den Bereichen Management und Betriebswirtschaft gefördert und besetzen die Leitungs- und höheren Verwaltungsposten. (…) Die Basis-Sozialarbeiter/innen auf der anderen Seite, die im direkten Kontakt mit der Klientel stehen, sehen sich zunehmend einer Standardisierung der Praxis gegenüber und der Tendenz der Auftraggeber, nicht-qualifizierte Menschen mit Aufgaben der Sozialen Arbeit zu betrauen, weil sie billiger sind und weil man den Sozialarbeiter/inne/n ohnehin keinerlei Kompetenz zutraut, die nicht auch ein Laie haben könnte“ (S. 30f).
  • „Die prekären Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit verhindern Kontinuität und Professionalität. Überlastung und Ausnutzung der Sozialarbeitenden, die finanzielle Unterbewertung ihrer Arbeit, die ignoranten Vorstellungen von den Bedingungen, unter denen man angeblich Soziale Arbeit wirkungsvoll leisten kann, all das ärgert und frustriert die Praktiker/innen beträchtlich … Die prekären Arbeitsbedingungen der Praktiker/innen wirken krankmachend und stellen mit dem so gewollten ständigen Rechtfertigungsdruck Rahmenbedingungen dar, die eine Wirksamkeit Sozialer Arbeit unterlaufen. Aber dennoch: die Praxis schweigt mehrheitlich“ (S. 31).

In ihrem Fazit bilanziert Seithe: „Soziale Arbeit fügt sich heute weitgehend stillschweigend in die neuen Bedingungen und Herausforderungen. Ein Teil der Sozialarbeitenden sind längst, bewusst oder auch unbewusst, zu Agitatoren der neosozialen Politik und Sozialarbeit geworden. Andererseits führt der bei vielen durchaus vorhandene Unmut nicht zur organisierten Gegenwehr – von einer aktiven, politischen Einmischung ganz zu schweigen“ (S. 33).

Implizit erläutert Rosemarie Karges (Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit und ihr Einfluss auf die Arbeit mit den Adressat/inn/en; S. 39 – 46) in ihrem Beitrag zur (beruflichen) Zufriedenheit von in der Sozialen Arbeit tätigen Fachkräften den Zusammenhang von kritikbedürftigen Rahmungen und (fehlender) Widerständigkeit: Im Rückgriff zum Teil auf ältere Daten (was das das Problem der Datenbasis deutlich macht) bilanziert sie, dass in der Sozialen Arbeit Tätige (dennoch) „eine ausgeprägte positive Beziehung zu ihrer Arbeit“ auszeichne, auch wenn die den Alltag beeinflussende „Dominanz wirtschaftlicher Aspekte“ in Konkurrenz zu ihren fachlichen Ansprüchen stehen und die fachlichen Standards „aufweichen“; jedenfalls versuchten sie „durch hohen persönlichen Einsatz – und häufig auf Kosten ihrer Gesundheit – mangelhafte Rahmenbedingungen auszugleichen (S. 46) – ein Befund, der mit den Ergebnissen einer aktuellen Untersuchung zur Arbeitssituation von Fachkräften in Sachsen-Anhalt illustriert werden könnte (www.sozial.de/index.).

Widerständigkeit als Modus des Umgangs steht im Mittelpunkt des Beitrages von Marie-Luise Conen (Ungehorsam – eine Überlebensstrategie: Professionelle Helfer zwischen Realität und Qualität; S. 47 – 52), wobei es sich um einem Abdruck aus ihrem gleichnamigen Buch (Heidelberg 2011, vgl. die Rezension) handelt. Im Anschluss an Michel Foucault geht sie davon abschließend davon aus, dass die „Möglichkeiten für Widerstand für professionelle Helfer vielfältiger (sind), als diese gemeinhin wahrnehmen. Klienten sind hier sicherlich mit ihren Strategien gute Lehrmeister, sich auch in aussichtslos erscheinenden Situationen wehren zu können. Für sie stellt es eine wichtige Überlebensstrategie dar, sich angesichts der Übermacht derer, die sie ‚korrigieren‘, ‚erziehen‘ und ‚einfangen‘ wollen, verdeckt oder offen zu wehren: Sie spielen das Spiel mit, sagen, was die anderen hören wollen, lügen, zeigen deutlich ihre Ablehnung, übertreiben die Einhaltung eingeforderter Regeln, täuschen Unwissenheit vor, versprechen etwas, aber denken nicht im Traum daran, das Versprechen einzuhalten u. Ä. m. Sie schützen sich mit ihren Formen von Widerstand gegen (mögliche) Eingriffe und verbergen ihre eigentlichen Gedanken und Absichten. Professionelle Helfer mögen solche Unterlaufungsstrategien vielleicht nicht, aber auch sie kommen manchmal in Situationen, in denen ein offener und gleichberechtigter Austausch nicht möglich ist und sie auch Strategien des Ungehorsams wählen (müssen)“ (S. 52).

Auch Hans Thiersch (Zur Autonomie der Fachlichkeit Sozialer Arbeit; S. 53 – 67) sieht „disziplinierende Tendenzen“ der „Kontrolle und Härte“: Soziale Arbeit sei „darin in ihrer Intention in Frage gestellt, gefährdet und herausgefordert, dass sie der neoliberalen Ideologie der Tüchtigkeit um jeden Preis, der Brauchbarkeit im Arbeitsprozess und dem konservativen Willen zu Selbsthilfemöglichkeiten untergeordnet wird, dass ihr das Recht einer eigenen nicht ökonomischen Logik abgesprochen wird, und dass in den allgemeinen Sicherheitsdiskurs hineingenommen wird“ (S. 65). Das „Gebot der Stunde“ sei Einmischung: „Soziale Arbeit mischt sich ein, mit ihrem Mandat, mit ihrer Fachexpertise, mit dem Möglichkeiten und Ressourcen ihrer professionellen Arbeit, sie mischt sich ein auf den verschiedenen Ebenen der gesellschaftlichen Diskussion und der politischen und regional-kommunalen Politiken. Einmischung bedeutet beides: Zum einen wissen, worin wir herausgefordert sind und die widerständigen Interessen bekämpfen, sie beim Namen nennen, sie ‚madig machen‘, sie entlarven, damit deutlich wird, was gespielt wird. Einmischung bedeutet zum anderen aber auch, dass wir in die Waagschale werfen, was Soziale Arbeit zu leisten hat“ (S. 66).

Im anschließend dokumentierten „Cyber-Café“ führen mit Seithe und Köhn unterschiedliche Akteure (zum Beispiel Frank Bettinger [FH Darmstadt], Björn Redmann [Arbeitskreis Kritische Sozialarbeit Dresden] oder Friederike Lorenz [Bremer Bündnis für Soziale Arbeit]) ein virtuelles „Gespräch über die Lage der Sozialen Arbeit und ihre Zukunftschancen“ (S. 68 – 95), das Matthias Heintz mit den Worten „Kommt aus dem Quark und werdet wach! Wenn wir nicht aktiv für unsere Profession einstehen, wenn wir nicht fachlich selbstbewusst gestalt, werden andere über uns bestimmen“ auf den gemeinsamen Nenner bringt (S. 94).

Diese Aufbruchstimmung kommt auch in den ergänzenden Hinweisen (zum Beispiel zum „Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit“) und Dokumenten (hier werden unter anderem die ISFW-„Ethischen Grundsätze der Sozialen Arbeit“ in Erinnerung gerufen und die „Wiener Erklärung zur Ökonomisierung und Fachlichkeit in der Sozialen Arbeit“ vom Juni 2007 abgedruckt) zum Ausdruck.

Besonders aber zu beachten ist die „Berliner Resolution“, die die Arbeitstagung abgeschlossen hat, und in der die zentralen „Baustellen“ einer re-politisierten Sozialen Arbeit benannt werden; dort heißt es unter anderem: „Soziale Arbeit, als gesellschaftliche Instanz, ist der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet. Die gegenwärtige neoliberale Finanz- und Sozialpolitik … (und) das damit einhergehende neosoziale Menschenbild, das auch unsere Profession mehr und mehr prägt, unterwandert die Umsetzung einer nachhaltigen und qualitativen Sozialen Arbeit“ (S. 133). Und weiter: „Unsere Bestandsaufnahme und Analyse, Erkenntnisse und Ideen, aber auch unser Zorn bekräftigen den Entschluss aufzustehen, zu widersprechen und uns einzumischen“. In diesem Sinne werden die in der Sozialen Arbeit Tätigen zum Beispiel aufgefordert, Politik und Öffentlichkeit über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu informieren und sic h offensiv in die politische Auseinandersetzung einzumischen (S. 134) Von kritischen Organisationen, Arbeitskreisen, Gewerkschaften und Berufsverbände der Sozialen Arbeit wird verlangt, sich „endlich“ zu einem Netzwerk von kritischer, fachlichautonomer und parteilicher Sozialer Arbeit zu verbünden (S. 135) Und von der Sozialarbeitswissenschaft wird erwartet, „kritische, theoretische Analysen bereitzustellen, die Hintergründe neoliberaler Konzepte in Praxis und Sozialwissenschaft zu hinterfragen sowie sich mit den Sozialarbeitenden zu solidarisieren“ (S. 135).

„Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit“ stellt sich insoweit als ein – neben dem Basisengagement lokaler Sozialer Arbeitskreises und Unabhängiger Foren, Vorträgen und Internetpräsenz – weiteres Medium dar, den Aufbruch in und aus der Sozialen Arbeit selbst heraus anzustoßen.

Zielgruppen

Die vorliegende Dokumentation richtet sich daher einerseits an alle in der Sozialen Arbeit Tätigen sowie solchen, die dort noch tätig werden wollen (vor allem als Studierende aller relevanten Disziplinen) und zugleich andererseits auch an die für Entwicklung der Sozialen Arbeit in unterschiedlichen Systemen (in Politik, Sozial-Administrationen, [Sozial-] Ökonomie und Wissenschaft) Handelnden und Verantwortlichen.

Diskussion und Fazit

Ein Tagungsreader birgt grundsätzlich die Gefahr, ein Dokument für Eingeweihte zu bleiben, jener also, die die Tagung selbst erlebt und mitgestaltet haben und daher vielfältige intime Impressionen mit dem dann textlich Vorliegenden verbinden mögen; Dritte mögen diesem „Zauber“ nicht notwendigerweise erliegen. Nicht so bei diesem Buch, einem notwendigen Buch! Die „Zukunftswerkstatt“ ist ein wichtiger Beitrag für eine noch intensiver zu führende Debatte, sich den Zumutungen und Inpflichtnahmen der neoliberalen (Um- und Neu-) Programmierung des Sozialen tätig zu widersetzen.

„Es geht uns dabei nicht um eine bestimmte Gruppierung“, heißt es auf der Website des Unabhängigen Forums: „Wir sind ein unabhängiges, kritisches Forum. Alle kritischen Gruppen und Kolleg/inn/en sind uns willkommen. Es geht um Austausch, nicht um Abgrenzung und Profilierung. Und es geht darum, langfristig einen Weg zu finden, wie wir in einem Bündnis alle gemeinsam und damit wirkungsvoll die kritische Stimme unserer Profession erheben können“. Hierzu leistet die vorliegende Dokumentation einen zentralen Beitrag; sie ist in diesem Sinne ohne jede Einschränkung und jeden Zweifel allen in der Sozialen Arbeit Tätigen (geradezu dringend) zu empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 09.08.2012 zu: Unabhängiges Forum kritische Soziale Arbeit, Beate Köhn, Mechthild Seithe (Hrsg.): Zukunftswerkstatt Soziale Arbeit. RabenStück Verlag (Berlin) 2012. ISBN 978-3-935607-51-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13308.php, Datum des Zugriffs 28.09.2016.


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