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Tanja Jungmann, Christina Reichenbach: Bindungstheorie und pädagogisches Handeln

Cover Tanja Jungmann, Christina Reichenbach: Bindungstheorie und pädagogisches Handeln. Ein Praxisleitfaden. verlag modernes lernen borgmann publishing (Dortmund) 2011. 2. Auflage. 174 Seiten. ISBN 978-3-938187-56-2. 19,95 EUR, CH: 32,30 sFr.
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Thema

Bindung in den Altersgruppen ab 0 bis hinein in das Schulalter ist die wichtigste Lebensgrundlage, um kompetent in die Zukunft als eigenständige Person zu starten. Da die Familie heute längst nicht mehr alleiniger Ort von Bildung, Bindung und Erziehung ist, bedarf es auch eines Blickes in die Bereiche Krippe, Kita und Schule. Der heutige Erkenntnisstand zu diesem Thema soll praxisnah abgebildet werden, da die beiden Autorinnen auf ihren zahlreichen Veranstaltungen gemerkt haben, dass hier ein Bedarf besteht (vgl. S. 7).

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Teile: der erste Teil enthält Ausführungen zu Bindung und Bindungstheorien, der zweite Teil bezieht sich auf diverse Anwendungsfelder und der dritte Teil ist den MitarbeiterInnen in den Anwendungsfeldern gewidmet. Außerdem sind illustrierende Fotos aus einer Kita eingefügt, anhand derer die gemachten Ausführungen teilweise auch optisch deutlich werden.

Der erste Teil widmet sich allgemein dem Themenkomplex Bindung und Bindungstheorien. Dabei geht es um die Vermittlung wesentlicher Grundlagen wie Risiko- und Schutzfaktoren, Bindungsverhalten und Explorationsverhalten, Entwicklung kindlichen Bildungsverhaltens und um Beziehungsgestaltung (auch durch Fachkräfte). Die verschiedenen Zusammenhänge sind knapp und übersichtlich erklärt mit Verweis auf weiterführende Literatur bzw. Untersuchungen, auf die sich die Kenntnisse beziehen.

Der zweite Teil bezieht sich auf die Anwendungsfelder. Diese sind weit gefächert: zum einen geht es um die elternzentrierte Frühprävention (also bis 3 Jahre), was Beratung für Eltern umfasst, aber auch Programm wie STEEP, Hausbesuchsprogramm und SAFE. Zum anderen geht es um das Lebensalter 0-6 in Kripp, Kindertagesstätte und Kindergarten inklusive spezifischer Programme für diesen Bereich. Und schließlich geht es um den Bereich Schule, also um die Altersgruppe 6+ Jahre.

Der dritte Teil widmet sich den MitarbeiterInnen in den Anwendungsfeldern. Dabei geht es einerseits um das eigene Verhalten im Kontext von Bindung und andererseits um die Selbstreflexion des praktischen Handelns.

Diskussion

Das Buch ist untertitelt mit „Praxisleitfaden“, und genau das ist es auch und hält es auch. Wichtige Begriffe sind fettgedruckt, die Textteile sind alle sehr übersichtlich und auch kurz, so dass ungeübte LeserInnen sich auch damit gut auseinandersetzen können. Begriffe sind gut erklärt. Wichtige Erkenntnisse sind mit Umrandungen herausgestellt, Grafiken erleichtern die Darstellung und das Nachvollziehen des Geschriebenen und viele Tabellen stellen Schrittabfolgen dar. Das Buch ist schlüssig, gut gegliedert und mit den s/w Fotos auch über die Grafiken hinaus anschaulich illustriert.

Was in dem Buch zu kurz gekommen ist bzw. nur am Rande erwähnt wird ist, das sind die Folgen von nicht gelingender Bindung. Dabei können biographische Hintergründe eine Rolle spielen, aber auch physiologische Aspekte prägend sein etc. Insbesondere unter dem Aspekt der teilweisen Verlagerung der familiären Erziehung in den tertiären Bereich und die möglicherweise mitgebrachten persönlichen und familiären Belastungen/ Probleme fordern die MitarbeiterInnen in diesen Arbeitsbereichen erheblich heraus. Zum einen gibt es viele unterbrochene Bindungen (Trennungen der Eltern), zum anderen haben wir auch manche Kindern, die fremdplatziert sind, wo die Eltern als natürlich Bindungspartner ausfallen (Pflegekinder, Heimunterbringung). Auch sind manche Kinderbetreuungseinrichtungen ein Ort von Jugendhilfemaßnahmen geworden, weil die Kinder mit Auflage dort hingehen müssen, damit tagsüber eine Kontrolle für ihr Wohlergehen gesichert ist. Hier wären Ausführungen bei einer Neuauflage wünschenswert, denn damit wird die Bedeutung der MitarbeiterInnenn im Kontext von Bindungsverhalten und Beziehungsgestaltung besonders deutlich.

Fazit

Ein sehr übersichtliches, praxisorientiertes Buch, vor allen Dingen für die MitarbeiterInnen in den genannten Arbeitsfeldern. Dass der Bereich Schule hier insgesamt Nachholbedarf hat, soll der Form halber erwähnt werden. Es ist dem Buch zu wünschen, dass es in den genannten Arbeitsbereichen auch gelesen und umgesetzt wird.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 04.05.2012 zu: Tanja Jungmann, Christina Reichenbach: Bindungstheorie und pädagogisches Handeln. Ein Praxisleitfaden. verlag modernes lernen borgmann publishing (Dortmund) 2011. 2. Auflage. ISBN 978-3-938187-56-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13311.php, Datum des Zugriffs 29.08.2016.


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