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Sabine Krömker: "Frühe Hilfen" als soziale Unterstützung

Cover Sabine Krömker: "Frühe Hilfen" als soziale Unterstützung. Eine Evaluation des Modellprojekts "Starke Mütter – starke Kinder". Verlag Dr. Kovač (Hamburg) 2012. 290 Seiten. ISBN 978-3-8300-6010-9. D: 85,00 EUR, A: 87,40 EUR.

Schriftenreihe Sozialpädagogik in Forschung und Praxis - Band 25.
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Thema

Im Kern der Publikation geht es um die Frage, wie Eltern und Kinder in der frühen Phase der kindlichen Entwicklung unterstützt werden können. Der Begriff der „Frühen Hilfen“ steht dabei für gezielte Unterstützungsangebote für die Förderung von Kindern von 0 bis 3 Jahren. Neben der Evaluation eines Modellprojektes vermittelt die Autorin einen bundesweiten Überblick über bislang bestehende Angebote.

Autorin

Sabine Krömker war über das Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in die Evaluation des Modellprojektes „Starke Mütter – Starke Kinder“ des Deutschen Kinderschutzbundes Mainz eingebunden. Abgeschlossen war die Evaluation, deren Ergebnisse die Autorin 2011 als Dissertation vorgelegt hat, im Jahr 2009.

Entstehungshintergrund

Im Oktober 2005 startete der deutsche Kinderschutzbund Mainz e.V. das Modellprojekt, um vor allem Familien in schwierigen Lebenslagen Hilfestellung und individuelle Betreuung zu bieten. Angesiedelt wurde das Projekt in einem Stadtteil mit vielen Kindern, sozial benachteiligten Familien, allein Erziehenden und ausländischen Familien.

Aufbau und Inhalt

Die Gliederung des Buches ist an den Erfordernissen einer Dissertation orientiert und fällt entsprechend feingliedrig aus.

Im ersten Teil der Arbeit werden die formative Evaluation des Projektes „Starke Mütter – Starke Kinder“ ausführlich beschrieben und die gewonnen Ergebnisse dargestellt. Einen nicht unerheblichen Zusatznutzen gibt es für Leser/-innen über diese Evaluation hinaus, da sich die Autorin in einem eigenen Kapitel mit „Frühen Hilfen in Deutschland“ beschäftigt. Sie erläutert den Begriff der „Frühen Hilfen“ und benennt bisherige Projekte und Evaluationsstudien. Besonders nützlich ist dabei für all jene, die sich näher für diese Projekte interessieren, eine differenzierte Tabelle, die sich im Anhang wiederfindet, und insgesamt 61 Projekte mit ihren zentralen Merkmalen und der jeweiligen Kontaktadresse umfasst. Als Zwischenfazit wird hierbei festgehalten, dass einerseits eine Vielzahl von Aktivitäten entstanden und weiter im Entstehen ist, dass es bislang aber noch an Vernetzung und Austausch zwischen den Projekten mangelt, was den Erkenntnisgewinn erschwert.

Im Anschluss daran wird das Modellprojekt „Starke Mütter – Starke Kinder“ ausführlich vorgesellt. Das Besondere stellt dabei das Konzept der „Erziehungspartnerinnen“ dar. Hierbei geht es um die Gewinnung und Schulung von Müttern, die aus dem gleichen Stadtteil stammen wie die eigentlichen Zielgruppenmütter und diese bei ihren Erziehungsaufgaben partnerschaftlich unterstützen. Insgesamt konnten in dem Forschungsvorhaben sechs über einen längeren Zeitraum andauernde Partnerschaften vermittelt und begleitet werden. Hinsichtlich des Zugangs zur Zielgruppe wurde als ein wesentliches Ergebnis festgehalten, dass hierbei eine „offene und interessierte Grundhaltung der Mitarbeiter/-innen sowie die Bereitschaft und Geduld zu einem vorsichtigen und kontinuierlichen, wechselseitig miteinander abgestimmten Beziehungsaufbau“ Voraussetzung sei. Bei den längerfristig begleiteten Erziehungspartnerschaften wiesen die begleiteten Mütter deutliche Belastungsmerkmale auf, wie z.B. relative Armut, Alleinerziehendenstatus und Migrationshintergrund. Angestrebt wurde von den Müttern, dass sich durch die fachkundige Begleitung ihr Umgang mit den Kindern und ihre Erziehungskompetenz verbessern ließen. Was diese Zielerreichung anbelangt, gaben nach Abschluss der Erziehungspartnerschaft zwei von vier Müttern an, ihre Ziele erreicht zu haben. Erziehungspartnerinnen konnten im Projektverlauf zunächst 22 gewonnen werden, von denen 18 die Schulung erfolgreich abgeschlossen haben. Teilnahmemotive waren zuvörderst der Wunsch zu helfen und das Interesse an der Arbeit mit Kindern und Säuglingen. Das Ziel, eigene Erfahrungen und Ressourcen weitergeben zu können, konnten im Rahmen der Erziehungspartnerschaft weitestgehend realisiert werden. Durch die positive Resonanz, die das Projekt gefunden hat, gelang es, das Modellprojekt unter Beteiligung von Stadt, Sozialministerium und Träger institutionell zu verankern und es konnte das Eltern-Kind-Kompetenzzentrum, das sich aus dem Projekt entwickelt hatte, erhalten bleiben.

In einem zweiten, gut 100 Seiten starken Teil beleuchtet die Autorin das Konzept der Erziehungspartnerschaft aus Sicht der beteiligten Akteurinnen, also der beteiligten Mütter und den Erziehungspartnerinnen. Entlang von drei Falldarstellungen können dabei die jeweiligen Erziehungspartnerschaften detailliert nachvollzogen werden. Nachgezeichnet wird hierbei vor allem, wie sich Mütter und Erziehungspartnerinnen wechselseitig aufeinander einlassen und auf beiden Seiten ein Entwicklungs- und Lernprozesse stattfindet.

Unabhängig davon wurde bei der Evaluation aber auch deutlich, dass das Konzept der Erziehungspartnerschaft nicht von allen Familien als gleichermaßen hilfreich empfunden wird und eine aufsuchende Begleitung mitunter nicht erwünscht ist, weswegen es notwendig ist, offene Angebote in für alle Familien zugänglichen öffentlichen Räumen vorzuhalten, um den Bedarf möglichst vieler Familien abzudecken. Diese kombinierte Form offener und aufsuchender Arbeit hat sich – so eine der wichtigsten Schlussfolgerungen im Projekt – als erfolgreichste Variante der Unterstützung erweisen.

Fazit

Die große Stärke der Publikation liegt darin, das Feld der „Frühen Hilfen“ sehr ausführlich und gleichermaßen umfassend wie detailliert dargestellt zu haben. Man bekommt einen guten Überblick über die Entstehung und Verbreitung der Hilfen als auch einen fast schon intimen Einblick in die konkrete Ausgestaltung von Erziehungspartnerschaften als einem konzeptionellen Ansatz dieser Hilfeform.

Die Ergebnisse, die die Evaluation des Modellprojekts „Starke Mütter – Starke Kinder“ zu Tage gefördert haben, überraschen hingegen wenig. So z.B., wenn festgehalten wird, dass es „im Rahmen von Erziehungspartnerschaften vor allem darum geht, ein Vertrauensverhältnis zu den betreuten Müttern und Familien aufzubauen, um eine optimale Unterstützung anbieten zu können“. Dies darf eigentlich als Selbstverständlichkeit für jedweden Hilfeprozess vorausgesetzt werden.


Rezensent
Prof. Dr. Jürgen Burmeister
Homepage www.dhbw-heidenheim.de
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Zitiervorschlag
Jürgen Burmeister. Rezension vom 13.07.2012 zu: Sabine Krömker: "Frühe Hilfen" als soziale Unterstützung. Eine Evaluation des Modellprojekts "Starke Mütter – starke Kinder". Verlag Dr. Kovač (Hamburg) 2012. ISBN 978-3-8300-6010-9. Schriftenreihe Sozialpädagogik in Forschung und Praxis - Band 25. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/13364.php, Datum des Zugriffs 30.07.2016.


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